Neulich beim SNEAKen: Atomic Blonde (David Leitch, D/Schweden/USA 2017) – Kurzkritik

Quelle: Universal Pictures Germany

Kurzkritik bedeutet bei mir, dass es keine Inhaltsangabe zum Film gibt.

Regisseur David Leitch war Produzent von John Wick und Executive Producer von John Wick 2. Außerdem ist er Stuntman. Entsprechend lassen sich Parallelen zu den beiden John Wick-Werken finden: Atomic Blonde ist hyper-stylish und die Actionszenen – diesmal mehr Nahkampf als Rumgeballere – sind furios choreografiert.

Quelle: Universal Pictures Germany

Rein visuell hat der Film also wirklich etwas zu bieten, und dies bezieht sich nicht nur auf Charlize Theron, die in ihrer platinblonden Kühle und ihren schwarz-weißen Outfits richtig heiß ist. Immer wieder bekommen wir ihr perfektes, blasses Gesicht mit diesen unglaublichen Augen ganz aus der Nähe zu sehen, häufig durch Neonlicht beleuchtet. Kamera und Beleuchtung sind fantastisch.

Quelle: Universal Pictures Germany

James McAvoy als Therons Partner hat seinen eigenen Style, eher abgerissen allerdings, immer noch mit rappelkurzen Haaren und – so mag ich ihn – mit Bart. Er ist eine perfekte Besetzung, weil doch leicht durchgeknallt ist und auch ziemlich fies sein kann. Eric Kohn von Indiewire schreibt: „James McAvoy, fittingly cast as a zany, gun-wielding psychopath‟. Sehr treffend formuliert!

 

Quelle: Universal Pictures Germany

Auch ansonsten ist der Film mit Toby Jones, Eddie Marsan und John Goodman prominent besetzt, wobei Eddie Marsan, der einen ostdeutschen Informanten von der Stasi spielt, wenn er Deutsch spricht, halt mit Akzent spricht. Könnte man mal wieder fragen, warum man keinen deutschen Schauspieler dafür genommen hat. Wobei, am Ende hätte Til Schweiger dann doch noch mehr Screentime gehabt – das will ja auch niemand! :mrgreen: 😉

Richtig Spaß macht der Soundtrack: Von Nena und Tom Schilling über David Bowie und George Michael bis hin zu Depeche Mode und Queen – das ist wirklich wie eine Zeitreise zurück an das Ende der 80er Jahre in Deutschland.

Und trotzdem habe ich am Schluss nur mit „mittel‟ abgestimmt. Denn das ganze hübsche Styling und die beeindruckenden Kämpfe wurden mit einem Plot versehen, der einerseits letztlich doch irgendwie höchst kompliziert ist, wie so oft bei Spionage-Geschichten (DEUTLICH komplexer als bei den John Wick-Filmen, auch wenn das ja nicht sehr schwer ist), der aber andererseits auch völlig uninteressant ist, auch weil die Motivation der Beteiligten ziemlich unklar ist. Andrew Barker vom Variety schreibt mir aus der Seele:

But so much uncut hardboiled posturing proves exhausting over a nearly two-hour runtime, and with zero emotional stakes and a plot that is both difficult and seemingly pointless to follow, there’s a fundamental emptiness behind all the flash. Virtuosic kick-ass filmmaking can be its own reward, but to paraphrase “Idiocracy,” you still need to care about whose ass it is, and why it’s being kicked.

Eine weitere Stelle aus dieser Kritik muss ich einfach zitieren:

The film’s villains barely register, and bonus points to anyone who can explain exactly what Til Schweiger’s character is supposed to be doing here.

Die Fans der John Wick-Filme werden definitiv ihren Spaß haben, und ja, es ist gut, wenn auch Frauen Hauptrollen in Actionfilmen bekommen. Aber als Heldin ist mir trotz allem Charlize Theron als Imperator Furiosa (Mad Max: Fury Road) lieber. Oder Emily Blunt in Edge of Tomorrow.

6 von 10 Punkten.

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19 Gedanken zu “Neulich beim SNEAKen: Atomic Blonde (David Leitch, D/Schweden/USA 2017) – Kurzkritik

  1. Interessant, dass sich mittlerweile auch internationale Stimmen fragen,w as der Schweiger eigentlich vor einer Kamera zu suchen hat. XD

    Hm, also, mehr Stil als Substanz? Damit kann man von Zeit zu Zeit auch leben, zumal es ja Charlize gibt. ^^‘

        1. Dazu brauche ich bitte jeweils Definitionen von „nur heiße Actionmieze“ und „sie gibt mehr her“. Vielleicht andere Beispiele? Kann das so nicht beantworten. 😉

          1. Anders gefragt: hat die Titelfigur irgendetwas zu bieten außer stylisches Aussehen und ihre Fähigkeiten im Kampf?

          2. Offenbar ist sie auch leidenschaftlich im Bett. Mit einer Frau. Aber das meintest du sicher auch nicht… 😉 Ich finde, sie hat sonst nicht viel zu bieten. Gut, sie ist multilingual, aber das kommt auch nicht groß zum Einsatz.

  2. Ich weiß ja immer noch nicht, was ich von dem Streifen halten soll. Auf der einen Seite: genialer Regisseur und genialer Soundtrack auf der anderen Seite eher mittelgute Dialoge und schlecht Geschnittene Szenen? Oder täuscht der Trailer, dort sehen die Special Effekte nämlich alles andere als top aus. Zumal eine blonde Geheimagentin? Hallo, Jane Blond….

    1. Ah, du magst wohl John Wick?! Sonst wüsste ich nicht, wo der „geniale Regisseur“ herkommt. 😉 Schlecht geschnitten finde ich den Film nicht, an den Stunts habe ich auch nix auszusetzen. Dialoge? Naja, geht so…

  3. Für mich endlich mal wieder ein Film, wo eine Frau vollends im Mittelpunkt steht. Und mit Charlize Theron passend besetzt. Gehört sie doch schon länger zu meinen „Favorite Actress“, was Hollywood-Filme betrifft.

      1. Noch nie gesehen. Als ich mal gehört habe, dass dort wohl sein Hund das Leben lässt, habe ich mich entschieden den Film zu meiden.

        1. Ach je, bist du einer derjenigen, die kein Problem damit haben, wenn (unschuldige) Menschen dahingemetzelt werden, aber laut aufheulen, wenn es einen Hund trifft?! 😀

          Don’t get me wrong, ich sehe das auch nicht gerne (egal welches Tier), aber blöder am Plot fand ich, dass als Rache für einen Hund mindestens 80 Menschen sterben mussten…

          Gut, hätte mich einfach interessiert, weil dir dann vielleicht der Style des Regisseurs einfach liegt. Für mich ist das zuviel „style over substance“. Aber prinzipiell bin ich natürlich auch für starke Hauptrollen für Frauen.

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