Neulich beim SNEAKen: BlacKkKlansman (Spike Lee, USA 2018) – Kurzkritik (spoilerfrei)

Copyright: Focus Features; source: Amazon.com

Kurzkritik bedeutet bei mir, dass es keine Zusammenfassung des Inhalts gibt.

Das Abstimmungsverhalten des Sneak-Publikums sagt eigentlich schon alles: Es landete keine einzige Kinokarte im Schlecht-Becher, nur wenige im Mittel-Becher, dafür die überwältigende Mehrheit im Gut-Becher. Und: Es gab endlich mal wieder Applaus, als der Abspann begann. Das Schöne ist: Es sagt nicht nur etwas über den Film aus, sondern auch über das Publikum. Es gibt noch Hoffnung in der Welt. 🙂

Die Prämisse dieses auf wahren Begebenheiten (dem Buch des echten Ron Stallworth) beruhenden Films ist irrwitzig:

Ron Stallworth, an African-American police officer from Colorado, successfully manages to infiltrate the local Ku Klux Klan with the help of a white surrogate, who eventually becomes head of the local branch. (lt. IMDb)

Klingt komisch? Ist aber so!

Dieses Szenario (zu Beginn der 1970er Jahre) führt zu allerlei witzigen Situationen, so etwa wenn Ron (John David Washington, Denzel Washingtons Sohn) mit dem Kopf des KKK, David Duke (Topher Grace – erschreckend gute Besetzung!), telefoniert, und der ihm erklärt, wie man schon alleine an der Sprechweise erkennen kann, ob es sich um einen Weißen oder Schwarzen handelt. Aber gleichzeitig schafft es Spike Lee, dass man immer wieder tiefste Abscheu empfindet, wenn man den Ausführungen der Klan-Mitgliedern so zuhört. Es ist eine Gratwanderung zwischen Komödie und Drama (im englischen Wortsinne), die aus meiner Sicht gelungen ist.

Lee bringt es außerdem zustande, zusätzlich zur afro-amerikanischen Sichtweise auch noch die jüdisch-amerikanische Identität zu thematisieren, und zwar in der Figur des Flip Zimmermann (Adam Driver, der erneut fantastisch ist), der als „Ron‟ den face-to-face Kontakt mit dem KKK aufnimmt, während der echte Ron alle Telefonate führt. Darüber hinaus wird aber auch gezeigt, dass es unter der „Black Power‟-Bewegung auch Extremisten gibt, die sich nicht vorstellen können, dass es zu einer friedlichen Befreiung der Schwarzen kommt. Auf beiden Seiten gibt es Aufrufe zur Gewalt, gleichwohl wird auch klar gemacht, dass die Reaktion der Schwarzen auf die immer noch weit verbreitete Unterdrückung von Schwarzen, auf grundlose Polizeigewalt, auf verbale Gewalt zumindest nicht völlig irrational ist, im Gegensatz zu dem, was der KKK so von sich gibt und wie er sich verhält.

Während des ganzen Films werden dem Zuschauer immer wieder Parallelen zu heute aufgezeigt. Das geschieht vielleicht nicht sonderlich subtil, aber die Zeiten des „subtilen Widerstands‟ sind auch irgendwie vorbei, finde ich. Ich zitiere hier gerne eine meiner Lieblingsaussagen auf Sense8: Neutrality in the face of evil is complicity. Und so ist es dann auch nur konsequent, wenn der Film am Ende auch explizit in die Gegenwart springt und zeigt: Leute, das Setting des Films sind zwar die 70er Jahre, aber der Hass, die Ungerechtigkeit, die Gewalt, das alles existiert heute noch, und wird sogar von der aktuellen Regierung mitgetragen.

Vielleicht einer der wichtigsten Filme dieses Jahres – und dabei gleichzeitig auch sehr unterhaltsam! Unbedingt ansehen – ab 23. August in deutschen Kinos: 8,5 von 10 Punkten!


5 Gedanken zu “Neulich beim SNEAKen: BlacKkKlansman (Spike Lee, USA 2018) – Kurzkritik (spoilerfrei)

  1. Ich komme gerade vom Kino nachhause und kann deine Wertung nur bestätigen. Ich hatte einen richtigen Kloß im Hals und jetzt gerade – zwei Stunden später – bin ich immer noch wütend.
    Wütend auf die, die meinen, sie hätten die Wahrheit für sich gepachtet (Holocaust-Leugner, Klimawandel-Gegner, Verschwörungstheoretiker jeglicher Couleur…).
    Wütend auf die, die meinen, sie müssten andere Leute umbringen, die nicht ihrer Meinung sind oder die „falsche“ Hautfarbe, Religion oder sexuelle Orientierung haben.
    Ahhhhh! Man sollte echt meinen, wir hätten aus der Geschichte gelernt. Wir sind im 21. Jahrhundert. Wir haben so viele Informationen wie keine Gesellschaft vor uns und trotzdem verbocken wir es immer und immer wieder.

    Ich glaube, meine Filmkritik zu diesem Film wird ein 300-seitiger Roman. Ich habe viel loszuwerden. Mehr dazu demnächst bei mir. 🙂

Indem du die Kommentarfunktion nutzt, erklärst du dich mit der Verarbeitung deiner angegebenen Daten durch Automattic, Inc. sowie den Dienst Gravatar einverstanden.

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.