Broadchurch Series 3 (Final Chapter)

Dieses Review enthält Spoiler zu Staffel 1+2.

Quelle: itvpresscentre

Ich weiß nicht, ob ich schon mal einen Film oder eine Serie gesehen habe, in der das Thema Vergewaltigung so würdevoll behandelt worden ist. Wie ich gerade in den Specials gesehen habe, haben sich die Macher der Serie sehr intensiv auf diese Staffel vorbereitet, in dem sie mit Organisationen, die sich um Opfer von sexueller Gewalt kümmern, zusammengearbeitet haben. Das merkt man gerade der ersten Folge an, in der der ganze Prozess gezeigt wird, den das Opfer Trish (Julie Hesmondhalgh) über sich ergehen lassen muss, nachdem sie die Vergewaltigung gemeldet hat. Das ist ganz schön hart, und doch wird der Vorgang so gedreht, dass das nicht ausgeschlachtet wird. Da sieht man auch mal nur, wie Trish die Hand der Begleitperson drückt. Das hat mich wirklich stark beeindruckt und bewegt, wie hier mit dem Thema umgegangen wird und wie auch ganz klar gemacht wird: Die vergewaltigte Frau trägt absolut keine Schuld daran, was durch die Aufklärung des Falls am Ende noch mehr betont wird.

Julie Hesmondhalgh als Trish; Quelle: Den of Geek

Dafür kommen die Männer in dieser Staffel nicht besonders gut weg, da hilft es kaum, wenn DI Hardy (David Tennant) über den Täter sagt: „He’s an abberation.‟ Die anderen Männer, die im Laufe der Ermittlungen in den Fokus geraten, sind Spanner, Fremdgeher, Stalker… Und gerade deswegen ist Alec Hardy auch so angepisst. An einem Punkt sagt er zu DS Ellie Miller (Olivia Colman): „It makes me ashamed of being a man.‟ Und ja, Männer – und zwar nicht nur der tatsächliche Täter – sind hier vielfach sexual predators, Pornos werden von Jungs auf dem Schulhof verteilt, Fremdgehen sogar z. Tl. von den Frauen als „Männer sind halt so‟ runtergespielt. Das sind vielleicht ein bisschen viele Männer „dieser Art‟ auf einen Schlag, aber Chris Chibnall, Executive Producer und Autor der Show, wollte ein Thema aufgreifen, das gerade in Großbritannien in den letzten Jahren sehr viel Präsenz in den Medien hatte. Was Chibnall vermeidet, ist es, Klischees über Opfer (jung und aufreizend) und Täter (soziale Außenseiter) zu perpetuieren. Und das macht für mich eben die Behandlung des Themas sexuelle Gewalt in dieser Staffel so überzeugend und wichtig.

Neben dem Hauptplot gibt es natürlich immer noch die Familie Latimer – drei Jahre nach der Gerichtsverhandlung gegen Joe Miller, die mit seinem Freispruch endete und der „Verbannung‟ aus Broadchurch durch die betroffenen Familien, scheint Beth (Jodie Whittaker) einen Weg gefunden zu haben, ihre Trauer und Wut in etwas Positives umzuwandeln, indem sie als ISVA (Independent Sexual Violence Advisers) arbeitet – und wird somit Teil des Hauptplots, weil sie Trishs ISVA wird. Mark Latimer (Andrew Buchan), dagegen hat immer noch massive Probleme, Dannys Tod und die Tatsache zu verarbeiten, dass sein Mörder auf freiem Fuß ist. Er lebt nicht mehr bei Beth und den Töchtern, denn während Beth versucht, im Jetzt zu leben, sieht er nur das Gestern. Die Geschichte der Latimers bekommt ein bittersüßes Ende zum Serienende, mit dem ich sehr zufrieden bin, weil es mir realistisch erscheint.

Ich habe heute durch die Specials erfahren, dass Chibnall mehr oder weniger unbewusst die Rolle der Ellie Miller für Olivia Colman geschrieben hat. Das verwundert kaum, denn Colman ist so natürlich als Ellie, dass man in Gefahr gerät, Figur und Schauspielerin als eins zu empfinden. Sie verkörpert diese Rolle, die das Bindeglied zum Zuschauer ist, so überzeugend, dass sich ihre Empfindungen, etwa die Abscheu angesichts dessen, was da manche Verdächtigen von sich geben, auf den Zuschauer überträgt. Ihre Empathie mit all jenen, die schwer zu tragen haben, ist zu jeder Zeit offenbar und macht die Figur Ellie Miller zu einer meiner liebsten Frauenfiguren in einer Serie.

Quelle: BT TV Online

Und das Team Hardy/Miller zu einem meiner liebsten Ermittler-Duos! Die beiden ungleichen Ermittler haben so eine gute Chemie zusammen, ohne dass da unterschwellig eine sexuelle Anziehungskraft da ist. Sie sind beste Freunde – und beide mit Ecken und Kanten, und wenn die beiden zusammenarbeiten, ist nicht immer alles harmonisch. Ich werde das Team vermissen, auch wenn ich es durchaus gut finde, wenn Serien nicht ewig weiterverlängert werden, sondern zu einem guten Ende geführt werden. Der Schöpfer der Serie hatte die Serie offenbar von vornherein als Trilogie angelegt, was meine Kritik an Staffel 2 etwas zunichte macht.

Neben dem sensiblen Umgang mit dem Thema sexuelle Gewalt und den Schauspielern, besticht die 3. Staffel wieder durch atemberaubend schöne Aufnahmen der Natur und der Ortes. Erstmal wurden Drohnen eingesetzt, die noch ganz andere Kamerabewegungen und -shots erlaubten. Die Bilder in Verknüpfung mit der Musik des jungen isländischen Komponisten Ólafur Arnalds bleiben im Gedächtnis haften. Chibnall meinte im Interview, dass eins seiner Hauptanliegen für die Umsetzung seiner Idee in der Serie war, dass die Serie besser aussehen sollte und besser klingen sollte als andere Krimiserien. Das ist ihm gelungen! Ein gelungener Abschluss einer außergewöhnlichen Krimiserie! 8 von 10 Punkten!

 

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