The Greatest Showman (Michael Gracey, USA 2017) – Kurzkritik

(Official Trailer 20th Century Fox)

Ich bin etwas zwiegespalten, was dieses Filmmusical, basierend auf der Lebensgeschichte von P.T. Barnum, anbelangt. Auf der einen Seite hat es mir sehr viel Spaß gemacht, gerade auch, weil es eine Show bietet, die so richtig gut zum Silvesterabend, an dem Adoring Audience und ich den Film in einer Special Preview im Cinema München sahen, passte. Gleichzeitig habe ich mich aber extrem über das Auto-tune geärgert, das hier jede Stimme so klingen ließ wie all den Schrott, der derzeit in den Charts läuft. Why, oh why? Schließlich hat Hugh Jackman eine Stimme, die kein Auto-tune braucht – und auch die anderen, die hier Soloauftritte haben (z. B. Zac Efron oder Keala Settle), haben Stimmen, die es eigentlich nicht glattzubügeln braucht. Und so habe ich mir bei den ganzen Shownummern die ganze Zeit gedacht: Mensch, das würde ich gerne als Musical auf der Bühne sehen – mit „echten‟, nicht nachbearbeiteten Stimmen.

Denn die Songs und die Choreografie sind wirklich mitreißend – gleich am Anfang kommt so eine große Shownummer („The Greatest Show“), die mich gleich mitwippen ließ, und bei dem Lied „This is me‟ mit der Leadstimme von Keala Settle (einer Musicaldarstellerin!) war ich sehr versucht, laut mitzusingen. Ja, die Musicalnummern sind eingängig und klingen hitverdächtig – und doch fehlte mir das gewisse Etwas, das etwa Moulin Rouge! zu bieten hatte.

In mancher Hinsicht scheint sich der australische Regisseur durchaus an Baz Luhrmans Werk zu orientieren: The Greatest Showman ist sehr bunt – von der Ausstattung her und auch von der Kamera her –, die Musik anachronistisch und die Settings häufig nicht wirklich realistisch. Ich denke da z.B. an eine Musicalnummer auf einem Dach, bei der sich Michelle Williams etwas SEHR weit über den Rand des Daches hinauslehnt, oder an den Einsatz von (CGI-)Elefanten und Löwen. Aber so ganz gelingt es dem Regisseur nicht, Baz Luhrmans Level zu erreichen.

Da gibt es zwar eine Reihe von Nummern, die ich wirklich sehr gelungen fand (vom Auto-tune mal abgesehen), z. B. ein Duett von Zendaya, die eine Trapezartistin spielt, und Zac Efron („Rewrite the Stars“), während dessen sie sich durch die Zirkuskuppel schwingen – das war schon atemberaubend schön! Oder das bereits erwähnte Lied „This is me‟, das so richtig Power – und so eine tolle Botschaft – hat! An diesen Stellen (und jedes Mal, wenn Hugh Jackman sang und tanzte ❤ ) konnte ich mich dem Charme des Greatest Showman nicht entziehen.

Dafür fand ich manche Chancen einfach verpasst. Da wird Jenny Lind (zum Verlieben schön: Rebecca Ferguson) eingeführt als aufstrebende Opernsängerin („die schwedische Florence Nightingale‟) – und dann lässt man sie eine Popnummer trällern! Das war zwar immer noch beeindruckend, aber nicht annähernd in einer Art und Weise, wie wenn hier wirklich eine Opern-Arie gesungen worden wäre. Versteht mich nicht falsch: Ich bin gar nicht so ein Opern-Fan, aber da sie als Opernsängerin mit einer unglaublich schönen Stimme eingeführt wird, hätte ich da so etwas erwartet wie „Nessun Dorma‟ von Paul Potts bei Britain’s Got Talent. Da liefen mir die Tränen runter, auch bei dem Biopic über ihn, wo ich das tatsächlich zuerst gehört habe. Wie gesagt, trotzdem schön gesungen, aber die Chance verpasst, daraus einen wahren Gänsehaut-Moment zu machen.

Fazit: The Greatest Showman ist ein Showcase für den Showman Hugh Jackman. Ihm dabei zuzusehen, wie viel Spaß er dabei hat, singend durch die bunten Sets zu tanzen – das ist Lebensfreude pur. Die Botschaft des Films – Sei, wer du bist, auch wenn du ein „Freak‟ bist, wenn du nicht den „Normen‟ entsprichst – finde ich auch richtig und wichtig. Ich würde mir sofort ein Live-Musical, basierend auf dem Film, ansehen, aber als Film hat mich The Greatest Showman nicht vollständig für sich einnehmen können. Ich wünschte, man hätte den Stimmen der Besetzung etwas mehr zugetraut bzw. man hätte sich nicht so dem Auto-tune-Chart-Pop anbiedern müssen.

Hier kann man hören, wie das LIVE klingt – wow, da habe ich jetzt tatsächlich Gänsehaut! Und Tränen in den Augen! SO würde das funktionieren! Unbedingt anschaun, damit kann man sich im Grunde genommen den Film sparen…

6,5 von 10 Punkten.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Film und TV abgelegt und mit , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu The Greatest Showman (Michael Gracey, USA 2017) – Kurzkritik

  1. mwj schreibt:

    Man kann doch heutzutage den jungen Leuten im Kino keinen „echten“ Gesang zumuten. Die kriegen doch einen Schock fürs Leben!

    *hihihi*

  2. suzy schreibt:

    Auf den Film freue ich mich schon! Danke für die Kritik 🙂

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s