Neulich beim SNEAKen: 20th Century Women (Dt.: Jahrhundertfrauen; Mike Mills, USA 2016)

OK, ja, ich gebe es zu: Ich hatte insgeheim gehofft, dass wir Alien: Covenant in der Sneak Preview zu sehen bekommen, schließlich lief damals auch Prometheus in der Sneak. Insofern hätte ich enttäuscht sein können, diesen vergleichsweise kleinen und unspektakulären Film stattdessen zu kriegen. War ich aber nicht.

Und das lag nicht ausschließlich daran, dass ich mich ein bisschen in Greta Gerwig als Abbie verliebt habe. Doch später mehr zu ihr.

Quelle: thefilmexperience.net

Mike Mills (Beginners) erzählt von Dorothea (Annette Bening, war für diese Rolle bei den Golden Globes 2017 nominiert) und ihrem 15-jährigen Sohn Jamie (Lucas Jade Zumann), und davon wie die alleinerziehende Mutter das Gefühl hat, ihren Sohn nicht alleine zu einem guten Mann erziehen zu können und zwei junge Frauen darum bittet, ihr dabei zu helfen. Offenbar basiert die Geschichte (Mills hat auch das Drehbuch geschrieben) lose auf Mills‘ eigener Kindheit.

Wir befinden uns im Jahr 1979 in Süd-Kalifornien, unweit von Los Angeles. Dorothea lebt in einem alten Haus, das so groß ist, dass sie an zwei weitere Personen untervermieten kann: den ständig handwerkelnden William (Billy Crudup) und die junge, emanzipierte Fotografin Abbie (Greta Gerwig), die sich von ihrer Behandlung gegen Gebärmutterhalskrebs erholt. Dazu geht auch die 17-jährige Julie (Elle Fanning) täglich ein und aus – sie und Jamie sind zusammen aufgewachsen und beste Freunde. Allerdings will Jamie inzwischen mehr als nur Freundschaft… Dorothea bittet nun Abbie und Julie, ihr beim Erziehen von Jamie zu helfen – und so bringt Julie ihm bei, cool und männlich mit einer Zigarette in der Hand zu laufen und Abbie führt Jamie u.a. in die Punk-Szene ein. Abbie ist sehr emanzipiert und gibt Jamie entsprechende Literatur in die Hand, z. B. den Aufsatz „The Politics of Orgasm‟ (Susan Lydon). Das Wissen, das er dadurch erhält, macht ihn nicht gerade bei anderen Jungs in seinem Alter beliebt… 😀

Was mir so gut an diesem Film gefallen hat, war zum einen das Set-Design – in diesem Haus, vor allem in der Küche, hätte ich mich sofort heimisch gefühlt: viel Holz, in unterschiedlichen warmen Farben angestrichen, wunderschön einfach, warm, ein bisschen chaotisch (Dorothea hat ständig renoviert). Dazu sind die Schauspieler alle wunderbar, Annette Bening hat sich ihre Nominierung auf jeden Fall verdient. Doch ich fand auch das Zusammenspiel von Lucas Jade Zumann und Elle Fanning ganz reizend. Umgehauen allerdings hat mich Greta Gerwig als Abbie – mit ihren rot gefärbten Haaren und ihrem leicht punkigen Outfit, sowie mit ihrer emanzipierten Persönlichkeit und ihrer Ausstrahlung hat sich mich richtig verzaubert. ❤ ❤ ❤

Da habe ich gar nicht vermisst, dass der Film männertechnisch nicht so viel zu bieten hat (nichts gegen Billy Crudup!).

Ein bisschen Coming-of-Age, ein bisschen Retro-Charme, ein bisschen Mutter-Sohn-Beziehung, ein bisschen erste Liebe, ein bisschen Punk, ein bisschen Emanzipation. Ganz schön viele Themen – und vielleicht sind manche Themen etwas dick aufgetragen -, aber für mich fühlte sich der Film wundervoll authentisch an.

7,5 von 10 Punkten.

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3 Antworten zu Neulich beim SNEAKen: 20th Century Women (Dt.: Jahrhundertfrauen; Mike Mills, USA 2016)

  1. mwj schreibt:

    Greta Gerwig fand ich schon in „Frances Ha“ eigenwillig stark. Nächstes Wochenende läuft „Jahrhundertfrauen“ hier im Programmkino. Vielleicht wäre ich einen Blick riskieren.

    Ich hätte eigentlich schwören können, dass du dir „King Arthur: Legend Of The Sword“ anschaust. Wenn du es noch nicht getan hast, aber tun willst, mein Tipp: lass es.
    http://www.kino.vieraugen.com/kino/king-arthur-legend-of-the-sword/

    • singendelehrerin schreibt:

      Ich habe leider „Frances Ha“ gar nicht gesehen, auch nicht „Maggie’s Plan“. Muss ich unbedingt mal nachholen, denn Greta Gerwig hat definitiv mit dieser Rolle mein Interesse an ihr geweckt!

      Ich wollte tatsächlich eigentlich gestern „King Arthur“ ansehen, hat dann aber doch nicht geklappt. Deine Kritik lässt meine Skepsis wachsen… Das ist schon seltsam: Guy Ritchies Filme sind manchmal richtig klasse („Rock’N’Rolla“, „Man from U.N.C.L.E.“, u.a.) und manchmal kann ich gar nichts damit anfangen (die zwei „Sherlock“-Filme). Ich fürchte – nach dem, was du schreibst -, dass es hier eher Richtung „Sherlock“ geht… :-/

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