Neulich beim SNEAKen: The Disaster Artist (James Franco, USA 2017)

Warner Bros.

Based on true events. Das lässt mich ja manchmal aufseufzen in der Sneak. Aber diesmal war ich sehr gespannt, denn ich hatte im Vorfeld doch schon einiges Positives über The Disaster Artist gehört. Mal ganz abgesehen davon, dass James Franco den Golden Globe für Best Performance by an Actor in a Motion Picture – Musical or Comedy (und den Critics Choice Award) bekommen hat.

In dem Film wird die unglaubliche Geschichte der Entstehung des Films The Room erzählt, ein Film, der so schlecht ist (The Greatest Bad Movie Ever Made → Metacritic: 9/100, IMDb-User: 3,6/10), dass er zum Kult geworden ist. Ehrlich gesagt hatte ich von dem Film The Room und dessen Drehbuchautor/Regisseur/Produzent/Hauptdarsteller Tommy Wiseau noch nichts gehört, bevor der Film darüber in aller Munde war. Ich hatte auch keine Ausschnitte aus dem Film oder von Tommy vorher gesehen. Manch Kritiker meint, man könne The Disaster Artist nur richtig schätzen, wenn man The Room vorher gesehen hat. Ich kann nur sagen: Lasst euch davon nicht abschrecken – ich habe den Film in vollen Zügen genossen! Außerdem bekommt man durch die detailverliebte Nachstellung etlicher Szenen aus The Room in The Disaster Artist auch eine ganz gute Vorstellung davon, wie das Endprodukt ausgesehen haben mag.

The Disaster Artist beginnt mit dem Kennenlernen zwischen dem hübschen, aber unsicheren Möchtegern-Schauspieler Greg Sestero (Dave Franco) und dem exzentrischen, mysteriösen Tommy Wiseau (James Franco, kaum wiederzuerkennen). Tommy bietet Greg an, mit ihm von San Francisco nach L.A. zu ziehen, um ihren gemeinsamen Traum von einer Karriere in Hollywood zu verwirklichen. Wie Tommy es sich leisten kann, sowohl eine Wohnung in San Francisco, als auch in Los Angeles zu haben, woher er ursprünglich kommt (er beteuert, aus New Orleans zu stammen, spricht aber mit einem undefinierbaren Akzent, der eher auf Osteuropa hinweisen könnte), wie alt er ist – das alles sind Geheimnisse, die auch der Film nicht auflöst. Offenbar ist das auch nach wie vor nicht klar.

Warner Bros.

Als dann beide Männer nicht gerade von Hollywood mit offenen Armen aufgenommen werden – Tommy z. B. würde gerne den romantischen Helden spielen, bekommt aber ins Gesicht gesagt, dass er sich höchstens für Bösewichter à la Frankenstein oder Dracula eignen würde – fasst Tommy den Entschluss, seinen eigenen Film zu drehen – genügend Geld dafür hat er offenbar. Und so schreibt er ein Drehbuch, kauft Equipment, stellt Crew (u. a. Seth Rogen als Script Supervisor) und Cast (u. a. Josh Hutcherson aus Hunger Games) zusammen und los geht’s.

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Wenn man nicht wüsste, dass es sich hier um wahre Begebenheiten und Personen handelte, würde man wohl nicht glauben, dass es so einen Typen wie Tommy Wiseau gibt. Es gibt jede Menge peinlich-lustige Szenen, und doch zeichnet James Franco Tommy nicht als reine Witzfigur. Denn es steckt ein tief verletzter Mensch irgendwo in Tommy, ein Mensch, der auf der Suche nach Anschluss und Anerkennung, ja Liebe ist. Das lässt ihn z. B. auch in Eifersucht ausbrechen, als Greg mit seiner Freundin (Alison Brie aus Community) zusammenzieht.

Letztlich ist das Ganze eine Erfolgsstory, eine Geschichte, die davon erzählt, dass auch im Scheitern eine Chance liegen kann, wenn man seine Träume verfolgt. Allerspätestens durch Francos Film über die Entstehung von The Room, wird Tommy Wiseau und seinem treuen Freund Greg Sestero – auf dessen Buch The Disaster Artist: My Life Inside The Room, the Greatest Bad Movie Ever Made der Film basiert – ein Monument gesetzt. Wer hätte das wohl gedacht, der „damals‟ (2003) dabei war? 😀

Warner Bros.

Ach, und den Kommentar von meiner Freundin D. sollte ich nicht verschweigen: „Der erste Film, in dem ich Seth Rogen mochte!‟ Das alleine ist ja schon fast Lob genug! :mrgreen: Aber auch James Franco, den ich durchaus zwiespältig sehe und der für mich nicht unbedingt ein Zugpferd ist, hat durch diesen Film bei mir enorm an Respekt gewonnen! Sehenswert! 8 von 10 Punkten.

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12 Antworten zu Neulich beim SNEAKen: The Disaster Artist (James Franco, USA 2017)

  1. Filmschrott schreibt:

    Ich hab so Bock auf den Film. Hab erst kürzlich „The Room“ gesehen, nachdem der natürlich schon sehr lange auf meiner Liste stand. Ist zwar dann letztlich nicht gerade der große Spaß, den der Kultstatus verspricht, aber schon ziemlich großer Müll, was eben vor allem an den Darstellern, den Dialogen und den absolut sinnlosen Szenen liegt, die immer wieder vorkommen und rein gar nichts mit dem Rest des Films zu tun haben. Gibts dann demnächst auf dem Filmschrottplatz.

  2. bullion schreibt:

    Ich freue mich extrem auf den Film! „The Room“ kenne ich auch nur von Ausschnitten, doch die reichen wohl, um sich ein Bild darüber zu machen. Gerade den Hintergrund der Produktion finde ich faszinierend und da scheint dieser Film perfekt geeignet zu sein. Beneide dich ein wenig, dass du ihn schon gesehen hast… 🙂

  3. hurzfilm schreibt:

    You’re tearing me apart, SL! Ich hatte doch damals, vor langer Zeit, auf meinem (leider aktuell noch immer inaktivem Blog) doch schon darüber berichtet, dass James Franco diese Story verfilmt… Wie konntest du das nur vergessen?

    • singendelehrerin schreibt:

      Ich werde alt?!? 😛

      Ich schreibe aber oben ja, dass ich von „The Room“ nichts gehört hatte, BEVOR die Leute über James Francos Verfilmung sprachen. Und das ist immer noch korrekt, denn du hast ja offenbar damals auch über die VERFILMUNG gesprochen. Vorher hatte ich noch nie etwas von Tommy Wiseau gehört. What’s the problem?

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