Filmfest München 2017: Happy End (Michael Haneke, Frankreich/Deutschland/Österreich 2017) – Kurzkritik

Quelle: filmfest-muenchen.de

Inhaltsbeschreibung (lt. Filmfest Programm):

Georges Laurent möchte sterben. Das Familienunternehmen liegt längst in den Händen seiner Tochter Anne, und der ehemalige Patriarch ist des Lebens wie des Gezankes müde. Regisseur Michael Haneke, dieser begnadete Gestalter von Schuldverhängnissen und familiärer Entfremdung, zeichnet Porträts von Isolierten im Familienverbund, von Fremdgehern, von blinden Privilegierten – und von einer Enkeltochter, die eigentlich viel zu jung ist, um den Wunsch ihres Großvaters zu teilen.

Ich glaube, Michael Haneke und ich werden keine Freunde. Das anhand von nur zwei Filmen (vor diesem hier habe ich nur Das Weiße Band gesehen, ja, ich habe nicht mal Amour gesehen) zu beurteilen, mag etwas „übereilt‟ sein, aber es geht mir mit Haneke ein wenig wie mit Terrence Malick: Ich kann rational seine Filmkunst schätzen, aber emotional und von der Erzählweise her erreicht er mich nicht so recht.

Ein Beispiel für Hanekes Arbeitsweise aus diesem Film: Es gibt eine Szene, in der Herr Laurent Senior (Jean-Louis Trintignant) ein einem Rollstuhl die Straße langsam hinunterfährt – gefühlte 5 Minuten lang – und die Kamera fährt einfach auf seiner Höhe auf der gegenüberliegenden Straßenseite mit. Ich mag diese Langsamkeit angesichts vieler Filme, die schnell geschnitten sind und mit Wackelkamera gefilmt sind. Eine andere Szene, in der ein Gespräch in einer körperlichen Auseinandersetzung endet, wird von weit entfernt gefilmt, sodass man nicht hört, was gesprochen wird. Das finde ich als Stilmittel höchst interessant. Dazu kommt der Einsatz von Handyfilmchen, die die Enkelin Eve (Fantine Harduin) dreht und live schriftlich kommentiert oder der explizite Austausch von Textnachrichten von zweien, die eine Affäre miteinander haben. Gute Idee, das mal nicht laut vorlesen zu lassen, sondern den Zuschauer selbst mitlesen zu lassen.

Quelle: filmfest-muenchen.de

Schauspielerisch ist Happy End auch höchst interessant, wer schaut schon nicht gern Isabelle Huppert zu, wie sie ihren Sohn (Frank Rogowski) erst zur Schnecke macht und ihn daraufhin stürmisch umarmt, und ihm dann sagt, dass ihm nicht zu helfen sei. Mathieu Kassovitz, der etwas ungeschickt ist im Umgang mit seiner Tochter Eve aus erster Ehe (ich wollte ihm immer zurufen: „Jetzt umarme sie doch mal!‟), sehe ich ohnehin immer gerne (seit Le fabuleux destin d’Amélie Poulain).

Quelle: filmfest-muenchen.de

Über die Schauspielgröße Trintignant braucht man wohl kaum zu sprechen (die Szenen mit seiner Enkeltochter sind großartig!) – und als Zuckerl kam für mich noch Toby Jones dazu, den ich ja auch schon live bei Letters Live erlebt habe.

Trotzdem waren mir das irgendwie zu viele Themen auf einmal: Suizid, Depressionen, Tod eines Elternteils, Schuldgefühle, Familienkonflikte, Fremdgehen, Gefühlskälte – und dann auf einmal noch die Flüchtlingskrise (spielt in Calais)… Insbesondere Letzteres empfand ich als völlig aufgesetzt. Außerdem stellten mein Sitznachbar (aus Frankfurt) und ich uns nach Ende die Frage, was denn nun eigentlich die „Moral von der Geschicht’‟ sei. Ich schätze mal, Haneke will das dem Zuschauer überlassen, mich hat es etwas unbefriedigt zurückgelassen.

Für „Fans‟ von dysfunktionalen Familien sicherlich sehenswert: 6,5 von 10 Punkten.

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2 Antworten zu Filmfest München 2017: Happy End (Michael Haneke, Frankreich/Deutschland/Österreich 2017) – Kurzkritik

  1. hurzfilm schreibt:

    Ich glaube, Michael Haneke und ich werden keine Freunde. Das anhand von nur zwei Filmen (vor diesem hier habe ich nur Das Weiße Band gesehen, ja, ich habe nicht mal Amour gesehen) (…)“

    Was, „Funny Games“ kennst du auch noch nicht?

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