Ein Fangirl in London März 2018: Many Meetings #1

Irgendwie kam mir dieses Kapitel aus Herr der Ringe in den Sinn, jetzt da ich voller Begeisterung auf die letzten Tage zurückblicke, an denen ich nicht nur tolle Schauspieler (wieder-)getroffen habe, sondern auch die Bekanntschaft von Theaterbegeisterten gemacht habe, mit denen ich mich super verstanden habe. Ich fange mal mit diesen „normalen‟ Menschen bzw. Theaterfreaks an, die meinen Aufenthalt in London dieses Mal ganz besonders machten.

Manel:

Frühstück am Sonntag Morgen im Restaurant des LSE (London School of Economics) Passfield Wohnheims, das in den Semesterferien zum „Hotel‟ umfunktioniert wird. Ich sehe, wie ein Mann in der nächsten Tischreihe in einem Programmheft liest, auf der etwas über Long Day’s Journey into Night steht, das ich mir am Sonntag Nachmittag (= Matinee) ansehen will. Als ich und er aufstehen, sehe ich, dass es das Programmheft zu The Ferryman ist, das ich letztes Jahr auch gesehen habe. Ich spreche ihn darauf an: „Have you seen this play?‟ – Und schon kommen wir ins Gespräch: eine Englischlehrerin aus Deutschland und ein Englischlehrer aus Katalanien (Barcelona). 🙂 Er hat einfach an die Klassenfahrt noch eine Woche drangehängt, hat also die Schüler in den Flieger gesetzt (mit der zweiten Lehrkraft) und sich auf eine Woche Theater und Musical gefreut. Als ich frage, welche Stücke er sich denn noch ansehen werde, sagt er als erstes, dass er sich heute Nachmittag Long Day’s Journey into Night ansehen würde. „Me too!‟ Zugegebenermaßen: es gibt nicht so viele Matineen von Theaterstücken am Sonntag, von daher war die Wahrscheinlichkeit relativ hoch… Trotzdem – wir sind beide begeistert! Da ich gleich so eine Verbindung spüre, frage ich ihn, was er denn bis zur Matinee so vorhat und ob ich mich ihm anschließen dürfe. So verabreden wir uns für eine Stunde später und laufen dann gemeinsam in die Nähe des Theaters, wo wir dann noch in Covent Garden einen Kaffee bzw. eine heiße Schokolade trinken.

Inzwischen hat er auch schon mal seinen „boyfriend‟ erwähnt – was ich mal nur so erwähne, für den Fall, dass ihr eine große Liebesgeschichte erwartet. 😀 Nach dem Theater kam er dann auch mit an die Stage Door, doch da hatten wir weniger Glück… Am Montag haben wir uns dann gar nicht gesehen, weil ich seine Mail nicht gesehen hatte, dafür haben wir uns dann jeweils am Dienstag und am Mittwoch nochmal auf ein Stündchen getroffen – und uns fest vorgenommen, in Kontakt zu bleiben. Manel erwägt, in Zukunft immer um Ostern herum nach London zu kommen – vielleicht wird das ja ein regelmäßiges Treffen! Auch wenn wir uns nicht bei allem einig waren (er fand Call Me By Your Name richtiggehend ärgerlich, während ich ihn ja liebe), war es ein wunderschönes Zusammentreffen von like-minded individuals. ❤

Susan:

Wer mir auf Twitter folgt, hat vielleicht mitbekommen, dass ich ein kleines bisschen verplant war. Erst dachte ich, ich hätte eine Übernachtung zu viel gebucht, dann stellte ich fest, dass Flug und Hotel tatsächlich zusammenpassen, ich dadurch aber den Geburtstag meine Mutter verpassen würde. 😮

Kein Drama (kein runder Geburtstag), aber da fragte ich mich schon, wie’s um mein Gehirn so bestellt ist…

Wozu diese Vorrede zu Susan? Nun, da ich nun nicht schon am Dienstag Abend heimflog, sondern erst am Mittwoch Abend, fasste ich – mit Hilfe von Elisabeth, die ich letztes Jahr an der Stage Door des National Theatre kennengelernt hatte (sie wusste, dass es auch Day Tickets beim Bridge Theatre gibt) – den Entschluss, dass ich mir Julius Caesar ein weiteres Mal ansehen wollte. Warum mir das so am Herzen lag, lässt sich auch auf die Begegnungen (und den noch fehlenden) mit den SchauspielerInnen dort am Samstag zurückführen. Doch dazu an anderer Stelle mehr. Da auf der Website stand, dass ab 10:00 nur 15 Day Tickets verkauft würden und es zu längeren Warteschlangen kommen kann, stehe ich am Dienstag also nach knappen 6 Stunden auf, um gegen halb 9 vor dem Theater stehen zu können. Ich bin die erste.

Und dann kommt genau noch eine Frau: Susan aus Dänemark mit einer fantastischen amerikanischen Aussprache. Ratet, was sie von Beruf macht!? Genau, sie ist Lehrerin. Und zwar für? Ja, Englisch – und Geschichte. 😀 Nun, sie ist 20 Jahre jünger als ich, aber das hat mal wieder überhaupt keine Rolle gespielt.

Wir haben uns eineinhalb Stunden in relativer Kälte (nicht so schlimm wie an dem Wochenende der Walker Stalker Con) höchst angeregt unterhalten. Ich fühlte mich so verstanden, als sie sagte, dass sie einfach so glücklich ist, wenn sie im Theater oder Musical sitzt, weswegen sie sich das auch gönnt. Genau! Sie hatte Julius Caesar auch bereits einmal gesehen und hatte eine weitere Karte für Donnerstag, beides allerdings Sitzplätze – und sie wollte nun unbedingt das Ganze auch mal aus dem Pit erleben. So schwärmte ich ihr bereits vor von diesem Erlebnis, dass ihr bevorstehen würde, und berichtete auch begeistert von meinen ersten Zusammentreffen mit einigen der SchauspielerInnen. Als wir unsere Tickets froh in Händen hielten, verabredeten wir uns für den Abend, damit wir nachher auch zusammen im Mob stehen konnten. Was ich total klasse fand, war, dass sie auch richtig aufgeregt war vor Beginn des Stücks, weil sie sich so darauf freute, es nun als Teil des „römischen Pöbels‟ zu erleben. Während der Vorstellung warfen wir uns auch immer wieder verzückte Blicke zu, etwa, als Susans ursprüngliche Motivation, das Stück anzusehen, Michelle Fairley, direkt an ihr vorbeilief. Nach dem Stück blieben wir im Foyer (nach meinen Erfahrungen am Samstag der bessere Ort, um die SchauspielerInnen zu erwischen) und ich habe mich ein bisschen mehr in Zach verliebt… 😉 Doch zu ihm komme ich in Many Meetings #2. Auf jeden Fall waren Susan und ich ein wenig traurig, dass wir Ben Whishaw und Michelle Fairley nicht getroffen haben – und da erwähnte Susan, dass es ja am Mittwoch auch eine Matinee gebe. Ich so: 😮 ❗ ❤ Da diese um 14:30 losgehen sollte, war ich mir auch sicher, dass ich ohne allzu große Probleme meinen Flug um 20:30 kriegen könnte. Also verabredeten wir uns (Susan hatte auch noch keine Pläne für die Matinee) für 9:00 am Eingang des Bridge Theatre. Dort stieß dann Yolanda zu uns.

Yolanda:

Susan und ich unterhalten uns schon eine Weile, als Yolanda auf uns zukommt und fragt, ob wir für Day Tickets anstehen. Ich frage sie, ob es ihr „erstes Mal‟ sei, was sie bejaht und recht schnell erfahren wir, dass sie in ihrem Abschlussjahr an der LAMDA (London Academy of Music and Dramatic Art, bekannte Absolventen (u.a.): Richard Armitage, Dominic Cooper, Anthony Head, Benedict Cumberbatch, Rory Kinnear, Ruth Wilson) ist und all ihre Kommilitonen schon Julius Caesar gesehen haben und in höchsten Tönen davon geschwärmt haben. Also will sie ihren einzigen freien Tag nutzen, um das Stück endlich zu sehen. Es ist spannend, ein bisschen von ihrem Schauspielstudium (28 in einem Jahrgang) und ihren Plänen zu hören. Sie macht einen absolut energischen, enthusiastischen Eindruck, sodass ich mir sicher bin, dass sie ihren Weg gehen wird. Auch sie kauft sich ein Ticket für die Matinee und als wir uns verabschieden und ich sage, dass es schön war, sie kennenzulernen, sagt sie, dass sie doch hofft, dass wir uns am Nachmittag wiedersehen würden.

Und so war es dann auch. Nun waren wir also schon zu dritt: Eine Dänin, eine Deutsche und eine Britin. Und bevor wir uns dann endgültig verabschiedeten, haben wir die Namen unserer Twitter-Accounts noch ausgetauscht, sodass wir in Kontakt bleiben können. Susan meinte, so würde die Zeit bis zu ihrem nächsten Trip etwas verkürzt und bzgl. Yolanda nehme ich mir ganz fest vor, dass ich ein Ticket für ihr erstes Engagement (und folgende) buchen werde.

Diese drei Begegnungen waren diejenigen, die meinen Aufenthalt am meisten bereicherten und die hoffentlich auch keine „One-Week-Stands‟ bleiben. Ich bin einmal wieder davon begeistert, wie mein Fangirlsein Menschen in mein Leben bringt, die ich anderweitig nie kennengelernt hätte. Ich hoffe fest darauf, diese drei Menschen wiederzusehen!

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8 Gedanken zu “Ein Fangirl in London März 2018: Many Meetings #1

  1. Brav! Ich sehe, du hast dir unser Gespräch gestern Abend sogleich zu Herzen genommen… 😉
    Ein wirklich schöner Bericht, selbst wenn ich ihn größtenteils schon kannte. Und wunderbar geschrieben, da spürt man die Begeisterung! 🙂

  2. Die Welt ist so klein. Und Warteschlangen sind für dich offenbar der zweit-beste Ort der Welt, so wie du dort Bekanntschaften knüpfst. Direkt nach dem Theater selbst. 😊

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