Rückblick 2017 #6: Theater in London

Es ist kaum zu glauben: Ich war 2017 28 mal in London im Theater (inkl. zweier Musicals und einer Comedy-Pantomime-Clown-Show (Tape Face; kein Programmheft)). Holy sh*t, ich war tatsächlich häufiger im Theater als in der Sneak Preview!

Und ich muss sagen, 2018 war für mich wirklich ein außerordentlich gutes Theaterjahr – es gab eigentlich nur drei Stücke, die ich als eher mittelmäßig bezeichnen würde (Queen Anne, A Woman of No Importance und The Lie), alle anderen fand ich gut bis sensationell.

Ich habe mich dazu entschieden, statt einer Bestenliste die Stücke nach verschiedenen Kategorien zu bewerten – und habe dazu jeweils dann ein Foto mit den entsprechenden Programmheften gemacht. So habt ihr auch was fürs Auge.

Die wichtigsten Stücke:


Warum für mich Angels in America (Tony Kushner) ein ganz besonderes Erlebnis war, habe ich schon ausführlich beschrieben.

Oslo (J. T. Rogers) erzählt die wahre Geschichte von den geheimen Bemühungen der Norweger Mona Juul und ihrem Mann Terje Rød-Larsen, Anfang der 90er Jahre die verhärteten Fronten zwischen Israelis und Palästinensern aufzubrechen und die Grundlage für einen Friedensvertrag zu schaffen. Was mich am meisten erstaunte, war, wie unterhaltsam das Ganze war. Der Stoff klingt ja eher nach trockenem Politikdrama, aber das Stück schaffte es, mit Humor die schwierige Lage aufzulockern.

Against ist ein brandneues Stück von Christopher Shinn, in dem es um das Thema Gewalt in allen möglichen Facetten geht. Auch wenn das Stück bei den Kritikern keinen so großen Anklang fand, hat es mich doch sehr stark zum Nachdenken angeregt.

In The Ferryman (Jez Butterworth) geht es um den Nordirland-Konflikt, aber im Vordergrund steht eine Großfamilie, es geht also in erster Linie um Beziehungsgeflechte und darüber, wie sehr der Nordirland-Konflikt das Leben der Menschen beeinflusst hat, auch wenn sie eigentlich unpolitisch bleiben wollten.

Bestes Bühnenbild und Ausstattung:


Als ich im National Theatre den Theatersaal Lyttleton betrat, in dem Network gezeigt wurde, stockte mir der Atem: Auf der Bühne befand sich ein Fernsehstudio (samt Technikraum), ein Restaurant (mit Bar), in dem Zuschauer tatsächlich echtes Essen und Trinken serviert bekamen, außerdem saßen erhöht über der Leinwand, auf der immer wieder die Fernsehsendung, die auch live gefilmt wurde, gezeigt wurde, die DJs, die die Musik und Sounds live dazu einspielten… So etwas habe ich im Theater noch nicht gesehen – unglaublich! Ich freue mich auf die Zweitsichtung am Freitag!

Das Bühnenbild von Angels in America (National Theatre) war zwar völlig anders, aber ähnlich beeindruckend. Ganz viele Bilder sind mir von den zwei Teilen, die jeweils mit unterschiedlicher Bühnentechnik die verschiedenen Räume dargestellt haben, in Erinnerung geblieben.

Und zum dritten Mal National Theatre: Auch das Bühnenbild des Musicals Follies hat mich begeistert! Dazu kamen die wunderbaren Kostüme – ein Traum.

Der Bühnenaufbau von Ink im Duke of York’s Theatre war zwar statisch, aber durch den Aufbau in die Höhe entstanden verschiedene Ebenen, die flexibel eingesetzt werden konnten. Schwierig zu erklären, aber mir hat diese Idee sehr gut gefallen.

http://photos.alastairmuir.com/Theatre/Ink/i-zw6bNC6

David Bowies Musical Lazarus war ja ein Genuss für mehrere Sinne, aber neben der Musik war auch das Bühnenbild sehr interessant gestaltet und eingesetzt.

Es gab übrigens kaum ein Bühnenbild, das ich unpassend für das jeweilige Stück fand, diese hier sind wirklich nur die fünf besten.

Die emotional packendsten Stücke (most intense plays):


Wenn ich mir schon ein Stück dreimal in einem Jahr ansehe, dann muss es mich auch auf der emotionalen Ebene ansprechen: Andrew Scotts Interpretation von Hamlet hat mich tief im Innersten berührt, wie noch kein anderer Hamlet zuvor. My sweet prince!

Zu Angels in America habe ich mich ja schon ausführlich hier und hier geäußert. Zutiefst bewegend, insbesondere durch das Gemeinschaftserlebnis in einem Publikum, das die Wichtigkeit dieses Stücks ebenso spürt wie man selbst.

Wie Imelda Staunton und Conleth Hill sich gegenseitig bei Who’S Afraid of Virginia Woolf? Gemeinheiten an den Kopf werfen, das ist schon wirklich heftig!

Na, wisst ihr noch, worum es im The Goat, or Who Is Sylvia? geht? Liebe zwischen Mann und Ziege. Wie darüber geredet wird und wie das die Familie aufnimmt, puh, danach war uns ein klein wenig schlecht.

Bei Apologia hat mich insbesondere eine Szene regelrecht emotional aus den Socken gehauen, aber auch der Rest des Stücks war nicht gerade leichte Kost für zwischendurch!

Eigentlich bleiben ja bei Cat on a Hot Tin Roof zunächst viele Gefühle – vor allem die von Brick – unter der Oberfläche, aber wenn sie dann mal rauskommen, ist das äußerst explosiv!

Mosquitoes ist ein schwer zu beschreibendes Stück. Irgendwie geht es um Frauen in der Wissenschaft (CERN), aber es ist auch ein handfestes Familiendrama, und die zwei Schwestern Alice und Jenny haben schon ganz schön miteinander zu kämpfen. Olivia Colman und Olivia Williams spielen die Spannung sehr gut!

Die lustigsten Stücke:


Den respektlosesten Humor boten Don Juan in Soho und Loot, Tom Stoppard brachte zweimal intelligenten Wortwitz (Rosencrantz and Guildenstern Are Dead & Travesties), wobei mir da das Spiel zwischen Daniel Radcliffe und Joshua McGuire schon besonders gut gefallen hat, für Travesties hat mir manches Hintergrundwissen gefehlt. Labour of Love hatte für mich – von den „ernsthaften Stücken‟ den leichtesten (und trotzdem äußerst intelligenten, politischen) Humor und eine sehr schöne Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern, die sich die Bälle wundervoll zugespielt haben. The Play That Goes Wrong ist einfach wunderbarer Slapstick, harmloser Spaß, nach dem man mit einem breiten Grinsen im Gesicht aus dem Theater geht.

Die besten SchauspielerInnen, die ich vor dem Stück nicht/nur kaum auf dem Schirm hatte

Rufus Sewell hat sich in Art mal für mich von einer ganz anderen Seite gezeigt. Ausgewählt hatte ich das Stück tatsächlich noch bevor ich wusste, wer mitspielte, doch Rufus Sewell habe ich danach noch lieber als Obergruppenführer Smith gesehen als vorher…

Love in Idleness hatte ich wegen Anthony Head ausgesucht – aber verzaubert hat mich Eve Best, die ich vorher nicht (bewusst) kannte.

Klar, Don Juan in Soho haben sich schauwerte und ich wegen David Tennant rausgesucht – und Junge, der hat auch geliefert! Aber Adrian Scarborough war ihm absolut ebenbürtig – er wurde nicht umsonst auch schon für diverse Preise als bester Nebendarsteller nominiert! Sein Name ist mir von nun an ein Begriff!

In The Ferryman war ich – neben Paddy Considine – vor allem begeistert von Laura Donnelly, die mir vorher kein Begriff war. Aber auch Tom Glynn-Carney (Dunkirk) hat richtig, richtig gut seine eher kleine Rolle ausgefüllt! Überhaupt war das wohl eins der besten Ensembles, die ich in diesem Jahr auf der Bühne gesehen habe.

Apologia hatte ich im Grunde auf Empfehlung von KirstenSE gebucht und hatte mich besonders auf Stockard Channing (The West Wing, u.a.) in der Hauptrolle gefreut. Dann aber war Channing krank und ihre Understudy ist eingesprungen. Sie (Lynn Robertson Hay) hat ihre Sache sehr gut gemacht. Aber mehr noch war ich fasziniert von Laura Carmichael (Downton Abbey) und Joseph Millson, der mich in einer Szene wirklich zu Tränen rührte.

In Oslo bin ich quasi (fast) „blind‟ gegangen. Das gesamte Ensemble hat mich begeistert, aber aufgrund der Erlebnisse an der Stage Door stachen letztlich Toby Stephens und Daniel Stewart besonders hervor, die ich mir jederzeit wieder auf der Bühne ansehen würde.

Ink hatte ich wegen Richard Coyle gebucht, war dann aber auch schwer beeindruckt von Bertie Carvel, und nicht nur, weil er an der Stage Door so zugänglich und nett war!

In Labour of Love sollte ja ursprünglich neben Martin Freeman Sarah Lancashire (Happy Valley, Last Tango in Halifax) spielen. Als diese aus gesundheitlichen Gründen absagen musste, wurde Tamsin Greig verpflichtet, die mir nur namentlich bekannt war. Da war ich erstmal traurig. Aber sie hat mich dann doch richtiggehend verzaubert – sie hat tolles komödiantisches Timing!

Stücke, die ich wegen der männlichen Hauptdarsteller gebucht habe – und die mich dann auch keineswegs enttäuscht haben:

  1. Andrew Scott in Hamlet
  2. Rory Kinnear in Young Marx
  3. Ben Whishaw in Against
  4. Andrew Garfield (und Russell Tovey) in Angels in America
  5. Martin Freeman in Labour of Love
  6. Anthony Head in Love in Idleness
  7. Bryan Cranston in Network
  8. David Tennant in Don Juan in Soho
  9. Damian Lewis in The Goat, or Who is Sylvia?

 

Stücke, die ich wegen der weiblichen Hauptdarsteller gebucht habe:

  1. Olivia Colman in Mosquitoes
  2. Imelda Staunton in Who’S Afraid of Virginia Woolf? und Follies
  3. Romola Garai in Queen Anne
  4. Eve Best in A Woman of No Importance

Die besten Fangirl-Erlebnisse:

Ihr seht: Das waren viele (und das sind ja nur die besten)! Ein gutes Jahr! ❤

  • Love in Idleness: Anthony Head erkennt mich von der Prophecy (Buffy & Angel Con) wieder!
  • Oslo: Mit Daniel Stewart bin ich über Twitter schon vorher in Kontakt – als meine Kamera streikt, lässt er das Foto mit seinem Handy machen und schickt es mir später per DM auf Twitter!
  • Mosquitoes: Olivia Colman entschuldigt sich dafür, dass wir so lange warten mussten und ist überhaupt einfach nur der netteste Mensch auf Erden!
  • Angels in America: Ich bekomme Fotos mit Russell Tovey und James McArdle und Autogramme von Andrew Garfield, der eigentlich krank war (deswegen keine Fotos mit ihm).
  • Young Marx: Fast hätte ich Rory Kinnear an der Stage Door verpasst, dass ist er aber so nett und schreibt „Kein Blitz, kein Photo‟ (seinen Spruch vor unserem ersten Zusammentreffen an der Stage Door) auf das Programmheft.
  • Network: Bryan Cranston nimmt sich Zeit für jeden Fan – ganz locker, unglaublich zugänglich, wow! Außerdem ist Michelle Dockery auch sehr nett und strahlt eine große Wärme aus.
  • Rosencrantz and Guildenstern Are Dead: Daniel Radcliffe hat die längsten Schlangen und nimmt sich trotzdem für jeden Fan Zeit – für ein Selfie und ein Autogramm. Respekt!
  • Art: Nur ganz wenige Fans sind da – und Rufus Sewell hat ein warmes, verschmitztes Blitzen in den Augen – ganz anders als in so vielen Rollen. VERY charming!
  • Ink: Richard Coyle wirkt etwas abwesend, dafür versprüht Bertie Carvel seinen Charme nur so, dass ich ihm fast meine ganze Lebensgeschichte anvertraue… (OK, das ist etwas übertrieben 😉 )
  • Apologia: Laura Carmichael steht ihrer Downton Abbey-Kollegin in nichts nach. Sie hat so ein offenes Lächeln, ein zugängliches Wesen, dass ich ganz von ihr verzückt bin. Außerdem unterhalten sich KirstenSE noch eine Weile mit der o.g. Understudy Lynn Robertson Hay, und Joseph Millson bekommen wir auch noch zu sehen.
  • The Play That Goes Wrong: Eigentlich dachte ich nicht, dass ich mich bei dieser Komödie tatsächlich an die Stage Door stellen würde, schließlich kannte ich keinen der Schauspieler. Dann hat mir aber das Stück so viel Spaß gemacht, dass ich das den Schauspielern auch sagen wollte. Da habe ich noch ein paar nette kurze Gespräche geführt.
  • Who’S Afraid of Virginia Woolf?: Das Besondere hier ist, dass ich Autogramme von allen vier Darsteller*innen bekommen habe. Das ist schon selten, dass man den gesamten Cast erwischt. Sehr nett allesamt!
  • Hamlet (Almeida Theatre): Als das Stück noch im Almeida Theatre (Islington) lief, gab es noch keine soooo langen Schlangen, und so konnte ich Andrew Scott sogar mehrere Dinge signieren lassen UND ein Foto mit ihm machen. Das ging später im Harold Pinter Theatre, bei diesem Andrang, nicht mehr. Außerdem war das einer der wenigen Fangirl-Momente, bei dem ich danach ein bisschen gezittert habe vor Aufregung…

So, das soll’s jetzt mal gewesen sein – ab Mittwoch geht’s ja schon wieder in das nächste Theaterjahr hinein! Was für ein sch**ß Leben! 😉 😀

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2 Gedanken zu “Rückblick 2017 #6: Theater in London

  1. Danke, dass du einen auch immer an diesen tollen Fanmomenten teilhaben lässt. Wie diebisch ich mich über das Foto mit Daniel Radcliffe gefreut hatte, was du mir geschickt hattest. Haaach! Ich freue mich einfach sooo gerne mit.

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