Nachgedacht: Zum Vatertag – Der Vater als Vorbild

Ich bin knapp dran. Aber dazu muss man auch wissen, dass bei uns eigentlich lange Zeit Christi Himmelfahrt nicht als Vatertag begangen worden ist. Und wenn, dann war das halt ein Tag mit der Familie – mein Vater ist keiner, der mit Bier um die Häuser zieht oder gezogen ist.

Ich bin in einer Familie mit sehr typischen Rollenverteilungen aufgewachsen: Der Vater arbeitet und ist für alle handwerklichen Aufgaben in Haus und Garten zuständig, die Mutter ist Hausfrau und Mutter. Und wenn’s um Sport ging, also z. B. Skifahren, dann war auch unser Vater derjenige, der uns anleitete. Sehr vereinfacht gesagt: Die Mutter gab uns Geborgenheit, der Vater gab uns Anstöße dazu, uns weiterzuentwickeln. (Das ist wirklich sehr vereinfacht dargestellt, natürlich gab uns Kindern auch der Vater Geborgenheit, wie auf diesen Bildern sehr schön zu sehen. Und meine Mutter hat uns natürlich auch angespornt.)

Mein Vater kann alles. So fühlte sich das an früher – und heute ist das kaum anders. Er ist nun 84 und kann viel besser mit Fotobearbeitungsprogrammen auf dem Computer umgehen als ich. Er hat schon eine Reihe von fantastischen Fotobüchern zusammengestellt, mal ganz davon abgesehen, dass er ja auch Künstler in seiner Freizeit ist. Jedes Mal, wenn ich in der Heimat bin, entdecke ich neue Werke in der Wohnung.

Oder im Garten.

Die künstlerische Ader habe ich höchstens insofern geerbt, als ich auch ein gutes Auge für Foto-Motive habe, da überrasche ich sogar meinen Vater manchmal.

Mein Vater war und ist körperlich sehr aktiv. Letztes Jahr hat er mich wieder mal beim Tischtennis geschlagen. Letzten Winter schrieb er mir, er musste mit dem Holzhacken im Garten aufhören – weil es zu regnen begann. Nur das Abfahrtskifahren hat er vor ein paar Jahren aufgegeben.

Aber mein Vater ist auch in anderer Hinsicht Vorbild: Er hat sein Leben lang keinen Kredit aufgenommen – ich kenne wohl niemanden, der so gut mit Geld umgehen kann. Dabei war er „nur“ Sozialpädagoge, später zwar in leitender Funktion, aber trotzdem ist es mir bis heute schleierhaft, wie er – das Kind von Vertriebenen! – eine sechsköpfige Familie nicht nur „durchgebracht“ hat, sondern uns auch schöne Urlaube in Italien und in den Bergen finanziert hat. Er hatte dabei sicher auch Glück gehabt, insbesondere, was unser Haus mit Garten anbelangte, aber das allein erklärt das nicht.

Außerdem hat mein Vater für mich immer auch symbolisiert, dass man sich weiterentwickeln kann. Als er Geschäftsführer einer sozialen Einrichtung wurde, sah er sich plötzlich damit konfrontiert, auch mal Vorträge oder Reden vor größeren Gesellschaften halten zu müssen. Das fiel ihm anfangs schwer, aber er meisterte dies zunehmend – und so habe auch ich später als Junglehrerin nicht aufgegeben und daran glauben können, dass ich mich weiterentwickeln kann. Vielleicht war mir das gar nicht bewusst, woher das kam, aber heute bin ich sehr sicher, dass das mit meinem Vater zusammenhing.

Zuletzt (für heute, es gäbe sicher noch viel mehr zu sagen) ist da noch ein Charakterzug meines Vaters, den ich sehr bewundere, aber den ich nicht immer selbst übernehmen kann. Vereinfacht gesagt. Er denkt, bevor er spricht. 😉 Wenn man mit ihm diskutiert, dann ist das durchdacht. Er hört aufmerksam zu und spricht dann mit Nachdruck und Überzeugung, und meistens komplett unaufgeregt. Meine Brüder und ich sind da ja eher etwas hitzköpfig, bzw. bei mir kann es auch sein, dass ich mich irgendwann ausklinke, wenn mir ein Thema zu heiß wird, mir zu sehr an die Nieren geht. Mein Vater streitet nie, er argumentiert. In der Regel auf sachlicher Ebene, mit Ich-Botschaften usw. – wie man das so als Sozialpädagoge gelernt hat. Das ist eine Eigenschaft, die ich gerne noch mehr verinnerlichen möchte. Klappt noch nicht immer, aber ich weiß ja, dass ich mich immer auch weiterentwickeln kann.

Danke dafür.

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2 Gedanken zu “Nachgedacht: Zum Vatertag – Der Vater als Vorbild

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