Into the Badlands (Season 1 + 2) – spoilerfrei

Quelle: AMC

Zu Beginn erst einmal ein paar Worte zum Vergleich Binge-Watching und – wie nennt man das? – Jede-Woche-eine-Folge-schaun: Die erste Staffel (nur sechs Folgen) habe ich vor ein paar Wochen ziemlich schnell hintereinander weggeschaut. Nicht unbedingt im Hardcore-Binge-Watching, aber eben jeden Tag eine Folge. Das war kurz bevor die 2. Staffel bei Amazon veröffentlicht wurde (jeden Dienstag eine neue Folge), und so habe ich die ersten zwei oder drei Folgen noch von der 2. Staffel nachschieben können, bis ich dann aufgeholt hatte und nun jeweils auf die nächste Folge warten musste.

Gerade jetzt bei der letzten Folge, die ich heute, am Mittwoch, (statt gleich gestern) gesehen habe, hat das mein Serienerlebnis irgendwie beeinträchtigt. Zwar spitzte sich ja in den letzten drei Folgen alles auf den „finalen Endkampf‟ zu, aber seltsamerweise hat mich der dann heute relativ kalt gelassen. Nun kann das natürlich auch daran liegen, dass die Folge einfach nicht so gut war, immerhin liegt sie mit Folge 5 zusammen mit „nur‟ 8,2 Punkten bei IMDb auf dem letzten Platz, was die 2. Staffel anbelangt. Allerdings ist das bei 175 (!) Stimmen nicht gerade ein aussagekräftiges Ergebnis. Aber ich schiebe es eher darauf, dass ich nicht mehr so in der Story war. Vielleicht also doch besser zu warten, bis alle Folgen gesendet worden sind? Bei einer kurzen Serie (2. Staffel hatte 10 Folgen) sicherlich überlegenswert!

Jetzt aber zur Serie selbst (enthält keine Inhaltsangabe). Ich zitiere mich mal für einen ersten Überblick selbst (aus dem Media Monday #306):

Die Kämpfe sind toll choreografiert, Daniel Wu spielt einen charismatischen (Anti-)Helden (und ist ein verdammt guter Kampfsportler – wow! ❤ ) und Bruce Lee wäre wohl glücklich zu sehen, dass ein Asiate die Hauptrolle (Sunny) in so einer amerikanischen Serie spielt. Darüber hinaus sind die Frauenfiguren weit davon entfernt, nur hübsche Staffage oder Opfer zu sein. Aramis Knight, der Bean in der Verfilmung von Ender’s Game gespielt hat, macht sich auch ganz gut. Und dann ist da noch Marton Csokas als Baron Quinn. Was der mit Mimik, Körpersprache und Tonfall ausdrücken kann, ist gigantisch! Macht mit seinem Grunzen fast Tom Hardy Konkurrenz! 😀

Fangen wir von hinten an: Marton Csokas als Baron Quinn.

Photo by Antony Platt/AMC

Csokas war es ja, warum ich der Serie nochmal eine zweite Chance gegeben hatte, nachdem ich sie (vor?)letztes Jahr nach zwei Folgen ruhen gelassen hatte. Doch Csokas war in der ersten Staffel von Rogue so faszinierend, dass ich mehr von ihm sehen wollte. Mehr habe ich auch bekommen. Und ja, er lässt sich mit seiner Darstellung des charismatischen und gleichzeitig brutalen und ziemlich durchgeknallten Quinn durchaus ein wenig mit Hardys James Delaney (TABOO) vergleichen. Beide Schauspieler legen eine unglaubliche Intensität an den Tag, beide Charaktere sind ein „bisschen‟ verrückt und provozieren auf der einen Seite treue Gefolgschaft, auf der anderen Seite aber auch erbitterte Gegner. Sowohl Hardys Delaney als auch Csokas‘ Quinn haben die Eigenart, manchmal auch nur zu „grunzen‟, was ihnen einen animalischen (nein, sie grunzen nicht wie Schweine!) Zug gibt. Mit ihren Gegnern kennen sie kein Mitleid und doch haben sie ein Bedürfnis nach Liebe – und sind besonders empfindlich, wenn sie verraten werden. Csokas geht mit seiner Darstellung, auch was seine Art und Weise zu sprechen anbelangt, gefährlich nahe ans Overacting heran. Das mag für manchen ein Tick zu viel sein, ich fand es sehr unterhaltsam und spannend, seine Mimik bis ins letzte Detail zu beobachten.

Dann gibt es jede Menge interessante Beziehungen (eine Auswahl):

  • Sunny (Daniel Wu) und M.K. (Aramis Knight): Mentor und Schüler – jeder würde für den anderen durchs Feuer gehen

M.K. und Sunny (Season1); Photo by James Dimmock/AMC

  • M.K. und Tilda (Ally Ioannides): Sie dienen unterschiedlichen Baronen, trotzdem besteht ein Band aus gegenseitigem Vertrauen zwischen ihnen

M.K. und Tilda; Photo by Antony Platt/AMC

  • Tilda und The Widow (Emily Beecham): Tilda nennt The Widow „Mother‟ und ist ihr zunächst komplett ergeben – bis sie eine Seite an ihr entdeckt, die zu tiefer Enttäuschung führt

Tilda und The Widow; Photo by Antony Platt/AMC

  • Sunny und Bajie (Nick Frost) und M.K.: Bajie ist sehr ambivalent: er hat seine eigene Agenda, die in der 2. Staffel noch nicht vollständig enthüllt wird, doch letztlich rettet er Sunny das Leben, weswegen er trotzdem irgendwie ein wichtiger Teil des Lebens von Sunny und M.K. wird.

Bajie und Sunny; Photo by Antony Platt/AMC

Ich muss sagen, der Neuzugang Nick Frost in der 2. Staffel hat mir schon sehr, sehr viel Freude bereitet, weil er naturgemäß (warum sollte man ihn sonst casten? 😉 ) ein wenig mehr Humor rein bringt. Gleichzeitig ist er aber auch nicht nur comic relief, he also kicks ass! (Das kann ich mal wieder nicht annähernd so treffend auf Deutsch ausdrücken, sorry…) Definitiv ein Plus!

Einer meiner Hauptgründe, warum mir die Serie gefällt, ist dieser: Das Verhältnis Mann-Frau, was die Hauptfiguren betrifft, ist relativ ausgewogen. Die Frauenfiguren sind alle keine klassischen Opfer, auch wenn manche in manchen Situationen keinen Ausweg finden. Das heißt aber nicht, dass sie es nicht versuchen, sich aus ihrer Lage zu befreien. Von den bereits erwähnten weiblichen Charakteren abgesehen, spielen (in beiden Staffeln) noch Orla Brady (als Quinns Erst-Ehefrau Lydia) und Madeleine Mantock (als Sunnys Freundin Veil) wichtige Rollen.

Und dann ist da Sunny.

Photo by Antony Platt/AMC

Daniel Wu erzählte in einem Interview, dass er ursprünglich als Executive Director gar nicht geplant hatte, selbst die Hauptrolle zu übernehmen. Erst als sie beim Casting feststellten, wie schwierig es war, einen guten Schauspieler zu finden, der auch noch ein guter Kampfkünstler war – oder vice versa -, sind sie irgendwann auf die Idee gekommen, dass er selber Sunny spielen könnte. Zwar war er da schon 40 Jahre alt und hatte deswegen durchaus auch Zweifel, ob er fit genug sei, aber ich finde, die Rechnung geht voll auf. Er hat mich sowohl schauspielerisch komplett überzeugt, als auch, was seine Kampfkunst anbelangt. Er hatte zwar doch auch einen Stuntman für die gefährlichsten Stunts, ich denke, die meisten Kämpfe, bei denen er nicht gerade gegen eine Wand geschleudert wird, oder ähliches, hat er selbst ausgeführt.

Die Kampfszenen sind äußerst akrobatisch und stark beeinflusst von chinesischen Martial-Arts-Streifen in einem Fantasy-Setting: Da wird auch schon mal durch einen Rückwärtssalto die Treppen hochgeflogen. Hier wird nicht auf harten Realismus gesetzt. Das muss man akzeptieren und mögen. Die Endkämpfe im Staffelfinale der 2. Season haben mich z. Tl. etwas an Kill Bill Vol. 1 erinnert – da fliegen schon mal abgetrennte Körperteile durch die Luft und Blut spritzt wie aus Fontänen. Vielleicht nicht ganz so stylish, wie bei Kill Bill, aber nicht minder brutal.

Zuletzt muss ich noch die Optik des Films loben: Kostüme und Settings sind vom Feinsten, die Farben oft etwas übersättigt, was dem Ganzen diesen Fantasy-Touch gibt, ohne es zu sehr zu übertreiben. Gerade in der letzten Folge habe ich mir sogar 3D gewünscht, denn da fing es zu schneien an – und das sah schon in 2D so umwerfend plastisch aus! Allerdings wird Zeitlupe ab und an doch etwas inflationär eingesetzt, wenn auch mit effektivem Ergebnis.

M.K. und The Widow; Photo by Antony Platt/AMC

Es sieht so aus, als würde die Serie eine dritte Staffel (2018) bekommen – ich freue mich darauf, denn es blieben am Ende der 2. Staffel doch etliche Handlungsstränge offen.

Schwankt zwischen 7,5 und 9 von 10 Punkten.

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13 Antworten zu Into the Badlands (Season 1 + 2) – spoilerfrei

  1. bullion schreibt:

    Ohhhhh, Nick Frost! Ja, das wird nun definitiv meine nächste Single-Serie werden. 🙂

  2. Stepnwolf schreibt:

    Die zweite Staffel habe ich noch nicht angefangen. Klingt aber so, als ob diese nicht wirklich schlechter als Staffel 1 ist.

  3. mwj schreibt:

    Hab vorhin die erste Staffel beendet und bin positiv überrascht. Kein Offenbarung, aber eine spannende Mischung aus Martial Arts und Endzeitdrama.

  4. mwj schreibt:

    So, und hier meine Kurzbesprechung von Staffel 1:
    https://mwj2.wordpress.com/2017/07/07/into-the-badlands-staffel-1-kurzkritik/

    Staffel 2 ist auch schon durchgebingt. 😉

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