Neulich beim SNEAKen: The Shape of Water (Guillermo del Toro, USA 2017) – spoilerfreie Kurzkritik

Kurzkritik bedeutet bei mir, dass es keine Zusammenfassung des Inhalts gibt.

So muss das sein: Oscarnominierte Filme in der Sneak, nicht so ein crap Heist-Action-Flick wie die Woche zuvor (Den of Thieves/dt. Titel: Criminal Squad). Ich habe mich schon sehr darüber gefreut, den Film mit den meisten Oscar-Nominierungen noch vor dem Kinostart in Deutschland zu sehen. Doch hat er die vielen Nominierungen verdient?

Hier die 13 Nominierungen auf einen Blick:

  • Best Directing
  • Best Picture
  • Best Actress in a Leading Role (Sally Hawkins)
  • Best Actor in a Supporting Role (Richard Jenkins)
  • Best Actress in a Supporting Role (Octavia Spencer)
  • Best Original Score (Alexandre Desplat)
  • Best Original Screenplay (Guillermo del Toro ; Vanessa Taylor)
  • Best Cinematography (Dan Laustsen)
  • Best Costume Design (Luis Sequeira)
  • Best Sound Editing (Nathan Robitaille, Nelson Ferreira)
  • Best Sound Mixing (Christian T. Cooke, Glen Gauthier, Brad Zoern)
  • Best Film Editing (Sidney Wolinsky)
  • Best Production Design (Paul D. Austerberry, Shane Vieau, Jeffrey A. Melvin)

So, wenn ich mir das so ansehe, muss ich sagen, die Nominierungen gehen zwar soweit in Ordnung, aber mal abgesehen von Costume Design sehe ich The Shape of Water in keiner Kategorie vorne. Dazu muss ich sagen, dass ich die Kategorie Beste Nebendarstellerin gar nicht beurteilen kann, weil ich außer Octavia Spencer, die wie immer fantastisch ist ❤ , keine der anderen nominierten Frauen bisher gesehen habe. Nachdem wir aber am Freitag einen Trailer zu I, Tonja gesehen haben, könnte ich mir Allison Janney sehr gut vorstellen.

Aber zurück zu Guillermo del Toros Liebesgeschichte zwischen der stummen Putzfrau Elisa (Sally Hawkins, eine wundervolle Mischung aus Zartheit und mutiger Entschlossenheit) und dem Amphibienmann (Doug Jones). Doch hier zeigt sich sofort das Hauptproblem, das ich mit dem Film habe: Ich spürte die Anziehungskraft zwischen den beiden nicht. Ich konnte das Märchen von außen wohlwollend betrachten, aber ich habe keinen Funken von Romantik oder gar Erotik gespürt. Die größere Chemie hatten für mich tatsächlich Elisa und ihr Nachbar und väterlicher Freund Giles (Richard Jenkins in einer absolut liebenswerten Rolle ❤ ). Das war eine Beziehung, die mir ans Herz ging, die Liebesgeschichte eher nicht. Und eine Liebesgeschichte, die bei mir nicht zündet, hat bei mir schlechte Karten… (Mir fällt gerade auf bzw. ein, dass ich dasselbe Problem mit del Toros Crimson Peak hatte.)

Quelle/Copyright: http://www.fox.de/the-shape-of-water

Dabei ist der Kern der Geschichte sicher sehr „lobenswert‟ (ui, das klingt stark nach Lehrerin…): Zwei Außenseiter verlieben sich ineinander, aller Widrigkeiten und Schwierigkeiten zum Trotz. Äußerliche Unterschiede zählen nicht. Ja, gute Botschaft! Dann aber kommt der übliche „Militär-ist-böse‟-Quark, mit einem sehr eindeutigen Bösewicht (zweifellos mit Michael Shannon passend besetzt), was ich jetzt irgendwie nicht allzu innovativ finde (so viel zum Thema Drehbuch). Das ist dann doch alles recht vorhersehbar.

Quelle/Copyright: http://www.fox.de/the-shape-of-water

Visuell allerdings spielt der Film tatsächlich in der oberen Liga: Die frühe-60er-Jahre-Ausstattung, die satten Farben (grün ist ein Hauptthema in der Forschungsstation), die Einstellungen… das alles ist rund und verpasst dem Film einen Charme, dem man sich dann doch nicht ganz entziehen kann. Und das schafft der Film gerade in seinen ersten Einstellungen, als Elisa eingeführt wird, mit ihrem durchgetakteten Tagesablauf, mit ihrer Freundin Zelda (Octavia Spencer) und dem schon erwähnten Giles. Das ist alles in warme Farben gehüllt und lässt den Zuschauer nicht im Zweifel, dass es sich hier um ein Märchen handelt (siehe auch der „Erzähler‟ über Voice-over zu Beginn).

Sicher ein brillant gefilmter Streifen, der aber aus meiner Sicht erzählerisch z. B. nicht mit Three Billboards outside Ebbing, Missouri mithalten kann, und selbst, was die Filmtechnik anbelangt – so sehr ich ihn gerade gelobt habe – es mit solchen Mitkonkurrenten wie Dunkirk (z. B. Sound Editing + Mixing) oder Blade Runner 2049 (z. B. Cinematography) kaum aufnehmen kann, zumindest aus meiner Sicht. Mit den Schauspieler-Oscars könnte ich leben, auch wenn ich bei der besten Hauptdarstellerin Frances McDormand vorziehen würde, und beim besten Nebendarsteller Sam Rockwell (beide aus Three Billboards). Ich würde den Film weder als besten Film auszeichnen, noch Guillermo del Toro als besten Regisseur.

Trotzdem sicher ein sehenswerter Film: 7,5 von 10 Punkten.

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13 Gedanken zu “Neulich beim SNEAKen: The Shape of Water (Guillermo del Toro, USA 2017) – spoilerfreie Kurzkritik

  1. Ich fand ihn ja wirklich sehr toll, auch wenn ich den Kritikpunkt nachvollziehen kann, dass die Liebesgeschichte etwas aufgesetzt wirkt. Den einen Funken hat man nie richtig gespürt.

  2. Deine kurze Erwähnung von „Crimson Peak“ ist auch ein wenig meine Befürchtung diesen Film hier betreffend. Zwar schöne Bilder zu sehen, aber keine wirklich ausgereifte Story zu erleben.

  3. Ich fand Sally Hawkins großartig. Ich will hier nicht spoilern, aber sie hatte es doch aufgrund einer Charaktereigenschaft schwieriger, alles auszudrücken und das fiel überhaupt nicht auf.’Militär ist böse‘ hab ich auch nicht so aufgefasst, mehr ‚Michael Shannon ist böse‘. Die Liebesgeschichte war für mich eher ein Fall von kindred Spirits als der großen Liebe, das fand ich nicht so tragisch. Vielleicht war ich aber auch nur visuell abgelenkt und davon, wie eindeutig ein Film in Toronto gedreht sein kann obwohl ein Großteil davon Interior Shots sind.

  4. Ich werde den Film übernächstes Wochenende ansehen. Einer der wenigen noch ungesehenen Oscar-Filme dieses Jahr, die mich wirklich interessieren.

  5. Ich bin gespannt. Wegen der Oscar-Nominierungen werde ich ihn mir ansehen, aber mich hat eigentlich schon der Trailer nicht besonders angesprochen (von Michael Shannon mal abgesehen). Aber ja, mit Crimson Peak hatte ich auch so meine Probleme, aber ich warte mal ab 🙂

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