Spider-Man: Homecoming (Jon Watts, USA 2017) – Kurzkritik

Kurzkritik bedeutet hier wieder, dass ich keine Inhaltsbeschreibung liefere – die gibt es ja zu Hauf anderweitig nachzulesen.

Ich gebe zu, Michael Keaton in einer Comic-Verfilmung als Bösewicht zu sehen, hat mich schon mit großer Freude erfüllt und Spider-Man: Homecoming zu einem Must-See für mich gemacht. Nicht nur, weil er als Batman berühmt wurde und dies in Birdman „aufarbeiten‟ durfte, sondern auch, weil ich ihn habe letztes Jahr zufällig im Theater in London getroffen habe. Das Seltsame ist nur: Es kommt mir inzwischen – gerade, wenn ich ihn mir so auf der Leinwand ansehe – so unreal vor, dass ich tatsächlich mit ihm geredet haben soll. War es vielleicht nur ein Doppelgänger? Habe ich das nur geträumt? Nein, er war es – und es ist einfach so, dass es ein sehr cooles Gefühl ist, ihn im Kino zu sehen. Außerdem: Er verkörpert endlich mal wieder einen Comic-Bösewicht, der a) eine einigermaßen nachvollziehbare Motivation hat, b) nicht gleich die ganze Welt zerstören will und c) keine eigenen Superkräfte hat. Der Bösewicht hat mir also schon einmal gefallen – noch dazu ist die spannendste Szene zwischen Held und Bösewicht nicht eine, in der gekämpft wird.

 

Wie sieht es mit dem Held aus? Spider-Boy (Tom Holland), äh: Spider-Man darf hier noch richtig boy sein. Er ist 15, und sieht nicht nur so aus, sondern verhält sich auch seinem Alter entsprechend: Er ist begierig darauf, Teil der Avengers zu werden, hey, schließlich ist das voll cool! Und ja, er will auch den Menschen helfen, weil es richtig ist, aber, hey, es macht halt auch verdammt Spaß, sich durch die Straßen von New York zu hangeln. Es zeigt sich außerdem: Manhattan eignet sich prima dafür, in den Suburbs wird es schon etwas schwieriger… (SEHR lustige Szene!) Dass er sich dabei auch etwas übernimmt, ist eigentlich nicht weiter verwunderlich für einen 15-jährigen, pubertierenden Superhelden, der noch dazu das Mädchen Liz (Laura Harrier) erobern möchte, das eine Schwäche für Spider-Man zu haben scheint. Das Leben in der Schule wird auch ganz gut eingefangen, ohne allzu klischeehaft zu wirken, die Reaktion seines besten Freundes, Ned (Jacob Batalon) als der erfährt, dass Peter Spider-Man ist, auch absolut altersgemäß.

Klingt doch alles super, oder? Ja, der Film ist unterhaltsam, zeigt viel Humor und ist stringent erzählt. Tony Stark (Robert Downey Jr.) spielt nur eine sehr kleine Rolle, Happy Hogan (Jon Favreau) scheint meistens eher genervt, wenn Peter ihn anruft. Das ist OK, denn der Film ist – ein weiterer Vorteil, wie ich finde – wirklich ein Stand-Alone Film. Im Grunde genommen braucht man keinerlei Vorkenntnisse aus dem MCU, auch wenn die Anknüpfung an Captain America: Civil War zu Beginn des Filmes sehr gut gelungen ist (und sehr witzig ist). Und auch das Ende hat mir gut gefallen, sowohl der Ausgang des Endkampfs als auch das, was danach noch folgt.

Und doch: Irgendetwas hat mir gefehlt. Etwas, das diesen Film von der zuletzt davor gesehenen Comic-Verfilmung Wonder Woman (oder auch dem MCU-Vorgänger Captain America: Civil War) unterscheidet: Es fehlt ihm emotionale Intensität. Die Bedrohung ist im Grunde genommen dann doch zu schwach. An einzelnen Stellen blitzt schon echte Gefahr auf, am stärksten in einer Szene im Auto, in der es keine unmittelbare physische Bedrohung gab (für mich die beste Szene im Film), und gegen Ende hat man schon ein wenig das Gefühl, dass es zumindest Peter klar wird, dass es um Leben oder Tod geht, aber ich habe nie ernsthaft um die Charaktere gebangt. Bei so einem Stand-Alone Streifen geht es ja auch meistens um eine Reifung des Protagonisten, da passiert zwar schon ein bisschen was, aber es ist jetzt auch nicht so die riesige Entwicklung festzustellen. Es ist ja auch keine Origin-Story, da er ja schon in Civil War aufgetreten ist.

Trotzdem bringt der wirklich junge Spider-Man doch ein wenig frischen Wind in die Truppe der älteren Superhelden. Definitiv ein Film für einen unterhaltsamen Kinoabend, der einen aber auch nicht allzu nachhaltig beschäftigen wird (und der Marisa Tomei unterbeschäftigt – trotzdem bekam sie Szenenapplaus).

7 von 10 Punkten

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12 Antworten zu Spider-Man: Homecoming (Jon Watts, USA 2017) – Kurzkritik

  1. putetet schreibt:

    Bestimmt ein Supifilm. Ich hole ihn mir dann auf BD 🙂 LG Alexander

  2. bullion schreibt:

    Ich mag ja nach wie vor den Sam-Raimi-Spider-Man sehr gerne. Den ersten Reboot hatte ich deshalb auch ausgelassen. Mal sehen, ob ich hier irgendwann noch reinschaue. Inzwischen stapeln sich die vergangenen Marvel-Filme noch bei mir. Reizt mich im Moment nicht so wirklich.

  3. Zeilenende schreibt:

    Spiderman ist meiner Einschätzung nach bei Marvel ja das, was Flash für das DC Universe ist: Der nette Held von nebenab für die ganze Familie und dem insbesondere die Herzen der Kinder zufliegen. Natürlich ist das deshalb so, weil Spidey ein Teenager ist (was ich mutig fand) … Aber auch, weil die Spiderman-Geschichten nie „wirklich“ bedrohlich sind, während Batman in die Abgründe der menschlichen Psyche blickt und Superman auf Weltrettung abonniert ist (ja ich weiß, DC-Helden … Aber warum von der zweiten Wahl sprechen, wenn man auch richtige Helden im Vergleich haben kann. 😉 Und da sind Spidey und der Cap die einzigen Marvel-Helden, die von mir Zuneigung erwarten dürfen 😀 )
    Aber der entscheidenden Frage hast du dich nicht gestellt, also Hand aufs Herz: Tobey, Andrew oder Tom?

    • hurzfilm schreibt:

      Jep, Spiderman und Flash sind viel zu brav. Dann doch lieber Jessica Jones oder gleich der Punisher. 😉

      • Zeilenende schreibt:

        Es reicht schon Green Lantern mit seiner notorischen Aufsässigkeit für ein wenig Freude im Leben. Man muss ja nicht immer gleich grob werden. 😉

    • singendelehrerin schreibt:

      Puh, schwere Frage! Tom ist halt einfach ein echter Teenager, quirlig und vielleicht der verspielteste Spider-Man. Von Andrew war ich total begeistert beim „Amazing Spider-Man“, und die Chemie zw. ihm und Emma Stone war so gut, dass er für mich der romantischste Spider-Man ist. Und Tobey habe ich immer verteidigt, wenn ihm vorgeworfen wurde, er sei nur ein Babyface. Ich mochte/mag sie irgendwie alle, gerade weil sie sehr unterschiedlich sind.

  4. Stepnwolf schreibt:

    Marisa Tomei als Aunt May ist schon sehr gewöhnungsbedürftig, weil irgendwie so jung und viel zu attraktiv. 😉

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