Media Monday #462

Es ist anstrengend, vor allem mental. Ich habe in der Schule einfach dieses Gefühl: Kann ich mich tatsächlich so verhalten, wie es der Infektionsschutz will? Wie teile ich Arbeitsblätter aus, ohne mich und die Schüler*innen zu gefährden? Darf ich die Tür auch mal schließen, wenn es Konzentration braucht? Wie gehe ich mit Kolleg*innen um, die völlig unbesorgt nebeneinander im Lehrerzimmer sitzen? Wie können wir 1,5 m Abstand von den Schüler*innen verlangen und dann selbst alle Abstandsregelungen in den Wind schlagen? Das belastet mich ganz schön, merke ich gerade, und ich bin über jeden Tag, ach was, jede Minute froh, die ich nicht im Schulhaus verbringen muss. Und die ich mit anderen Dingen verbringen darf.

Wie z. B. mit dem Media Monday.

1. Projekte wie Online-Übertragungen von Theateraufführungen oder Wohnzimmerkonzerte einzelner Künstler sind mir momentan lieber als Netflix & Co. (Da hat doch Wulf von Adoring Audience und mir abgeschrieben?!?! 😉 ) So habe ich z. B. am Donnerstag und Freitag die zwei Versionen von Danny Boyles Inszenierung von Frankenstein angesehen – und zum mindestens 9. und 10. Mal 😳 sehr genossen. Und ich „zwinge“ nun auch meinen Freund dazu, sich das Stück anzusehen. 😉 Lest gerne zur Erinnerung – oder als Anreiz (beide Versionen sind noch bis Donnerstag 20:00 auf dem YouTube-Kanal des National Theatre zu sehen) – meine Rezension aus dem Jahr 2014. (Ich habe gerade so ein Déjà-vu… 😉 ) Trotzdem kann all dies sicher nicht das Live-Erlebnis vor Ort ersetzen…

2. Größter Helfer im Kampf gegen die Langeweile oder schlicht das Gefühl, dass einem die Decke auf den Kopf fällt, ist wohl Rausgehen und Leute treffen. Das sollte aber mit Bedacht geschehen (siehe auch 3.). So habe ich am Sonntag meine Freundin (und Autorin) Dani (jetzt darf ich ja ihren Namen nennen 😉 ) auf einen Spaziergang in der Stadt getroffen. Treffpunkt – aus Nostalgie – vor dem Cinema. Es war so schön, mal wieder über Filme und mehr mit ihr zu quatschen.

3. Die nicht bis kaum vorhandenen Möglichkeiten zu persönlichem Miteinander scheinen manche Menschen jetzt mit Besuchen bei IKEA zu kompensieren. WTF???

EXBDSfRWoAEogXK
Quelle: Twitter

4. Fotografieren ist für mich persönlich im Moment regelrecht essentiell, denn so wie andere Menschen Hunde haben, die sie zum Rausgehen zwingen, will auch meine Kamera nicht allzu viele Tage achtlos in der Ecke liegen gelassen werden. Wie gut, dass ich sie am Freitag dabei hatte, sonst hätte ich diesen überaus hübschen Turmfalken nicht so schön nah herholen können:


5. Um die Übersicht zu behalten, was ich noch alles sehen/lesen/spielen/etc. möchte, müsste ich die Übersicht erstmal haben.

6. Schreiben als Feierabend- oder Wochenend-Beschäftigung habe ich in letzter Zeit viel zu stark vernachlässigt.

7. Zuletzt habe ich die zweite Staffel von Ricky Gervais‘ After Life auf Netflix gesehen und das war erneut fantastisch, weil Ricky Gervais den von Trauer zerfressenen Protagonisten Tony so authentisch und ehrlich spielt, dass es mich sehr berührt. Zudem sind alle Charaktere einfach auf ihre Weise einzigartig, und alle haben ihr Päckchen zu tragen. Das ist oft traurig, aber es gibt auch so viele humorvolle Momente. Eine absolut sehenswerte Serie!


7 Gedanken zu “Media Monday #462

  1. Ist das ein hübscher Vogel! Auf jeden Fall eine Wohltat nach dem IKEA-Schockfoto. Um Himmels Willen. Und was das Austeilen von Arbeitsblättern angeht, dachte ich, dass vom Anfassen keine Gefahr ausgeht, sondern höchstens von der Atemluft. So lange niemand auf die Blätter hustet, sehe ich da keine Möglichkeit der Ansteckung. Oder bin ich zu optimistisch/naiv?

    1. Naja, es ist aber schon schwer, beim Austeilen die 1,5 m einzuhalten. Dazu bräuchtest du ja zwischen Tischen 3 m Abstand, damit ich dazwischen durchgehen kann, ohne den Abstand zu durchbrechen. Außerdem gibt es für die Schulen die Vorlage, dass sich die Schüler*innen z. B. nichts gegenseitig ausleihen dürfen oder etwas gemeinsam benutzen.

  2. Ich musste nach den Lockerungen hier in NRW auch zu IKEA, da meiner Frau noch der versprochenen Nähtisch zur Nähmaschine fehlte. Ich habe zum Glück einen Tag unter Woche und den frühen Vormittag gewählt. Da war in Düsseldorf nichts los. Konnte also schnell rein, zum Infoschalter den Zettel für die Warenausgabe holen, bezahlen und Ware abholen. Alleine schon die Wartezeit wäre mir der Besuch bei IKEA nicht wert und ich kann mit echt nicht vorstellen, dass all die Leute unbedingt was brauchten, sondern zum Teil einfach nur durch die Ausstellung schlendern wollten. Und dafür eine Infektion riskieren? Nicht sehr clever, oder?

Indem du die Kommentarfunktion nutzt, erklärst du dich mit der Verarbeitung deiner angegebenen Daten durch Automattic, Inc. sowie den Dienst Gravatar einverstanden.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.