Die Freitagsfrage #15 reloaded: Weinstein, Spacey & Co – Könnt ihr den Künstler von der Kunst trennen?

Eine Twitter-Userin hat es treffend formuliert:

2016: all your favorite celebrities are dead. 2017: all your favorite celebrities are dead to you.

Ich bin zutiefst schockiert, wütend, angeekelt und – traurig. Seit den Vorwürfen von unzähligen Schauspielerinnen, die sexuellen Missbrauch durch Harvey Weinstein erlebt haben oder ihm noch gerade entgangen sind, geraten immer mehr Männer aus dem Showbusiness in den Fokus, die es sich jahrzehntelang erlaubten, Männer und Frauen sexuell zu belästigen. Mir ist schlecht. Dass manche Vorwürfe, etwa gegen Dustin Hoffman, eventuell übertrieben sind (Volker Schlöndorff verteidigt ihn in der ZEIT und zwar nachvollziehbar), und dass ich es persönlich z. B. nicht gleich als mega-sexistisch oder als sexuelle Belästigung empfinden würde, wenn mir ein Kollege ein Kompliment zu meinem Äußeren machen würde, ändert nichts an der Tatsache, dass es sehr wahrscheinlich ist, dass Kevin Spacey und Louis C.K. sich „unangemessen‟ (um es milde auszudrücken) verhalten haben. Gerade habe ich gelesen, dass die Mutter von Corey Haim abgestritten hat, dass ihr Sohn (2010 verstorben) von Charlie Sheen vergewaltigt worden war (die Nachricht war gestern durch die sozialen Medien gegangen, dass Sheen den 13-jährigen Corey Haim missbraucht hatte), hat aber wohl bestätigt, dass er von jemand anderem vergewaltigt worden war. Man sollte also eigentlich abwarten, getreu dem Motto: Innocent until proven guilty.

Trotzdem, es fühlt sich scheiße an, wenn ein Schauspieler, den ich seit Jahren, ach was, seit Jahrzehnten als großartigen Künstler verehre, wie Kevin Spacey, nun in ein völlig anderes Licht rückt. Denke ich an American Beauty – einem meiner All-time Favorites – dreht es mir den Magen um, und den heißen Dreier aus House of Cards kann ich nicht mehr genussvoll ansehen. Ich wollte mir eigentlich den letzten Film, den ich mit ihm gesehen hatte, Baby Driver von Edgar Wright, auf jeden Fall auf DVD kaufen, jetzt weiß ich nicht, wie ich den Film noch genießen und hemmungslos lachen kann. Nun hat sich Jon Bernthal auch geäußert und gesagt, dass er während der Dreharbeiten zu Baby Driver allen Respekt ür Spacey verloren hat, weil er sich wie ein Bully aufgeführt hatte:

Deswegen bin ich – bei aller Wut über sexual predators (ich finde das Wort „predator‟ hier viel stärker als das deutsche Wort „Täter‟ oder „Verbrecher‟) und Anteilnahme für ihre Opfer – auch traurig, dass dadurch Kunst, die mit Hilfe dieser Künstler erschaffen worden ist, plötzlich tainted (verdorben) scheint. Die House of Cards-DVD, die hier liegt, werde ich nicht zu Ende schauen können – und das ist unfair gegenüber den anderen Beteiligten, wie z. B. die fantastische Robin Wright. Ich liebe Edgar Wrights Filme, aber ob ich Baby Driver nochmal ansehen werde? Nicht in nächster Zeit. Das tut mir Leid für Edgar Wright (von dem ich noch kein Statement gelesen habe) – und alle anderen, die in diesem tollen Film mitgewirkt haben. Wie soll ich das trennen? Hier hat nicht nur einfach jemand eine andere politische Meinung (siehe meine Beispiele in meinem ersten Beitrag zu dem Thema), hier hat jemand Grenzen überschritten, die ich nicht entschuldigen kann.

Louis C.K. holt sich offenbar gerne vor Frauen (ungebeten!) einen runter – WTF? Die Folgen von Parks and Recreation, in denen er mitspielt, bekommen dadurch auch einen bitteren Beigeschmack… Der Schöpfer der Serie, Mike Schur, hat sich schon öffentlich dafür entschuldigt, dass er ihm trotz Gerüchte eine Gastrolle gegeben hat :

Misogyny is a cancer. Harassment and abuse are that cancer metastasizing and going untreated. Stories like this being reported and printed are the first steps toward a cure. I don’t remember when I heard the rumors about him. But I’m sure it was before the last time he was on Parks and Rec. And that sucks. And I’m sorry.

„Immerhin‟ hat Louis C.K. die Vorwürfe zugegeben. Wobei seine „Entschuldigung‟ schon seltsam klingt (Auszug lt. Reuters) :

I have been remorseful of my actions. And I’ve tried to learn from them. And run from them. Now I’m aware of the extent of the impact of my actions. I learned yesterday the extent to which I left these women who admired me feeling badly about themselves.

Ich finde diese Betonung, dass die betreffenden Frauen ihn bewunderten, völlig irrelevant. Aber das wäre nochmal ein ganz anderes Thema.

Was also tun? Harvey Weinstein (Produzent z. B. der Lord of the Rings-Trilogie!) kann ich beim Filmeschauen sicher ausblenden, aber mit den Schauspielern wird man ja direkt konfrontiert, die kann man kaum ausblenden. Klar, Kevin Spaceys schauspielerische Leistungen bleiben Kunst, Louis C. K. ist ein brillanter Komiker (von ihm habe ich ohnehin nicht so viel gesehen), das kann man kaum bestreiten. Aber ich weiß momentan trotzdem nicht, wie ich mit den Anschuldigungen konkret umgehen soll. Lieblingsfilme für immer verdorben? Das scheint so ungerecht! I’m at a loss…

EDIT: Xan Brooks von The Guardian hat sich auch mit dieser Frage beschäftigt: Reel dilemma: are we condoning the conduct of Hollywood’s tyrants by watching their films?

Wie geht es euch damit? Könnt ihr das noch – die Kunst von Künstler trennen – in diesen Fällen? Habt ihr schon eine „Lösung“ für euch gefunden?

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20 Antworten zu Die Freitagsfrage #15 reloaded: Weinstein, Spacey & Co – Könnt ihr den Künstler von der Kunst trennen?

  1. Filmschrott schreibt:

    Ich bin bei sowas immer ganz gut darin, es zu „ignorieren“. Klar, ich finde das auch alles unglaublich scheiße, aber erstens überrascht es mich nicht mal so wirklich, weil Menschen und zweitens sehe ich in einem Film/Serie eigentlich nie den Schauspieler an sich vor mir, sondern die Rolle, die er spielt. Es sei denn, der Darsteller ist totale kacke, aber dann machts ohnehin keinen Unterschied. Ist natürlich eine schwierige Gradwanderung, vor allem bei den jetzigen Vorfällen. Aber ich konnte sowas schon immer ganz gut ausblenden. Ich verstehe aber auch jeden, der jetzt diese Personen nicht mehr sehen will und sich nix mehr mit denen angucken kann.

    Ich bin da auch ein bisschen, sagen wir getrimmt. Als jahrelanger Wrestlingfan sind mir ähnliche Dinge schon öfter begegnet. Mörder und Vergewaltiger sind in dem Business früher sozusagen etabliert gewesen, was aber dann auch erst später rauskam und zuvor eher Gerüchte wären. Und als Chris Benoit vor knapp 10 Jahren erst seine Frau, dann seinen Sohn und dann sich selbst umbrachte gab es in der Community exakt die gleiche Frage. Kann man sich noch etwas angucken, an dem der Mann beteiligt war? Ich konnte das immer. Andere nicht.

    Und um ganz ehrlich zu sein, sollten wir uns wohl besser nicht fragen, was für eine Scheiße in Hollywood und auch sonstwo in den 30ern, 40ern, 50ern etc. abging. Da war sowas vermutlich an der Tagesordnung, weil die Frauen eh nix zu melden hatten. Dann könnte man sich aus der Zeit quasi gar nix mehr angucken, weil sie sicherlich alle Dreck am stecken hatten.

    • singendelehrerin schreibt:

      Mit dem, was du zuletzt schreibst, hast du sicher recht. Vielleicht ist es auch verlogen, jetzt Zeter und Mordio zu schreien, obwohl es diese Dinge schon seit Jahrzehnten gab, und früher wohl noch gängiger waren als heute.

      Ich beneide dich etwas drum, dass du das ignorieren kannst. Ich suche noch nach dem richtigen Weg für mich…

      • Filmschrott schreibt:

        Ist sicher schwierig, keine Frage. Vielleicht ist es auch ein Vorteil, dass ich ohnehin eine etwas misanthropische Einstellung habe und von Menschen an sich eh nix gutes erwarte. Deshalb überrascht mich das Ganze ja auch nichtmal wirklich.

        Hier handelt es sich natürlich um einen Härtefall, aber ich blende halt generell sehr viel aus. Politische oder religiöse Ansichten von Darstellern oder anderer Schwachsinn, mit dem ich absolut nicht übereinstimme. Wenn ich mir nichts mehr angucken könnte von Leuten, die ich für absolute Arschlöcher halte, müsste ich mir wohl ein neues Hobby suchen. Und auch hier hängt ja noch mehr mit dran. Verurteilt man beispielsweise nur die „Täter“? Was ist mit den ganzen Sackgesichtern, die von der Scheiße wussten, aber nichts getan haben. Sind die wirklich so viel besser? Da wird es dann halt richtig schwierig, wenn man nicht in der Lage ist, Dinge auszublenden und sich an der Kunst zu erfreuen. Waren Van Gogh und Picasso wohl gute Menschen? Was ist mit den Musikern, die in den 60ern und 70ern reihenweise Groupies genagelt haben? Was ist mit historischen Persönlichkeiten, die etwas Gutes getan haben, aber eigentlich absolute Pisser waren (kürzlich ja thematisiert beim Luther-Day). Wie sang schon die EAV: „Das Böse ist immer und überall.“

        Der letzte Absatz ist aber natürlich auch ein bisschen eine „vereinfachte“ Sichtweise meinerseits. Es klingt zwar immer etwas dämlich, sowas zu sagen, finde ich, aber heutzutage sollte es solche Dinge einfach nicht mehr geben. Aber da wären wir halt wieder bei Menschen=Arschlöcher. Und daran wird sich nun mal nie etwas ändern.

        • singendelehrerin schreibt:

          Vielleicht ist es für mich tatsächlich besonders schwer, weil ich immer erstmal an das Gute im Menschen glaube. Nicht dass ich naiv wäre, aber ich habe einfach zu wenig schlechte Erfahrungen mit Menschen in meinem Leben gemacht. So komisch das klingt… Deswegen begegne ich Menschen eigentlich meistens mit einer Art Vertrauensvorschuss.

          • Filmschrott schreibt:

            In meinem Umfeld sind die Menschen auch eher „positiv“, aber auch da strahlt halt immer wieder durch, was die teilweise für intollerante Ansichten haben. Stichworte: Flüchtlingskrise oder Gay-Marriage, wo ich mir teilweise gedacht habe, wie hinterwäldlerisch die Ansichten mancher Leute in meinem Umkreis sind. Dazu kommen dann noch die offenen AfD-Wähler usw. Da trennt sich dann eben die Spreu vom Weizen, oder wie das heißt. An sich sind das alles nette Leute, aber sie haben genau wie wir alle auf ihre Art und Weise komplett einen an der Murmel. Bei dem einen ist es eben schlimmer als bei dem anderen. Und davon können wir uns ja alle nicht freisprechen. Niemand ist wirklich durch und durch gut.
            Dazu kommt dann der ganze mediale Scheiß, der auf einen einprasselt. Täglich irgendeine andere Kacke, bei der man sich nur an die Birne fassen kann vor lauter menschlicher Dummheit, mit der man dadurch konfrontiert wird. Warum sollte das in einem Umfeld wie Hollywood anders sein. Wo „mächtige“ Menschen sind, ist eben auch die Scheiße am Fließband, weil Macht jeder Art immer für die falschen Dinge genutzt wird. Es ist natürlich interessant, das gerade jetzt so viel auf einmal davon passiert. Bekloppte Politiker in Machtpositionen, in denen sie absolut nichts zu suchen haben, Produzenten, die sich an Frauen vergreifen, religiöse Fanatiker, die immer noch Leute wegbomben usw. Aber das geht am Thema vorbei. Soll ja hier nicht zur politischen Debatte werden.

            Aber es ehrt dich schon irgendwie, dass du diese Sichtweise hast. Ich konnte mir die leider nicht bewahren. Wenn ich sie überhaupt jemals hatte.

  2. Ach, ich bin auch traurig und unentschlossen, was ich jetzt machen soll. Aktuell besteht mein Dilemma darin, ob ich mir wohl die fünfte Staffel House of Cards anschaue, die Netflix ja Ende des Monats auch (endlich) in Deutschland ins Programm aufnimmt. Ich habe so, so, so lange darauf gearbeit und liebe die Serie total – auch wegen Spacey, der trotz allem ein großartiger Schauspieler ist. Dass mir der geussvolle Konsum nun durch sein Verhalten genommen wird, macht mich richtig wütend. Vor allem für Robin Wright ist das einfach auch unfair, die ja wirklich eine sensationelle Performace abgeliefert hat in dieser Serie. Und jetzt wird House of Cards „gekillt“ trotz toller Kritiken, Preisen und Millionen von Fans, weil ihr Kollege sich nicht benehmen kann. Das ist einfach nur ungerecht – für sie und auch für die Zuschauer.

    • singendelehrerin schreibt:

      Ja, bzgl. „House of Cards“ habe ich ganz ähnliche Gedanken, ich bin eben auch wütend und es schmerzt mich für Robin Wright. Aber ich werde wohl die Serie tatsächlich nicht zu Ende sehen – zumindest ist das mein jetziger Stand. Ich kann Spacey jetzt erstmal nicht ins Gesicht sehen – und gerade in dieser Serie spricht er ja auch immer wieder das Publikum direkt an.

      • Heute bin ich in einer Stimmung, in der ich mir die Staffel tatsächlich anschauen würde, rein als Trotzreaktion. Wahrscheinlich entscheide ich kurzfristig, wie ich damit verfahre. 😦

  3. franziska-t schreibt:

    Ich habe für mich beschlossen in Zukunft alle Filme von Quentin Tarantino zu boykottieren. Mit der Aussage „Ich wusste von allem und ich habe nichts gesagt um mir meine Karrierechancen bei Weinstein nicht zu verbauen.“ hat er sich total disqualifiziert.

    Weinstein-Filme zu boykottieren halte ich irgendwie nicht für zielführend, weil er a) in Zukunft wohl keine Filme mehr produzieren wird, da das im Gefängnis schlecht geht und b) weil die meisten Filme ja per se nicht schlecht sind. Wie du geschrieben hast, es würde die Arbeit der Regisseure und Schauspieler, die sich korrekt verhalten haben, in den Dreck ziehen.

    Was Spacey angeht, da habe ich mir noch keine abschließende Meinung gebildet. Ich finde aber, dass Ridley Scott und Netflix das richtige Signal gesendet haben, als sie ihn gefeuert haben.

    • singendelehrerin schreibt:

      Ja, wie ich mit Tarantinos Aussagen umgehen soll, weiß ich auch nicht recht. Einerseits ist er immerhin ehrlich, andererseits sagt er klar, wenn er etwas unternommen hätte, hätte er nicht mehr mit ihm arbeiten können, also hat die Karrieresucht das Gewissen übertrumpft. Trotzdem, das könnte man im Grunde genommen ALLEN vorwerfen, von den Opfern bis hin zu den stillen Mitwissern, dass sie aus Angst davor, dass das ein Karrierekiller wäre, nichts gesagt haben. Ich will jetzt damit sicher nicht den Opfern etwas vorwerfen, nicht dass das falsch verstanden wird! Aber es muss ja hunderte Menschen gegeben haben, die davon wussten und nichts gesagt haben – das wird eine lange Boykott-Liste! Aber ich verstehe dich: Irgendwo muss man seine eigenen Grenzen setzen, für sich selbst auch ein Zeichen setzen: Nicht mit mir!

  4. bullion schreibt:

    Ich kann hier nur wieder den Kommentar hervorziehen, den ich bereits bei Miss Booleana gepostet habe – tatsächlich bin ich immer noch unschlüssig:

    Damit hast du ziemlich genau den Artikel geschrieben, der mir auch seit Tagen im Kopf herumspukt. Leider kann ich dir keine wirkliche Antwort geben. Manchmal funktioniert das mit der Trennung ganz gut (auch wenn ich Tom Cruise privat für völlig bekloppt halte, so kann ich seine Filme mit Vergnügen schauen), manchmal leider nicht (Bill Cosby kann ich z.B. nicht mehr guten Gewissens sehen). Was Spacey angeht. Schwierig. Auch für mich zählt „American Beauty“ zu den Lieblingsfilmen, auch wegen Spacey. Und nun? Zumindest macht es mir die Entscheidung leichter, „House of Cards“ nicht weiterzuschauen. Letztendlich ist es aber eine Frage, die ich mir bei jedem Fall immer wieder neu stellen muss. Das macht es nicht einfacher, doch eine pauschale Lösung wird es wohl nicht geben.

    Einer Ergänzung dazu: Wenn es so weitergeht, wird meine Watchlist in Zukunft deutlich aufgeräumter. Hat ja auch was für sich. <- Galgenhumor

    • singendelehrerin schreibt:

      Ah, den Beitrag von Miss Booleana hatte ich noch gar nicht gesehen (ich komme z. Zt. nicht so viel zum Bloglesen :-/ )!

      Mir geht es da wohl ziemlich ähnlich wie dir. Tatsächlich betrauere ich auch gar nicht so sehr, dass ich Werke mit Spacey (z. B.), die ich noch nicht gesehen habe, nun nicht mehr ansehen werde (wie eben den Rest von „House of Cards“), ich hasse es einfach so, dass dadurch Filme, die ich schon gesehen habe und die ich liebe, dadurch nicht mehr so „genießbar“ sind.

      Wow, so zynisch/sarkastisch wie in deiner Ergänzung habe ich dich auch selten erlebt…

  5. suzy schreibt:

    Es hat doch immer etwas mit Machtmissbrauch zutun oder? Ich bin bekannt, ich bin berühmt, ich kann Macht ausüben und sie missbrauchen. Und alle schauen weg, keiner will es gesehen haben, das ist etwas was ich so gar nicht glauben kann 🙂
    Zum Glück habe ich keine direkt Sympathien für die Männer die bisher bekannt geworden sind, aber es würde mich schon sehr treffen wenn es einen meiner Lieblingsschauspieler/innen betreffen würde. Dieser Mensch wäre für mich gestorben und ich könnte mir keine Filme mehr ansehen ohne ein „Geschmäckle“…..

    • singendelehrerin schreibt:

      Ja, dieser Machtmissbrauch ist das, was besonders perfide daran ist. Wohl hat deswegen Louis C.K. das so betont, dass die Frauen ihn bewundert hatten. (Trotzdem fehlt in seiner Erklärung das Wort „sorry“ oder „I apologize“.)

      Ich bin einerseits auch froh, dass durch diese ganzen Enthüllungen wohl mit dem Wort „Besetzungscouch“ nicht mehr so leichtfertig-ironisch umgegangen wird…

      Es geben jetzt ja doch auch etliche Menschen aus dem Business zu, dass sie sehr wohl davon wussten oder es zumindest ahnten. Nur, getan hat irgendwie niemand etwas, was dann auch wieder zeigt, welche Macht diese Männer ausüb(t)en.

  6. Aktion Morgenluft schreibt:

    Wieviele Künstler sind früher antisemitisch, sexistisch oder pädophil gewesen? Verschwinden ihre Werke deshalb? Nein. Ich hatte im Zuge von Hitchcock schon einmal darüber sinniert und bin zu dem Schluss gekommen, dass man das Werk vom Künstler trennen sollte. Denn dem geht ja ansonsten voraus, dass der Künstler heilig ist (verklärte Sicht), was sicher nicht an dem ist.

    Man müsste dann ganz generell auch die Frage beantworten, ob Menschen mit Öffentlichkeit anders bewertet werden müssen, als solche, die diese nicht haben bzw. ob sich diese in dieser Position besser verhalten sollten. Ersteres ist sicherlich nicht richtig und über das zweite lässt sich mindestens streiten.

    Der Umgang damit sollte sich ändern, will sagen man sollte weg von diesen „Götterverehrungen“ und besser die Menschen dahinter zeigen und auch wahrnehmen. Das würde auch (symbolisch) dieser Vormachtvorstellung vorbeugen. Es ist gut und richtig, dass nun soviele ihr Recht einfordern, auf der anderen Seite sehe ich den Umgang damit sehr kritisch, denn hier richtet kein Richter, sondern nur die Öffentlichkeit – obwohl nur Verdachtsmomente bestehen. Das kann auch nicht Sinn der Sache sein.

    • singendelehrerin schreibt:

      Ich glaube, mein Problem liegt einfach mehr darin, dass – im Gegensatz zu Hitchcock und anderen Künstlern, die bereits tot sind – die jetzt beschuldigten Künstler noch leben. Und grundsätzlich bin ich ja durchaus auch der Meinung, dass man das Werk vom Künstler unabhängig sehen sollte – nur gelingt mir das eben im Moment nur leidlich.

      Ich habe ja auch darauf hingewiesen, dass grundsätzlich erstmal die Unschuldsvermutung gilt, bis es zu einer Verurteilung kommt. Und ja, die Vorverurteilung durch die Medien ist mit Vorsicht zu genießen. Aber das hilft mir alles nicht auf der emotionalen Ebene. Und die ist im Moment diejenige, die mir Schwierigkeiten bereitet…

      Und zur Frage, ob Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen, mit anderem Maß gemessen werden sollen: Ich finde es genauso abscheulich, wenn sich „normale“ Menschen so verhalten. Habe ich aber solche Menschen nicht in meinem unmittelbaren Umfeld, muss ich ihnen nicht aus dem Weg gehen. Mit den in der Öffentlichkeit stehenden Personen werde ich aber konfrontiert, weswegen ich mir in dem Fall mehr Gedanken machen muss, wie ich mit dem Wissen um deren Verfehlungen ich umgehen kann. Und ich spreche hier wirklich von verbrecherischem, menschenverachtendem Verhalten, nicht einfach nur von politischen Meinungen.

  7. hurzfilm schreibt:

    Dazu fallen mir ganz viele Dinge ein. Mal der Reihe nach:

    1. Werk und Künstler trennen: Ja, kann man, muss man. Leni Riefenstahl war auch eine überzeugte Nationalssozialistin und hat ihre damalige Rolle bis zuletzt schön geredet. Trotzdem war sie eine geniale Filmemacherin. Ich sehe nicht, warum das bei Tarantino, Spacey oder – zu vergessen – Polanski anders sein sollte. Obwohl, einen Unterschied gibt es: Noch lebende Künstler profitieren von einem Nicht-Boykott leider finanziell, zum Beispiel durch den Kauf einer Kinokarte. Schwierig.

    2. Stichwort Polanski: Es musste doch eigentlich jedem seit langem klar sein, dass nicht wenige Hollywood-Größen Heuchler sind. Meryl Streep hat eine flammende Rede gegen den „Pussy-Graber“ Trump bei den Golden Globes gehalten und wurde dafür für Ihre Courage gelobt. Die gleiche Meryl Streep, die im Jahr 2003 dem wegen Vergewaltigung gesuchten, sich bis heute einem Gerichtsverfahren entziehenden Roman Polanski Standing Ovations geschenkt hat – ebenso wie fast alle ihrer Kollegen.

    3. Das Ganze hat freilich auch eine politische Dimension, denn das „liberale“ (im amerikanischen Sinn) Hollywood übte sich in der Vergangenheit ja nicht nur in permantenter Rummoralisiererei, sondern Leute wie Weinstein gehören/gehörten auch zu den geschätzten Unterstützern der Demokraten, die beispielsweise von den Clintons regelrecht hofiert wurden. Natürlich wussten die auch alle von nichts, na klar. Wenn die Selbstzerstörung der „Liberals“ so weitergeht, hat die GOP die Präsidentschaft 2021 praktisch sicher.

    4. Macht erklärt einiges, aber nicht alles. Wenn eine Nachwuchsschauspielerin Angst um Ihre Karriere hat, geschenkt. Das Scham auch ein Faktor ist, ist ebenfalls klar. Wenn aber eine Madonna, deren Vermögen wesentlich größer ist als das von Weinstein, die selbst nicht betroffen war und die einen Quasi-Gott-Status hat, nicht das Maul aufkriegt, was soll man da sagen? Noch ein paar Millionen mehr waren ihr halt wichtiger. Ach, auch hier wieder, Heuchelei hoch zwei: Im Frühjahr ist sie noch auf dem „Women’s March“ mitspaziert. Wie Weinstein(!) übrigens auch.

    5. Differenzierung tut not. Eine für den Guardian tätige „Journalistin“ hat neulich eine Liste mit Sexual Predators ins Netz gestellt, mit Links auf jeweils einen Artikel, der das belegen soll. Darauf war Weinstein, natürlich. Darauf war aber auch James Franco, dem sie „pursuing an underage girl“ vorwarf. Was war passiert? Franco hatte online einen 17-jährigen weiblichen Fan „angemacht“. Das mag moralisch zweifelhaft sein, aber illegal war es nicht: Im zuständigen Bundesstaat New York ist das Age of Consent 17. Abgesehen davon ist wohl nicht mal irgendwas passiert.

    6. Last but NOT least: Grundsätzlich gilt ohne Verurteilung die Unschuldsvermutung. Bei Weinstein scheint die Sache aufgrund dieses Audio-Tapes klar. Wenn viele Anschuldigungen da sind, ist ebenfalls schon ein deutlicher Anfangsverdacht gegeben. Trotzdem: Man muss leider davon ausgehen, dass es auch Leute gibt, die die Welle der aktuellen Enthüllungen für Ihre 15 Minutes of Fame nutzen. Ich erinnere an den Fall Bryan Singer, bei dem sich vor zwei oder drei Jahren die Anschuldigungen als haltlos herausgestellt haben.

    • singendelehrerin schreibt:

      „Dazu fallen mir ganz viele Dinge ein.“ – You don’t say! 😀 Leider habe ich grad nicht die Zeit, um da im Detail drauf zu antworten.

    • hurzfilm schreibt:

      Lass dir ruhig Zeit. 😉

      Ich las übrigens gerade, dass die Vorwürfe gegen Bryan Singer wieder aufgeflammt sind. Falls an denen doch was dran ist, war mein Beispiel natürlich ungünstig gewählt.

      Vielleicht haben wir – wie einige meinen – wirklich erst die Spitze des Eisbergs gesehen.

  8. friedlvongrimm schreibt:

    Ich glaube dass „who admired me“ ist in dem Statement von C.K. drin, um deutlich zu machen, dass er sich jetzt bewusst ist, dass er diese Sympathie ausgenutzt hat, um die sexuelle Handlung zu legitimieren.

    Ansonsten empfinde ich solche Äußerungen wie die des Serienguys eher als Versuch die eigene nicht vorhandene Courage zu verteidigen.

    Wie man das hinbekommt mit der Trennung von Kunst und Künstler kann ich leider nicht adäquat beantworten. Bei mir läuft das sehr selektiv. Bei Quentin finde ich es sehr schade, dass keine heroische Anekdote oder so auftaucht, bei Louis C.K. finde ich das Ganze Tam Tam irgendwie übertrieben. Da bin ich aber auch recht pragmatisch. Wenn jemand in aller Öffentlichkeit masturbieren möchte und mich dabei belästigt, dann wird der kurz angeschnauzt und dann wird gegangen.

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