Angels in America, Part I + II (Tony Kushner, Regie: Marianne Elliott): National Theatre, 10.6.17 – Review #1 (Charakterentwicklung)

Dieses Review war und ist ein Mammutprojekt (ich schreibe mit längeren Unterbrechungen seit Wochen daran), nicht nur weil die beiden Stücke (Millennium Approaches + Perestroika) gemeinsam über 7 1/2 Stunden lang sind, sondern auch weil so viele Themen angesprochen werden: (unterdrückte) Homosexualität, AIDS, Umgang mit Krankheit, Tod und Schuld, Depression, Liebe, Politik, Religion, Rasse (das Wort hat im Deutschen immer gleich diese ganz schlimme Konnotation, im amerikanischen Diskurs ist jedoch der Begriff meist neutral)… Dazu kommt das fantastische Element (nicht umsonst lautet der Untertitel A Gay Fantasia on National Themes): die Engel, Visionen, Träume, Geister/Heimsuchungen… Eine Kurzkritik würde dem einfach nicht gerecht werden, also stellt euch auf einen längeren Text (inklusive Spoiler) ein.

Angels in America ist ein wenig aufgebaut wie ein Episodenfilm: Es werden verschiedene Personen vorgestellt, die im Laufe der Zeit alle miteinander verbunden werden. In diesem ersten Teil meiner Kritik geht es deswegen um die Hauptcharaktere (inkl. Beschreibung im Drama und Schauspieler), die ich euch in der Reihenfolge, in der sie im Stück auftauchen, vorstelle, und ihre grobe Entwicklung.

Roy M. Cohn (Nathan Lane)

a successful New York lawyer and unofficial power broker

Photo by Helen Maybanks for NT

Die Figur des Cohn basiert zwar auf einer historischen Persönlichkeit, er wurde vor allem durch seine Rolle bei den McCarthy-Prozessen gegen (vermeintliche) Kommunisten berühmt-berüchtigt, Kushner schreibt aber:

But this Roy is a work of dramatic fiction, his words are my invention, and liberties have been taken.

Roy erscheint wie ein Pitbull in der ersten Szene in seinem Büro: virtuos spielt er mit den Knöpfen auf seinem Telefon, sagt dem einen Anrufer, dass er dranbleiben soll, macht den anderen Anrufer zur Schnecke, haut dabei mit Schimpfwörtern um sich, bis es Joe Pitt (Russell Tovey), der in seinem Büro sitzt und darauf wartet, mit Roy sprechen zu können, zu viel wird und ihn höflich darum bittet: „Could you please not take the Lord’s name in vain?‟ (Da Cohn Jude ist, fällt ihm das Fluchen „Jesus H. Christ!‟ nicht schwer…) Roy ist eine Art Mentor von Joe, und er bietet ihm einen Job in Washington an. Obwohl Roy Cohn über Leichen zu gehen scheint – für Joe hat er einen soft spot, das ändert sich im Laufe des Stückes auch nicht, obwohl Joe das Angebot nicht annimmt.

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Cohn erfährt später, dass er an AIDS erkrankt ist, was er weit von sich weist:

No. AIDS is what homosexuals have. I have liver cancer.

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An dieser Lüge hält er fest, selbst als er im weiteren Verlauf des Stücks im Krankenhaus liegt. So erfährt beispielsweise auch Joe erst sehr spät davon – und nicht von Roy selbst. Im Endstadium seiner Krankheit wird er von einem Geist aus seiner Vergangenheit (Ethel Rosenberg, für deren Hinrichtung er plädiert hatte) eingeholt – von Reue ist aber nichts zu merken.

Susan Brown als Ethel Rosenberg Photo by Helen Maybanks for NT

Nathan Lane spielt diesen Typen, der zwar gegenüber seinem Arzt zugibt, dass er mit Männern Sex hat, der aber der Meinung ist, dass ihn das noch lange nicht zum Homosexuellen macht, sehr, sehr eindrücklich. Ich habe Lane schon seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen, seine Besetzung in diesem Stück ist ein Glücksgriff, zumal dadurch die Stelle, als er am Telefon jemanden davon überzeugen will, dass La Cage (aux Folles) nichts für ihn ist, und gegenüber Joe aber sagt, dass das Musical das beste am Broadway ist, doppelt witzig ist. Denn Lane hat ja im amerikanischen Filmremake The Birdcage mitgespielt. Und das wusste auch das Publikum!

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Joseph (Joe) Pitt (Russell Tovey)

chief clerk for Justice Theodore Wilson of the Federal Court of Appeals, Second Circuit

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Schon in der ersten Szene mit Roy erfahren wir, dass Joe Mormone ist. Er wirkt gegenüber Cohn zurückhaltend und sanft, was Tovey wunderbar darstellt. Seine Zurückhaltung bezieht sich aber nicht nur auf Roy, den er wie einen Vater liebt, sondern auch auf sein Privatleben. Er ist mit Harper verheiratet, doch als er abends nach Hause geht, spricht er sie mit „Buddy‟ (Kumpel) an und bittet um einen „buddy kiss‟. Man spürt sofort, dass hier zwischen Mann und Frau keine romantische, sexuelle Liebe vorliegt.

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Joe ist nämlich eigentlich schwul, kann das aber weder sich selbst noch seiner Umwelt eingestehen, denn das passt weder zu seiner Religion, noch zu seiner politischen Einstellung (er ist glühender Anhänger des republikanischen Präsidenten Ronald Reagan). Er unterdrückt seine sexuellen Bedürfnisse, lebt sie nur passiv aus, in dem er immer wieder noch nachts (im Central Park) „spazieren geht‟. Als er das erste Mal Louis über den Weg läuft und der ihn sofort als Schwulen identifiziert, weist er das entrüstet von sich. Im Laufe des Stücks allerdings erkennt er, dass er nicht länger verleugnen kann, was und wer er ist: „a gay Republican Mormon‟. Doch, auch wenn das auf den ersten Blick wie eine Befreiung aussieht, seine Frau Harper wird dadurch zutiefst verletzt.

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Mir haben die Szenen, die Joe mit Louis hatte, am besten gefallen, Russell hat mit James McArdle einfach eine sehr gute Chemie, ihre Küsse sind heiß. Ich hatte ja Russell noch nicht in allzu vielen Filmen oder Serien gesehen, am meisten ist mir seine Performance als Werwolf in Being Human in Erinnerung geblieben, eine Performance, die z. Tl. recht over-the-top (nicht negativ gemeint) war. Wie anders sein zurückhaltendes Spiel hier! Umso stärker wirken die wenigen emotionalen Ausbrüche, die er hat. Einmal, als er und Louis am Atlantik sind, zieht er sich splitterfasernackt aus und das Publikum bekommt seinen Hintern zu sehen (Louis die andere Seite). Das hatte nichts Sexuelles an dieser Stelle, sondern passte zu dem, was Joe Louis sagen wollte.

Harper Pitt (Denise Gough)

Joe’s wife, an agoraphobic with a mild Valium addiction

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Gleich beim ersten Auftreten von Harper wird offenbar, dass sie unter ihrer Phobie leidet und davon träumt zu reisen – was ihre erste Halluzination auf den Platz ruft: Mr. Lies, „of the International Order of Travel Agents‟, der ihr eine Reise in die Antarktis möglich machen will, da sie das Ozonloch sehen möchte. Halluzinationen spielen noch häufiger eine Rolle in Harpers Leben. Diese werden sie auch mit Prior Walter verbinden. Es schmerzt sie sehr, dass Joe in ihr allerhöchstens einen „Buddy‟ sieht, und im Laufe des Stückes flieht sie mit Hilfe von Tabletten in Halluzinationen und Träume, scheint unendlich unglücklich. Doch gegen Ende kann sie sich befreien – von ihrer Phobie und von Joe. Sie fliegt nach San Francisco, denn laut des Engels Amerika sieht der Himmel aus wie San Francisco…

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Denise Gough ist ja unter Theater-Aficionados sehr bekannt und beliebt (sie gewann 2016 den Olivier Award für ihre Hauptrolle in People, Places and Things), für mich war sie eine Neuentdeckung. Aber ich verstehe nun, warum sie so „heiß gehandelt‟ wird. Sie stellt diese Mischung aus Verzweiflung, Verwirrung und zuletzt Entschlossenheit, mit einer Prise Sarkasmus, sehr überzeugend dar.

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Louis Ironson (James McArdle)

a word processor working for the Second Court of Appeal

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Louis ist seit 4 1/2 Jahren mit Prior liiert, (weltlicher) Jude und vehementer Gegner der Republikaner. Er tendiert dazu seinen Freunden Vorträge zu seiner Weltsicht zu halten, was nicht immer so gut ankommt. Louis wird im Laufe des Stücks Prior verlassen, weil er nicht damit umgehen kann, dass Prior AIDS hat und es ihm deswegen richtig schlecht geht.

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Doch lässt ihn diese Entscheidung auch nicht ruhig schlafen, er ist von Schuldgefühlen besessen, so wie Belize es ihm einmal vorwirft, als es um ein anderes Thema geht – die Frage, ob Louis ein Rassist ist, und als dieser schließlich zugibt: „So maybe I am a racist…‟. Belizes Reaktion:

Oh I really hate that! It’s no fun picking on you Louis; you’re so guilty, it’s like throwing darts at a glob of jello, there’s no satisfying hits, just quivering, the darts just blop in and vanish.

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Belize bringen also Louis‘ Schuldgefühle auf die Palme, ich aber fand zumindest die Schuldgefühle gegenüber Prior nachvollziehbar, insbesondere durch die greifbare Darstellung durch James McArdle. Er schafft es sehr gut, einen Entwicklungsprozess darzustellen, der irgendwie nachvollziehbar ist. Man könnte Louis auch einfach verteufeln: Er ist ein Feigling, der seinen Freund mit seiner Krankheit alleine lässt. James McArdle aber gibt Louis eine Menschlichkeit, durch die der Zuschauer doch auch Sympathie für ihn empfindet. Er ist einfach überwältigt von der Situation, dass sein Partner todkrank ist. Ich finde, man macht es sich ein bisschen zu einfach, wenn man Menschen verurteilt, die mit dieser Situation nicht umgehen können. Louis verlässt Prior ja nicht, weil er gefühlskalt ist, sondern ganz im Gegenteil, weil ihn die Angst regiert. Er sagt einmal: „I cry way too easily!‟ Allerdings wirft Prior ihm vor: „You cry, but you endanger nothing in yourself. It’s like the idea of crying when you do it.‟ Eine zweite Chance als Partner bekommt Louis von ihm nicht, als er kurz vor Ende des Stücks doch endlich dazu bereit wäre, zu Prior zurückzukehren, doch er bleibt ein Bestandteil seines Freundeskreises.

Prior Walter (Andrew Garfield)

Louis’s boyfriend. Occasionally works as a club designer or caterer, otherwise lives very modestly but with great style off a small trust fund.

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Die erste Szene, in der Prior auftaucht (Szene 4), ist die, die beim 50-jährigen Jubiläum des National Theatre von Andrew Scott (Prior) und Dominic Cooper (Louis) aufgeführt wurde und die mich dazu bewegt hatte, mir dieses Stück anzusehen. Da eröffnet Prior seinem Freund, dass er AIDS hat, indem er ihm einen dunklen Fleck auf seinem Arm zeigt, und tut dies mit einer ordentlichen Portion schwarzem Humor:

Prior: K.S., baby. Lesion number one. Lookit. The wine-dark kiss of the angel of death.

Louis (Very soflty, holding Prior’s arm): Oh please…

Prior: I’m a lesionnaire. The Foreign Lesion. The American Lesion. Lesionnaire’s disease.

Louis: Stop.

Prior: My troubles are lesion.

Louis: Will you stop.

Prior: Don’t you think I’m handling this well? I’m going to die.

Louis: Bullshit.

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So ganz kann sich Prior seinen schwarzen Humor nicht über die ganze Strecke behalten, denn es geht ihm recht schnell ziemlich dreckig. Louis packt das nicht und verlässt Prior, dafür begegnet Prior im Traum / in einer Halluzination Harper, und dann natürlich – irgendwann müssen ja mal die „Angels in America‟ ins Spiel kommen – dem Angel America, der durch die Decke in Priors Zimmer kommt. Priors Kommentar: „Very Steven Spielberg.‟ Prior schwankt in der Folge zwischen „ich bin verrückt‟ und „ich bin ein Prophet‟ – und er muss sich schließlich entscheiden, ob er das Ansinnen der Engel an die Menschheit („Stop moving!‟) unterstützt, indem er selbst sein Leben aufgibt und schmerzfrei im Himmel ewiges Leben findet, oder ob er trotz AIDS, trotz Schmerzen, trotz der Aussicht auf einen baldigen Tod, trotz der Ankündigung der Apokalypse durch die Engel, sein Leben weiterleben will. Für mich ist seine Entscheidung für das Leben der Kern dieses Stücks:

I want more life. I can’t help myself. I do.

I’ve lived through such terrible times, and there are people who live through so much worse, but… You see them living anyway. When they’re more spirit than body, more sores than skin, when they’re burned and in agony, when flies lay eggs in the corners of the eyes of their children, they live. Death usually has to take life away. I don’t know if that’s just the animal. I don’t know if it’s not braver to die. But I recognize the habit. The addiction to being alive. We live past hope. If I can find hope anywhere, that’s it, that’s the best I can do. It’s so much not enough, so inadequate but… Bless me anyway. I want more life.

Und dieser Kern des Stücks zeigt eben, dass es hier nicht nur um Homosexualität und AIDS geht, letztlich geht es einfach um das Leben.

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Andrew Garfield spielt Prior mit so viel Gefühl, er durchlebt so viele Emotionen, dass ich mir vorstellen kann, wie ausgelaugt er sich jeden Tag fühlen muss, insbesondere nach Tagen, an denen beide Stücke hintereinander aufgeführt werden: Schmerz, Verzweiflung, Eifersucht, Wut, Enttäuschung, aber auch Entschlossenheit und Zärtlichkeit… Sein Prior hat leichte Ansätze zur Drag Queen, mindestens in seinem Traum, in dem er als solche auftritt. Aber auch sonst wirkt er sehr weich, fast weiblich und trägt später auch einen taillierten Mantel.

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Die anrührendsten Momente hat er mit Joes Mutter Hannah und seinem langjährigen Freund Belize, die ich euch nun noch in Kürze vorstellen möchte.

Hannah Porter Pitt (Susan Brown)

Joe’s mother, currently residing in Salt Lake City, living off her deceased husband’s army pension

Photo by Helen Maybanks for NT

Als Joe sich seiner Mutter gegenüber am Telefon outet, reagiert sie nicht besonders hilfreich oder mitfühlend („You’re ridiculous […] You really ought to go home now to your wife.[…] We will just forget this phone call.‟), danach aber verkauft sie ihr Haus in Salt Lake City und fliegt unangekündigt nach New York. Dort ist Joe dann erstmal unauffindbar und sie kümmert sich in der Zwischenzeit etwas um Harper, Joes Frau. Richtig interessant aber wird es, als Hannah und Prior aufeinander treffen. Prior will herausfinden, was der neue Boyfriend von Louis für ein Typ ist, und trifft so auf Hannah, die ihm hilft, als er einen schlimmen Rückfall hat. Die Beziehung, die von nun an die beiden so unterschiedlichen Menschen, verbindet, ist wohl meine liebste Beziehung in diesem Stück – die beiden stehen sich schließlich näher als Hannah mit ihrem Sohn Joe.

Photo by Helen Maybanks for NT

Belize (Nathan Stewart-Jarrett)

a registered nurse and former drag queen whose name was originally Norman Arriaga; Belize is a drag name that stuck

Photo by Helen Maybanks for NT

Belize ist für mich der Engel unter den Menschen in dieser Geschichte. Als Krankenpfleger kümmert er sich sowohl um seinen langjährigen Freund Prior, als auch um Roy Cohn, obwohl er diesen zutiefst verachtet (was auf Gegenseitigkeit beruht).

Photo by Helen Maybanks for NT

Außerdem setzt er sich auch immer wieder Louis‘ „Gejammere‟ aus, was ihn mitunter zur Weißglut reizt, doch seine Geduld – und sein großes Herz – scheint unermesslich. Nathan Stewart-Jarrett ist großartig und zum Verlieben in dieser Rolle. Die innere Drag Queen ist in jeder Geste, in jeder Bewegung zu sehen.

Photo by Helen Maybanks for NT

Und dann ist da noch

The Angel (Amanda Lawrence)

four divine emanations, Fluor, Phosphor, Lumen and Candle; manifest in One: the Continental Principality of America. She has magnificent steel-grey wings

Die Rolle des Engels ist am schwierigsten zu beschreiben (und es gibt keine offiziellen Fotos von ihr). Sie ist nicht schön, sie sieht etwas heruntergekommen aus, die Haare verstrubelt und strähnig, die amerikanische Flagge auf der Kleidung kaum mehr zu erkennen. Aber sie hat einen Sex Appeal, der auch auf homosexuelle Männer (Prior) und heterosexuelle Frauen (Hannah) wirkt und in „Plasma Orgasmata‟ endet. Schließlich hat sie (Prior:) „[…] eight vaginas‟ oder, besser gesagt, sie ist (Angel:) „REGINA VAGINA! Hermaphroditically Equipped as well with a Bouquet of Phallï‟. Der Engel ist aber aus selbstsüchtigen Gründen unterwegs: der Himmel fällt nämlich so langsam auseinander, weil sich Gott aus dem Staub gemacht hat und seine Kreaturen, die Menschen, sich zu viel bewegen, weiterentwickeln. Das soll Prior stoppen.

Doch Prior, wie oben erwähnt, lässt die Engel (es gibt ja noch mehr, für jeden Kontinent einen) abblitzen. Die Menschheit kann nicht stehen bleiben. Und so müssen die Engel Prior segnen und zurück in sein Leben schicken.

Und noch fünf Jahre später lebt Prior und er wendet sich zum Schluss an das Publikum:

This disease will be the end of many of us, but not nearly all, and the dead will be commemorated and will struggle on with the living, and we are not going away. We won’t die secret deaths anymore. The world only spins forward. We will be citizens. The time has come.

Bye now.

You are fabulous creatures, each and every one.

And I bless you: More Life.

The Great Work Begins.

 

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Neulich beim SNEAKen: Atomic Blonde (David Leitch, D/Schweden/USA 2017) – Kurzkritik

Quelle: Universal Pictures Germany

Kurzkritik bedeutet bei mir, dass es keine Inhaltsangabe zum Film gibt.

Regisseur David Leitch war Produzent von John Wick und Executive Producer von John Wick 2. Außerdem ist er Stuntman. Entsprechend lassen sich Parallelen zu den beiden John Wick-Werken finden: Atomic Blonde ist hyper-stylish und die Actionszenen – diesmal mehr Nahkampf als Rumgeballere – sind furios choreografiert.

Quelle: Universal Pictures Germany

Rein visuell hat der Film also wirklich etwas zu bieten, und dies bezieht sich nicht nur auf Charlize Theron, die in ihrer platinblonden Kühle und ihren schwarz-weißen Outfits richtig heiß ist. Immer wieder bekommen wir ihr perfektes, blasses Gesicht mit diesen unglaublichen Augen ganz aus der Nähe zu sehen, häufig durch Neonlicht beleuchtet. Kamera und Beleuchtung sind fantastisch.

Quelle: Universal Pictures Germany

James McAvoy als Therons Partner hat seinen eigenen Style, eher abgerissen allerdings, immer noch mit rappelkurzen Haaren und – so mag ich ihn – mit Bart. Er ist eine perfekte Besetzung, weil doch leicht durchgeknallt ist und auch ziemlich fies sein kann. Eric Kohn von Indiewire schreibt: „James McAvoy, fittingly cast as a zany, gun-wielding psychopath‟. Sehr treffend formuliert!

 

Quelle: Universal Pictures Germany

Auch ansonsten ist der Film mit Toby Jones, Eddie Marsan und John Goodman prominent besetzt, wobei Eddie Marsan, der einen ostdeutschen Informanten von der Stasi spielt, wenn er Deutsch spricht, halt mit Akzent spricht. Könnte man mal wieder fragen, warum man keinen deutschen Schauspieler dafür genommen hat. Wobei, am Ende hätte Til Schweiger dann doch noch mehr Screentime gehabt – das will ja auch niemand! :mrgreen: 😉

Richtig Spaß macht der Soundtrack: Von Nena und Tom Schilling über David Bowie und George Michael bis hin zu Depeche Mode und Queen – das ist wirklich wie eine Zeitreise zurück an das Ende der 80er Jahre in Deutschland.

Und trotzdem habe ich am Schluss nur mit „mittel‟ abgestimmt. Denn das ganze hübsche Styling und die beeindruckenden Kämpfe wurden mit einem Plot versehen, der einerseits letztlich doch irgendwie höchst kompliziert ist, wie so oft bei Spionage-Geschichten (DEUTLICH komplexer als bei den John Wick-Filmen, auch wenn das ja nicht sehr schwer ist), der aber andererseits auch völlig uninteressant ist, auch weil die Motivation der Beteiligten ziemlich unklar ist. Andrew Barker vom Variety schreibt mir aus der Seele:

But so much uncut hardboiled posturing proves exhausting over a nearly two-hour runtime, and with zero emotional stakes and a plot that is both difficult and seemingly pointless to follow, there’s a fundamental emptiness behind all the flash. Virtuosic kick-ass filmmaking can be its own reward, but to paraphrase “Idiocracy,” you still need to care about whose ass it is, and why it’s being kicked.

Eine weitere Stelle aus dieser Kritik muss ich einfach zitieren:

The film’s villains barely register, and bonus points to anyone who can explain exactly what Til Schweiger’s character is supposed to be doing here.

Die Fans der John Wick-Filme werden definitiv ihren Spaß haben, und ja, es ist gut, wenn auch Frauen Hauptrollen in Actionfilmen bekommen. Aber als Heldin ist mir trotz allem Charlize Theron als Imperator Furiosa (Mad Max: Fury Road) lieber. Oder Emily Blunt in Edge of Tomorrow.

6 von 10 Punkten.

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War for the Planet of the Apes (Dt. Titel: Planet der Affen: Survival; Matt Reeves, USA/CAN/NZL 2017) – Kurzkritik

 

Quelle: fox,de

Kurzkritik bedeutet bei mir, dass es keine Inhaltsangabe zum Film gibt. Die Kritik ist spoilerfrei.

Ich wollte, dass mir dieser Film nahe geht. Erst ganz am Ende war ich dann doch zu Tränen gerührt, vorher wollte ich es immer mal erzwingen (I’m funny that way), aber irgendwie hat es nicht ganz geklappt. Dabei gibt es so viele höchst dramatische und emotionale Stellen – Wiederzusammenführung von Familienmitgliedern z. B. -, aber so sehr ich es auch wünschte, der Film konnte mich nicht so recht entführen in die Welt von Caesar (Andy Serkis).

Dabei macht Matt Reeves vieles richtig:

  • Gute Figurenzeichnung und Besetzung:

Quelle: fox.de

Der menschliche Gegenspieler von Caesar, The Colonel (Woody Harrelson), bekommt eine Backstory, die seinen Hass auf die Affen erklärt. Harrelson ist außerdem – wie zu erwarten – eine fantastische Besetzung, wenn auch etwas sehr offensichtlich: Er spielt einen durchgeknallten Typen, der für seine Ziele über Leichen geht?! Duh! Trotzdem fand ich die Figur irgendwie besser als Gary Oldmans Rolle im Vorgänger Dawn of the Planet of the Apes.

Quelle: fox.de

Die Gefühle, die Caesar in diesem Film umtreiben, sind auch nachvollziehbar und werden erneut von Andy Serkis über Motion Capture so überzeugend dargestellt, dass der Ruf nach einem Oscar für Andy Serkis, z. B. bei Indiewire,  zurecht laut wird:

When Andy Serkis talks about Caesar, the revolutionary leader of the simian origin saga, it’s always in mythic terms — part Bible, part Shakespeare. He has brilliantly played the sentient chimpanzee from infancy to advanced adulthood in this unique “Planet of the Apes” trilogy. But in the finale, “War,” he rises to Moses-like stature, grappling with his darkest demons before freeing himself and his tribe.

It should make no difference that Weta wizards “capture” Serkis’s performance to create Caesar. It’s acting — “a human in ape skin” — only with the benefit of, arguably, the best photorealistic animation in the industry. And it’s about time that the Academy honors Serkis with a Best Actor Oscar nomination. The emotional performance is much more nuanced and transformative.

Obwohl der Film insgesamt sehr düster ist, bringt Reeves einen Affen in die Geschichte, der für ein bisschen Comic Relief sorgt: Bad Ape. Eine wunderbare Idee – und toll von Steve Zahn dargestellt!

Eine sehr schöne Ergänzung ist auch das Mädchen „Nova“ (Amiah Miller), die ohne Worte sehr viel Gefühl ausdrücken kann und eine sehr positive Rolle innerhalb der „Crew“ von Caesar einnimmt.

 

Quelle: fox.de

  • Die Effekte:

Quelle: fox.de

Der o.g. Artikel geht so weiter:

And it’s also about time that Weta win the VFX Oscar, too, for the franchise, after twice denied.

Das kann ich nur unterstützen. Es ist schier unglaublich, wie echt die Affen wirken, wie sehr man sie als echte Charaktere annimmt und mit ihnen fühlt (auch wenn es bei mir nicht immer so gut geklappt hat). An den Nahaufnahmen der Gesichter konnte ich mich schier nicht satt sehen – so einzigartig jeder einzelne Affe. Einzig bei Massenaufnahmen, etwa von den Affenkindern, fiel es schwer, da beispielsweise Caesars Sohn Cornelius rauszuerkennen.

Quelle: fox.de

Das ist wirklich höchste Kunst, was da im Zusammenspiel zwischen Schauspielern und visual animators erschaffen wurde! Allerdings glaube ich, dass das 3D nicht unbedingt notwendig ist. Es stört aber auch nicht.

  • Edit: Musik

Der Score von Michael Giacchino ist super!

  • Symbolik und Plot:

Die Anspielungen auf jüdisch-christlich Mythen kann man kaum übersehen: Da haben wir einen Judas, Kreuzigungen, eine Flucht aus Ägypten und das Gelobte Land. Caesar ist irgendwie gleichzeitig Spartacus, Moses und Jesus. Vielleicht etwas viel auf einmal? Aber irgendwie auch food for thought, eben kein hirnloses Action-Gemetzel. Da kann man sich auf jeden Fall austoben bei einer Analyse der Symbolik, wenn man will. Die Gefahr, die von den Affen auf die Menschheit ausgeht, ist eine, die nicht mit Gewalt zu tun hat. Das fand ich auch sehr interessant, zumal der eigentliche „War‟ dann auch ein anderer ist, als man ihn sich vorgestellt hatte.

Aber – obwohl ich ja schon auch analytisch auf Filme blicke – die emotionale Komponente hat bei mir ja immer noch ein bisschen mehr Gewicht. Und da hat der Film bei mir erst sehr spät gezündet, was aber durchaus auch tagesformabhängig sein kann. Vielleicht war es nicht so gut, vorher Baby Driver ein zweites Mal angesehen zu haben. Vielleicht war ich nicht mehr genügend aufnahmefähig, vielleicht habe ich mich zu sehr darauf konzentriert, mir Andy Serkis hinter den Augen von Caesar vorzustellen.

Trotzdem: Auf jeden Fall besser als Dawn of the Planet of the Apes, erzählerisch hinter Rise of the Planet of the Apes, was die Tricktechnik anbelangt allerdings auf Platz 1. Von mir gibt es 7-7,5 von 10 Punkten, wenn man sich aber noch mehr auf den Film als solches einlässt und sich weniger während des Ansehens versucht vorzustellen, wie die Special Effects erzeugt wurden, kann man sicher noch zu höherer Wertung kommen.

 

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Dunkirk (Christopher Nolan, UK/NL/F/USA 2017)

Quelle: warnerbros.com

Diese Kritik ist spoilerfrei, was das Schicksal der einzelnen Protagonisten anbelangt. Generelle Informationen zur den Handlungssträngen werden jedoch gegeben.

Ich weiß, um die Leser dazu zu bewegen, den ganzen Text zu lesen, sollte mein Fazit erst am Ende kommen. Aber ich verstoße gern mal gegen Konventionen: Dunkirk hält für mich, was der Hype verspricht! Der Film hat mich regelrecht erschöpft, weil er mich so in das Geschehen um die Evakuierung der britischen Soldaten von Dunkirk hineingezogen hat. Ich versuche mal zu analysieren, woran das lag.

Ich fange bewusst nicht mit den technischen Aspekten an, denn beim Überfliegen von einzelnen Fazits aus der Blogosphäre habe ich festgestellt, dass diese auch von denjenigen anerkannt werden, die den Film nicht so gut fanden. Da ich aber durchaus zu den Kritikern von Nolans Plots in Filmen wie Interstellar, The Dark Knight Rises und auch Inception gehöre, möchte ich gerade betonen, was mir hier diesbezüglich besser gefallen hat.

  • Das Erzählen der Geschichte in drei verschiedenen Zeit- und Ortebenen

Wir erfahren zu Beginn, dass der Handlungsstrang um den jungen britischen Soldaten Tommy (Fionn Whitehead), der versucht, Dunkirk auf schnellstem Wege zu verlassen, eine Woche dauert. Der Plot um den Zivilisten Mr Dawson (Mark Rylance), der sich mit seinem privatem Boot auf den Weg über den Channel nach Dunkirk macht, um an der Evakuierung durch eine Art „Zivilflotte‟ teilzunehmen, zieht sich nur über einen Tag, während der Handlungsstrang um die beiden Piloten Farrier (Tom Hardy) und Collins (Jack Lowden) sich nur auf eine Stunde erstreckt. Logischerweise können so alle drei Geschichten nicht parallel nebeneinander erzählt werden, so passiert es schon mal, dass in dem einen Strang gerade Nacht ist und im anderen Strang Tage später. Das kann man verwirrend und/oder als reines Nolan-Gimmick abtun, ich fand das aber spannend und für einen solchen – auf historischen Fakten basierenden – Film ungewöhnlich. Außerdem fand ich es letztlich logisch, wenn man zeigen will, wie lang die Evakuierung gedauert hat und gleichzeitig aber z. B. kaum die Spitfire-Piloten auch eine ganze Woche lang begleiten will. Wie Nolan am Ende die Plots zusammengeführt hat, fand ich absolut gelungen.

  • Die Helden und nicht so großen Helden

Als Tommy eingeführt wird, kommt der Film minutenlang ohne Dialog aus – er und Gibson (Aneurin Barnard) verstehen sich ohne Worte, als sie versuchen, auf das Lazarett-Schiff zu kommen, indem sie einen Verletzten hintragen. Nicht wirklich uneigennützig, wenig heldenhaft, und doch versteht man das und fiebert mit ihnen mit. Sie bleiben zusammen und stehen auch füreinander ein – ohne dass es sich hier um jahrelange Freunde oder Kameraden handeln würde. Sie haben sich soeben „kennengelernt‟ und trotzdem verbindet sie eine Loyalität. Das fand ich sehr berührend und eine starke Botschaft. Selbst beim Versuch, die eigene Haut zu retten, gingen viele nicht über Leichen. Keine klassischen Helden hier, sondern einfach Männer im Krieg.

Mr Dawson fährt mit seinem Sohn Peter (Tom Glynn-Carney) und George (Barry Keoghan) Richtung Dunkirk. Freilich, die Navy hat die Bootsbesitzer dafür rekrutiert, aber einmal unterwegs, ist das Trio mit Herz und Seele dabei. Das führt sogar zu einem tragischen Unfall, als sie einen Soldaten (Cillian Murphy) retten, der um keinen Preis wieder zurück nach Dunkirk will. Die jungen Männer Peter und George sehen in ihm vielleicht zuerst einen Feigling, doch Mr Dawson macht ihnen klar, dass der Soldat „shell-shocked‟ sei, nicht mehr er selbst. Und so werden auch die Soldaten, die keinen Mut mehr hatten nach all dem, was sie erlebt hatten, hier nicht verurteilt. Nolan lässt uns Mitgefühl für sie haben.

Die klassischen Helden bilden vielleicht die zwei Spitfire-Piloten, die ihr Leben aufs Spiel setzen, um die gegnerischen Bomber abzuschießen und so noch mehr Unglück auf dem Meer und am Strand von Dunkirk zu vermeiden.

Apropos Gegner: Die bleiben hier völlig gesichtslos – und werden dadurch gleichzeitig nicht dämonisiert. Fast könnte diese Episode aus dem Zweiten Weltkrieg problemlos auf andere Schauplätze übertragen werden. Ich fand das sehr passend, denn es geht hier nun mal nicht darum, wie böse die Nazis waren, sondern es geht um den Blickwinkel derer, die raus wollten aus diesem Dunkirk.

  • Ein Nolan-Film mit wenig Dialogen – ein Segen!

Ja, mir ging das philosophische Gequatsche bei Interstellar ein wenig auf den Keks. Und so fand ich es hier recht erfrischend, mit wie wenig Text Nolan diese Geschichte erzählt. Gerade die Anfangssequenz fand ich großartig – faszinierend, wie Blicke und Bilder genügen können, oder sogar vielleicht mehr aussagen können, als wenn hier ständig miteinander geredet würde. Und es scheint mir auch hier kein Gimmick („Ach, diesmal schreib ich mal ein Drehbuch, das nicht so textlastig ist, das erwarten die Leute nicht von mir‟), sondern irgendwie logisch, dass die völlig erschöpften und verängstigten Soldaten nicht besonders gesprächig sind.

  • Die Authentizität – durch wenig CGI und zeitgenössische Boote und Flugzeuge

Ich habe zwar nicht viel im Vorfeld gelesen, aber was ich mitbekommen habe, ist, dass Nolan nicht nur darum bemüht war, Flugzeuge und Boote aus der damaligen Zeit einzusetzen, sondern er hat wohl sogar z. Tl. Original-Boote, die damals an der Evakuierung teilgenommen hatten, aufgetrieben und für den Film verwendet. Sicher trägt das mit dazu bei, dass der Film so echt wirkt. Dazu kommen die größtenteils practical effects, also Effekte, die ohne CGI auskommen. Sowohl die Flieger-Szenen, als auch die Szenen mit den Tausenden von Statisten am Strand und zu Wasser, bekommen so eine unmittelbare Wucht – visuell und auch auditiv. Ob allerdings die Sequenz, als ein Bomber über den Strand fliegt und Bomben einschlagen, deswegen so eindrücklich war, weil die Geräusche des Fliegers original waren, kann ich nicht beurteilen. Trotzdem ist das eine Sequenz, die mich völlig fertig gemacht hat, weil ich das Gefühl hatte, da mitten drin zu stecken. Als der Angriff vorbei war, hatte ich Tränen in den Augen, so als wäre ich überglücklich, diesen Angriff überlebt zu haben. SO nahe ging mir das Geschehen. Überhaupt:

  • Diese Spannung!

Wie habe ich mitgebangt! Die beiden letzten Filme, bei denen ich so durch die Spannung in den Sitz gepresst wurde, waren Mad Max: Fury Road und Sicario. Ich hatte keine Ahnung, wer überleben, wer sterben würde. Und so gab es diverse Stellen, an denen es um Leben oder Tod ging, bei denen mein Puls bestimmt erhöht war – ich habe auf jeden Fall nach dem Film regelrecht geglüht (und habe den Gewitterregen auf dem Weg zum Auto richtig genossen). Das ging anscheinend auch nicht nur mir so: Selten habe ich ein Publikum erlebt, das so still war. Man hörte kein Rascheln, keine Bierflasche fiel um, ich habe niemanden reden gehört. Hier spielt nicht nur der Schnitt rein, sondern natürlich auch der Score von Hans Zimmer, der mir tatsächlich sehr gut gefallen hat, auch wenn ich Zimmer häufig kritisiere. Es wäre zu überprüfen, ob der Score bei einer zweiten Sichtung auch noch so gut wirkt (bei Inception fand ich ihn nämlich beim ersten Mal prima und beim zweiten Mal unendlich penetrant und viel zu dominant).

  • Die Besetzung: Teamarbeit statt Stars

Zwar bekommen die berühmtesten Schauspieler im Cast beim Abspann ein „with‟ (Kenneth Branagh, Mark Rylance, Cillian Murphy (?)) davorgestellt (Tom Hardy sogar ein „and‟ als letzter), aber es ist keineswegs so, dass irgendeiner von ihnen den unbekannteren Schauspielern die Show stiehlt. Alle haben ihren Namen und ihr Können in den Dienst der Sache gestellt – Anfang und letztes Schlussbild gehören anderen. Es ist ganz klar ein Ensemblefilm, der keinen einzelnen ins Rampenlicht stellt. Manche wirken etwas austauschbar dadurch, das mag bei manchen zur Abwertung des Films führen, ich habe das aber anders empfunden. Für mich steht hier eben team effort im Fokus, statt Imagepflege einzelner Stars. Drum wird der Film wohl kaum Nominierungen für Best Actor oder auch Best Actor in a Supporting Role bekommen. Das wird auch keine Motivation gewesen sein, bei diesem Film mitzuwirken. Dass es keine weiblichen Rollen in diesem Film gibt, wird hoffentlich niemand Nolan vorwerfen. Dieser Film erzählt nun mal die Geschichte der Soldaten von Dunkirk und derer, die sie retteten.

Fazit: Dunkirk ist für mich Nolans bestes Werk seit The Dark Knight. Ich bin beeindruckt davon, wie er hier ein ganz anderes Thema als in seinem bisherigen Œuvre, einen historischen Stoff, bearbeitet, und dabei erzählerisch und filmtechnisch einen Film erschafft, der mich von Beginn an fesselte und aus dessen Intensität ich mich bis zum Schluss nicht befreien konnte. 9 von 10 Punkten!

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Media Monday #318

Meine erste Ferienausgabe des Media Monday! Und wie habe ich den ersten Ferien-Montag verbracht? Ich habe meinen noch ausstehenden (sechsseitigen) Fachbetreuerbericht in stundenlanger Arbeit verfasst. So viel zu all den Vorurteilen, dass Lehrer faul sind und zu viel Ferien haben. 😛 Aber ich will mich gar nicht beschweren, bin gerade eh einfach froh, dass ich das erledigt habe. Es gibt noch mehr zu tun, bis das neue Schuljahr beginnt, insbesonders wegen der Einführung des LehrplanPLUS in Bayern, aber ich freue mich trotzdem auf sechs Wochen Ferien voller Filme, Serien, Theater, Bloggen, aber auch Ausschlafen, Natur und Bewegung! 🙂

1. Trailer, die einem den gesamten Film vorwegnehmen, sind doof. Ein Grund, warum ich außerhalb des Kinos so gut wie keine Trailer ansehe.

2. Man könnte sagen: Sam Shepard ist ja leider völlig von der Bildfläche verschwunden, weil er heute verstorben ist. Aber eigentlich stimmt das so nicht, denn er wird durch die tollen Theaterstücke und Drehbücher, die er geschrieben hat und seine Rollen, weiterleben, so lange seine Stücke aufgeführt und seine Filme gesehen werden. Ich habe im letzten Dezember das erste Mal eins seiner Theaterstücke live aufgeführt erlebt (Buried Child mit Ed Harris und Amy Madigan) – es ist das Stück, für das er den Pulitzer-Preis gewann. Heavy stuff! Ich war mir an der Stage Door hinterher mit Amy Madigan einig, dass Sam Shepard einfach ein großartiger Autor ist. Er ist einer dieser Künstler/Schauspieler/Autoren, für die ich zwar nie mit Schmetterlingen im Bauch geschwärmt habe, denen ich aber einen enormen Respekt entgegengebracht habe. Ich bin mir sicher, dass er unvergessen bleiben wird.

3. Ich würde ja gern öfter Bücher lesen, aber momentan habe ich irgendwie keinen Drive dazu. Außerdem bin ich mit meiner Brille sehr unzufrieden – ich werde mir wohl im nächsten Jahr (wenn ich wieder eine Zuzahlung von meiner Zusatzversicherung bekomme) dann doch eine Gleitsichtbrille machen lassen, mit der ich dann hoffentlich wieder angenehmer lesen kann. Das geht z. Zt. nicht so gut.

4. Die Nachricht, dass mir Ellie Araiza auf Twitter folgt, war für mich eine echte Überraschung, denn sie spielte Philly in der 1. Staffel von Legion, und dass mir eine Schauspielerin aus einer meiner aktuellen Lieblingsserien folgt (ich bin ihr erst gefolgt, nachdem sie mir gefolgt ist!), finde ich schon sehr außergewöhnlich! Wahrscheinlich lag es an diesem Tweet:

5. Kann mal bitte jemand Greta Gerwig so eine richtig tolle Hauptrolle zuschustern? Immerhin fand ich sie in 20th Century Women unwiderstehlich! ❤

6. In Sachen Konsolen-Spiele muss ich mal wieder passen.

7. Zuletzt habe ich – nachdem ich mit Bedauern, ach was: Entsetzen und tiefer Trauer festgestellt hatte, dass auf Amazon Prime von Brothers & Sisters (OV) nur Season 1 und 2 erhältlich ist – statt den Walkers den Gallaghers wieder einen Besuch abgestattet (Shameless, Season 6) und das war immerhin ein gewisser Trost, weil diese Familie auch sehr liebenswert ist, wenn diese zwei Familien auch kaum unterschiedlicher sein könnten. Nun, es gibt bei beiden einen schwulen Bruder, immerhin. 😉 Ich bin ein bisschen – wie seine Professorin – in Lip verknallt… 😮 😳 Immerhin bin ich hier in den heterosexuellen Bruder verliebt, nicht, wie bei Brothers & Sisters, in den schwulen… 😳 😉

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Media Monday #317

Nachdem mich am Freitag nach langer kopfwehfreier Zeit mal wieder eine Migräne erwischt hatte, sodass ich den ganzen Tag nur im Dunkeln saß, habe ich mich dafür am Wochenende vergleichsweise viel bewegt. Knapp 30 km Fahrradfahren am Samstag und 45 Minuten Laufen am Sonntag. Hoffe, ich bleibe etwas dran und nütze die ab nächstem Montag beginnenden Sommerferien nicht NUR zum Bloggen, Serien-, Filme- und Theaterstückschauen… 😉 Der Samstag war außerdem aufregend, weil mein Radiointerview zum Thema „Blogger Privat“ in der Sendung Trackback von Radio Fritz gesendet wurde (siehe 4.)

Jetzt läute ich aber die letzte Woche des Schuljahres mit dem Media Monday ein:

1. Serien mit „Bösewichtern“ als Protagonisten (bspw. Hannibal, Dexter, …) finde ich manchmal schwierig, Dexter habe ich z. B. nach wenigen Folgen abgebrochen (, was allerdings mit daran lag, dass ich die Serie auf Deutsch im Fernsehen sah). Wobei für mich in Hannibal irgendwie Will Graham der Protagonist ist (so wie Agent Starling in The Silence of the Lambs). Wo es für mich ganz gut funktioniert, ist bei House of Cards. Bei Kevin Spacey weißt du schon in der 1. Folge, dass der Typ über Leichen geht – und trotzdem verstehst du auch die Faszination, die von ihm für andere ausgeht. Am spannendsten ist es vielleicht, wenn sich jemand erst zum Bösewicht hinentwickelt, wie bei Breaking Bad, was es wohl vor dieser Serie in der Art noch gar nicht gegeben hatte. Wenn aus einer sympathischen Figur, deren Beweggründe man gut verstehen kann, ein Mörder wird und man als Zuschauer plötzlich nicht mehr weiß, welche Gefühle man Walter White entgegenbringen soll… Das ist schon große Fernsehkunst!

2. Die Reihe der neuen Planet of the Apes-Filme hat wirklich bahnbrechende Effekte, weswegen ich mir auch den neuesten Teil sicher ansehen werde. Sicher haben letztlich Peter Jackson und WETA (und Andy Serkis ❤ !) mit der Motion-Capture-Technik bei The Lord of the Rings dafür den Weg bereitet, aber wie echt die Affen in dieser Reihe aussehen ist schon nochmal ein ganz neues Level.

3. Ich habe ja schon ein ziemliches Faible für englisches Theater. OK, das ist die totale Untertreibung! 😀 Ihr sagt: Tell me something I don’t already know?! Ich bin ein offenes Buch, ich glaube fast, ihr kennt (fast) alle meiner Faibles, zumindest die, die ich öffentlich teilen würde… 😉

4. Ein Radio-Interview mit mir könne ja nicht gut werden, dachte ich so, doch dann habe ich es (im zweiten Anlauf) doch noch ganz gut hingekriegt – wurde mir zumindest gesagt. 😉

5. Dem Spiel ____ wollte ich ja schon immer eine Chance geben, allein ____ . Da habe ich einfach keine geheimen oder auch offenliegende Wünsche. Ich bin weder eine Gamerin noch jemand, der unentwegt Brettspiele etc. spielen möchte.

6. Grundsätzlich kann man sagen, dass ich in punkto Serien Produktionen von Amazon momentan noch präferiere, schließlich kriege ich die zum Nulltarif über meine Prime-Mitgliedschaft. 😉 Nein, ich habe immer noch kein Netflix-Abo.

7. Zuletzt habe ich in der Sneak Preview Trespass Against Us (Das Gesetz der Familie) gesehen und das war kein Meisterwerk, aber irgendwie trotzdem sehenswert, weil ich Brendan Gleeson und Michael Fassbender als kriminelles Vater-Sohn-Gespann zwar schon gerne zugesehen habe, aber der Film schon einige dramaturgische Schwächen hat.

 

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Neulich beim SNEAKen: Trespass Against Us (Dt.: Das Gesetz der Familie; Adam Smith, UK 2016)

Quelle: filmstarts.de

Viele Kritiker bemängeln, dass man nicht so recht weiß, worum es in dem Film eigentlich geht, dass ein roter Faden, ein nachvollziehbarer Plot fehlt. Und ja, das stimmt wohl. Ich versuche mich mal an einer eigenen Zusammenfassung:

Eine Gruppe von „fahrenden Kleinkriminellen‟ (leben irgendwo in der Pampa in Wohnwagen) unter der strengen Leitung von Colby Cutler (Brendan Gleeson) drehen ihre Raubstreifzüge, die immer kühner werden. Colbys Sohn Chad (Michael Fassbender) will für seine Frau Kelly (Lyndsey Marshal) und seine Kinder eigentlich den Ausstieg aus diesem Leben, kann sich aber nicht dem Einfluss seines Vaters entziehen. Immerhin schickt er seine Kinder in die Schule, damit sie – im Gegensatz zu ihm – Lesen und Schreiben lernen. Nach einem großen Coup, der es in die Medien schafft, ist die Polizei von Gloustershire unter Leitung von P.C. Lovage (Rory Kinnear) noch angepisster als vorher und versucht, Chad & Co dafür zur Verantwortung zu ziehen.

Mein erster Kritikpunkt ist gleichzeitig eigentlich ein Pluspunkt: Michael Fassbender sieht einfach viel zu gut aus für diesen Lowlife-Typen. Wie oft gab es Close-ups auf sein perfektes Gesicht mit den unwiderstehlichen Lachfältchen um die Augen! ❤ *sabberabwisch* So ein schöner Mann – dem kann auch das Leben im Trailerpark nichts anhaben. Weiß nicht, ob das realistisch ist. Andererseits finde ich es so verdammt großartig, dass Fassbender sich nicht auf seinem Hollywood-Ruhm ausruht, sondern in so einer Bandbreite aus völlig unterschiedlichen Filmen (von Blockbustern bis hin zu diesen kleinen Filmen, die von der Lotterie mitfinanziert werden) mitwirkt. Jetzt muss er nur noch wieder zurück auf die Theaterbühne (in London)…! 😉

Was wirklich etwas schwierig ist bei dem Film, ist die Frage, für wen denn nun eigentlich dein Herz schlagen soll als Zuschauer. Die Polizei scheidet aus. Rory Kinnear spielt den P.C. als richtigen Unsympathen, der mal eben die Kinder von Chad und Kelly für seine Zwecke benutzt. (Ich fand es mal wieder erstaunlich, wie sehr das Bild, das ich mir von Rory persönlich an der Stage Door machen konnte, von dem auf der Leinwand abweicht.) Die Truppe der Cutlers ist aber auch wenig liebenswert. Colby ist overbearing und nach wie vor (seinen Sohn Chad hatte er nicht auf die Schule geschickt) davon überzeugt, dass die Kinder in der Schule nur Mist lernen. Unsympathisch (wenn auch von Gleeson brillant gespielt). Was an Chad liebenswert ist, ist, wie er mit seinen Kindern umgeht, insbesondere mit seinem Sohn Tyson (Georgie Smith). Das ist außerdem auch ganz entzückend gespielt von Fassbender und Georgie. Aber dann bringt er seine Kinder auch in Situationen, die einfach gefährlich sind. Sie jagen z. B. in enormem Tempo einem Hasen übers Feld – im Auto: Chad gibt Gas, Tyson sitzt auf seinem Schoß und lenkt, das ganze Auto ist voll besetzt mit Erwachsenen und Kindern. Das macht den Kids natürlich riesigen Spaß, aber „responsible parenting‟ kann man das wohl kaum nennen.

Quelle: thesun.co.uk

Außerdem wünscht man sich, dass Chad sich endlich mal gegen seinen Vater durchsetzt, aber alle Ansätze dazu verlaufen im Sand. Gut, für mich hat Chad durch das Ende des Films schon an Sympathien gewonnen, aber die Frage bleibt: was ist die Botschaft des Films?

Was hat mir aber trotzdem gefallen? Neben dem Genuss, solchen Schauspielgrößen wie Brendan Gleeson und Michael Fassbender zuzuschauen, mochte ich den Einblick in so ein Milieu, das mir so fern ist, wie der Mond von der Erde. Außerdem fand ich die (Auto-)Verfolgungsjagden ganz gut gelungen – nicht zu vergleichen mit Baby Driver, aber doch sehr effektiv und einfallsreich. Erwähnt habe ich bereits, dass ich die Interaktionen zwischen Chad und seinem Sohn sehr liebenswert fand – das wirkte sehr natürlich – und Georgie hat in der letzten Sequenz (, die auf einem Baum stattfand) ganz außerordentlich gut gespielt. Diese letzte Sequenz fand ich dann auch ziemlich rührend und ein passendes Ende. Denn mitten im Film hatte ich mich zu meiner Freundin D. rübergedreht und gefragt: „Wie wird das nur ausgehen???‟ Mit dem Ergebnis war ich dann mehr als zufrieden, überhaupt war die allerletzte Einstellung perfekt, wenn auch ziemlich vorhersehbar in diesem Moment. Ich hätte den Film auf jeden Fall auch mit diesem Bild enden lassen. 🙂

Was ich zuletzt noch erwähnen sollte: Falls ihr vorhabt, den Film in Originalsprache anzusehen, schaut, dass ihr eine Vorstellung (oder DVD) mit Untertiteln erwischt! Wobei englische Untertitel in dem Fall z. Tl. wohl nicht mal helfen, weil da so Begriffe wie “jubby dim lad”, “worzel” und “ya proize div” (glücklicherweise bei einer Kritik im Guardian gefunden) fallen, die mir auch ausgeschrieben nichts sagen. Man bräuchte also eher eine Übersetzung…

Quelle: moviepilot.de

Sicherlich kein Meisterwerk, aber doch eine interessante Milieustudie mit toller Besetzung. 6 von 10 Punkten.

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