Media Monday #433

Der 9.10.19 wird mir sicher in Erinnerung bleiben, denn an diesem Tag geschah der rechtsextremistische Terrorangriff auf die Synagoge in Halle. Zwei Tote – wie viele hätten es werden können, wenn der Terrorist sich Zugang zur Synagoge hätte verschaffen können? Es ist einfach erschreckend, dass so etwas in der Wahlheimat meines Freundes passiert, in einer Stadt, die bisher einen weltoffenen Eindruck auf mich gemacht hat. Unter all den Graffiti, die ich schon fotografiert habe, war kein einziges NS-Symbol, auch keine anderweitigen Hassbotschaften habe ich bisher entdecken können. Dagegen etliche Stolpersteine, die natürlich auf eine furchtbare Schuld in der Vergangenheit der Stadt hinweisen, aber auch zeigen, dass sich die Stadt offen dafür zeigt, diese Vergangenheit aufzuarbeiten und den Opfern zu gedenken.

Das war der eigentliche Horror dieser Woche, doch Wulf will im heutigen Media Monday noch mehr zum Thema Horror lesen.

1. Die Kombi aus Horror und Komödie ist mir im Bereich des Horror-Genres am liebsten. Ich sage nur Tucker and Dale vs. Evil oder Shaun of the Dead. Great stuff!

2. Mit Hass kann man mich ja wirklich jagen, denn es gibt eigentlich nichts, was mich derzeit trauriger macht, als dieser Hass überall. Am schlimmsten natürlich in der Ausprägung, die z. B. am Mittwoch in Halle zu zwei verabscheuungswürdigen Morden geführt hat. Aber auch der Umgang mit Andersdenkenden auf Social Media ist so dermaßen von Hass zerfressen, von Twitter-Accounts, deren ausschließliches Anliegen es ist, genau EINE Serie bei jeder Gelegenheit mies zu machen, über die gegenseitigen Beschimpfungen von politischen Gegnern (und da nehmen sich zum Teil beide Seiten nichts) bis hin zu konkreten (Mord-/Vergewaltigungs-)Drohungen, die gegenüber manchen ausgesprochen werden. Ich könnte jetzt sagen: Ich HASSE das, aber ich würde so gerne diesen Teufelskreis der hasserfüllten Sprache durchbrechen…

3. Der Reiz, sich von Horrorfilmen den Puls nach oben treiben zu lassen, erwischt mich nur selten.

4. Wo wir uns jetzt offiziell im Herbst befinden, bleibt endlich wieder etwas mehr Zeit für meinen Freund und mich, weil in zwei Wochen Herbstferien sind und wir dann eine ganze Woche zusammen verbringen können. ❤

5. Horrorfilme schön und gut, aber ein richtig gruseliges Buch habe ich tatsächlich noch nicht gelesen. Ich nehme mir immer mal vor, dass ich mir von meiner Freundin D., die großer Stephen-King-Fan ist, endlich mal Salem’s Lot oder gar IT ausleihe, aber dann greife ich doch lieber zu Neil Gaiman, Haruki Murakami – oder gerade zu Margaret Atwoods The Testaments (, das mir übrigens sehr gut gefällt).

6. Ich würde gerne sagen, Joker bricht auf clevere Weise mit altbekannten Klischees, denn allein die Schauspielkunst von Joaquin Phoenix macht den Film schon sehenswert. Aber letztlich ist die Origin-Story doch auch wieder klischeebehaftet. Wobei das nicht mal mein Kritikpunkt ist – doch dazu demnächst mehr, denn das kann ich nicht in zwei Sätzen abhandeln.

7. Zuletzt habe ich mit @sim_lein das Musical The Band (ein sog. Jukebox-Musical mit Liedern von Take That) in deutscher Fassung im Deutschen Theater München gesehen und das war zwar ganz nett, aber hat bei mir nicht für Begeisterungsstürme gesorgt, weil ich erneut festgestellt habe, warum mir Musicals auf Deutsch (in diesem Fall wurde ja immerhin nur auf Deutsch gesprochen) nicht so gefallen: Die sprachen alle Hochdeutsch, ohne jeglichen dialektalen Einschlag oder Akzent. Hallo, in der ersten Hälfte geht es um 16-jährige Mädels aus der Gegend von Manchester – die haben in der englischen Produktion bestimmt einen fetten nordenglischen Akzent gehabt! Hier sprachen die Mädels reinstes Hochdeutsch; und dies oft mit einem Wortschatz, den Teenager einfach nie so verwenden würden – auch nicht 1993 (die Zeit, in der der erste Teil spielt). Außerdem hat mich weder die Schauspielerei, noch der Gesang so richtig überzeugt. Trotzdem gab es einige mitreißende Szenen, ein sehr gelungenes Bühnenbild, und gegen Ende – ja, ich gebe es zu: als „Back for Good“ ins Spiel kam ❤ – war es durchaus auch ein klein wenig bewegend. Und mit der lieben Begleitung – einem echten Take-That-Fan! – war es trotz aller Kritik ein sehr unterhaltsamer, schöner Abend.

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Bei den Schluss-Nummern (sozusagen dem „Curtain Call“) mit dem gesamten Cast durfte man offiziell Fotos schießen.

6 Gedanken zu “Media Monday #433

  1. Wenn ich Musicals sehen möchte, dann in der Originalsprache. Mein erstes Musical war übrigens „Chess“, das ich Anfang der 90er Jahre in London gesehen habe. Es wurde geschrieben von Benny Andersson und Björn Ulvaeus (ABBA).

    1. Ja, das ist eben auch mein „Verfahren“ normalerweise. Versuche gerade, mich zu erinnern, was mein erstes Musical war… *grübel* Es war entweder „Hair“ oder „West Side Story“ (beides auf Englisch auf Tour in Deutschland), ich schätze Ende der 80er Jahre… Das erste Musical außerhalb Deutschlands war tatsächlich erst 2015 am Broadway („Finding Neverland“) mit meiner Nichte.

  2. Mich konnte The Band auch nur wenig überzeugen. Back for good war auch eine der wenigen Szenen die mich dann überzeugen konnte und bei der ich tatsächlich Gänsehaut hatte

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