Logan (James Mangold, USA 2016)

Quelle: cinema.com

Kurios: Das Kinoticket zu diesem Film hat mich mehr gekostet als das Day-Ticket für The Red Barn in der 1. Reihe. Woran lag’s? Ich habe mir diesen Film im IMAX des Cineworld am Leicester Square in London angesehen, und zwar für *hust* 21 Pfund. 😮 Ich fand die Möglichkeit, diesen Film auf der GANZ großen Leinwand zu sehen einfach zu reizvoll, um mich über den gesalzenen Preis zu ärgern. Immerhin haben wir am Ausgang ein Filmplakat in die Hand gedrückt bekommen, und zwar auf gutem, etwas festerem Papier, sodass es sogar den Flug nach Hause einigermaßen überstanden hat:

Hat es sich wenigstens gelohnt? Ich finde, ja! Da ich den Film vorwiegend wegen der Gefühle, die er bei mir ausgelöst hat, so „genossen‟ habe, komme ich diesmal nicht um Spoiler herum, auch wenn es keine Zusammenfassung des Inhalts gibt. Ich muss aber einzelne Szenen herausgreifen, um zu erklären, warum mir dieser Film so nahe gegangen ist. Für diejenigen, die den Film noch nicht gesehen haben, stelle ich das Fazit an den Anfang – wer danach weiter liest, tut dies auf eigene Gefahr! 😉

Meine Meinung kurz gefasst (bei mir abgeschrieben):

Logan ist aufwühlend, weil dieser Film – der mit großem Abstand BESTE der Wolverine-Filme – einfach nur weh tut. Sehr! Raw, brutal, deeply emotional – I loved it!

Der einzige kleine Kritikpunk: Die Bösewichter sind einmal wieder „böse Wissenschaftler‟, die ihre wissenschaftlichen Ergebnisse dem „bösen Militär‟ zur Verfügung stellen. Das ist nicht gerade originell, aber passt für mich insgesamt trotzdem zum Film, da das ja ein Thema ist, das die ganze X-Men-Reihe durchzieht.

(hier noch spoilerfrei)

Der Regisseur James Mangold hat sich ein R-Rating für seinen letzten Wolverine-Film erstritten – und das tut dem Film irgendwie gut, auch wenn ich die Gewalt z. Tl. schon sehr, sehr hart fand. Aber dadurch wirkte der Film für mich irgendwie realer, denn bei comic-artiger Gewalt kann man sich sonst ja oft davon distanzieren, entweder weil es so over the top ist, dass man es schon nicht mehr ernst nehmen kann, etwa wenn sich der Gott Thor und Iron Man gegenseitig durch die Luft schleudern, oder es ist gar nicht ernst gemeint (wie in der anderen R-rated Comic-Verfilmung Deadpool). Die Gewalt hier ist greifbar, jeder Schlag, jedes Zusammentreffen von Krallen und Fleisch und Knochen versetzt dir einen Schlag in die Magengrube. Das mag für Fans der leichteren Comic-Unterhaltung (etwa The Guardians of the Galaxy) zu viel des Guten sein, und auch für mich war es grenzwertig. Trotzdem finde ich es insgesamt betrachtet die richtige Entscheidung. Gerade Wolverine stand ja eigentlich schon immer mehr für die „animalische‟ Art des Nahkampfes, während andere der Mutanten aus dem X-Men-Universum, wie Magneto oder Professor X – oder auch Storm und Cyclops -, aus der Ferne ihre Gegner bekämpf(t)en. Und Nahkampf ist einfach immer brutaler.

(VORSICHT: ab hier mit Spoilern)

Mich hat dieser Film einfach unfassbar traurig gemacht. Ich informiere mich ja im Vorfeld meistens recht wenig über Filme, von denen ich eh weiß, dass ich sie sehen will, und so war mir nicht unbedingt schon vor Sehen des Films klar, dass die beiden Hauptcharaktere sterben würden. Im Laufe des Filmes wurde mir das aber immer bewusster, und es befiel mich, schon bevor sie starben, eine tiefe Traurigkeit. Es rührte mich zutiefst, zu sehen, wie der einst so mächtige Charles Xavier auf die Hilfe von Logan und Caliban (Stephen Merchant) angewiesen war und fern von Zivilisation „gehalten‟ werden musste, weil er seine Kräfte nicht mehr unter Kontrolle hat. Professor X war einfach auch schon immer mein Lieblings-X-Man (neben Wolverine), und zwar nicht erst seit den Prequels mit James McAvoy. In diese Trauer mischte sich aber auch eine bittersüße Note, dadurch dass hier noch einmal klar gemacht wird, wie tief die Verbindung zwischen Logan und Charles ist. Diese Entschlossenheit, mit der Logan eingreift, als Charles in Gefahr gerät, hat mich zutiefst bewegt!

Dadurch, dass der ganze Film so realistisch erschien, hatte ich nicht nur das Gefühl, dass dies nun der endgültige Abschied von Logan und Charles ist, sondern ich trauerte auch um Patrick Stewart und Hugh Jackman. Nachdem ich nun das zweite Mal Patrick Stewart in der Rolle eines doch sehr gebrechlichen und gezeichneten alten Mannes gesehen hatte (zuerst in dem Theaterstück No Man’s Land im letzten Herbst), konnte ich mich nicht dem Gefühl erwehren, dass auch Patrick Stewart von uns geht. Dieser Schmerz traf mich zutiefst – und es graut mich vor dem Tag, an dem dieser Schmerz real wird. 😥

Dazu kam der so gut nachvollziehende Schmerz, den Logan verspürt haben muss, als er, Charles und Laura (die Neuentdeckung Dafne Keen) einen Abend bei einer normalen Familie verbringen (ein schönes Wiedersehen mit Eriq La Salle aus E.R.). Die drei treten wie eine Familie auf: Großvater Charles, Vater Logan und Tochter Laura, und es wird noch einmal schmerzlich bewusst, dass Logan so ein Leben nie haben konnte (Charles im Übrigen ja auch nicht). Außerdem liegt ja auf vielen Mutanten aus dem X-Men-Universe der Fluch, dass „normale Menschen‟ aus ihrem Umfeld mit dem Tod bedroht sind. Das sahen wir in X-Men: Apocalypse bzgl. Erik/Magneto, und das passiert hier auch wieder mit dieser netten, unschuldigen Familie. Dass dann auch noch ein Klon von Logan Charles tötet, macht dessen Tod für Logan sicher noch schwerer, denn man könnte ja sagen, dass seine Existenz schuld daran ist.

Logans Tod wird dann besonders schmerzlich durch die sich langsam aufbauende Beziehung zu Laura. Als diese zuletzt „Dad‟ zu ihm sagte, liefen mir die Tränen herunter. Auch wenn sich Logan ja zunächst dagegen gewehrt hat, der Krankenschwester, die Laura aus den Klauen der bösen Wissenschaftler gerettet hatte, zu helfen, wächst ja die Beziehung zwischen ihm und Laura schließlich so weit, dass er alles tut, um ihr das Entkommen zu ermöglichen. Es gibt Kritiker, die finden, dass dieses Zögern Logans, was seine Hilfe anbelangt, nicht zu ihm passe. Ich dagegen fand es absolut nachvollziehbar nach allem, was er erlebt hat. Er hat ja auch zu Beginn des Filmes im Grunde genommen schon mit seinem Leben abgeschlossen.

Und dann noch dieser Song von Johnny Cash beim Abspann (eine sehr ungewöhnliche Wahl für eine Comic-Verfilmung, aber absolut passend und effektiv hier):

9 von 10 Punkten!

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18 Antworten zu Logan (James Mangold, USA 2016)

  1. mwj schreibt:

    Schöne Besprechung. 🙂

    Meine gibt’s hier: http://www.kino.vieraugen.com/kino/logan/

  2. Stepnwolf schreibt:

    Hab nur die Hälfte gelesen, bin aber schon bei den 21 Pfund vom Beginn ins Stolpern gekommen. Ich will den Film zwar auch sehr gern sehen, aber so viel hätte ich dafür nicht hingeblättert, trotz Filmplakat. 😉

    • singendelehrerin schreibt:

      Ja, wenn das nicht London (und IMAX) gewesen wäre, hätte ich das Geld sicher auch nicht so locker-flockig auf den Tresen gelegt. Ich wäre nicht willens, regelmäßig so viel Geld für Kino auszugeben. Aber ich glaube, die Tickets im regulären Kino kosten da (in den Kinos am Leicester Square) auch schon zwischen 13 und 15 Pfund (2D)…

      • Stepnwolf schreibt:

        oO Nun ja, passend zu den allgemeinen Lebenshaltungskosten vor Ort sind 15 Pfund wohl normal…

        • singendelehrerin schreibt:

          Wahrscheinlich, ja. Wer sich eine Wohnung in London leisten kann, kann sich wohl auch ein solches Kinoticket leisten. Da bin ich ja echt froh, dass ich zwar in der teuersten Stadt Deutschlands (zum Wohnen) lebe, aber die Kinopreise (zumindest im „meinem“ Kino) nicht so hoch sind. Gut, für 3D am Sonntag legst du hier dann doch auch 13 EUR hin, dafür kostet 2D-Kino (ohne Überlänge) unter der Woche vor 17:30 nur 6,50, ebenso Tickets am Mo + Di abends und die Sneak Preview kostet auch nur so viel. Das ist echt human, finde ich.

          • Stepnwolf schreibt:

            Allerdings. Damit liegst du preislich mit deinen Kinotickets auch nicht über denen bei uns hier. Und ich wohne nicht in der teuersten Stadt Deutschlands. 😉

          • singendelehrerin schreibt:

            Man kann ich München tatsächlich ganz gut leben, wenn man erstmal die Miete bezahlt hat. 😉 Gas und Strom ist hier z. B. billiger als in meinem 30.000-Mann-Heimatort.

          • Stepnwolf schreibt:

            Irgendeinen Vorteil muss es ja haben. 🙂

          • singendelehrerin schreibt:

            Oh, es gibt viele aus meiner Sicht! 🙂

          • Stepnwolf schreibt:

            Ich kenne München nicht wirklich, war nur zweimal kurz dort. Von daher kann ich mir da kein Urteil erlauben. Aber jeder ist da zu Hause, wo er/sie sich wohl fühlt… 🙂

          • singendelehrerin schreibt:

            Aller guten Dinge sind drei! 😉 Kannst mich gerne mal besuchen kommen – schließlich müssen wir ja unseren Island-Urlaub planen… 😀 😉

            Für Leute, die eher Berlin gewöhnt sind, kommt München wahrscheinlich ziemlich provinziell rüber. Außerdem herrschen halt schon krasse Vorurteile bzgl. Bayern außerhalb von Bayern/Süddeutschland. Ich sage nicht, dass die Bayern da besser sind bzgl. den „Preußen“. Aber wir sind nicht alle CSU-ler und wünschen uns einen bayrischen König zurück! 😉

          • Stepnwolf schreibt:

            Naja, Berlin wäre mir jetzt auch wieder zu speziell. Ich bin ganz zufrieden mit meiner Wahlheimat. Nicht zu groß und nicht zu klein. Und genug Kinos zur Auswahl.

            Falls ich mal nach München kommen sollte, melde ich mich auf jeden Fall bei dir an. 🙂
            Island ist bei mir übrigens mittlerweile schon gebucht. Anfang Juli. Mal schauen, ob ich da blogtechnisch was zu mache…

          • singendelehrerin schreibt:

            Ja wie, du fährst jetzt ohne mich nach Island… *beleidigtguck*

            Da will ich aber schon Berichte darüber! 😉

          • Stepnwolf schreibt:

            Ich geb dir Feedback und komm dann einfach nochmal mit, wenn du dort hinfliegst. 🙂 Berichte in irgendeiner Form wird es bestimmt geben. Ich überleg noch…

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