Media Monday #455

Das Coronavirus bestimmt meinen Alltag – ab heute mehr denn je. Bis zu den Osterferien in drei Wochen bleiben Bayerns Schulen geschlossen, und mir graut davor, was das für unsere Schulart (Fachoberschule) bedeutet. In der dritten Woche nach den Osterferien sollte schon die mündliche Gruppenprüfung in Englisch laufen, in der vierten Woche wäre Notenschluss für die 12. und 13. Klassen. Wie sollen in der kurzen Zeit alle Noten erhoben werden? Schulaufgaben wären zum Großteil in den letzten zwei Wochen vor den Osterferien geschrieben worden, mündliche Noten können nun auch keine gemacht werden… Mein Kopf raucht. Nun gut, schauen wir, was die Konferenz am Dienstag bringt und was das Ministerium noch bzgl. der Prüfungen verlauten lässt.

Ich halte die Maßnahmen für richtig, aber es hat sich bei mir keine Erleichterung oder gar Freude über fünf Wochen am Stück kein Unterrichten vor der Klasse (so anstrengend das manchmal sein kann) eingestellt. Die Sorge überwiegt, wie die Prüfungsjahrgänge (fast 2/3 unserer Schüler*innen) dieses Schuljahr beenden werden.

Was den Media Monday angeht, gilt allerdings folgendes Motto: The show must go on.

1. Medienkonsum schön und gut, aber dazu durch Ausgangssperre gezwungen zu werden, macht dann wahrscheinlich auch auf Dauer nicht so viel Spaß.

2. Bei der Wahl des nächsten Films, den ich zu schauen gedenke, muss ich auf Streaming-Plattformen und DVDs bzw. Blu-rays zurückgreifen. Denn ich werde die nächsten Wochen nicht ins Kino gehen, selbst wenn diese nicht geschlossen würden.

3. Viele ältere Lieblingsfilme habe ich ewig nicht mehr gesehen und frage mich, ob jetzt vielleicht der passende Moment für Rewatchs wäre.

4. Oft genug ist/sind es ja die beteiligten kreativen Personen (Regisseur*innen, Autor*innen, Schauspieler*innen…), die mich zu einem bestimmten Film/Buch/etc. bringen, denn das sind meine Hauptkriterien bei der Auswahl. Aber natürlich gibt es auch Tipps oder Geschenke von Freund*innen und Familie, Blogger*innen oder Tweeps, die mir Filme, Serien oder Bücher schmackhaft machen.

5. Den Briten Johnny Flynn habe ich jüngst (naja, vor etwa einem Jahr?) erst für mich entdeckt und finde ihn in den drei Produktionen, in denen ich ihn gesehen habe (Netflix-Serie Lovesick, Beast  und jüngst Emma), hervorragend.

6. Wenn es der Menschheit nur gelingen würde, die Kurve der mit Corona Infizierten abzuflachen, könnten wir wieder einem geregelten Leben nachgehen. Ich versuche, meinen Teil beizutragen, auch wenn ich dieses Wochenende noch etwas unvernünftig war und mit dem Zug zu meinem Freund gefahren bin. Sollte ich in der Schließzeit der Schule nochmal zu ihm fahren, dann mit dem Auto, um weniger im Kontakt mit anderen zu sein. Social Distancing GANZ allein für drei (- fünf) Wochen fände ich jetzt schon auch heftig. Zu zweit wäre das schon schöner.

7. Zuletzt habe ich mich darüber geärgert, dass im Londoner West End noch alle Theater ganz normales Programm fahren, und das war selbst für mich überraschend, weil die Schließung der Theater oder die Absage der Olivier Awards am 5.4. auch bedeuten würde, dass ich drei Theaterstücke (und damit u. a. Judi Dench, Emilia Clarke und Timothée Chalamet 😥 ) und meinen ersten Besuch einer Award-Show verpassen würde. Ja, es wird mir schwer fallen, meinen London-Trip abzusagen, aber ich bin inzwischen fest der Meinung, dass dies die richtige Entscheidung ist. Noch habe ich nichts storniert, aber ich sehe, ehrlich gesagt, keinen anderen Ausgang.


33 Gedanken zu “Media Monday #455

  1. Ab Dienstag geht es dann richtig rund in Bayern. Grade die neue Meldung wegen Ladenschließzeiten usw. bekommen 😦 So langsam wird es für kleine Firmen tötlich…

    1. Mein Bruder (freiberuflich auf Messen für die Technik bei Vorträgen zuständig) wird im März und April nichts verdienen. Trotzdem aber die richtige Entscheidung, Messen abgesagt zu haben. Mal sehen, wie die Hilfen der bayerischen Staatsregierung anlaufen werden…

      1. Natürlich ist es gut, wenn viel abgesagt wird, um die Gefahr einzudämmen. Allerdings sollen dann auch die Hilfen problemlos laufen für alle, die bei den Schließungen ums Überleben kämpfen müssen.

          1. Das hat wohl niemand vorher gedacht 😂😂

            Ich würde gerne frei machen und kann nicht, weil die Amis und die Araber immer noch fliegen.

          2. Im Moment noch auf freiwilliger Basis heruntergefahren. Schlimmer dran sind die Geschäfte. Da sind schon viele zu.

  2. Merkwürdige Zeiten derzeit… Und keiner weiß so richtig, wie und wann wir wieder unser normales Alltagsleben aufnehmen können. Heute würden hier die mündlichen Abiturprüfungen beginnen, doch die wurden erst einmal verschoben. Ich kann mir vorstellen, wie das sowohl die Lehrer als auch die Schüler belastet.
    So sehr ich mich auch z.B. auf meinen nächsten Londontrip Anfang Mai freue, ich fürchte, auch der wird ein Opfer von COVID-19… Es stünde mir vermutlich auch nicht der Sinn danach. Dass die Theater im Westend noch nicht geschlossen haben, irritiert mich sehr!
    Ich bin gerade dabei, hier Rückerstattungen für nicht genutzte Theater- und Konzerttickets zu beantragen, was bei großen Festivals oder Theatern auch gar kein Problem ist: direkt am Samstag erreichten mich schon Veranstaltermails mit entsprechenden Vordrucken.
    Nicht auszudenken, was diese Schließung für kleinere Betriebe, Veranstalter bedeutet…

    1. Nun haben ja die Theater im West End geschlossen. Es war höchste Zeit, aber sie haben halt leider keinerlei Hilfe durch die Regierung bekommen. So heftig für Tausende an Beschäftigen in der Kultur! Mein Trip ist abgesagt, Flug und Hotel wurden ohne Probleme storniert, obwohl das alles ohne freie Stornierung gebucht war.

      Das Unterrichten von zu Hause aus ist durchaus nicht weniger anstrengend, wie es bzgl der Prüfungen an unserer Schulart aussieht, steht noch nicht fest… Alles ist so ungewiss…

      1. Ich Flüge und Tickets noch nicht stornieren können für Anfang Mai. Es tut mir sowohl in London als auch hier so leid für alle die Kulturschaffenden, die jetzt ohne alles da stehen. Wenigstens gibt es hier Zusagen seitens der Politik.
        Die Situation ist für alle neu, unwirklich und ungewiss, wie Du sagst. Ich drücke Dir und allen Lehrern und Schülern die Daumen, dass diese unsichere Lage nicht zu lange dauert!

  3. P.S.: Johnny Flynn fand ich übrigens auch toll als Mr. Knightley! Der ganze Film hat mir sehr gut gefallen in seiner beschwingten und humorvollen Leichtigkeit und mit dem wie ich finde wunderschönen Soundtrack!

  4. Ja, ganz seltsame Zeiten momentan. Schulen dicht, Kinder zu Hause. Meine Frau ist heute zur Krisenkonferenz in die Schule. Das öffentliche Leben liegt lahm. Wirklich sehr krass. Ich warte nur noch darauf, bis man nicht einmal mehr zum Spazieren oder Joggen raus darf. Das wird dann wirklich krass.

    1. Bei uns wurde sogar die für Dienstag angesetzte Konferenz abgesagt. Ich denke ja oft, ich würde lieber zu Hause bleiben, als mich vor die Klasse zu stellen. Und nun vermisse ich sogar die anstrengenden Klassen schon nach 3 Tagen…

      1. Meine Frau muss einmal pro Woche zur Notaufsicht reinkommen. Aber ist schon krass, wie sich das alles entwickelt. Tag 3 Home Office und es fühlt sich schon an wie Wochen…

        1. Wir haben halt den Vorteil, dass unsere Schüler*innen nicht beaufsichtigt werden müssen…

          Jetzt arbeite ich ja schon immer auch von zu Hause (Vorbereitung, Korrektur), aber das ist trotzdem so völlig anders. Manchmal erwarte ich, dass ich gleich aufwache und das alles nur ein Traum war. Hatte heute ein ganz intensives Déja-vu…

  5. Ob es der Menschheit gelingt, die Kurve (im notwendigen Maß) abzuflachen und in absehbarer Zeit wieder den Normalzustand herzustellen? Einigen Ländern sicherlich – China ist es schon teilweise gelungen. Ob Deutschland dazugehört, ist fraglich. Aktuell liefern sich die poltisch Verantwortlichen in Deutschland, von wenigen Ausnahmen wie Markus Söder abgesehen, in Sachen Inkompetenz ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem „Stable Genius“ und der iranischen Regierung. Und das will etwas heißen.

    Das Land bewegt sich im Zeitraffertempo auf eine absolute Katastrophe zu, wenn die Politik nicht noch wie durch ein Wunder die „Kurve kriegt“ (pun intended, haha).

  6. Ach, und bevor hier der Eindruck entsteht, ich würde mich nur auf die Politik einschießen: Viele Normalbürger sind nicht besser. Gestern waren in München die Biergärten und Cafés aufgrund des schönen Wetters voll. Alle schön dicht zusammen.

  7. Irgendwie wird jetzt nach und nach das öffentliche Leben heruntergefahren.
    Konsequenterweise müsste man bei uns in der Personalabteilung der hiesigen Uni auch die Öffnungszeiten aussetzen. Heute war wiedermal die Hölle los. Von 7 Uhr bis 16:55 Uhr fast komplett durchgearbeitet. Leider kann ich kein Homeoffice machen 😦

      1. Die drei Arbeitstage dieser Woche waren schon hart an der Grenze zum Irrsinn. Nicht falsch verstehen, es geht mir gesundheitlich weiterhin gut. Aber nachdem ich gestern und vorgestern ca. 9 h 20 Minuten und heute fast 10 h gearbeitet habe bin ich halt dann doch platt. Die nächsten Tage müssen meine Kollegin und ich nach Anweisung des Chefs uns im Büro abwechseln damit nur noch maximal 1 Person pro Zimmer anwesend ist. Der Publikumsverkehr wurde heute bis 19.04.2020 ausgesetzt. Homeoffice ist bei mir wie gesagt schwierig, aber mal schauen was die nächsten Tage noch so passiert.

  8. Mich macht es auch vor allem wütend, dass sich ein Großteil der Leute aufführt als gäbe es Corona nicht. Ich würde inzwischen am liebsten nur noch im Ganzkörper-Schutzanzug rumlaufen, besonders in den Supermärkten. Überall und besonders an der Kasse rücken einem die Leute gnadenlos auf die Pelle! 😲 Ich mache mir nicht so viel Sorgen, dass ich eine Infektion nicht überstehen könnte, aber ich habe einen 87-jährigen alleinstehenden Vater, der von mir mit Lebensmitteln versorgt wird, damit er sich keinem Risiko aussetzen muss. Wenn ich angesteckt werde und in Quarantäne muss, wer soll ihn dann versorgen? Ich verzichte die kommenden Wochen sogar darauf, meinen Partner persönlich zu treffen, nur damit ich gesund bleibe. Deshalb finde ich das Verhalten der Menschen in höchstem Maße gefährlich und rücksichtslos! Sorry, musste mal etwas Dampf ablassen…

    1. Verstehe dich total! Respekt, dass du sogar auf deinen Freund verzichtest. Das schaffe ich nicht, aber wenn ich die einzige wäre, die sich um meine Eltern kümmern müsste, würde ich das wohl auch tun. Ich drücke die Daumen, dass ihr gesund bleibt!

  9. Zum Londoner Westend. Da war ich sehr überrascht. Für humane Eintrittspreise spielen echte Stars aus Film und Fernsehen. Und das richtig gut. Kann ich ebenfalls weiterempfehlen.

    1. Ja, das ist ja das, was viele nicht wissen: Dass dort echte Stars spielen, die man aus Film und Fernsehen kennt. Wenn man so an Deutschland denkt, dann ist da in den Köpfen: Entweder bist du Theaterschauspieler ODER Filmstar. Hat auch schon mal ein Schüler von mir ganz erstaunt gefragt: „Bryan Cranston kann auch Theater spielen? Ich dachte, Serienschauspieler können das nicht…“

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