Fotografie: Lieblingsorte #38

Der Grand Canyon NP kommt in meinem persönlichen US-Nationalpark-Ranking tatsächlich erst nach dem Mount Rainier NP und dem Bryce Canyon NP. Trotzdem gehört er definitiv zu meinen Lieblingsorten, die ich jederzeit wieder besuchen würde, wenn ich die Gelegenheit dazu hätte. Man müsste sich eigentlich einmal mehr Zeit für ihn nehmen, denn bei meinen zwei Besuchen reichte die Zeit jeweils nur für einen Tag – und damit für den Bright Angel Trail. Das erste Mal war ich 1990 dort mit meinem Bruder, von dem die folgenden beiden Bilder stammen.

Ich habe auch noch ein Bild von mir vor Augen, von hinten sitzend an der Kante des Plateau Points, doch in meinem Fotoalbum befindet es sich nicht und leider hat auch mein Bruder seine Dias noch nicht digitalisiert. Schade, denn extra deswegen habe ich meine Nichte 2015 dieses Foto von mir machen lassen:

Die Dimensionen des Grand Canyon sind eigentlich kaum vorstellbar, wenn mal das nicht selbst gesehen hat – was im Übrigen für etliche Nationalparks im Südwesten ebenso gilt. Was sage ich – selbst wenn man dort steht oder sitzt, kann man das mit so einem kleinen menschlichen Gehirn, das noch dazu europäische Verhältnisse gewöhnt ist, einfach nicht fassen. Error. Does not compute.

Das Problem an jenem Tag im August 2015, als meine Nichte und ich diesen Punkt erreicht hatten, war, dass wir diese Grandness gar nicht lange auf uns wirken lassen konnten, denn es kündigte sich ein Gewitter an. Als wir in noch einigermaßen beruhigender Entfernung den ersten Blitz sahen, machten wir uns blitzartig auf den Rückweg.

Das Besondere an Wanderungen im Grand Canyon ist ja, dass man zuerst ab- und dann wieder aufsteigt. Schon zu Beginn des Trails gibt es entsprechende Warnschilder.

Dieses „Up is mandatory“ ist dann im Fall eines Gewitters doch etwas, das die Situation etwas erschwert (es sind 6 Meilen Aufstieg)…

Ich habe in meinem Beitrag zu unseren diesbezüglichen Erfahrungen schon beschrieben, wie diese Wanderung uns dann doch noch stärker in Erinnerung geblieben ist, als uns zunächst lieb war. Ich zitiere mal hier die Stelle, in der ich den gefährlichsten Abschnitt unseres Weges zurück nach oben beschreibe (für den ganzen Bericht bitte den Beitrag aufrufen!):

Nach dieser Rast kam dann der gefährlichste Teil unserer Wanderung. Es fing wieder zu regnen an und bald hörten wir auch wieder Donnergrollen. Die jungen Leute waren wieder ein ganzes Stück vor mir, als plötzlich da ein helles Flackern war mit einem sofortigen Donnerknall im Anschluss. Da ist mir das Herz ganz schön in die Hose gerutscht! Meine Nichte ist dann auch – wie vom Donner gerührt (endlich verstehe ich diese Redewendung) – stehen geblieben und hat auf mich gewartet. Von nun an blieben wir eng beieinander. Wir hatten keinerlei Möglichkeit, uns irgendwie zu schützen – so blieb uns nichts anderes übrig als weiterzugehen und zu hoffen, dass der Ranger recht hatte, der einem anderen Wanderer erzählt hatte, dass Gewitter nicht so gefährlich sind im Grand Canyon, weil die Felsen Eisen enthielten und deswegen der Blitz in die Felsen, und nicht in Menschen, schlagen würde. Kurz darauf folgte ein weiterer Blitz und Donner – wieder so nah und so laut, dass mir Angst und Bange war. Nun erfuhren wir am eigenen Leib, wie sehr die Hormone, die bei Angst ausgeschüttet werden, einen „beflügeln‟ können. Plötzlich spürte ich kaum mehr Anstrengung, obwohl es permanent bergauf ging. Ich setzte einfach einen Fuß vor den anderen – und so erreichten wir safe and sound den letzten Unterstand.

Viele Fotos habe ich verständlicherweise während des Gewitters nicht gemacht, aber in den Phasen ohne Regen und Blitz und Donner habe ich zumindest ein paar Fotos geschossen, die die Stimmung ganz gut einfingen.

Am Ende sind wir heil wieder herausgekommen – und so überwiegen die positiven Gefühle und Erinnerungen an die grandiose Aussicht (links kurz nach dem Aufbruch am Morgen, rechts der Blick zurück, als wir kurz vor Sonnenuntergang wieder oben waren) und auch die kleinen Weggefährten am Rande.

Schon ein einzigartiger Ort. Ein Ort, den man nie vergisst, denn die Bilder des Gesehenen bleiben für immer im Kopf. You can’t unsee this. You must see this.

PS: Ich empfehle auch einen Blick auf meine Fotos vom Sonnenaufgang im Grand Canyon! Hier ein Teaser:


2 Gedanken zu “Fotografie: Lieblingsorte #38

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