’71 (Dt.: ’71: Hinter feindlichen Linien; Yann Demange, UK 2014)

Quelle filmstarts.de (Bei Ascot Elite Home Entertainment war der Film online einfach nicht zu finden, obwohl die die DVD vertreiben)

Da ich Jack O’Connell demnächst live auf der Bühne des Young Vic, und zwar nackt unter der Dusche in Tennessee Williams‘ Cat on a Hot Tin Roof an der Seite von Sienna Miller, sehen werde, wollte ich ein bisschen mehr des Werks des 27-Jährigen kennenlernen. Bisher hatte ich ihn nur in Starred Up gesehen – und das war ein extrem harter Brocken (FSK 18). Da ’71 bei Amazon Prime inklusive ist, habe ich mir gestern nun diesen Film über den Nordirland-Konflikt angesehen. Da geht es ähnlich hart zur Sache (FSK 16).

Wie am Titel unschwer zu erkennen, befinden wir uns im Jahr 1971. Gary Hook (O’Connell) ist der britischen Armee beigetreten, sein erster Einsatz ist nun Belfast, Zentrum des Nordirland-Konflikts. Bevor sich seine Truppe dorthin auf den Weg macht, verbringt er noch ein paar Stunden mit dem Jungen Darren (Harry Verity), der offenbar in einem Heim lebt (es wird nie explizit gesagt, aber es scheint sein Bruder zu sein).

Die Einheit, zu der u. a. auch Thommo (Jack Lowden: War & Peace, Dunkirk) gehört und die vom unerwartet sanften Lt. Armitage (Sam Reid: The Railway Man, The Riot Club) geführt wird, wird sehr schnell ins Geschehen geworfen. Es soll eine Razzia durchgeführt werden, doch die Situation eskaliert, was dazu führt, dass ein Soldat stirbt und Hook im „Grenzgebiet‟ zwischen katholischen Nationalisten und protestantischen Loyalisten zurückgelassen wird. Wie wird er das überleben?

Es erschwert seine Situation, dass er nicht nur von der Provisional Irish Republican Army (PIRA) gesucht wird, sondern die Military Reaction Force (MRF), eine geheime Organisation der Loyalisten, die aber theoretisch mit der britischen Armee zusammenarbeitet, ihre eigenen gewalttätigen Ziele hat, die sie aber vor der British Army zu verbergen sucht. Kopf der MRF hier: Captain Sandy Browning, gespielt vom überaus wandlungsfähigen und oft irgendwie unangenehmen Sean Harris (Tresspass Against Us, Mission: Impossible – Rogue Nation).

Ich muss gestehen, dass ich die Hintergründe zu dem, wer die MRF ist und was für eine Rolle diese im Nordirland-Konflikt gespielt hat, nicht ganz verstanden habe. Dennoch hat mich der Film mitgerissen, was zu allererst an der sich sehr authentisch und bedrohlich anfühlenden Atmosphäre liegt. Dazu kommen einige Gewaltausbrüche und eine Explosion, die mich wirklich völlig unerwartet getroffen haben. Das wirkt real, das wirkt unmittelbar. Dazu kommen durch die Bank überzeugende schauspielerische Leistungen, first and foremost von Jack O’Connell, der Verzweiflung, Schmerz, Angst und Entschlossenheit wunderbar darstellt. (Da freue ich mich doch noch ein bisschen mehr auf seine Darstellung des Brick in Cat on a Hot Tin Roof, wobei er da ja mit dem großartigen Paul Newman aus meiner Erinnerung konkurrieren muss. Die körperliche Präsenz bringt er auf jeden Fall mit.) Doch neben ihm habe ich einige bekannte Gesichter aus anderen Filmen oder gar Theaterstücken entdeckt: Jack Lowden und Barry Keoghan sind aktuell in Dunkirk zu sehen, Paul Anderson ist Arthur Shelby in Peaky Blinders, James McArdle habe ich zuletzt auf der Bühne in Angels in America und an der Stage Door gesehen.

7 von 10 Punkten für einen Film, der zeigt, wie verbissen beide Seiten im Nordirland-Konflikt waren und wie das ein normales Leben in Belfast unmöglich machte. Ach, und wie definiert man Krieg? „Posh cunts tell thick cunts to kill poor cunts.“ (in etwa: Arschlöcher aus der Oberschicht sagen Arschlöchern ohne Bildung, dass sie Arschlöcher aus der Unterschicht abknallen sollen.)

 

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