Love in Idleness (Terrence Rattigan, Regie: Trevor Nunn): Menier Chocolate Factory Theatre, 22.4.17

So, bevor ich mich an das Review zu Tony Kushners Meisterwerk Angels in America mache, folgt hier endlich noch meine ausstehende Kritik zu Love in Idleness.

Ohne den Hinweis von KirstenSE hätte ich diese Inszenierung wohl verpasst, denn die Menier Chocolate Factory ist ein kleines Theater in einer ehemaligen Schokoladenfabrik abseits des West End, von dem ich vorher noch nie gehört hatte (es wurde 2004 eröffnet). Doch als mir KirstenSE das Stück empfahl, weil sie wusste, dass ich Anthony Head würde sehen wollen, schnappte ich mir (und schauwerte) sofort die zwei letzten Sitzplätze, auch wenn sie mit dem Hinweis „partly restricted view“ versehen waren. Das Stück war ansonsten nämlich komplett ausverkauft. Aufgrund des immensen Erfolges ist die Produktion jetzt auch ins West End „umgezogen“ – offenbar hat die Menier Chocolate Factory eine Kooperation mit dem Apollo Theatre. Es läuft dort noch bis 1. Juli.

Wenn man ein Stück in der Menier Chocolate Factory ansieht, empfiehlt sich vor oder nach der Vorstellung ein Essen im Restaurant – schönes Ambiente und sehr gutes Essen!

Doch genug der Vorworte. Alles, was ich im Vorfeld wusste, war: Anthony Head, den ich schon auf der Prophecy (Buffy&Angel Convention) getroffen hatte, spielt mit und zu seinem weiblichen Co-Star Eve Best meinte KirstenSE: „Du wirst sie lieben!“ Sie sollte Recht behalten.

Das Stüch von Terrence Rattigan (hier in einer von Trevor Nunn kombinierten Variante der zwei Versionen, die Rattigan von dem Stück verfasst hatte) spielt kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges in London (1944). Olivia (Eve Best), die einst mit ihrem – inzwischen verstorbenem – Mann und ihrem Sohn Michael in ärmlichen Verhältnissen lebte, ist nun die Mätresse des Industriellen Sir John Fletcher (Anthony Head), der Panzer & Co herstellt und die britische (Kriegs-)Regierung berät. Er bietet Olivia ein bequemes, luxuriöses Leben in einer eigens für sie gekauften Wohnung. Von seiner Frau lebt er bereits getrennt, kann sich aber – aufgrund seiner Position in der Regierung – nicht völlig offen zu Olivia bekennen. Es wird dem Zuschauer aber schnell offenbar, dass es Sir John mit Olivia ernst ist und die beiden sich aufrichtig lieben. Alles perfekt also?

Photo: Tristram Kenton

Nun kehrt aber der inzwischen 17-jährige Sohn Michael (Edward Bluemel) aus der „Kinderlandverschickung“ (lt. Wikipedia haben die Briten im Zweiten Weltkrieg insgesamt ca. 3,5 Millionen Zivilisten, vorrangig Kinder, aus Großstädten evakuiert), aus Kanada, zurück. Der weiß nichts von der neuen Beziehung seiner Mutter und geht schon auf Konfrontation zu Sir John, noch bevor er von dieser erfährt. Er war nämlich in Kanada in kommunistische Kreise geraten und lehnt den kapitalistischen, aus seiner Sicht kriegstreiberischen Sir John komplett ab.

Photo by Alistair Muir

Das geht soweit, dass er sich fast etwas wie Hamlet aufführt (ich finde diese Anspielungen auf „Hamlet“ inzwischen richtig toll, seitdem ich das Stück doch ganz gut kenne). Letzten Endes geht es so weit, dass er seine Mutter vor die Wahl stellt: Sir John (und das luxuriöse, oberflächliche Leben) oder ich (und wir gehen zurück in die Armut, aus der wir kamen). Die Mutter – auch ein wenig erschrocken über sich selbst, denn sie bemerkt, dass sie sich doch auch sehr schnell an den teuren Lebensstil gewöhnt hat – entscheidet sich gegen die Liebe zu Sir John und für ihren Sohn.

Photo by Catherine Ashmore

Doch halt: So endet das Stück nicht! Nein, es gibt tatsächlich ein Happy End, was nach all den tragisch endenden Stücken richtig erfrischend war – insbesondere nach The Goat, das wir am Nachmittag gesehen hatten und das uns noch schwer im Magen lag.

Photo by Catherine Ashmore

Kein weltbedeutendes Thema, das hier bearbeitet wurde, aber trotzdem eine Theateraufführung, die mich stark und nachhaltig beeindruckt hat. Und das liegt größtenteils an Eve Best. Von der ersten Minute an, ach was: von der ersten Sekunde an habe ich mich in sie bzw. die Figur, die sie spielt, verliebt! So natürlich in ihrem Spiel, so voller Energie, Charme und Lebenslust, so nuanciert ihre Reaktionen! Für mich eine der hinreißendsten Performances einer weiblichen Hauptdarstellering, die ich bisher auf der Bühne gesehen habe. Die Chemie zwischen ihr und Anthony Head hat auch gestimmt. Etwas schade fand ich ja, dass Tony kein so ganz britisches Englisch gesprochen hat, da sein Charakter wohl halb Amerikaner war (wenn ich mich recht erinnere). Aber es war eine große Freude ihn endlich auch mal auf der Bühne spielen zu sehen – he’s such a natural!

Auch die weiteren Darsteller waren top – interessant z. B. Nicola Sloane als Haushälterin, die man eigentlich schon in zahlreichen TV-und Film-Rollen gesehen haben müsste (u. a. Parade’s End, The Danish Girl, The Theory of Everything), die aber so anders wirkte, dss wir nicht selbst darauf gekommen wären.

Nicola Sloane als Haushälterin Polton Photo by Catherine Ashmore

Helen George als  Diana Fletcher, Frau von Sir John Photo by Tristram Kenton

In der Mitte: Vivienne Rochester als Miss Dell, Photo by Alistair Muir

Nun aber noch zum ganz besonderen Highlight:

Fangirl-Moment:

Das Theater ist so klein, dass der Bühnenausgang direkt im Theatergebäude bei der Bar ist. Dort warteten nur eine handvoll von Theaterbesuchern. Ich wollte natürlich unbedingt Tony erwischen, aber auch Eve Best. Sie kam dann auch als zweites raus und ich habe sie mir gleich „geschnappt“ und ihr gesagt, wie toll ich ihre Perfomance fand.

Dann kam Tony und wurde als erstes von einer älteren Dame aufgehalten; es sah so aus, als kannten sich die beiden. Dann kam eine junge Frau und umarmte ihn – seine Tochter, wie sie der anderen Frau erklärte. Nachdem sie sich wieder verabschiedet hatte, wandte sich Tony im Gehen mir zu und als er mir ins Gesicht blickte, sagte er:

„Oh! Hi!“

Ich, ganz verdutzt: „You recognize me?!?!“

Er: „Sure!“

Ich: „You kneeled in front of me!“

Er: „Yes, I know!“

(Zur Erinnerung hier das Foto von der Prophecy:)

Erst dann konnte ich sagen, wie unterhaltsam ich das Stück fand und wie froh ich war die letzten beiden Tickets ergattert zu haben. Er fragte, schon fast fürsorglich, ob wir denn von den Plätzen auch genügend gesehen hätten (er wusste gleich, welche Sitze wir dann wohl gehabt hatten). Ich beglückwünschte ihn noch dazu, dass die Produktion ins West End transferiert wird.

Ich muss schon sagen, dass mich die Tatsache, dass Tony sich an mich erinnert hat, schon richtig beflügelt hat! Ist das nicht der Traum jedes Fangirls (oder Fanboys), dass man irgendwie aus der Masse der Fans heraussticht?! ❤ 🙂 Ich war überglücklich, mein Puls lag bei 100 – und noch jetzt beim Schreiben liegt mir ein Lächeln auf den Lippen. 🙂

 

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17 Antworten zu Love in Idleness (Terrence Rattigan, Regie: Trevor Nunn): Menier Chocolate Factory Theatre, 22.4.17

  1. Shalima Moon schreibt:

    Achje Mr Head ist doch merklich älter geworden seit Buffy. Aber das Stück klingt richtig schön.
    Und vom Star wiedererkannt zu werden ist glaube ich unser aller Traum. Wahnsinn!

    • singendelehrerin schreibt:

      Ja, das ist mir schon auf der Prophecy aufgefallen, dass der Zahn der Zeit ganz schön an Anthony Head genagt hat. Aber er ist halt auch schon 63 jetzt.

      Schön, dass du das nachempfinden kannst, 😉

  2. luinalda schreibt:

    Schöner Bericht.
    Das Stück hätte ich auch gerne gesehen, läuft aber leider nicht mehr wenn ich in London bin. 😦

    • singendelehrerin schreibt:

      Danke! 🙂 Schade, dass es nicht mehr läuft, wenn du vor Ort bist! Hast du dich denn jetzt für „Hamlet“ entschieden? 😉

      • luinalda schreibt:

        Ich bin immer SO kurz davor ein Ticket zu bestellen, aber kann mich dann irgendwie doch noch nicht zum letzten Klick durchringen. *lol*
        Mich würde auch „Cat On A Hot Tin Roof“ sehr interessieren, nicht zuletzt wegen Colm Meaney, aber da finde ich nur Tickets für 65 GBP, und das ist mich dann doch zuviel… :-/
        „Kinky Boots“ wäre auch toll für den letzten Abend. Einfach ein super Gute-Laune-Stück. ❤ Hab ich aber erstens schon 2x gesehen, und zweitens kommt es eh bald nach Hamburg, da habe ich's dann nicht ganz so weit hin. 😉 *g*

        Also wird's wahrscheinlich doch Hamlet werden. 😀

        • singendelehrerin schreibt:

          „Cat On A Hot Tin Roof“ schau ich mir ja im August an – freue ich mich auch SEHR auf Colm Meaney, als alter Trekkie. ❤ Um die ganzen Musicals schleiche ich ja noch herum – da sind die guten Sitzplätze oft so wahnsinnig teuer! Ich bin ja schon bereit, viel Geld auszugeben, wenn da jemand auf der Bühne steht, dessen Mimik ich ganz genau sehen will, aber bei Musicals bin ich irgendwie knausriger….

  3. bullion schreibt:

    Hach, welch schöne Geschichte. Das Fangirltum druchgespielt würde ich sagen… 🙂

  4. pimalrquadrat schreibt:

    Giles! 😀
    Schön, dass er sich an dich erinnert. Da werd ich schon ein wenig neidisch. 😉
    Aber mein Masterplan sieht etwas ähnliches mit Sarah Michelle Gellar vor. Irgendwann. Irgendwie. Irgendwo, *twisted: 😀

    Das Essen schaut auch superlecker aus! 😀

  5. Tan schreibt:

    Ich bin neidisch, kann leider nicht nach London zu dieser Zeit. Hast du Bilder gemacht? Was hat Eve Best gesagt?

  6. friedlvongrimm schreibt:

    Aaaaaaaawwwweeeeee, er hat dich wiedererkannt. Ich bekomme gleich ein Herzinfarkt. Aaaaaawwwwweee.

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