Legion (Noah Hawley, Season 1)

Vorbemerkung: Wer sich komplett von der Serie überraschen lassen will, sollte die von mir weiß geschriebenen Teile nicht lesen. Dennoch würde ich sagen, dass die Kritik im Grunde genommen spoilerfrei ist, da die Umsetzung der jeweiligen Szenen das ist, was sie so großartig macht. Außerdem weiß ich als Zuschauer auch nach Staffelende immer noch nicht wirklich, was da eigentlich vor sich geht.

So, ich habe die Staffel jetzt innerhalb kürzester Zeit zweimal durchgeschaut – und durchschaue im Grunde genommen nichts! Wieviel von all dem spielt sich denn nun tatsächlich in der Realität/im Astral Plane/in Davids Kopf ab? Manchmal meint man, man wüsste mehr als die beteiligten Figuren, doch gibt es solche Kleinigkeiten, die mich persönlich eigentlich ALLES in Frage stellen lassen.

Quelle: The Guardian (Photograph: FX Networks)

Das geht schon mal mit der Optik los. Von der Ausstattung des Irrenhauses, pardon: der Nervenheilanstalt, bis zu den undefinierbaren Klamotten und Frisuren (60er Jahre? 70er Jahre? Heute?) – das sieht schon alles sehr nach „Es ist nur in deinem Kopf‟ aus: Satteste Farben, rotes Licht, wenn Gefahr lauert, durchgestylte Figuren.

Quelle: IndieWire

Dann die unglaublich kreativen Einfälle: Von der kleinen Bollywood-Einlage in Episode 1 über eine – aus meiner Sicht – Hommage an die Buffy-Folge „Hush‟ (die Figuren verlieren ihre Stimme) bis hin zu einer Stummfilmeinlage mit Ravels „Bolero‟ unterlegt. Ich habe schon gaaaaaaaaaaanz lange nicht mehr so viel Kreativität und Originalität erlebt, wie bei dieser Serie, schon gar nicht in der filmischen Comic-Welt. Das KANN doch nur im Kopf ablaufen! Gut, bei einigen Sequenzen ist das auch offensichtlich, aber auch bei den Sequenzen, die vermeintlich in der Realität spielen („Is this… Are you real?‟), werde ich das Gefühl nicht los, dass auch das nur „geträumt‟ ist.

Der Soundtrack ist auch absolut fantastisch: Max Richter setzt äußerst vielfältige Musik ein – im Vergleich scheint einem der Score zu The Leftovers beinahe monoton – und das Thema des „bösen Mutanten‟ ist so durchdringend, dass man gut dabei beraten ist, die Serie vielleicht nicht mitten in der Nacht zu schauen, wenn man in einem Mehrparteienhaus lebt. Dazu kommt eine Auswahl von Songs, die entweder zielsicher zur jeweiligen Szene passen (z. B. „Road to Nowhere‟) oder einen Kontrapunkt setzen (der erwähnte „Bolero‟). Genial!

Was die Schauspieler anbelangt, habe ich ja mein Lob schon über Dan Stevens ausgeschüttet, ich zitiere mich selbst:

Dan Stevens ist eine Offenbarung! Ihr liebtet ihn als den adorable Matthew Crawley in Downton Abbey? Ich auch. ❤ Aber der Mann hat soooooo viel mehr drauf, als er bei Downton Abbey zeigen konnte. Faszinierend: Er ist verängstigt, verliebt, verwirrt, verwundert, verärgert, verletzt, verletzlich, verständnisvoll… (jetzt gehen mir die passenden Adjektive mit der Vorsilbe „ver‟ aus)… verrückt! Er hatte ja seit seinem Weggang von D.A. aus meiner Sicht nicht so ein gutes Händchen bei der Filmauswahl, aber hier ist er jetzt – zurecht – Leading Man in einer ungewöhnlichen, absolut hochwertigen Serie und somit ein weiterer Brite in der Hauptrolle einer amerikanischen Serie (mit höchst glaubwürdigem amerikanischen Akzent)!

Quelle: vulture.com

Aber er ist nicht der Einzige, der besonders herausgehoben werden muss: Aubrey Plaza ist mind-blowing in ihrer Rolle als Lenny! Ich kenne Aubrey noch nicht aus sehr vielen Filmen (am ehesten habe ich sie noch als Beth in dem Zombie-Film Life After Beth in Erinnerung), aber ich wage trotzdem zu behaupten, dass diese Darstellung eine career-defining performance ist! Wow, kann diese Frau bösartig und gleichzeitig sexy sein! Wer noch zögert, weil mein Dan-Stevens-Gesabbere halt typisch fangirly ist: schaut die Serie (auch) wegen Aubrey Plaza an. Phänomenal – sie MUSS für einen Emmy und Golden Globe nominiert werden – PLEASE!!!

Quelle: The Guardian (Photograph: FX Networks)

Fazit: Ich lege euch diese Serie mit Nachdruck ans Herz – Noah Hawley hat es geschafft, seine eigene Leistung (Fargo) weit zu übertreffen! Nun gibt es ja ohnehin heutzutage so viele richtig gute TV-Serien, Legion sticht dabei aber mit nur 8 Folgen der ersten Staffel durch einen Einfallsreichtum heraus, den andere Serien – mit viel Glück – auf sieben Staffeln verteilen.

Ich vergebe ja selten Punkte bei Serien, aber hier fällt mein Votum eindeutig aus: 10 von 10 Punkten!

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23 Antworten zu Legion (Noah Hawley, Season 1)

  1. Nummer Neun schreibt:

    Oh da habe ich wohl was gutes verpasst…

    • singendelehrerin schreibt:

      Was heißt hier „verpasst“? Ist ja nicht so, als könntest du die Serie nicht jederzeit nachholen! 😉 Ich weiß allerdings nicht, ob’s die bei irgendeinem Streaming-Anbieter für lau gibt. Ich habe bei Amazon dafür bezahlt – das erste Mal, aber es hat sich absolut gelohnt!!!

      • Nummer Neun schreibt:

        Naja sie lief ja bei FOX im Pay-TV – könnte mir aber vorstellen, dass sie dort noch das ein oder andere Mal wiederholt wird.

        • singendelehrerin schreibt:

          Ach so, und du hast wohl FOX? Dann hast du tatsächlich was verpasst! Ich kenn mich ja nicht aus, wie das da so läuft, glaube aber auch fast, dass die das sicher nochmal wiederholen.

  2. bullion schreibt:

    Oh, das klingt wahrlich sehr famos. Werde ich mir einmal vormerken. Eine andere Superhelden-Serie… 🙂

    • singendelehrerin schreibt:

      Ja, wirklich völlig anders! Und man hat nicht das Gefühl, dass man im MCU auf dem neuesten Stand sein muss, um die Serie voll genießen zu können. Im Gegenteil – man hat ja eh die meiste Zeit das Gefühl, es geht hier gar nicht um Superhelden.

      • bullion schreibt:

        Perfekt! Dabei bin ich neulich wieder schwach geworden und habe mir doch die neuesten MCU-Filme besorgt…

        • singendelehrerin schreibt:

          😀

          Wobei ja die Serien fast besser sind als die Filme, zumindest „Jessica Jones“ und „Daredevil“ (und auch „Agents of S.H.I.E.L.D.“). Mehr habe ich von den MCU-Serien auch noch nicht gesehen.

          • bullion schreibt:

            Serien lassen ich aus. Das würde mir zu viel werden. Einzig die Agents reizen mich aufgrund Whedons Involvierung.

          • singendelehrerin schreibt:

            Schade eigentlich, dass du die prinzipiell ausschließt, sind z. Tl. echt richtig gut. Naja, für „Legion“ machst vielleicht ne Ausnahme, oder?! 😉

          • bullion schreibt:

            Ja, dafür vielleicht schon. Das andere läuft eh alles auf Netflix und wenn ich mir das hole haben unzählige andere Shows vor MCU Prio… 😉

  3. mwj schreibt:

    Oh man, ich muss endlich auch mal meine Rezension schreiben. Ansonsten kann ich der Singenden Lehrerin nur zustimmen. Eine Serie, die in jeglicher Hinsicht absolut originell ist.

    Vielleicht gründe ich auch schnell einen Aubrey-Plaza-Fanclub, auch wenn ihre Filmografie teilweise wirklich gruselig ist („Dirty Grandpa“, „Mike and Dave need Wedding Dates“) *schauder*
    Aber niemand rollt so schön mit den Augen wie Aubrey. *schmacht*

  4. Stepnwolf schreibt:

    Oh ja, Aubrey Plaza bin ich in der Serie sofort verfallen. Die ist einfach nur großartig in allen ihren Szenen…

  5. ginadieuarmstark schreibt:

    Hab das Staffelfinale vor geraumer Zeit nun auch gesehen. Brillant, kann ich da nur sagen. Brenne schon auf die 2te Staffel!

  6. mwj schreibt:

    Ich habe ein neues Hobby für mich entdeckt: Aubrey Plaza in den Interviews bzw. Panels auf der Comic Con beim Augenrollen und mit den Haaren spielen zusehen! *schmacht*

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