Neulich beim SNEAKen: Trespass Against Us (Dt.: Das Gesetz der Familie; Adam Smith, UK 2016)

Quelle: filmstarts.de

Viele Kritiker bemängeln, dass man nicht so recht weiß, worum es in dem Film eigentlich geht, dass ein roter Faden, ein nachvollziehbarer Plot fehlt. Und ja, das stimmt wohl. Ich versuche mich mal an einer eigenen Zusammenfassung:

Eine Gruppe von „fahrenden Kleinkriminellen‟ (leben irgendwo in der Pampa in Wohnwagen) unter der strengen Leitung von Colby Cutler (Brendan Gleeson) drehen ihre Raubstreifzüge, die immer kühner werden. Colbys Sohn Chad (Michael Fassbender) will für seine Frau Kelly (Lyndsey Marshal) und seine Kinder eigentlich den Ausstieg aus diesem Leben, kann sich aber nicht dem Einfluss seines Vaters entziehen. Immerhin schickt er seine Kinder in die Schule, damit sie – im Gegensatz zu ihm – Lesen und Schreiben lernen. Nach einem großen Coup, der es in die Medien schafft, ist die Polizei von Gloustershire unter Leitung von P.C. Lovage (Rory Kinnear) noch angepisster als vorher und versucht, Chad & Co dafür zur Verantwortung zu ziehen.

Mein erster Kritikpunkt ist gleichzeitig eigentlich ein Pluspunkt: Michael Fassbender sieht einfach viel zu gut aus für diesen Lowlife-Typen. Wie oft gab es Close-ups auf sein perfektes Gesicht mit den unwiderstehlichen Lachfältchen um die Augen! ❤ *sabberabwisch* So ein schöner Mann – dem kann auch das Leben im Trailerpark nichts anhaben. Weiß nicht, ob das realistisch ist. Andererseits finde ich es so verdammt großartig, dass Fassbender sich nicht auf seinem Hollywood-Ruhm ausruht, sondern in so einer Bandbreite aus völlig unterschiedlichen Filmen (von Blockbustern bis hin zu diesen kleinen Filmen, die von der Lotterie mitfinanziert werden) mitwirkt. Jetzt muss er nur noch wieder zurück auf die Theaterbühne (in London)…! 😉

Was wirklich etwas schwierig ist bei dem Film, ist die Frage, für wen denn nun eigentlich dein Herz schlagen soll als Zuschauer. Die Polizei scheidet aus. Rory Kinnear spielt den P.C. als richtigen Unsympathen, der mal eben die Kinder von Chad und Kelly für seine Zwecke benutzt. (Ich fand es mal wieder erstaunlich, wie sehr das Bild, das ich mir von Rory persönlich an der Stage Door machen konnte, von dem auf der Leinwand abweicht.) Die Truppe der Cutlers ist aber auch wenig liebenswert. Colby ist overbearing und nach wie vor (seinen Sohn Chad hatte er nicht auf die Schule geschickt) davon überzeugt, dass die Kinder in der Schule nur Mist lernen. Unsympathisch (wenn auch von Gleeson brillant gespielt). Was an Chad liebenswert ist, ist, wie er mit seinen Kindern umgeht, insbesondere mit seinem Sohn Tyson (Georgie Smith). Das ist außerdem auch ganz entzückend gespielt von Fassbender und Georgie. Aber dann bringt er seine Kinder auch in Situationen, die einfach gefährlich sind. Sie jagen z. B. in enormem Tempo einem Hasen übers Feld – im Auto: Chad gibt Gas, Tyson sitzt auf seinem Schoß und lenkt, das ganze Auto ist voll besetzt mit Erwachsenen und Kindern. Das macht den Kids natürlich riesigen Spaß, aber „responsible parenting‟ kann man das wohl kaum nennen.

Quelle: thesun.co.uk

Außerdem wünscht man sich, dass Chad sich endlich mal gegen seinen Vater durchsetzt, aber alle Ansätze dazu verlaufen im Sand. Gut, für mich hat Chad durch das Ende des Films schon an Sympathien gewonnen, aber die Frage bleibt: was ist die Botschaft des Films?

Was hat mir aber trotzdem gefallen? Neben dem Genuss, solchen Schauspielgrößen wie Brendan Gleeson und Michael Fassbender zuzuschauen, mochte ich den Einblick in so ein Milieu, das mir so fern ist, wie der Mond von der Erde. Außerdem fand ich die (Auto-)Verfolgungsjagden ganz gut gelungen – nicht zu vergleichen mit Baby Driver, aber doch sehr effektiv und einfallsreich. Erwähnt habe ich bereits, dass ich die Interaktionen zwischen Chad und seinem Sohn sehr liebenswert fand – das wirkte sehr natürlich – und Georgie hat in der letzten Sequenz (, die auf einem Baum stattfand) ganz außerordentlich gut gespielt. Diese letzte Sequenz fand ich dann auch ziemlich rührend und ein passendes Ende. Denn mitten im Film hatte ich mich zu meiner Freundin D. rübergedreht und gefragt: „Wie wird das nur ausgehen???‟ Mit dem Ergebnis war ich dann mehr als zufrieden, überhaupt war die allerletzte Einstellung perfekt, wenn auch ziemlich vorhersehbar in diesem Moment. Ich hätte den Film auf jeden Fall auch mit diesem Bild enden lassen. 🙂

Was ich zuletzt noch erwähnen sollte: Falls ihr vorhabt, den Film in Originalsprache anzusehen, schaut, dass ihr eine Vorstellung (oder DVD) mit Untertiteln erwischt! Wobei englische Untertitel in dem Fall z. Tl. wohl nicht mal helfen, weil da so Begriffe wie “jubby dim lad”, “worzel” und “ya proize div” (glücklicherweise bei einer Kritik im Guardian gefunden) fallen, die mir auch ausgeschrieben nichts sagen. Man bräuchte also eher eine Übersetzung…

Quelle: moviepilot.de

Sicherlich kein Meisterwerk, aber doch eine interessante Milieustudie mit toller Besetzung. 6 von 10 Punkten.

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8 Antworten zu Neulich beim SNEAKen: Trespass Against Us (Dt.: Das Gesetz der Familie; Adam Smith, UK 2016)

  1. hurzfilm schreibt:

    „(…) den Film in Originalsprache anzusehen (…)

    „Originalsprache“ trifft es gut, ich bin mir nämlich auch nicht sicher ob man das noch als Englisch bezeichnen kann. 😉

  2. mwj schreibt:

    Fassbender, Gleeson, Kinnear, alle im gleichen Film. Klingt interessant. Beim letzten Besuch im Programmkino ist mir das Plakat aufgefallen.

    • singendelehrerin schreibt:

      Ja eben, schauspielerisch ist auch nichts zu meckern, wenn auch Kinnear nicht sooo viel zeigen kann, weil seine Rolle nicht so viel hergibt. Aber ich fand es toll, dass er im Vorspann ein „… and Rory Kinnear“ bekommen hat! ❤

  3. schauwerte schreibt:

    Fassbender, der ja nonstop vor der Kamera steht, so scheint’s, konnte mich in letzter Zeit nicht so überzeugen. Auf dieses Projekt hier freue ich mich allerdings. Für mich fühlt es sich so an, als sei das wie zu guten „Fish Tank“-Zeiten ein Film mit Relevanz und guter Geschichte. Mit echten Menschen und Schicksalen. Und ich finde Fassbender auch gar nicht schön. Er sieht super aus. Ja. Ich würde eher in Richtung „kernig“ gehen, deswegen passt das für mich mit dem Trailerpark da schon.

    • singendelehrerin schreibt:

      „Kernig“ ist doch bei einem Mann schön?! 😉 Also, mir ging es halt tatsächlich so, dass ich mich irgendwann zu meiner Freundin D. rübergelehnt habe und ihr zugeraunt habe: „Fassbender ist einfach viel zu schön!“ Und in irgendeiner Kritik (ich glaube eines Mannes) habe ich das auch gelesen. Naja, schau’s dir an – besser als „Assassin’s Creed“ isser bestimmt, auch wenn ich den nicht gesehen hab… 😉

  4. KirstenSE schreibt:

    Fassbender ist sehr attraktiv, sieht aber wesentlich älter als 40 aus – das kommt davon, wenn man so viel raucht! – aber das leicht verlebte passt super in den Trailerpark. Auch für mich endlich wieder ein Film mit Fassbender, auf den ich mich freue.
    Er steht bei mir auch ganz weit oben auf der Liste „Schauspieler, die ich gerne endlich mal auf der Theaterbühne erleben möchte“, aber das „außergewöhnliche Angebot“ hat er wohl noch nicht bekommen – er wurde vor ein paar Jahren mal bei der Berlinale von einer Journalistin danach gefragt, ob er denn mal wieder Theater spielen wolle, und er würde das wohl nur bei einem ganz außergewöhnlichem Projekt machen.

    • singendelehrerin schreibt:

      Auch das finde ich ja nicht, dass er „wesentlich älter“ als 40 aussieht. Aber gut, wenn man ihn mit mir vergleicht, sicher… 😀 Er hat halt recht viele Falten um die Augen, aber die hatte eine Freundin von mir auch recht früh – und die hat nie geraucht. Ich versuche ihn gerade mit Benedict Cumberbatch vor dem geistigen Auge zu vergleichen, Der hat ca. dasselbe Alter (und ich tippe auf Nichtraucher). Ja, vielleicht sieht Michael etwas älter aus, aber auch Benedict hat schon ganz schön an Falten zugelegt. Und bevor sich jemand aufregt: Ich LIEBE (Lach-)Falten um die Augen und grau melierte Haare und ebensolche (kurzgehaltene) Bärte bei Männern. Arrrr! ❤ (bei Fassbender ist auch rötlicher Bart OK… ähm 😳 )

      Immerhin hast du da mal keinen Vorsprung, was das Erleben auf der Bühne anbelangt. Sollte sich DAS mal ergeben, würde ich auch SOFORT ein Ticket buchen! ❤

      • KirstenSE schreibt:

        Fassy hatte aber schon vor Jahren eine menge Falten.
        Benedict war zumindest lange Zeit Raucher, und ja, er sieht auch nicht mehr so sehr jugendlich aus.
        Ich finde das jetzt alles auch nicht schlimm – freue mich immer, wenn andere die jünger als ich sind, älter aussehen, ähem.
        Fassy steht wirklich ganz weit oben auf meiner Liste. Seufz.

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