Kingsman: The Golden Circle (Matthew Vaughn, UK/USA 2017) – Kurzkritik

© 2017 Twentieth Century Fox

Kurzkritik bedeutet bei mir, dass es keine Inhaltsangabe – und keine Spoiler – zum Film gibt.

Nun habe ich so viele negative Kritiken gelesen, dass ich mich fast nicht mehr traue zuzugeben, dass ich mich auch beim Sequel zu Kingsman: The Secret Service köstlich amüsiert habe. Noch sexistischer als der erste Teil sei der Film, voller Logiklöcher und schlicht unrealistisch. Zu Letzterem kann ich nur sagen: Hell yeah! Leute, soooo viel unrealistischer als die Bond-Filme ist das hier auch nicht, und im Gegensatz zum Bond-Franchise soll man diese Reihe nicht wirklich ernstnehmen! Trotzdem, ja, OK, die Art und Weise, wie „Galahad‟/Harry (Colin Firth) erst wiederbelebt, und dann wieder fit für den Job gemacht wird, ist jetzt nicht der große Knüller. Aber allein für das immer wieder zu hörende „Awww!‟ (in höchsten Tönen) aus der Reihe hinter mir, wenn Colin Firth auftrat, hat sich die Wiederauferstehung gelohnt. 😀

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Thema Sexismus. Ja, die Frauen auf der „guten Seite‟ haben keine großartigen Rollen, aber bei „Ginger Ale‟ (Halle Berry) wird das ja sogar von ihr selbst thematisiert, dass sie gerne aus dem „Innendienst‟ raus möchte, aber immer ausgebremst wird. Also kann man Matthew Vaughn und Jane Goldman meines Erachtens nicht vorwerfen, dass sie keinen Blick dafür haben, dass die Welt der Secret Agents weitgehend männlich ist. Dann bekommen sie aber auch Schelte wegen einer eher ungewöhnlichen „Anbringung‟ einer Abhörwanze an ebenso ungewöhnlicher Stelle. Ich persönlich fand die Idee sehr – ungewöhnlich – und damit äußerst originell und witzig. Hallo, diese Reihe richtet sich an ein (nahezu) erwachsenes Publikum (in Deutschland ab 16, in den USA R-rated) – das war schon bei Teil 1 klar. Man kann das trotzdem geschmacklos finden, ohne Zweifel, interessanterweise hat es mich aber nicht gestört.

© 2017 Twentieth Century Fox

Auch wenn mir Teil 2 schon deutlich weniger gut gefallen hat als Teil 1, erfreute ich mich doch an dem Ideenreichtum und der herrlich bunten Ausstattung. Die Bösewichtin Poppy – eine Drogenbaronin (gespielt von Julianne Moore) – hat sich im Dschungel eine kleine amerikanische „Main Street‟ aufgebaut, inkl. Showpalast für Privatkonzerte von einem von ihr entführten hochkarätigen Popstar (für den Fall, dass jemand den Film tatsächlich mit so wenig Vorwissen über das Casting und den Plot ansieht wie ich, sage ich seinen Namen nicht, was wahrscheinlich völlig überflüssig ist 😉 ) und einem ultraschicken Diner im Stil der 50er Jahre, in dem der „Gast‟ direkt sieht, was im Fleischwolf landet. Der Film übertreibt herrlich – auch wenn es um die Action geht, die erneut fantastisch choreografiert ist.

Und trotzdem gibt es Momente, die ans Herz gehen – und das ist eine Leistung, die ich angesichts des häufig überkandidelten Rests nicht hoch genug bewerten kann. Ich werde nicht verraten, welches diese Stellen waren, aber für mich gab es sie. Gleichzeitig gab es auch ernsthaft bittere Momente, in denen durchaus auch Gesellschaftskritik zum Vorschein kam. Die Reaktion des amerikanischen Präsidenten (Bruce Greenwood) etwa auf die Erpressung durch Poppy ist schon ziemlich krass.

© 2017 Twentieth Century Fox

 

Insgesamt für mich noch immer solide Unterhaltung mit einem wunderbaren supporting cast (u. a. Channing Tatum und Jeff Bridges, der vergleichsweise deutlich artikuliert 😉 ) und dem Original-Trio Taron Egerton, Mark Strong und Colin Firth mit gleichbleibend guter Chemie. 7 von 10 Punkten.

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6 Antworten zu Kingsman: The Golden Circle (Matthew Vaughn, UK/USA 2017) – Kurzkritik

  1. KirstenSE schreibt:

    Endlich auch gesehen, und ich habe mich auch köstlich amüsiert. Kann dir uneingeschränkt zustimmen. Und vor allem die großartige Besetzung – auch in kleineren Nebenrollen – macht den Film besonders sehenswert (Hast du Calvin Demba wieder erkannt?). Und wenn ein Film auch einige bekannte schwedische Darsteller hat, ist das besonders zur Zeit ein besonderes Highlight für mich. Und da liegt dann auch mein größter Kritikpunkt, dass Lena Endre als Schwedische Königin nichts zu sagen hatte 😦 sie kann gut englisch sprechen, ich habe mich gut mit ihr unterhalten, als ich sie getroffen habe.

    • singendelehrerin schreibt:

      Oops, nein, Calvin Demba habe ich nicht wieder erkannt – wann kam der denn vor? Ich finde kein movie still von ihm…

      Das stimmt, dass Lena Endre nicht viel zu sagen hatte, fand ich auch etwas schade (und: Neid! 😛 ).

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