Filmfest München 2017: Strange Weather (Katherine Dieckmann, USA 2016) – Kurzkritik

Roadmovie #1 an diesem Tag. Wir bekommen eine wirklich gut gelungene Einleitung zur Entwicklung des Roadmovies seit der „Erfindung‟. Wichtig für dieses Roadmovies ist, was der junge Herr (ich habe mir leider den Namen nicht gemerkt) zum Roadmovie der letzten 10-20 Jahre sagt (in Klammern, ob das für Strange Weather zutrifft): Es ist immer ein altes Auto (CHECK: alter Pickup), auf Technik-Gadgets wie Smartphones kann meist nicht zurückgegriffen werden (CHECK: Straßenkarte statt Navi, teilweise kein Handy-Empfang), es geht nicht mehr planlos ins Blaue hinein, sondern der Roadtrip hat ein Ziel und kann sogar auch wieder zum Ausgangspunkt führen (CHECK), es geht weniger ums Aussteigen aus der Gesellschaft, als darum, einen Platz darin zu finden (CHECK).

Inhaltsbeschreibung (laut Festivalheft/-website):

Der Sommer in Georgia ist verdammt heiß. Darcy Baylor wässert nachts ihren Garten und raucht dazu eine. Den Selbstmord ihres Sohns Walker vor sieben Jahren kann sie nicht vergessen, die Umstände wurden nie geklärt. Als sie erfährt, dass ein alter Freund von Walker mittlerweile ein Vermögen mit einer Kette von Familienrestaurants in New Orleans macht – eine ähnliche Geschäftsidee hatte Walker kurz vor seinem Tod selbst – macht sie sich gemeinsam mit einer guten Freundin auf einen Roadtrip durch den US-amerikanischen Süden. Eine Paraderolle für Holly Hunter.

Was schon alleine für sich toll ist: Wir haben hier eine Regisseurin/Drehbuchautorin (Katherine Dieckmann), die einen Film über eine Frau (eindrücklich gespielt von Holly Hunter – das mit der Paraderolle ist nicht übertrieben ❤ ) jenseits der 50, schon eher Richtung 60, geschrieben hat und für den eine Frau Score und Songs geschrieben hat (Sharon Van Etten). Dazu kommt noch die fantastische Carrie Coon ❤ in einer tragenden Nebenrolle.

Was hat mir sonst noch gefallen?

  • Der Film ist wunderschön authentisch ausgestattet und fotografiert (verrostete Stühle im Vorgarten, ein „No Guns Allowed Inside‟-Schild am Supermarkt, etc.) – ich war zwar noch nicht im amerikanischen Südosten (Deep South), aber das wirkt doch alles sehr echt. Dazu kommen dann noch so Details, wie das Verbot, den Garten zu wässern, aufgrund der andauernden Dürre und der daraus folgenden Wasserknappheit. Darcy und ihre Nachbarin Byrd umgehen das Verbot, indem sie nachts gärtnern. In reicheren Gegenden dagegen gilt das Verbot nicht und man sieht Rasensprenger, die den Rasen wässern… Klug auch noch Gesellschaftskritik mit reingebracht!
  • Es gibt eine sehr emotionale Sexszene, in der man zwar nicht viel sieht, aber merkt, dass das insbesondere für den beteiligten Mann (Kim Coates) hier kein unbedeutender F*ck ist, sondern dass hier jede Menge Liebe im Spiel ist.
  • Das Ende fand ich einfach schön.

Sehenswertes Roadmovie – eher für meine Generation +/- – mit einer grandiosen Holly Hunter mit Cowboyhut! 🙂 7,5-8 von 10 Punkten.

 

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3 Antworten zu Filmfest München 2017: Strange Weather (Katherine Dieckmann, USA 2016) – Kurzkritik

  1. annsworld1987 schreibt:

    Oh die Beschreibung macht Lust auf den Film…

    Aber eine Frage hätte ich noch: Wie kommst Du zum Filmfest nach München? Ist das für jedermann/-frau zugänglich oder muss man akkreditiert werden?
    Bin nur neugierig 🙂

    • singendelehrerin schreibt:

      Das ist für ganz normale Kinofans zugänglich! 🙂 Es gibt wohl auch Pressevorführungen, wofür du dann akkreditiert sein musst, aber der Rest ist für alle! 🙂 Ich wohne ja in München, da bietet sich das dann an. 🙂

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