Venom 3D in Dolby Atmos (Ruben Fleischer, USA 2018) – (spoilerfreie) Kurzkritik

Kurzkritik bedeutet bei mir vor allem, dass es keine Inhaltsangabe gibt.

Copyright: Sony Pictures Releasing

Hui, das ist ja ein ganz schwieriger Fall. Diese Comic-Verfilmung mit Tom Hardy in der Titelrolle fühlt sich – nach einer Nacht darüber schlafen – sehr unausgegoren, voller Plot Holes und Schwächen in der Figurenzeichnung an. Trotzdem habe ich mich gestern ab dem Zeitpunkt, als Venom sich mit Eddie Brock (Tom Hardy) verbunden hatte, köstlich amüsiert.

Letzteres ist natürlich in erster Linie Tom Hardys Spiel zu verdanken, denn er beweist erneut seine Wandlungsfähigkeit. Wer ihn zuletzt etwa in TABOO gesehen hat, wird Schwierigkeiten haben, auch nur einen Funken von James Delaney in seinem Auftreten zu finden. Ich fand es richtiggehend endearing (reizend? liebenswert?), wenn er einen spitzen, hohen Schrei ausgestoßen hat, statt dem tiefen „Grunzen‟, das mittlerweile durch Mad Max: Fury Road und TABOO zu seinem Markenzeichen geworden ist. Dazu kommen die Dialoge zwischen Venom (Tom Hardy) und Eddie (Tom Hardy), die mir viel Spaß gemacht haben. Auch die Action-Sequenzen fand ich ganz unterhaltsam – wobei sie aber z. B. mit der Wucht der Action-Sequenzen in The Dark Knight (erneut letzten Montag im Kino gesehen) kaum mithalten können.

Dafür haben mich aber eine Reihe von Dingen irritiert. Zu allererst: Warum musste die Frisur der sonst so wundervoll authentisch wirkenden Michelle Williams in diesem Film so ganz offensichtlich wie eine Perücke aussehen? Ich kenne ja die Comics nicht, aber die paar Bilder, die ich bei einer schnellen Recherche gesehen habe, rechtfertigen das wirklich nicht (außerdem hat auf den Zeichnungen, die ich gesehen habe, Eddie Brock auch ein GANZ anderes Aussehen). Auf mich wirkte Michelle Williams als Anne Weying völlig künstlich, was für sie eigentlich völlig untypisch ist. Viel Chemie habe ich zwischen Brock und ihr auch nicht gespürt.

Darüber hinaus ist mir die Motivation des Wissenschaftlers Carlton Drake (Riz Ahmed) völlig schleierhaft. Irgendwie will er die Menschheit durch die Symbiose mit den Außerirdischen retten – aber warum? Was steht denn bevor? Eine Apokalypse scheint sich nicht unmittelbar abzuzeichnen… Außerdem ist er mir einfach zu eindimensional böse, um ihn ernstzunehmen (falls das Sinn macht….). Daneben gibt es bzgl. ihm und seinem Forschungszentrum auch etliche Unstimmigkeiten, die auf Screencrush unter die Lupe genommen worden sind. Aber bitte nur lesen, wer den Film schon gesehen hat (oder ihn ohnehin nicht sehen will).

Und so hat mich durch diese Faktoren gerade die Exposition so gar nicht überzeugt. Alles, was bis zum Zeitpunkt der Symbiose zwischen Eddie und Venom passiert, plätschert so dahin und ist außerdem nicht immer in sich stimmig.Leider ziehen sich diese Unstimmigkeiten im Grunde genommen durch den ganzen Film, man verliert sie nur etwas aus den Augen, weil es so viel Spaß macht, Venom & Eddie zuzuschauen und zuzuhören. Aber mit etwas Abstand fallen diese Dinge wieder stärker auf – und lassen mich zu dem Schluss kommen, dass der Versuch von Sony, ihr eigenes Paralleluniversum zu Marvel-Disney aufzubauen, zwar nicht völlig scheitert, aber leider auch nicht komplett überzeugt. Die Mid-credit- und Post-credit-Szenen machen allerdings dann doch irgendwie Lust auf ein Sequel, denn die sind tatsächlich richtig, richtig sehenswert! 3D muss allerdings nicht sein.

Fazit: Wer über Logiklöcher hinwegsehen kann und Freude an Tom Hardys Schauspiel hat, der/die hat mit Venom zumindest einen vergnüglichen Kinoabend – und der/die sollte auch auf jeden Fall ganz bis zum Schluss sitzen bleiben. Ich finde, dass die Post-credit-Szene alleine schon fast das Kinoticket wert ist. Dafür dann doch noch 6,5 von 10 Punkten.

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3 Gedanken zu “Venom 3D in Dolby Atmos (Ruben Fleischer, USA 2018) – (spoilerfreie) Kurzkritik

  1. Ich mag Hardy. Er hat mich bei Legend und bei Taboo vollends überzeugt.
    Was ich so lese, lässt mich allerdings vermuten, dass das Beste diese erwähnten Unterhaltungen sein werden. Wahrscheinlich ähnlich denen wie zwischen Deadpool und den Zuschauern…

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