Rückblick 2017 #2: Neulich beim SNEAKen – die 10 besten Filme in der Sneak Preview

Ich habe in diesem Jahr keine gute Sneak-Rate: Nur 25 mal (von 44) war ich in der Sneak Preview, das ist einmal weniger als letztes Jahr. Nun, da spielt meine Leidenschaft für Theater in London natürlich eine Rolle, denn bei uns (im Cinema München) läuft die Sneak ja immer freitags, und meine Theater-Trips hatten schon meistens ein Wochenende mit dabei.

2017 war ein mittelmäßiges Sneak-Jahr. Zwar gab es schon einige Highlights, aber ich habe tatsächlich keinen der gesehenen Filme mit 10 Punkten bewertet, 9 war das höchste Ergebnis. Dazu kommt eine Reihe von Filmen, die ich zwar ganz gut fand, die letztlich aber nur kaum in Erinnerung haften blieben (zu messen etwa daran, dass ich mir die Titel dieser Filme nicht gemerkt habe). Dafür gab es allerdings auch nur zwei Filme, die ich völlig überflüssig fand, nämlich John Wick: Chapter 2 (wenngleich er mir tatsächlich etwas besser als Teil 1 gefallen hat) und Going in Style.

Hier zunächst ein paar der Runners-up, die es nicht ganz in die Top 10 geschafft haben, die ich aber trotzdem sehenswert fand. Ich gestehe ja, dass ich, wenn – noch bevor klar ist, um welchen Film es sich handelt – „Based on true events‟ bei den Opening Credits auftaucht, meistens leise seufze, aber manchmal sind doch auch richtig spannende Filme dabei. Dies trifft 2017 sowohl auf Patriots Day (über das Attentat auf den Boston Marathon) zu, also auch auf Only the Brave (über die Granite Mountain Hotshots, eine Elite-Feuerwehreinheit zur Bekämpfung von Waldbränden). Beide Filme haben mich emotional ziemlich mitgenommen, wobei mir Only the Brave, der bei uns erst am 8. März 2018 anläuft, noch einen Tick besser gefallen hat. Er stünde auch auf Platz 11 meiner Liste, ist also durchaus zu empfehlen.

Etwas unglücklich fand ich es, dass 2017 gleich zwei Biopics über Winston Churchill (Churchill und Darkest Hour, den wir interessanterweise vor der UK Premiere sahen) in der Sneak liefen, dadurch hatte es der deutlich bessere Film – Darkest Hour – deutlich schwerer, bei mir zu punkten, weil ich dem Thema etwas überdrüssig war. Gleichwohl ist Darkest Hour sicherlich kameratechnisch äußerst sehenswert und Gary Oldmans Churchill sehr überzeugend dargestellt (auch wenn Brian Cox bei Churchill den Vorteil hatte, keine große Maske und Fatsuits tragen zu müssen).

Hier noch der Rest der Filme, die ich (mehr oder weniger stark) mochte, die aber keine Überflieger waren: Fences, 20th Century Women, Trespass Against Us, Limehouse Golem, Atomic Blonde, Tulip Fever, Logan Lucky, IT, Home Again und Good Time.

Jetzt aber zur Top 10:

1. Moonlight (9)

Auch wenn der Film „in Oscarjahren gerechnet‟ schon zu 2016 gehört, bei uns lief er erst kurz vor der Oscar-Verleihung in der Sneak, ab dem 9. März 2017 dann regulär im Kino. Ich darf bei mir selbst abschreiben: [E]in Film über Identität – und zwar nicht nur sexuelle! – und Maskulinität. Wieviel Schwäche darf so ein schwarzer Junge in einem Umfeld zeigen, das von Machos nur so strotzt? Was macht das mit einem Heranwachsenden? Wie antwortet man(n) am besten drauf? Und dann ist der Film für mich auch irgendwie eine traurig-schöne Liebesgeschichte, die mich tief im Herzen getroffen hat und mich nicht so schnell wieder loslassen wird.

2. Manchester By The Sea (9)

Kein Feelgood-Movie, sondern (meine erste Reaktion): What a heartbreaking movie! What a heartbreaking performance by Casey Affleck! Und: Die Zeit heilt alle Wunden? Nein, dies ist kein Film darüber, wie jemand über ein tragisches Ereignis in seinem Leben hinwegkommt. Dieser Film zeigt vielmehr, was es in der Realität wohl auch häufig gibt: Es gibt Dinge, über die manch einer nie hinwegkommt, zumindest nicht innerhalb weniger Jahre. Das ist hart mitanzusehen, und doch will man bei Lee Chandler bleiben, möchte ihm sagen, dass es irgendwann besser wird – und wüsste doch, dass man lügt.

3. Baby Driver (8,5)

Tja, zwar war dieser Film wirklich eins der Highlights des Sneak-Jahres, und doch habe ich ihn mir bisher nicht auf DVD zugelegt, weil ich es noch nicht schaffe, Kevin Spacey ins Gesicht zu schauen. Trotzdem (Zitat): der Film macht Spaß: Beschwingte Musical-Szenen, in denen Baby mit Musik im Ohr (er hat für jede Stimmung einen eigenen Player) durch die Straßen tänzelt oder ein Sandwich für seinen tauben Pflegevater im Takt zur Musik schmiert, wechseln sich mit witzig-romantischen Szenen zwischen Baby und Debora ab, und wenn die Schüsse im Takt zur Musik fallen, kann man nicht anders als mit einem fetten Grinsen dazusitzen.

4. Loving (8)

Jeff Nichols erzählt die wahre Geschichte des Kampfes des Paares Mildred „Bean‟ und Richard Loving um die Anerkennung ihrer „gemischtrassischer‟ Ehe in Virginia ohne großes Pathos. Abgesehen vom verbal gift-spritzenden Sheriff und der Einbehaltung der schwangeren Mildred im Gefängnis über das Wochenende, kommt es zu keinem offen rassistischen Zusammenprall, Nichols lässt keine Mitglieder des Ku Klux Klan auftreten, um die Lage der Lovings zu verdeutlichen. Auch die Beziehung zwischen Mildred und Richard kommt ohne große Liebeserklärungen und Dramatik aus. Das mag für ein Mainstream-Publikum zu wenig emotional sein, ich mochte jedoch diese Art der unspektakulären Verfilmung eines Meilensteins für die amerikanische Bürgerrechtsbewegung, nämlich die landesweite Abschaffung des Verbots der Heirat zwischen Schwarzen und Weißen.

5. Get Out (8)

Der etwas andere Horrorfilm: creepy und sozialkritisch, schaurig und witzig. Zurecht gehypt worden!

6. Lion (8)

Die Verfilmung dieser wahren Geschichte eines von Australiern adoptierten indischen Jungen, der als Erwachsener mit Hilfe von Google Earth seine Mutter wiederfindet, hat mich sehr gefangen genommen, wobei insbesondere der erste Teil (die Geschichte des kleinen Jungen in Indien) ganz außerordentlich gut gelungen ist – auf allen Ebenen. Die Suche des erwachsenen Saroo hat dann doch ein paar Längen, aber insgesamt ist das einfach eine zunächst herzzerreißende und dann herzerwärmende Story!

7. Wind River (7,5)

Eigentlich klingt meine Rezension uneingeschränkt positiv: Tolle Landschaftsaufnahmen, Stimmung gut eingefangen, beeindruckende schauspielerische Leistungen (insbesondere von Jeremy Renner)… Und doch nur 7,5 Punkte – einfach weil ich im Vergleich die Drehbücher von Taylor Sheridan (, der hier auch erstmals Regie geführt hat) für Sicario und Hell or High Water noch einen Tick besser fand. Vielleicht aber wirkt er im Winter dann auch besser: ab 8. Februar endlich bei uns im Kino!

8. Split (7,5)

Direkt im Anschluss an den Film war ich etwas unschlüssig, wie gut mir der Film nun gefallen hatte. Ich habe trotzdem vor Ort mit „Gut‟ abgestimmt, denn wie James McAvoy hier mit Leichtigkeit in die verschiedenen Persönlichkeiten schlüpft, ist schon sehenswert! Es gab ein paar Aspekte, die ich weniger gelungen fand, aber vieles wurde durch den Schluss dann doch wieder ausgebügelt – ein Schluss, den nur Kenner von M. Night Shyamalans Werk wirklich zu schätzen wissen!

9. What Happened to Monday? (7)

Sicher kein perfekter Film und keine wirklich neue Idee (jede Familie darf nur ein Kind bekommen) für ein dystopisches Szenario. In der Ausführung aber insbesondere durch die schauspielerische Genialität von Noomi Rapace (sie spielt sieben eineiige Schwestern) und durch die harte Action und das konsequente Finale für mich ein beeindruckender, nachdenklich stimmender Film.

10. Patty Cake$ (- Queen of Rap) (7)

Der einzige Film in dieser Bestenliste, den ich nicht besprochen habe, dabei hat er mir so richtig gut gefallen. Und ich hätte ihn wohl tatsächlich bewerben sollen, denn er lief in Deutschland am 2. November an – ich nehme an, ohne ein großes Publikum zu bekommen. Ich habe ein Herz für Rap, besonders wenn sich – wie in diesem Fall – da jemand durchsetzt, der auf den ersten Blick nicht in die oft frauenverachtende und schwarze Rapkultur reinpasst: Die weiße Patricia Dombrowski aus New Jersey ist extrem übergewichtig, weswegen sie den ihr verhassten Spitznamen „Dumbo‟ verpasst bekommen hat. Sie kellnert, auch um die Arztkosten für ihre erkrankte Oma zusammenzubekommen. Doch ihr großes Talent ist ihre große Klappe – sie kann in ihren Raps ordentlich austeilen, und so tut sie sich mit den ungewöhnlichsten Freunden zusammen, um groß rauszukommen. Danielle Macdonald ist fantastisch – und der Film verdient definitiv mehr Beachtung!

Wie gefällt euch meine Auswahl?

Seid nun gespannt, ob sich Sneakfilme auch auf meine „The Very Best Films of 2017‟-Liste „einschleichen‟ konnten! 😉

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5 Antworten zu Rückblick 2017 #2: Neulich beim SNEAKen – die 10 besten Filme in der Sneak Preview

  1. away on a trip schreibt:

    Manchester by the Sea und Loving gehören eindeutig zur Best Films Liste 2017, wobei mir auch Churchill sehr gut gefallen hat

    LG Andrea

  2. hurzfilm schreibt:

    Ich kann mich schon gar nicht mehr erinnern, was ich alles im Sneak gesehen habe, also orientiere ich mich an deiner Liste. Bei mir sähe die Top 3 so aus:

    1. Loving
    2. Baby Driver
    3. Get Out

  3. KirstenSE schreibt:

    Get Out und Baby Driver gehören beide in meine Best Films Liste 2017, allerdings habe ich mir beide bewusst angesehen, gesneaked habe ich 2017 nicht ein einziges Mal. Montags habe ich meistens andere Verpflichtungen.

    • singendelehrerin schreibt:

      Ach, bei euch ist montags Sneak?! Ich bin froh, dass das bei uns freitags ist, regelmäßig abends unter der Woche einen Kino-Termin zu haben, wäre für mich gewöhnungsbedürftig.

      Interessant, dass die beiden zu deiner Best-of-Liste gehören – über Filme unterhalten wir uns offenbar viel zu selten! 😀

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