Apostle (Gareth Evans, UK/USA 2018) – spoilerfreie Kurzkritik

Kurzkritik bedeutet bei mir, dass es keine Inhaltszusammenfassung gibt.

Quelle: IMDb; Copyright: NETFLIX

Jaja, ich gebe es zu: Ich habe den Film nur wegen Dan Stevens angeschaut. Legion himself. Der Mann mit den hellblauen Augen, der sich in Downton Abbey als Traum aller Schwiegermütter und deren Töchter einen Namen gemacht hat und dann eine internationale Karriere angestrebt hat (in der er wohl auch weg von seinem „Schönlingsimage‟ kommen wollte), mit unterschiedlichem Erfolg. Sein größter Fang seitdem ist auf jeden Fall die Titelrolle in Legion, durch die er mich erst so richtig von seiner Schauspielerei überzeugt hat. Dabei hat er tatsächlich schon häufiger bewiesen, wie wandlungsfähig er ist, allerdings meist in weniger bekannten Filmen, wie z. B. The Guest.

Nun geht es in gewisser Weise zurück zu den Wurzeln, weil Apostle sich zuerst als „period piece‟ anfühlt, also eine Geschichte, die in der Vergangenheit (Anfang des 20. Jahrhunderts) spielt. Alles, was ich über den auf Netflix am 12.10. veröffentlichten Film im Vorfeld wusste, war auch, dass er er in der Vergangenheit spielt und es um eine Sekte geht. Dass es sich hier um einen (würdigen?) Beitrag zum Horrorctober handeln würde, war mir nicht bewusst. Schade. 😦

Der Horror entsteht auf zweierlei Weise: Erstens, Menschen begehen unglaublich brutale, frauenverachtende und generell menschenverachtende Taten. Und das ist dann auch der Aspekt des Films, der mir die Laune richtig gründlich verdorben hat, sodass ich danach Ablenkung brauchte (obwohl es schon spät war), bevor ich ins Bett gehen konnte. Mir war ein bisschen schlecht, auch jetzt beim Schreiben habe ich wieder die schlimmsten Bilder vor Augen und es widert mich einfach nur an. Ganz ehrlich, diese Art von Horror kann ich immer weniger ertragen, gerade in der heutigen Zeit, in der der Ton der Menschen untereinander immer ruppiger und verletzender wird. Ganz abgesehen davon, dass es neben der verbalen Gewalt natürlich auch immer körperliche Gewalt gibt. Auch deswegen fand ich den Vorschlag von Natalie Portman neulich so wohltuend, dass doch die kreativen Leute in der Filmindustrie sich mal überlegen sollten, wie es wäre, ein Jahr lang keine Filme oder Serien zu produzieren, in denen Gewalt gegen Frauen gezeigt wird. Nicht dass mich jemand falsch versteht: Ich bin nicht dafür, dass statt dessen dann mehr Gewalt gegen Männer (die für mich schrecklichste Szene in Apostle betraf übrigens Gewalt gegenüber einem Mann) gezeigt werden soll – oder Revenge-Filme, wo sich Frauen an ihren Peinigern rächen – ich verliere grundsätzlich eine Toleranz gegenüber Filmen, die Folter, Rache, Vergewaltigung etc. in den Fokus stellen. Aber ich schweife etwas vom Thema ab – bitte verzeiht. Es ist einfach so, dass ich gegen Ende des Films es tatsächlich bedauert habe, den Film begonnen zu haben und nun diese Bilder im Kopf zu haben. You can’t unsee a movie.

Der zweite Horror-Aspekt ist hier übernatürlicher Natur, was den Film noch auf andere Art und Weise creepy macht, aber – für mich – nicht weniger „realistisch‟. Da war kein, „Ach so, das ist ja eh nur Fantasy, also brauche ich die Gewalt nicht ernst nehmen‟-Moment. Zumindest fand ich dann das Ende in gewisser Weise ganz interessant, weil es Fragen aufwirft, die nicht logisch zu beantworten sind.

Schauspielerisch ist der Film sicher wegen Dan Stevens verrückt-verzweifeltem, aber entschlossenem Spiel sehenswert, und Michael Sheen brilliert als Prophet Malcolm (ich will ihn auf einer Bühne sehen!), während sich Mark Lewis Jones (Child 44, Tresspass Against Us, Star Wars: The Last Jedi) in seiner Rolle zum „Unsympath des Jahres“ entwickelt.

Und wer auf Geschichten über Sekten steht, findet diese blutrünstige Variante vielleicht auch spannend. Gut gemacht ist der Film von Gareth Evans (Raid + Raid 2) zweifellos – er lässt einen jedenfalls nicht kalt. Aber ich warne davor, ihn an einem Tag anzusehen, an dem man ohnehin schon nicht so gut drauf ist. Nicht gerade ein Streifen, der einen wieder an das Gute im Menschen glauben lässt.

Für mich nur sehr subjektive, angewiderte 4 von 10 Punkten.

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2 Gedanken zu “Apostle (Gareth Evans, UK/USA 2018) – spoilerfreie Kurzkritik

  1. Das klingt ja echt übel. Ich wusste schon nach dem Trailer, dass ich die Serie sicher nicht sehen will. Jetzt weiß ich, dass ich mich richtig entschieden habe. Es gibt genug Filme in meinem Leben I can’t unsee. 😉

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