Neulich beim SNEAKen: Tulip Fever + Logan Lucky + What happened to Monday?

Da ich hoffnungslos hinterher bin mit ALLEN Kritiken (Theater, Filme, Serien) :-/ , heute in Kurzform ein paar Worte zu den zuletzt gesehenen Sneak Preview Filmen.

Tulip Fever (Dt.: Tulpenfieber, Justin Chadwick, UK/USA 2017)

Unschwer zu erraten spielt dieser Film in den Niederlanden, genauer im Amsterdam des 17. Jahrhunderts, als mit Tulpenzwiebeln ein reger Handel betrieben wurde, mit dem man richtig viel Geld verdienen konnte. Es geht um das Leben von Sophia (Alicia Vikander), einer Waise, die – man muss es aus damaliger Sicht so sehen – das Glück hat, mit dem reichen Händler Cornelis Sandvoort (Christoph Waltz) verheiratet zu werden, die sich später aber in den jungen, aber mittellosen Maler Jan Van Loos (Dane DeHaan) verliebt. Dazu kommen noch Nebenhandlungen, die die Magd Maria (Holliday Grainger) und ihren Liebhaber, den „fishmonger‟ Willem Brok (Jack O’Connell) betrifft.

Das alles ist zwar ganz schön anzusehen, was die historische Ausstattung und Kostüme anbelangt, und es gibt außerdem noch ein paar interessante Schauspieler in Nebenrollen (am witzigsten, wie so oft, Tom Hollander, aber ich fand es auch spannend, Matthew Morrison (Glee), Cara Delevingne, David Harewood und – of all people! – Zach Galifianakis (Hangover) zu entdecken). Alicia sehe ich immer gerne zu, und Christoph Waltz spielt mal keine Karikaturfigur, oh, und ich vergaß: Dame Judi Dench ist auch noch mit von der Partie. Viel Eye-candy – und dann hat Tom Stoppard auch noch mit am Drehbuch (basierend auf dem Buch von Deborah Moggach) geschrieben.

Trotzdem bleibt der Film irgendwie belanglos. Der „Kollege‟ vom Guardian schreibt:

Tulip Fever isn’t a disaster. The first half is actually fairly decent, occasionally threatening to be good. […]

Tulip Fever’s second half is a harvest of stupidity, with mistaken identities, overheard conversations, characters conveniently swept away by circumstance […]

Gerade die Sequenz mit der „mistaken identity‟ und den Folgen daraus fand ich wirklich extrem vorhersehbar und, ja, dumm. Überhaupt fällt Sophia ziemlich viele dumme Entscheidungen, und ihr Liebhaber steht ihr da in nichts nach. Nun verkauft sich der Film ja aber nicht als Komödie, bei der man über all die Dummheiten der Charaktere lachen soll, weswegen ich das doch eher störend empfunden habe, dass hier so viel Dummheit vorherrscht…

Fazit: Schöne Menschen schön abgefilmt, interessante Besetzung, lahme, löchrige und vorhersehbare Story. 5,5 von 10 Punkten.

Logan Lucky (Steven Soderbergh, USA 2017)

Quelle: IMDb

Logan Lucky macht zweifelsohne Spaß und ein Kinobesuch lohnt sich schon alleine wegen Daniel Craigs „un-James-Bond-mäßiger‟ Performance! Wenn man sieht, wie viel diebische Freude er daran hat, so völlig gegen sein Image aus den letzten Jahren anzuspielen, fragt man sich schon, was ihn dazu bewegt haben muss, die Rolle des James Bond doch noch nicht an den Nagel zu hängen.

Auch die weitere Besetzung ist vom Feinsten: Channing Tatum und Adam Driver als Brüder Jimmy und Clyde, auf denen der Fluch der Logan-Familie zu liegen scheint (Jimmy hat ein „böses Bein‟, Adam hat im Irak einen Teil eines Arms verloren) geben ein herrlich ungleiches Brüderpaar ab, doch die beste Autofahrerin in der Familie ist ihre Schwester Mellie (Riley Keough)…

Bei Jimmys Plan, den Charlotte Motor Speedway (auf dem u. a. die berühmten Nascar-Rennen stattfinden) auszurauben, macht dann auch die gesamte Familie plus Joe Bang (Craig) – dieser Name allein! – und dessen Brüder Fish Bang (Jack Quaid) und Sam Bang (Brian Gleeson).

Tolle Besetzung (meine Lieblingsnebendarstellerin: Katherine Waterston), witzige Dialoge, Südstaatenflair und -akzent – aber irgendwas fehlt mir zum ganz großen Wurf. Denn im Gegensatz zu Baby Driver etwa, oder – um bei Soderberghs Werk zu bleiben – Ocean’s Eleven bleibt der Film nicht im Gedächtnis haften. Allenfalls die Szenen, die man auch schon aus dem Trailer kennt, setzen sich fest, ansonsten sind da keine Meilensteine des Kinos, die sich ins Gedächtnis einbrennen.

Fazit: Nette Unterhaltung für einen lockeren und lustigen Kinoabend mit einem erfrischend anderen Daniel Craig! 7 von 10 Punkten.

(Nebenbemerkung: Nachdem ich Adam Driver zuletzt in Paterson (sorry, noch keine Kritik geschrieben 😦 ) und hier sah, ist es für mich kaum vorstellbar, ihn mir als Kylo Ren vorzustellen!)

What happened to Monday? (Lt. IMDb Originaltitel: Seven Sisters, Tommy Wirkola, UK/F/Belgien/USA 2017)

Ich hatte vor gestern Abend von diesem Film noch überhaupt nichts gehört – und so war ich auch einigermaßen schockiert, als ich nach der Sneak Preview heimkam und auf IMDb sah, dass der Film bei Metacritic nur 47 von 100 Punkten bekommen hat. Ich dagegen habe nach dem Film mit „Gut‟ abgestimmt, und zwar vor allem aus folgenden Gründen:

  • Die Themen Überbevölkerung und One-Child-Policy mögen zwar nicht besonders neu und originell für ein Zukunftsszenario sein, aber gerade die Frage, was mit Eltern (und deren Kindern) geschieht, die sich nicht an das Verbot, mehr als ein Kind in die Welt zu setzen, halten, finde ich eine sehr spannende ethische Frage. Man mag sich moralisch auf der richtigen Seite zu wähnen, gegen so ein rigoros durchgesetztes Verbot zu sein, aber was wäre, wenn es wirklich zu wenig Ressourcen für alle gäbe? Wäre es dann nicht „humaner‟, durch ein Verbot die Bevölkerung zu beschränken, als Millionen Menschen einen langsamen Hungertod sterben zu lassen?
  • Noomi Rapace, Noomi Rapace, Noomi Rapace, Noomi Rapace, Noomi Rapace, Noomi Rapace, und Noomi Rapace. Sieben Schwestern (Siebenlinge) spielt sie – und macht den Klonen von Tatiana Maslany durchaus Konkurrenz. Jede Schwester (Monday, Tuesday, Wednesday, Thursday, Friday, Saturday und Sunday) ist anders, jede hat ihre Eigenheiten und speziellen Begabungen. Alle sieben wiederum müssen an „ihrem Wochentag‟ in die Rolle einer einzigen Frau, nämlich Karen Settman, schlüpfen, nur Karen darf nach draußen, nur sie hat einen Job. Laut Scanner an den Kontrollstationen ist sie ein Einzelkind. Denn alle Geschwister würden sonst abgeholt und „eingefroren‟. Noomi Rapace spielt sich – wie so oft – die Seele aus dem Leib, einfach fantastisch! Das zu erleben, ist schon etwas Besonderes. Man leidet mit jeder Schwester mit.

Und sehe ich dem Film nach, dass er stellenweise exzessiv gewalttätig ist und dabei Menschen Dinge überleben, die ein normaler Mensch – und es handelt sich ja hier nicht um Superhelden oder Roboter – nicht überleben würde. Denn gleichzeitig ist der Film auch wieder konsequent dystopisch – wie lange kann das gut gehen mit dem Versteckspiel? Ich sehe dem Film auch ein paar Logiklöcher nach – ich glaube, wenn man genauer drüber nachdenkt, sind das sogar ziemlich viele. Aber ich fand die Prämisse und die Ausführung einfach spannend und packend.

Fazit: Sicher kein perfekter Film und keine wirklich neue Idee für ein dystopisches Szenario. In der Ausführung aber insbesondere durch die schauspielerische Genialität von Noomi Rapace und durch die harte Action und das konsequente Finale für mich ein beeindruckender, nachdenklich stimmender Film. 7 von 10 Punkten.

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