Theater in London 2018 #2: Belleville (Amy Herzog) – Donmar Warehouse 04.01.2018

Das Donmar Warehouse wollte ich live von innen sehen, seit ich über NT Live von dort King Lear – und später Coriolanus – gesehen hatte. Und es bewahrheitet sich mal wieder eines: Auf der Leinwand sieht alles größer aus! Was für ein winziger Saal: nur 251 Sitzplätze und 20 Stehplätze. Ich saß in Reihe A, am äußersten Platz links, was bedeutet, dass ich die Bühne von der Seite sah. Das war sichttechnisch nicht immer ideal, aber trotzdem war ich sehr, sehr nah am Geschehen, was mir dann auch sehr nahe ging (see what I did there? 😉 ).

Als ich dann erfuhr, dass James Norton (Grantchester, Happy Valley, War & Peace, jetzt McMafia) im Donmar Warehouse spielen sollte, habe ich nicht lang gezögert und sogleich eine Mitgliedschaft beim Theater abgeschlossen, denn laut dem, was ich bisher immer gehört hatte, sollte es recht schwierig sein, die begehrten wenigen Tickets abzugreifen. Die Priority-Booking-Experience verlief dann alles andere als angenehm (ich war STUNDEN – literally – in der Warteschlange!), aber ich bekam letztlich das Ticket in Reihe 1. Hat sich nun all das Geld und der Stress beim Buchen gelohnt? ABSOLUT!!!

Review: Ein junges, amerikanisches Ehepaar (Mitte-Ende 20) ist nach Paris gezogen – Zack (James Norton) arbeitet offenbar bei Ärzte ohne Grenzen, Abby (Imogen Poots) ist eigentlich Schauspielerin, unterrichtet nun aber Yoga (nicht sehr erfolgreich, denn ihr Kurs ist mangels Beteiligung ausgefallen). Klingt doch eigentlich ganz gut?

Quelle: theartsdesk.com Photo by Marc Brenner

Und doch kommt Abby an dem Nachmittag, als ihr Kurs ausfällt, nach Hause und erwischt ihren Mann beim Pornogucken und Masturbieren (off-stage). Nach und nach erfährt man immer mehr über die beiden, z. B. dass Abby ihre Tabletten gegen die Depressionen, die sie seit der schweren Krankheit ihrer Mutter (mit tödlichem Ausgang), genommen hat, abgesetzt hat. Zack scheint einerseits supportive, aber beklagt sich andererseits bitter bei seinem Freund/Vermieter Alioune (Malachi Kirby; dessen Frau Amina wird von Faith Alabi gespielt).

Quelle: theartsdesk.com Photo by Marc Brenner

Immer mehr Konflikte, Lügen und tiefe Wunden werden offenbar, bis das Ganze ziemlich tragisch endet.

Quelle: theguardian.com Photograph: Marc Brenner

Die meisten Kritiker hatten kein allzu großes Lob für diese Inszenierung von Michael Longhurst übrig – 2-3 Sterne von 5 scheint die Regel zu sein – doch mich hat das Spiel von Imogen Poots (noch besser als in Who’S Afraid of Virginia Woolf?) und James Norton so aufgewühlt, ich fühlte mich so nah bei ihnen, dass ich völlig ergriffen mir Tränen abwischen musste – und beim Rausgehen aus dem Theater und Warten auf die Schauspieler mein Herz immer noch vor Anspannung ganz schnell geklopft hat und meine Hände gezittert haben. Lag es daran, dass ich James so toll finde? Sicher spielt das mit rein, aber ich war wirklich so komplett im Stück, wie ich es nur selten erlebe. Bekanntermaßen ist die Frage, ob mich etwas emotional erreicht hat, eine zentrale bei der Beurteilung, ob mir etwas gefallen hat. Belleville bekommt diesbezüglich von mir volle Punktzahl, denn so mitgenommen bin ich zuletzt nur aus der ersten Sichtung von Andrew Scotts Interpretation von Hamlet rausgegangen. Ach, nicht mal da war ich so erschlagen (schließlich wusste ich ja, wie Hamlet endet… 😉 ).

Fazit: Ich stelle mich gegen die mittelmäßigen Kritiken und sage schon heute, dass es für noch folgende Theaterstücke 2018 schwierig werden wird, die starken Gefühle, die ich während des Stücks und danach hatte, zu toppen.

Dazu kommt auch noch der wunderschöne…

Fangirl-Moment:

Malachi Kirby kommt als erstes und ist super nett, bedankt sich sehr für das Lob und wünscht mir noch einen schönen Abend und meint, dass die anderen auch bald runterkommen würden.

Dann warten wir (zu mir gesellt sich nach einer gewissen Zeit noch ein amerikanisches Pärchen) sehr, sehr lange. Offenbar waren da ein paar Freunde zu Besuch – man hörte viel Gelächter aus der Bar im ersten Stock. Als Imogen und James endlich (nach mind. 45 Minuten) kamen, habe ich mir zuerst Imogen geschnappt und ihr gesagt, dass ich sie schon in Who’s Afraid… sah und dass sie dieses Mal mein Herz gebrochen habe. Sie hat sich sichtlich gefreut und machte einen viel selbstbewussteren Eindruck. Good for her – sie ist wirklich ganz und gar reizend, werde ihre weitere Karriere auf jeden Fall beobachten!

James war genau so nett und charmant, wie ich ihn mir seit Grantchester vorstelle. ❤ Ich mache ihm zuerst das Kompliment zum Stück: „I saw 27 plays last year – and none of them were as emotionally exhausting/draining as this one‟. Er freute sich sehr darüber, sagte später sogar noch beim Hinausgehen „And thanks for your kind words – I really appreciate that!‟ Als ich mein Nokia fürs Foto zückte und mir dann doch noch einfiel, das ich noch mehr zum Unterschreiben da hatte, sagte ich noch: „I saw Grantchester first and thought: ‚Oh, he’s cute!‘ And then I saw Happy Valley…‟ Und er vervollständigte meinen Satz: „He’s a monster!‟ 😀 Als ich mich dann noch mit dem Handy anstellte (ich hasse Selfies :-/ ) und ihn darum bat, ob er das nicht machen könnte, hat er das auch gern gemacht und sogar dann das Donmar-Logo noch absichtlich etwas mit ins Bild gerückt. Es ist trotzdem nur ein von drei Bildern scharf geworden (auf dem ich ein bisschen blöd aussehe, weil ich gerade etwas sage, aber den Teil kriegt ihr ja eh nicht zu sehen 😉 ).

Ich bin glücklich. Ich liebe mein Leben. Theater bringt so viel Freude in mein Leben – auch wenn mich manche Stücke emotional auslaugen… (Und es bewahrheitet sich immer mehr, dass Herren mit den Namen James oder Tom sich besonders gern in mein Herz schleichen… 😳 ❤ )

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