The Hollow Crown: The Wars of the Roses (BBC 2016)

Quelle: bbc.co.uk

2012 war die erste Reihe von Filmen (Richard II, Henry IV – Part 1, Henry IV – Part 2, Henry V), die auf den History Plays von William Shakespeare basieren, gedreht worden (im Zeichen der Olympischen Spiele in London) und die meinen Respekt und meine Liebe zu Tom Hiddleston (Prince Hal in Henry IV und Henry V in Henry V) – und Shakespeare – damals noch verstärkt haben. Ben Whishaw begeisterte mich zudem als Richard II – deswegen will ich ihn mir auch nicht entgehen lassen, wenn er im Sommer im Almeida in einem brandneuen Stück (Against) spielt.

2016 folgte die zweite „Staffel‟ (Henry VI – Part 1, Henry VI – Part 2, Richard III), diesmal u.a. mit Benedict Cumberbatch als Richard III, was ich besonders spannend fand, weil ich Benedicts Sherlock-Kollegen Martin Freeman ja schon live als Richard III erlebt hatte und Ralph Fiennes über NT Live ebenfalls. Die DVDs liegen schon seit einer Weile bei mir, nun habe ich sie mir endlich angeschaut. Es war ein tolles Erlebnis, die drei Filme innerhalb von zwei Tagen anzusehen, weil dadurch das Ganze im Grunde genommen wie eine Geschichte wirkte, die einfach als Trilogie abgefilmt worden war. Verstärkt wird dieser Eindruck sicherlich dadurch, dass Dominic Cooke bei allen drei Teilen Regie geführt hat, wodurch die drei Stücke wie aus einem Guss erscheinen. Ich habe nun auch einen besseren Zugang zu Richard III gefunden, weil mir die anderen Figuren in dem Stück/Film nun auch etwas sagten, weil ich sie schon in den vorhergehenden Filmen (v.a. in Henry VI – Part 2) kennengelernt hatte. Endlich wusste ich, wer gemeint ist, als Anne Richard – zu Recht – vorwirft, ihren Ehemann und (Schwieger-)Vater getötet zu haben. Oder die alte „Hexe‟ Margaret, die in Richard III auftaucht und Richard verflucht: Das ist ja die Witwe von Henry VI! Aha! So haben die Figuren an Kontur gewonnen und ich konnte auch mehr Empathie für sie empfinden.

Quelle: bbc.co.uk

Es gibt in diesen drei Teilen ein Wiedersehen mit vielen britischen Schauspielern: Hugh Bonneville hat eine der tragenden Rollen in Henry VI – Part 1 (Humphrey, Duke of Gloucester), Sally Hawkins spielt seine Frau Eleanor, Ben Miles ist der durchtriebende Somerset of Lancaster, der dem jungen König Henry (Tom Sturridge) zwar die französische Ehefrau vermittelt (Margaret von Anjou, gespielt von Sophie Okenodo), aber doch immer seine eigenen Ziele im Blick hat. Jason Watkins (Being Human, TABOO) ist auch mit von der Partie. Schließlich taucht in Henry VI – Part 2 Benedict Cumberbatch als einer der vier Söhne von Richard Plantagenet of York (Adrian Dunbar) auf, um dann in Richard III richtig aufzutrumpfen. Als Richards Mutter glänzt Judi Dench. Mini-Rollen bekamen Andrew Scott als frz. König Louis und Luke Treadaway als Richmond. Am meisten haben mich Hugh Bonneville, Sophie Okenodo und Benedict Cumberbatch beeindruckt.

Quelle: bbc.co.uk

Da freut es mich doch sehr, dass ich in einer Woche Sophie Okenodo (zusammen mit Damian Lewis) auf der Bühne sehen werde! Ihre Queen Margaret war sehr brutal und auf ihr Weiterkommen konzentriert, hatte aber doch auch verletzliche Seiten, wenn sie etwa ihren Geliebten, Somerset, geköpft auffindet oder miterleben muss, wie ihr Sohn ermordet wird. Dann hat man doch auch wieder Mitleid mit ihr, die man sonst wegen ihrer Intrigen verabscheut hat.

Quelle: bbc.co.uk

Cumberbatch hat mir als Richard III ausnehmend gut gefallen, besser als Martin Freeman und ja, auch besser als Ralph Fiennes, was aber vielleicht auch daran lag, dass ich nun den Hintergrund von Richard III kannte. Sehr aussagekräftig – vielleicht der Wendepunkt in Richards Leben – war die Szene (in Henry VI – Part 2), in der er mitansieht, wie sich Clifford (Kyle Soller) für den Tod seines Vaters rächt, indem er den jüngsten Sohn von Richard Plantegenet tötet. Richard greift nicht ein, ist aber gleichwohl schwer schockiert, als Clifford schließlich Edmund (Angus Imrie) tötet. Hier wird offenbar: Richard ist sich selbst der nächste, was ihn zwar zu diesem Zeitpunkt auch selbst schockiert, aber es ist einfach Richards Charakterzug. Trotzdem holt ihn seine villainy auch später ein: Diesen Horror, wenn ihn in der Nacht vor der Schlacht gegen Richmond die Geister derer, die er ermordet hat oder ermorden ließ, heimsuchen und ihm alle wünschen „Despair and die‟ (inzwischen eine meiner Lieblingsstellen aus Shakespeare), konnte man Benedicts Richard gut im Gesicht ablesen.

Etwas zwiespältig habe ich Tom Sturridge als King Henry VI empfunden – zunächst erschien er doch reichlich blass und sehr leicht beeinflussbar (und ohne allzu große gefühlsmäßige Regungen), später zeigte sich aber, dass das wohl Sinn der Sache war. Als er nach der Schlacht gegen die Plantagenets die Krone in den Fluss wirft und ab da halb nackt, halb verrückt durch die Wiesen und Felder streift, kann Sturridge beweisen, was er tatsächlich drauf hat. Da war ich dann doch schwer beeindruckt. Im Nachhinein war dann eben klar, dass die Figur Henry VI absichtlich so angelegt war.

Ich finde, die Hollow Crown-Reihe eignet sich hervorragend, um sowohl einen Zugang zu Shakespeare zu bekommen, als auch um etwas über die Geschichte Englands zu erfahren. Bei Ausstattung und Setdesign wurde nicht gespart, ebensowenig an schauspielerischem Talent, das Shakespeare-Englisch so intonieren kann, dass es überaus natürlich wirkt. Die Kamera ist bei wichtigen Monologen nah dran – etwas, das man so im Theater weniger erleben kann. Überhaupt handelt es sich hier überdeutlich um das Medium Film, zu keiner Minute hat man das Gefühl, man sehe ein Theaterstück vor sich (obwohl Dominic Cooke aus der Welt des Theaters stammt: Er ist ein Associate Director im National Theatre). Ein Pluspunkt – gerade für ein Publikum, für das die Sprache Shakespeares noch ungewohnt und fremd ist – ist die Tatsache, dass man sich die Untertitel dazuschalten kann. Sie lenken zweifellos etwas davon ab, den Schauspielern beim Reden ins Gesicht zu schauen, aber hilfreich ist es allemal. Ich habe allerdings festgestellt, dass ich inzwischen schon ganz gut geübt bin. 🙂

Für Shakespeare-Fans absolut sehenswert – und Fans von Benedict Cumberbatch sollten sich das auch nicht entgehen lassen. Richard III kommt seinem Talent sehr entgegen, weil er da ordentlich über die Stränge schlagen darf – und doch auch eine gewisse Verletzlichkeit tief im Innern mit sich trägt („There is no creature loves me“. Dieses Zitat erinnert an seine Rolle als The Creature in Frankenstein.). 8,2 (7,5/8/9) von 10 Punkten.

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6 Antworten zu The Hollow Crown: The Wars of the Roses (BBC 2016)

  1. mwj schreibt:

    Danke für das Review. Ich wollte mir die Miniserie, vor allem aufgrund der unglaublich namhaften Besetzung, schon länger mal ansehen.

  2. ginadieuarmstark schreibt:

    Muss ich auch jetzt endlich mal schauen!

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