X-Men: Dark Phoenix (2D)

(Obwohl ich den Plot nicht im Detail schildere, komme ich in dieser Kritik nicht ohne Spoiler aus, habe aber die entsprechenden Stellen gekennzeichnet und in weiß geschrieben. Bitte zum Lesen markieren.)

Quelle: IMDb, Copyright: 20th Century Fox / Bad Hat Harry / Marvel Entertainment…

So, ich wage mich an meine erste Filmkritik seit langem (ist es tatsächlich wahr, dass meine letzte Filmkritik im Oktober veröffentlicht wurde? 😮 😳 😥 ) – irgendwie muss die Filmkritikschreibblockade (es lebe die deutsche Sprache! 😉 ) ja mal gebrochen werden. Warum nicht mit dem letzten Teil der Reihe eines Universums, das ich sehr liebe: X-Men. Als vor einigen Jahren bekannt wurde, dass James McAvoy den jungen Charles Xavier spielen sollte, war ich interessiert, aber tatsächlich war ich damals wohl noch gespannter auf Michael Fassbender als Magneto (Erik Lehnsherr). James hat mich dann aber spätestens ab Days of Future Past so richtig erwischt. ❤ Und so schnitt sogar der im Rückblick (und nach zweiter Sichtung) sehr schwache Apocalypse noch recht gut ab, wie ihr hier nachlesen könnt.

Den nun letzten Teil mit den „jungen X-Men‟ (auch nicht mehr ganz so jung) habe ich mir in bester Begleitung an meinem Geburtstag angesehen, weil er da in Halle Neustadt in OV lief. Ich bin nicht mit allzu hohen Erwartungen herangegangen, nachdem die Kritiker sich ja nicht gerade mit Lob überschlagen hatten (Metacritic: 43 von 100, Rotten Tomatoes: 23% bzw. 4,63 von 10). Trotzdem war ich etwas überrascht, mit welch gemischten Gefühlen ich aus dem Kino gegangen bin. O-Ton: „Ich weiß nicht recht, was ich von dem Film halten soll.‟ Über vieles bin ich mir erst nach einigen Tagen Überlegung und nach dem Lesen einiger Kritiken klar geworden. Und so konnte ich meinem Bruder auf die Frage, „Und, war Dark Phoenix so schlecht wie Rotten Tomatoes klingt, oder nur ganz okay oder sogar gut?‟ nur antworten: „Zwischen ganz OK und schlecht.‟

Doch fangen wir mit den positiven Punkten an. Die Anfangssequenz im Weltall war ein optischer Leckerbissen. Überhaupt habe ich visuell nichts auszusetzen – gefilmt ist Dark Phoenix ganz wunderbar (von Mauro Fiore, der u.a. DP bei Avatar und Real Steel war, der sich mit dem Genre also auskennt). Dazu kommen einige hervorragend choreografierten Kampfszenen, insbesondere die auf und im fahrenden Zug gegen Ende des Films. Das hat viel Spaß gemacht, und es gab eine Szene, bei der ich gerne Szenenapplaus gespendet hätte (das Publikum hat aber nicht so recht mitgezogen…). Ich liebe es nach wie vor, wie die Mutanten ihre Kräfte einsetzen, daran kann ich mich eigentlich nicht satt sehen.

Was ich aber nun wirklich langsam satt habe, das ist, wie sich Erik/Magneto entwickelt, bzw. wie er sich eben nicht weiterentwickelt. In jedem Film geht es darum, wie er erst „gut‟ ist, dann etwas Schreckliches erlebt und deswegen Rache üben will (sei es an einem Mann/Mutanten (First Class) oder der ganzen Menschheit (Apocalypse)), und zuletzt dann aber doch wieder geläutert ist und ihm somit auch irgendwie alles vergeben ist. Und in Dark Phoenix? Da lebt er erst abseits der Menschen und der Mutanten-Truppe von Professor X auf einer Insel. Man könnte meinen, er müsste langsam vielleicht mit seinen „Entgleisungen‟ (Hey, er war bereit, die ganze Menschheit mit Apocalypse zu zerstören und hat den Tod so einiger weniger VIELER unschuldiger Menschen zu verantworten!) zu der Einsicht gekommen sein, dass sein Rachekonzept irgendwie nicht so die ganz tolle Idee ist, wenn er irgendwie zu redemption kommen will. SPOILER: Aber nein! Raven wird durch Jean getötet, allerdings deswegen, weil sie ihre Kraft nicht unter Kontrolle hat (wofür sie GAR nichts kann), also im Grunde genommen war es ein Unfall. Egal. Es war Raven, also muss Erik los, Jean finden und sie töten. Klarer Fall, oder? Magneto hat Tausende auf dem Gewissen, Jean tötet „aus Versehen‟ eine Mutantin – und muss natürlich dafür sterben. Logisch! Ach so, ja, am Ende checkt er dann natürlich wieder, dass das vielleicht doch falsch war und hilft dann doch wieder Charles & Co. – die er vorher bekämpft hat, denn die wollen Jean LEBENDIG finden und ihr helfen – im großen Endkampf. Ach ja, und ganz am Ende trifft er sich mit Charles in Paris zum Schach. Ende gut, alles gut?!?? So sehr ich die Chemie zwischen Charles und Erik liebe – das Ende war dann doch zu versöhnlich. /SPOILER Ich finde ja, dass dadurch Magneto als ein sehr schwacher Charakter gezeichnet wird, der immer wieder in alte, unbewährte Muster verfällt, sobald irgendetwas schief läuft. Grow up, already! Sehr schade, das hat er nicht verdient…

Was mich auch sehr irritiert hat, ist die Tatsache, dass einige Figuren doch ziemlich „out-of-character‟ handeln, vor allem Hank. SPOILER: Ja, er liebt(e) Raven – und zwar schon seit First Class -, aber dass er nun ausgerechnet derjenige ist, der Magneto rekrutiert, um Jean zu töten, das will ich nicht glauben. Gut, natürlich könnte man so argumentieren, dass da halt das „Beast‟ in ihm durchkommt, durch die Trauer, aber aus meiner Sicht passt das trotzdem nicht zu Hanks Charakter, so wie ich ihn durch die bisherigen Filme kennengelernt habe. /SPOILER

Leider hat mich auch Professor X nicht so ganz emotional erreicht wie in den Vorgänger-Filmen, was besonders traurig ist, weil ja James Emotionen eigentlich extrem gut rüberbringen kann. Ich laste dies dann auch eher Drehbuch und/oder Regie (Simon Kinberg) an. Sophie Turner ist dagegen wirklich gut, ihr Spiel als Jean/Dark Phoenix hat mich überzeugt, die Liebe zwischen ihr und Scott/Cyclops (Tye Sheridan) jedoch spüre ich nicht so recht.

Noch ein Wort zu den Villains: Jessica Chastains Vuk ist zwar durchaus eine Verbesserung im Vergleich zu Apocalypse (der arme Oscar Isaac konnte da nichts ausrichten), und die Hintergrundstory (SPOILER: Aliens! /SPOILER) auch leidlich interessant, aber so richtig in Erinnerung bleibt sie auch nicht. Ein weiterer schwacher Bösewicht in der langen Geschichte der schwachen Bösewichte in Comic-Verfilmungen…

Fazit: Die X-Men und X-Women werden zwar bildgewaltig in Szene gesetzt, Plot und Charakterentwicklung lassen aber zu wünschen übrig. Für mich kein würdiger Abschlussfilm – zumal das Ende dann wieder viel zu aufgesetzt versöhnlich wirkt. 5 von 10 Punkten.

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2 Gedanken zu “X-Men: Dark Phoenix (2D)

  1. Ich muss dir vor allem in einem Punkt zustimmen: Als Abschlussfilm war er eine Enttäuschung! Aber Magnetos nicht Weiterentwicklung hat mich nicht gestört, ganz im Gegenteil. Ich erwarte das von Erik. Er wurde im KZ so traumatisiert, dass er das einfach nicht überwinden kann und immer wieder in alte Muster zurückfallen muss. Es gibt eben nicht für jeden Heilung. McKellens Magneto ist auch nicht anders.

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