Neulich beim BINGEWATCHING #3: Veronica Mars (komplette Serie plus Kinofilm)

Momentan betreibe ich fast ausschließlich Bingewatching, weil ich z. Zt. außer McMafia (mit James Norton, den ich ja erst vor kurzem live auf der Bühne erleben durfte) nichts streame, sondern nur DVDs schaue. Und da habe ich dank Gorana von der Ergothek mir endlich die Komplettbox von Veronica Mars zugelegt hatte, nachdem ich vor über zwei Jahren die erste Staffel gesehen hatte und zu folgender Kurzkritik (im Rahmen meines Jahresrückblicks ) gekommen war:

Äußerst sympathische weibliche Hauptfigur, die mal wieder zeigt, dass auch Highschool-Teenies gegen den Strom schwimmen können und dabei „trotzdem‟ cool sind. Ich verstehe, warum Veronica von Fans gerne mit Buffy verglichen wird, sicher in gewisser Weise ähnlich. Gegen Ende hat mich die Serie immer mehr in ihren Bann gezogen, zumal ich es sehr interessant fand, wie sich die Beziehung zwischen Veronica und Logan (Jason Dohring, den ich vorher in Moonlight gesehen habe) entwickelt.

Nun habe ich in sehr interessanter Reihenfolge innerhalb von ca. zweieinhalb bis drei Wochen die Serie zu Ende geschaut (Season 2 – Season 3 – Kinofilm von 2014 – Season 1) und konnte mich mich in dieser Zeit nur unter größter Anstrengung vom Fernseher lösen. Dabei fällt es mir direkt etwas schwer, zu benennen, was mich genau so in den Bann gezogen hat, von der knisternden Chemie des On-Off-On-Off-On-Paares Veronica (Kirsten Bell) und Logan (Jason Dohring) mal abgesehen.

Aber fangen wir doch einfach damit an: Mit wenigen Abstrichen (erste Hälfte der Staffel 2) haben es die Macher der Serie geschafft, dieses Hin und Her zwischen Veronica und Logan glaubwürdig darzustellen. Warum zu Beginn der 2. Staffel (nach einem fiesen Cliffhanger) Veronica wieder mit Duncan zusammen ist, hat wohl im Nachhinein nicht mal die Autoren und Produzenten der Serie überzeugt (Rob Thomas gibt das in einem Interview bei den Specials auch offen zu), sodass sie Duncan sogar ziemlich komplett aus der Serie rausgeschrieben haben. Aber ich schweife ab, geht es mir doch um Veronica und Logan! Logan ist ja zunächst mal (Season 1) ein ziemliches Arschloch, allerdings hat er auch ein ganz schönes Päckchen zu tragen: seine Ex-Freundin Lilly wurde ermordet, sein Vater verprügelt ihn mit dem Gürtel – und später erfährt er dann noch, dass sein Vater nicht nur ein Verhältnis mit Lilly hatte, sondern sie wohl auch getötet hat. Das alles zu verkraften, ist nicht gerade einfach – und so ist Logan kein einfacher Mensch, geschweige denn Partner. Er baut viel Mist, ist hochgradig eifersüchtig, aber andererseits auch fürsorglich, loyal und beschützend. Er ist ein Bad Boy mit einem verletzten und verletzlichen Kern – im richtigen Leben wäre das (v. a. der Bad Boy) eher nichts für mich, in Film und Serie schlägt mein Herz oft für diese Typen, und so habe ich gerade dann immer weiterschauen müssen, wenn Veronica und Logan gerade getrennt waren. Ich wollte sie einfach wieder zusammen wissen! Und ich muss sagen, da hat der Kinofilm wirklich Wunden geheilt und die Fans sicher sehr glücklich gemacht. Ein ganz klarer Unterschied zwischen dem Schöpfer der Serie Rob Thomas und dem Schöpfer von Buffy the Vampire Slayer, Joss Whedon, der Serie, mit der Veronica Mars oft in einem Zug genannt wird: Whedon hat alle Liebesbeziehungen gekillt, Rob Thomas hat den Fans am Ende das gegeben, was sich bestimmt der Großteil gewünscht hat. Nun muss man natürlich dazu sagen, dass der Film von 2014 ja via Kickstarter von den Fans mit insgesamt fast 6 Millionen (!) Dollar an finanzieller Unterstützung überhaupt erst möglich gemacht worden ist! Ich bin so neidisch und ein wenig traurig, dass ich das nicht „live‟ mitbekommen habe, weil ich damals die Serie noch nicht kannte. Eine ganze Reihe von Unterstützern hatten die Chance, als Statisten im Film mitzuwirken – das DVD-Special dazu, wie dieser Film entstanden ist, hat mir mal wieder bestätigt, das Fansein etwas Tolles ist und dass die Schauspieler und Macher von Serien mit starker Fanbase auch wissen, was sie an den Fans haben.

Doch eine weitere Beziehung ist für mich ein wesentlicher Grund dafür, warum mir die Serie doch mehr ans Herz gewachsen ist, als ich nach Sichtung der 1. Staffel dachte: Die Vater-Tochter-Beziehung zwischen Keith Mars (Enrico Colantoni) und Veronica. Das war auch schon nach der 1. Staffel klar für mich, dass dieses Vater-Tochter-Gespann ein ganz besonderes ist – und so landeten die zwei sogar nach nur einer Staffel auf meiner Top 10 mit den besten Parent-Child-Relationships. Ich denke, am stärksten wird klar, wie sehr sich Vater und Tochter lieben, als Keith – literally – durchs Feuer geht, um Veronica aus der Gefriertruhe zu retten. Und dabei machen es sich die beiden auch nicht immer leicht: Mal verschweigt Keith Veronica wichtige Dinge, mal lügt Veronica ihren Vater an oder tut immer wieder Dinge, die ihr Vater nicht gut heißt. Aber das ist ja alles eigentlich normal für Jugendliche. Und deswegen passt da alles auch so gut. Enrico Colantoni war übrigens der einzige, der meinen Tweet geliked hat 🙂 ❤ :

Ansonsten ist die Serie ja inhaltlich eine Mischung aus staffelübergreifenden Story-Arcs (u. a. Season 1: Wer hat Lilly getötet? Season 2: Wer ist für das Busunglück verantwortlich? Season 3: Wer ist für die Vergewaltigungen am Hearst College verantwortlich?) und einzelnen Fällen, die Veronica für ihre Mitschüler/innen oder Kommilitonen löst. Interessanter sind sicherlich die größeren mysteries, aber gerade in der 3. Staffel, die anscheinend ansonsten eher als schwächer angesehen wird, gibt es ein paar starke Einzelfälle. In Episode 12 „There’s Got to Be a Morning After Pill“ z. B. werden die üblichen Klischees zerstört und der Vater der Studentin, der ohne ihr Wissen die Abtreibungspille RU-486 verabreicht wurde, der TV-Prediger ist, ist nicht das Monster, als das solche Prediger meistens dargestellt werden, sondern ein wirklich guter Vater, der seine Tochter voll und ganz unterstützt. Und in Folge 18 „I Know What You’ll Do Next Summer“ geht es um einen früheren Kindersoldaten aus Afrika, der seinen leiblichen Vater kennenlernt. Das war wirklich sehr berührend und einfach auch eine Folge mit einer gewollt politischen Aussage.

Dazu kommen eine Reihe von Gastauftritten, die mir viel Freude bereitet haben (hier eine Auswahl): Charisma Carpenter hatte eine wiederkehrende Rolle in der 2. Staffel, Alyson Hannigan tauchte auch zweimal auf, Joss Whedon selbst spielte auch mal eine winzige Rolle. Damals schon bekannt war Paul Rudd; einen Vorteil hatte ich durch meine späte Sichtung bei einigen Gaststars, die erst später bekannt oder gar berühmt wurden: Aaron Paul, Jessica Chastain, Adam Scott und Armie Hammer, z. B. kannte damals wohl noch kaum jemand – und seht sie euch heute an!!! Sehr, sehr cool.

Last but really not least: Veronica Mars ist eine Außenseiterin, die sich für Außenseiter einsetzt und die nichts darauf gibt, dass ihre „Hobbies‟ bzw. ihr Nebenjob Privatdetektiv nicht gerade typisch für ein Mädchen / eine junge Frau ist. Sie ist taff und mutig, zeigt sich aber auch verletzlich und misstrauisch. Sie eckt an, und daran ist sie oft nicht ganz unschuldig. Man kann ihren Umgangston nicht immer unbedingt als höflich und angemessen bezeichnen, dafür setzt sie sich aber unermüdlich für ihre Klienten und Freunde ein. Ein tolles Vorbild für Mädchen und junge Frauen – gerade weil sie trotz aller guten Eigenschaften nicht perfekt ist.

Die Serie hat sich einen festen Platz in meinem Herzen erspielt – ich bin extrem dankbar dafür, dass sie mir von Bloggerkollegen empfohlen wurde, most notably von bullion.

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6 Antworten zu Neulich beim BINGEWATCHING #3: Veronica Mars (komplette Serie plus Kinofilm)

  1. bullion schreibt:

    Hach, es freut mich unglaublich, dass die Serie bei dir doch noch so gut angekommen ist. Toll, toll, toll! Ich wollte sie übrigens auch immer noch einmal sehen, doch bringe ich in meinem aktuellen Programm keine Rewatches unter. Und wenn dann vielleicht doch eher Buffy? Hach, schwierig!

    • singendelehrerin schreibt:

      Ja, das mit den Rewatches wird tatsächlich immer schwieriger, weil es so viel gutes Neues zu entdecken gibt! Ich hatte ja vor kurzem mit einem Battlestar Galactica-Rewatch begonnen, doch nun kam mir z. B. die neue Staffel „Peaky Blinders“ dazwischen, die ich natürlich gleich sehen MUSSTE, als ich sie bekommen hatte…

  2. Stepnwolf schreibt:

    Wieso hast du eigentlich mit der zweiten Staffel angefangen?

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