​Theater in London: Zwischenbericht

Bevor ich mich aufmache, um erneut zwei Stücke an einem Tag anzusehen, hier ein kleiner Zwischenbericht in aller Kürze zu meinen bisherigen Erlebnissen.
Stage Door:

Leider ist bei diesem Trip ein wenig der Wurm drin, was meine Fangirl-Momente anbelangt, denn die drei männlichen Hauptdarsteller von drei Stücken habe ich jeweils nicht an den Stift oder vor die Linse bekommen: Paddy Considine (The Ferryman), Ben Whishaw (Against) und Jack O’Connell (Cat on a Hot Tin Roof). 😦 Immerhin traf ich Colm Meaney – für mich als Trekkie schon etwas Besonderes! 🙂 Über weitere Begegnungen demnächst mehr.

Die Stücke:

  • The Ferryman: Packendes Familiendrama vor dem Hintergrund des Nordirland-Konflikts (aus katholischer Sicht). Wunderbare Besetzung eines großen Ensembles von jung (neun Monate altes Baby!) bis alt, inkl. Kaninchen und Gans. Sehr lebendig und authentisch wirkend, auch durch das liebevoll eingerichtete Bühnenbild einer Wohnküche in einem großen Bauernhaus. Tragisches Ende.
  • Queen Anne: Historisches Drama um die kränkliche, schüchterne und kinderlose Queen Anne und ihre beste Freundin/Feindin Sarah Churchill, die ehrgeizige, intelligente Duchess of Marlborough, geschrieben von einer Frau, Regie geführt von einer Frau. Obwohl schauspielerisch und inszenatorisch nichts an dem Stück auszusetzen ist, hatte ich in dieser Nachmittagsvorstellung enorme Probleme, meine Augen offen zu halten. Immerhin gab es dazwischen musikalische Einlagen einer Gruppe, die sich über die Queen (und später auch Sarah) lustig machten. Das war wirklich sehr gut gelungen. Aber insgesamt kein Stück, das sich mir ins Gedächtnis einbrennen wird.
  • Our Ladies of Perpetual Succour: Hier saß ich direkt mit auf der Bühne, auf dem einige Tische wie in einer Bar oder einem Club aufgestellt waren. Das hat zwar interessante Einblicke gewährt, war aber auch problematisch, weil der Sound auf der Bühne (bei einem Stück/Musical, bei dem mit Mikrofonen gearbeitet wird) einfach deutlich schlechter war. Dies war vor allem deswegen ein Problem, weil die sechs „Ladies“ (aus einem katholischen Mädcheninternat, auf dem Weg zu einem Chorwettbewerb) mit einem wirklich starken schottischen Akzent gesprochen (und gesungen!) haben. Ich gestehe, dass ich manche Jokes und Anspielungen dadurch leider nicht verstanden habe. Aber definitiv eine tolle Show – und die jungen Frauen haben fantastische Stimmen! Beim letzten Lied (alle Lieder von ELO) sind mir dann auch Tränen gekommen. Empfehlenswert aber nur für Leute, die den schottischen Akzent gut verstehen (und ich empfehle, nicht die Plätze auf der Bühne zu nehmen).
  • Against: Hochaktuelles Stück über Gewalt in den USA. Junger Erfinder und Milliardär Luke hört Gottes Stimme, die ihm sagt: „Go where there’s violence“. Es folgen diverse Begegnungen mit Opfern von Gewalt, aber es geht auch um Lukes Selbstfindung (und auch um die von anderen). Das Stück in wenigen Worten zu beschreiben ist schwierig, weil es so viele Ebenen hat. Ich fand das Stück extrem faszinierend, die Dialoge von Christopher Shinn sind toll, und es gibt viel, worüber man nachdenken kann. Die Kritiker überschlagen sich nicht vor Lob, was ich persönlich nicht verstehe. Sehr sehenswert!
  • Cat on a Hot Tin Roof: Mutige Inszenierung: Nicht nur Jack O’Connell als Brick ist mehrfach komplett nackt zu sehen, auch Sienna Miller zieht sich am Ende des Stückes nackt aus. Ich finde das bewundernswert, stehen doch beide – Sienna Miller noch deutlich mehr – ziemlich im öffentlichen Rampenlicht. Klar könnte man sagen, in Filmen hat Sienna das vielleicht auch schon gemacht. Aber ich finde, es gehört sehr viel mehr Mut dazu, das vor einem Live-Publikum von mehreren Hundert zu tun. Sienna hat sich aber auch schon vorher im Stück in Unterwäsche völlig ungeniert bewegt, ganz so, wie man es im eigenen Schlafzimmer tut. Tennessee Williams ist immer etwas schwer verdaulich, nicht mein Lieblingsautor. Sicherlich eine Inszenierung, die dem Stoff gerecht wird, aber kein Stück, das ich mir ein zweites Mal ansehen müsste. 
  • Follies: Dieses Musical dagegen ist ein Stück, das ich mir sofort ein zweites Mal ansehen würde – und, wer weiß, vielleicht auch werde. Da gerade noch die Previews laufen (seit 22.8.), gab es noch ein paar kleinere Unsauberkeiten bei der Choreografie (da waren nicht immer alle komplett synchron), aber ich war trotzdem restlos begeistert – von der Introsequenz bis hin zum Ende. Es gibt vier Hauptcharaktere, die alle super besetzt sind, aber mein Herz schlug ganz besonders für Imelda Staunton. WAS für eine tolle Sängerin – ich weiß gar nicht, ob es viele SchauspielerInnen gibt, die sowohl eine solch hochdramatische Rolle wie die von Martha in Who’S Afraid of Virginia Woolf mit solch einer Energie wie Staunton ausfüllen können, als auch mit so viel Gefühl und solch wundervoller Stimme tagtäglich im Musical glänzen können. I worship the ground Imelda Staunton walks on! 

So, das war ein erster Eindruck – auch für den Fall, dass ich etwas länger mit den Einzelkritiken brauche, wisst ihr schon mal, was mich besonders begeistert hat. 😉

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Lieblingsorte, Reisen, Schauspieler, Theater abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

7 Antworten zu ​Theater in London: Zwischenbericht

  1. luinalda schreibt:

    Ach Mensch, schade, dass es an der Stage Door nicht so geklappt hat.

    Aber Colm Meaney. Super!! Hatte ich auch zweimal versucht (das Queen’s Theatre ist ja quasi genau nebenan 😉 *g*), aber leider kein Glück gehabt. 😦 Wahrscheinlich war ich jeweils zu spät (war halt ja vorher an der Les Mis Stagedoor) oder er hat irgendwie einen anderen Ausgang benutzt. Naja, schade. Beim ersten Mal hatte ich immerhin noch Sienna Miller rauskommen sehen, aber da wirklich sehr viel los war (v.a. anscheinend professionelle Autogrammjäger, hurra *rolleyes*) und sie ziemlich schnell zu ihrem Auto „durchgerauscht“ ist, gab’s leider keine Möglichkeit für Fotos oder Autogramm.

    Follies würde ich ja auch zuuuu gerne sehen. *seufz*
    Zum einem natürlich wegen Imelda, die ich auch liebe. Bin so happy, dass ich sie damals live in Sweeney Tood sehen konnte, das war großartig!!! 🙂
    Zum anderen spielt Philip Quast, einer meiner Lieblingsmusicaldarsteller, mit. Den ich leider zuletzt 2009 in London auf einer Bühne gesehen habe (er war zwischendurch auch lange Zeit mal wieder in Australien)… :-/

    Dir auf jeden Fall weiterhin viel Spaß in London! 🙂

  2. mwj schreibt:

    Gibt’s Fotos vom Bühnenkaninchen? 😉

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s