Highlight der Woche 2020: KW 5 (Marriage Story) + KW 6 (Lulu)

Die letzten drei Wochen waren anstrengend und ziemlich vollgestopft mit Terminen, weswegen ich es leider nicht geschafft habe, über meine Highlights für die Kalenderwochen 5 und 6 zu schreiben. Da diese Woche dann auch noch KW 7 verfasst werden muss, fasse ich Wochen 5 und 6 in diesem Beitrag zusammen (und halte mich zudem auch ziemlich knapp).

Marriage Story (Noah Baumbach, UK/USA 2019 – NETFLIX)

Ich habe ja schon einige Monate kein Netflix mehr (aus Protest gegen die Absetzung meiner Lieblingsserien), und so war mein Freund so lieb, den Film mit mir bei ihm anzusehen, obwohl er ihn schon im Kino gesehen hatte. Ich danke ihm das sehr, denn dieses Ehe-/Scheidungsdrama ist wirklich sehenswert und war zurecht für diverse Oscars nominiert (gewonnen hat dann nur Laura Dern als beste Nebendarstellerin), nicht zuletzt, weil sich Scarlett Johansson und Adam Driver die Seele aus dem Leib gespielt haben. (Adam Driver entwickelt sich für mich immer mehr zu einem „Draw“, sprich, wenn ich weiß, dass er mitspielt, will ich den Film sehen.) Es gibt hier insbesondere eine Szene, in der sich das Noch-Ehepaar im Verlauf des „Gesprächs“ immer schlimmere Dinge an den Kopf wirft, bis es so richtig verbal eskaliert, die ein richtiger Schlag in die Magengrube ist. Alleine für diese Szene würde es sich schon lohnen, den gesamten Film anzusehen.

Aber auch Beginn und (fast) Ende des Films (Adam Driver singt!) sind so großartig geschrieben und umgesetzt, dass er für mich völlig zurecht auf der Liste mit den besten Filmen der Academy Awards stand. Außerdem schafft es Baumbach durch sein Drehbuch und seine Regie, sowie Johansson und Driver, dass man als Zuschauer*in keine klare Partei ergreift. Mal erscheint Charlie vernünftiger, mal hegt man mehr Sympathien für Nicole. Denn – und dies zeigt der Anfang des Films – beide haben sehr viele liebenswerte Eigenschaften, haben sich eigentlich wunderbar ergänzt. Und trotzdem: Es gibt keinen Weg zurück. Das ist zwar zwischenzeitlich überaus schmerzhaft, aber am Ende lernen sie, damit zu leben. Ich finde es wichtig, das zu zeigen, denn nicht jede Trennung ist ein Weltuntergang, und es hilft oft nicht, nach dem oder der Schuldigen zu suchen. Noah Baumbach zeigt das eindrucksvoll. 8,5 von 10 Punkten

 

Lulu (von Frank Wedekind (1913) in einer Bearbeitung von Bastian Kraft, Cuvilliéstheater München, 03.02.2020)

Quelle: Residenztheater

Der Münchner Dramatiker Frank Wedekind schuf mit Lulu eine «Schlange», geschaffen, um «zu locken, zu verführen» – eine «Urgestalt des Weibes» und eine ideale Projektionsfläche männlichen Begehrens. Doch wer ist Lulu? Diese Frage ergründet Bastian Kraft, indem die drei Schauspielerinnen nicht nur Lulu, sondern auch alle anderen Figuren des Stückes spielen. So zeigt er Lulus Blick auf die Männerbilder, die Wedekind in seiner «Monstretragödie» zeichnet.

Drei Schauspielerinnen – Liliane Amuat, Juliane Köhler und Charlotte Schwab – verkörpern Lulu. Und alle anderen Figuren. Mal werden diese als Schattenspiele dargestellt, mal mit Hilfe von Videoinstallationen eingespielt. Schon rein technisch hat mich diese Inszenierung fasziniert. Dazu die starken schauspielerischen Leistungen, Juliane Köhler spielte sogar mit gebrochener Hand, und eine offenbar etwas andere Herangehensweise an den ursprünglichen Text (, den ich allerdings nicht kenne), denn, so verrät es uns Lulu am Anfang, sie stirbt an diesem Abend nicht – im Original wird sie eine der Opfer von Jack the Ripper. Das Stück ist so reich an Inhalt, dass eine einmalige Sichtung dem Stoff kaum gerecht wird. Im Kern geht es meines Erachtens darum, als Frau das eigene Schicksal selbst in die Hand zu nehmen, auch wenn um die Jahrhundertwende (19./20. Jahrhundert) das Leben der Frauen in der Regel von Männern bestimmt wurde. Sicher eine der interessantesten Inszenierungen in deutscher Sprache, die ich gesehen habe!

https://www.residenztheater.de/stuecke/detail/lulu


Ein Gedanke zu “Highlight der Woche 2020: KW 5 (Marriage Story) + KW 6 (Lulu)

  1. „Marriage Story“ kann man ruhig zweimal schauen und der wirkt im Heimkino genauso gut wie auch auf der Kinoleinwand, wo ich ihn beim ersten Mal gesehen hatte.

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