TABOO (BBC One, Series 1)

Quelle: bbc.co.uk

Da diese BBC One-Serie seit dem 31. März auf Amazon Prime zu sehen ist, ist es allerhöchste Zeit, euch diese düstere Serie um James Delaney, die East India Company und den Konflikt zwischen Großbritannien und Amerika, nochmal ans Herz zu legen (Es gibt ja schon einen I’m hooked!-Beitrag dazu.). Es geht vordergründig um das Bestreben Delaneys, das Erbe seines Vaters – die Kolonie Nootka an der Westküste Nordamerikas – antreten zu können. Wir schreiben das Jahr 1812: James Delaney war zuvor 12 Jahre in Afrika und galt bei seiner Familie als verstorben, bei einem Schiffsunglück ertrunken. Dieses Schiffsunglück hat nicht nur Delaneys Leben grundlegend verändert, es hat auch mit der East India Company zu tun. Doch neben den Intrigen, die nun von der East India Company gesponnen werden, um Delaney die Nootka-Kolonie abzuluchsen, den hinter den Kulissen ablaufenden Verhandlungen mit der englischen Krone und den Amerikanern, gibt es noch eine persönlichere Ebene. Besonders spannend und wohl auch mit titelgebend ist die Beziehung zwischen Delaney und seiner Halbschwester Zilpha. Dazu kommen noch weitere Personen aus Delaneys Umfeld: der Vertraute und Diener seines Vaters Brace, die junge Witwe seines Vaters Lorna, der Junge Robert… Es gibt Mord, Verrat, Folter, aber auch Loyalität und Liebe. Das Leben im London des frühen 19. Jahrhunderts ist dreckig, und so bleibt die Serie recht düster. Doch die Reicheren können sich auch einen besseren Lebensstil leisten, sind perfekt gekleidet. Lorna etwa, ihres Zeichens Schauspielerin, trägt mit Vorliebe rot, passend zu ihren roten Haaren, was etwas Farbe in das sonst recht von dunklen Farben geprägte Bild bringt.

Quelle: metro.co.uk

Ich gebe es zu: Hätte ich nicht gewusst, dass Tom Hardy hier nicht nur mitspielt, sondern die Idee zur Serie sogar mit seinem Vater  (und Steven Knight, bekannt für Peaky Blinders und Locke) entwickelt hat, hätte ich mich wohl nicht so hungrig auf diese Serie gestürzt. Und es ist auch richtig, dass für mich ein Großteil der Faszination dieser Serie Tom Hardys Darstellung des Protagonisten James Keziah Delaney geschuldet ist. Wer Tom Hardy mag, weil er so etwas Animalisches, Brutales, Körperliches, Dominantes und doch auch Empfindsames so darstellen kann, dass man seiner Anziehungskraft nicht widerstehen kann (man nehme sich z. B. seine Rollen in Warrior, Mad Max: Fury Road und The Revenant zum Maßstab), für den ist diese Serie ein Fest. Die Intensität der Figur Delaney – der durchdringende Blick, die angespannte Körperhaltung, die verrät, dass Delaney jederzeit dazu bereit ist, seine Wünsche mit Gewalt durchzusetzen – gepaart mit dem Mysterium, das ihn umgibt (er wird von vielen „The Devil‟ genannt – kann er wirklich Menschen in ihren Träumen heimsuchen?), machen die Figur faszinierend und attraktiv auf eine eben recht animalische Art und Weise, und zugleich oftmals furchteinflößend und manchmal sogar bedauernswert.

Quelle: thesun.co.uk

Aber die Serie hat mehr als nur Tom Hardy zu bieten. Die Besetzung ist absolut exquisit, die schauspielerischen Leistungen durch die Bank absolutely mesmerizing! Besonders angetan haben es mir Jonathan Pryce als Sir Stuart Strange, ständig fluchender Kopf der East India Company, Jason Watkins (, mit dem ich mich ja in der Pause der Theateraufführung von Buried Child unterhalten hatte) als sadisitischer, hassenswerter Berater des Königs Solomon Coop, David Hayman als Brace, Tom Hollander (zuletzt live auf der Bühne in Travesties gesehen) als Chemiker Cholmondeley, Jessie Buckley (War & Peace) als die sehr eigenständige Witwe Lorna und Oona Chaplin als die etwas rätselhafte Zilpha. Ebenfalls erwähnenswert sind (u.a.) die Auftritte von Franka Potente als Bordellbesitzerin Helga (mit deutschen Wurzeln), Stephen Graham (This is England) als Atticus, Delaneys Verbindung zur Unterwelt, und Edward Hogg als Godfrey, den Delaney zum Spitzel bei der East India Company macht. Nicht unterschlagen sollte ich, dass auch Mark Gatiss (Sherlock) mitspielt – wenn auch kaum wiederzuerkennen. House of Cards-Fans sollte auch das Wiedersehen mit Michael Kelly als amerikanischen Arzt Dr. Dumbarton freuen.

Neben den schauspielerischen Glanzleistungen ist auch die Ausstattung hervorzuheben: Allein Delaney sieht einfach so verdammt gut aus in den Klamotten und dem Zylinder, den er außer Haus trägt. Wunderbar werden die Kontraste zwischen dem, wie das einfache Volk lebt und den gut situierten Mitgliedern der East India Company oder der Krone dargestellt. Das Ganze ist dann auch noch so gut von der Kamera eingefangen und mit einem passenden Score versehen, dass einfach alles perfekt zusammenpasst. Es gibt außerdem etliche großartige Schnitte, und zwar nicht nur, was die Träume und/oder Visionen Delaneys anbelangt.

Quelle: moviepilot.com

Diese Visionen sind ziemlich creepy, bringen fast so etwas wie ein Horrorelement mit in diese Serie hinein, die ja vordergründig eher als historisches Drama daherkommt.

Quelle: BBC

Fazit: Unbedingt sehenswertes historisches Drama, in dem auch Themen wie Sklaverei, Inzest und Rache ihren Platz haben. Tom Hardy und der Rest der Besetzung in Höchstform! Eine zweite Staffel wurde bereits angekündigt.

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13 Antworten zu TABOO (BBC One, Series 1)

  1. mwj schreibt:

    Komisch, dass Tom Hollander nicht wie in „Fluch der Karibik“ 2 und 3 den Chef der East India Company spielt 😉

  2. christianneffe schreibt:

    Habe bisher nur die erste Folge gesehen und war noch nicht komplett gehooked. Aber jetzt schaue ich auf jeden Fall weiter 😉

  3. putetet schreibt:

    Habe 2 Folgen geguckt. Atmosphärisch top, aber die Handlung haut mich bislang noch nicht vom Hocker. Ich schau mal weiter, weil ich solche Filme mag, die in dieser Zeit spielen 🙂

  4. bullion schreibt:

    Klingt tatsächlich gut, aber ich glaube da werde ich erst noch ein wenig abwarten. Habe zurzeit eh das Gefühl, dass die Serien alle an mir vorbeiziehen, ohne dass ich hinterher käme…

  5. Wulf Bengsch schreibt:

    Da warst du wieder schneller, weil ich mir noch „Victoria“ zu Ende ansehen „musste“ aber die ersten zwei Folgen hab ich immerhin auch schon hinter mir und bin gerade von Hardys Darstellung und der allgemeinen Optik/dem Flair schon sehr angetan, muss jetzt also noch dringender weitergucken! 🙂

    • singendelehrerin schreibt:

      Siehste, dafür fehlt mir „Victoria“ noch! 😉
      Ist schön, auch mal von dir, als Mann, zu hören, dass du von Hardys Darstellung in „Taboo“ begeistert bist – ich kann da manchmal nicht so einschätzen, ob da ich jetzt nur fangirlsabbermäßig drauf abfahre, (Hetero-)Männer aber gar nix damit anfangen können. 😉
      Bin schon gespannt, wie die Serie am Ende bei dir abschneidet! 🙂

  6. Wortman schreibt:

    Sie ist schon vorgemerkt… Da werde ich definitiv reinschauen.
    Tom Hardy ist bleibend in seiner Doppelrolle als Kray – Zwillinge in Erinnerung geblieben. Das war genial gespielt.

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