Hamlet (Autor: William Shakespeare, Regie: Robert Icke): Almeida Theatre 3. März 2017 (Kritik und Fangirl-Moment)

Sherlocks Nemesis Moriarty (in der Inkarnation von Andrew Scott) wurde bei meiner Best Villain-Blogparade auf Platz 1 der TV-Bösewichte gewählt (und auf Platz 4, wenn man Film und TV zusammen nahm), auf meiner persönlichen TV-Liste lag er auch auf Platz 1. Keine Frage also, als mich schauwerte darauf hinwies, dass Andrew Scott nun auch den Hamlet geben wollte, nachdem ihn Sherlock-Kollege Benedict Cumberbatch 2015 dargestellt hatte.

Quelle: theguardian.com; Photo by Manuel Harlan

Kritik:

Wie hat er sich nun geschlagen? Schauwerte fand ihn schwächer als Cumberbatch, weil er weniger den Verrückten gespielt hat, ich fand ihn höchst faszinierend. Er hat mir einmal Tränen in die Augen getrieben und einmal eine Wahnsinns-Gänsehaut verpasst. Es stimmt wohl, dass Andrew Scotts Darstellung des „sweet prince‟ subtiler, zurückhaltender ist. Gerade dadurch aber wurde sein Leid für mich irgendwie besonders menschlich greifbar. Die Schwierigkeit bei einer solchen Rolle, die schon so oft und so gut dargestellt worden ist, ist ja, dass der Schauspieler etwas eigenes finden muss. Scott hat sich bestimmt Cumberbatchs Hamlet angesehen, ebenso wahrscheinlich der Regisseur, und wusste nun: OK, das Spielen der Verrücktheit hat Benedict herrlich übertrieben dargestellt, also kann ich nicht den „manic Moriarty‟ in mir rausholen, sondern muss einen anderen Zugang zum Charakter finden. Ich stelle mir das viel schwieriger vor, als einen Charakter in einem weniger oft gespielten Stück oder gar in einem neuen Stück/Film zu spielen. Mir gefiel jedenfalls seine Interpretation sehr gut – ich mochte, dass er mal sehr leise und fast schon monoton redete, um dann wieder laut zu werden und förmlich zu explodieren.

Quelle: theguardian.com; Photo by Manuel Harlan

Sehr gut gefallen haben mir neben ihm besonders Polonius (Peter Wight), Horatio (Elliot Barnes-Worrell) und Laertes (Luke Thompson). Bei Letzterem gefiel mir besonders, wie er mit seiner Schwester Ophelia (Jessica Brown Findlay) umging. Das kam für mich sehr natürlich und herzlich „brotherly‟ rüber.

Quelle: theguardian.com; Photo by Manuel Harlan; Ophelia und Laertes

Jessica Brown Findlay (Downton Abbey) dagegen hat mich als Ophelia nicht so recht überzeugt. Regelrecht enttäuscht war ich von Juliet Stevenson als Gertrude – ihr Ruf hat mich eigentlich mehr erwarten lassen. Da war im Vergleich Anastasia Hille in der „Cumberbatch-Version‟ deutlich besser. Den „uncle/father‟ Claudius (Angus Wright) fand ich farblos und uninteressant, auch wenn er vielleicht in die moderne Inszenierung irgendwie gepasst hat.

Womit wir bei der Inszenierung angelangt sind: Robert Icke hatte mich ja mit seiner Inszenierung von The Red Barn begeistert – und auch hier setzt er auf eine sehr moderne Inszenierung. Das Bühnenbild war nicht ganz so atemberaubend wie bei The Red Barn, es war eher schlicht, mit Glasschiebewänden, die es ermöglichten, dass man sah, wer gerade durch den Gang lief oder sich gar im dahinter liegenden Zimmer befand.

Quelle: theguardian.com; Photo by Manuel Harlan; Hamlet mit Rosencrantz und Guildenstern

Was mir an der Inszenierung aber ganz außerordentlich gut gefallen hat, war die Versetzung in die heutige Zeit. Es ging damit los, dass auf einem Bildschirm eine (dänische!) Nachrichtensendung zum Tod des dänischen Königs gezeigt wurde, und auch dazwischen und am Ende des Stücks wurde dieses Medium sehr geschickt und passend eingesetzt. Richtig toll war außerdem die Idee, die Wachmänner den Geist von Hamlets Vater auf den Bildern der Überwachungskameras zu entdecken. Hier wurde der Auftritt des Geists für mich tatsächlich das erste Mal gruselig. Unterstützt wurde das Ganze durch Ton und Musik, ein bisschen wie in einem Horrorfilm – fand ich sehr, sehr effektiv!

Die Fechtszene am Schluss war zwar weniger spektakulär choreografiert als in der Version mit Cumberbatch, dafür war aber auch sie perfekt in die moderne Zeit übertragen: es wurde in Fechtanzügen gefochten, mit Schiedsrichter und allem drum und dran. Allerdings war die Art und Weise, wie dann beide – Hamlet und Laertes – getroffen werden, etwas seltsam, awkward. Dafür fand ich die Idee für den Abtritt der Toten richtig super. Das ist ja immer etwas schwierig bei Shakespeare, wenn die Charaktere sagen „I’m dying‟ oder gar „I’m dead‟. Die hier gewählte Lösung, um zu zeigen, dass deren Zeit abgelaufen ist, gefiel mir ausnehmend gut. Interessanter Weise ist das aber auch eines der wenigen Szenenbilder, die mir noch so richtig im Kopf geblieben sind (neben den Szenen mit dem Geist). Da hatte die Inszenierung im Barbican visuell schon mehr zu bieten.

Trotzdem hat mir die Inszenierung – und vor allem Andrew Scott – sehr gut gefallen!

Fangirl-Moment:

In der Pause hatte ich eine der Usher (wie nennt man diese Menschen auf Deutsch… ah, Platzanweiser) gefragt, wo die Stage Door sei (wir hatten sie nämlich vorher nicht gefunden), wodurch ich schon erfahren hatte, dass es keine gibt. Trotzdem wussten wir nach dem Rausgehen gleich, wo wir hin mussten: Man hatte eine kleine Absperrung errichtet (tja, da fällt mir schon wieder nicht ein, wie man diese „Teile‟ nennt, die es in der Theatern und Opernhäusern gibt, um Bereiche abzusperren, in die man nicht gehen soll…), hinter der schon zwei junge Frauen standen – also gesellten wir uns dazu. Na gut, ICH gesellte mich dazu, schauwerte blieb auf der anderen Seite der Absperrung – sie wollte ja nichts von Andrew (hat ja eh schon ein Foto mit ihm auf der Sherlocked gemacht). Ich dagegen hatte nun sogar drei Sachen zum Signieren: das Programmheft, das DVD-Cover der 2. Staffel von Sherlock und das schon von Imelda Staunton unterschriebene Cover von Pride. Wir wurden instruiert, Stifte, Materialien, die wir unterschreiben lassen wollten, und Kameras/Smartphones bereit zu haben, damit das Ganze schnell über die Bühne gehen konnte. (Andere Schauspieler haben vermutlich den Fokus auf Andrew genutzt, um sich ungesehen aus dem Theater zu stehlen. Schade eigentlich.) Entsprechend habe ich dann auch nicht wirklich viel zu ihm gesagt, außer dass ich seine Performance mochte. Er hat mir auch alles unterschrieben, nur leider war ich zu langsam mit meinem Goldstift – die Unterschrift auf dem Sherlock-Cover (schwarz auf schwarz) ist wirklich kaum zu erkennen.

Dann hat schauwerte noch ein Foto von uns gemacht – und weg war er. Was mich richtig überrascht hat, war, wie ich danach gezittert habe: Ich schaffte es fast nicht, die Kappen wieder auf die Stifte zu tun. 😳 Ehrlich – schauwerte hat’s gesehen! Ich hab ihr etwas unwirsch meine ganzen Unterlagen in die Hand gedrückt (sorry!) und hatte dann trotzdem echte Schwierigkeiten, Stift und Kappe auf einer Linie aufeinander zu zubewegen. Krass. 😉 ❤

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16 Antworten zu Hamlet (Autor: William Shakespeare, Regie: Robert Icke): Almeida Theatre 3. März 2017 (Kritik und Fangirl-Moment)

  1. friedlvongrimm schreibt:

    Ey, das Rehearsalbild, was du hast unterschreiben lassen, dass ist so anziehend. Ich sach dir, in meinem nächsten Leben werde ich der charmanteste und schwulste Dandy der Welt und werde den ganzen Herren den Kopf verdrehen.

    Jetzt fehlt ja nur noch die Unterschrift von Joseph Gilgun auf der „Pride“-DVD. ❤

    • singendelehrerin schreibt:

      Oh ja, für Andrew würde ich auch gerne ein schwuler Mann sein, der ihm den Kopf verdreht! ❤

      Jetzt stell dir vor, ich kriegte diese Unterschrift von Joseph, ohne dass du dabei wärst! 😮 Das würde ich dir doch nicht antun! 😉 Ach, ich fände auch die Unterschriften von Bill Nighy und Dominic West gut darauf (allein schon für seinen Tanz! 🙂 ), und Paddy Considine hab ich neulich erst auf irgendeiner Casting-Liste eines neuen Theaterstücks entdeckt. Schade, Freddie Fox hätte ich ja auch darauf signieren lassen können. Leider kam er ja nicht raus…

  2. KirstenSE schreibt:

    Das Stück mit Paddy Considine heißt The Ferryman und ist im Royal Court leider ausverkauft, allerdings gibt es schon die Termine für den Westend Transfer.

  3. KirstenSE schreibt:

    Letztes Jahr hat auch jemand Unterschriften für das Pride Cover gesammelt, im letzten Jahr haben ja Dominic West und George McKay Theater gespielt. Habe mich damals schon geärgert, daß ich nicht auf die Idee gekommen bin.

  4. Anica schreibt:

    Ich habe es geschafft! Ich habe mir das Stück jetzt gestern auch angeschaut, hab 5 Minuten vor Vorstellungsbeginn noch ein Ticket (durch die return queue) bekommen. ^-^ Tolles Stück! Ich kann dir da auch größtenteils zustimmen – nur dass ich Jessica Brown Findlay als Ophelia ziemlich gut fand, während Elliot Barnes-Worrell als Horatio für mich doch etwas blass blieb. Aber sonst – ja!
    Hab jetzt auch ein Selfie mit Andrew Scott 😉 Und meine Güte, war er nett! Hat mit den Fans immer ein bisschen geredet, war gut drauf – auf meinem Foto grinst er fröhlich und hat die linke Hand zum Victory/Peace-Zeichen erhoben. 🙂

    • singendelehrerin schreibt:

      Ich will das Foto sehen! Schickst du es mir! 😉 Bei uns sah er ziemlich groggy aus und war auch ziemlich zurückhaltend – naja, vielleicht hat er sich inzwischen mehr daran gewöhnt. 🙂

      Toll, dass du nun doch noch ein Ticket bekommen hast! 🙂 Wo war denn dein Platz?

      • Anica schreibt:

        Mach ich! 😀
        Kann sein, ja 🙂
        Ich saß in den Stalls, H13, also ziemlich mittig. Wo hast du gesessen?

        • singendelehrerin schreibt:

          Oh, cool. Wir saßen oben (schauwerte in Reihe 1, ich in Reihe 2), schauten also von oben auf die Bühne. Da ja das Theater relativ klein ist, waren wir trotzdem relativ nah dran, aber ich sitze eigentlich lieber unten in den Stalls.

          • Anica schreibt:

            Okay. Ja, in dem Theater ist das noch okay, immerhin war es ja noch recht weit vorne. Aber ich habe mich auch gefreut, als ich erfahren hab, dass das Ticket doch so ein guter Platz war, ich sitze auch viel lieber in den Stalls.

          • singendelehrerin schreibt:

            Hach, ich würde das Stück sofort nochmal ansehen… Ich will definitiv Andrew Scott ab jetzt immer auf der Bühne sehen. So. 😉

            Das Foto ist ja echt superschön! So ein schönes Lachen! ❤

          • Anica schreibt:

            Haha ja 😀
            Find ich auch ❤

          • KirstenSE schreibt:

            Ich bin froh, dass ich es mir zweimal anschauen konnte. Tolle Produktion, außergewöhnliche Interpretation, aber absolut stimmig in sich, Andrew hat definitiv sein eigenes tolles Ding daraus gemacht – war sogar etwas unterschiedlich nuanciert in den beiden Vorstellungen. Und auch mir hat das Ende ganz besonders gut gefallen. Sehr clever. Das einzige, was ich wirklich dran auszusetzen habe, es ist zu lang: es hätte nicht geschadet, die üblichen Kürzungen vorzunehmen. Es gibt übrigens Rumours, dass ein Westend- Transfer geplant ist – ich würde es mir auf jeden Fall nochmals anschauen wenn es in meinen Schedule passt.

          • KirstenSE schreibt:

            Mit zu lang meinte ich das Stück an sich, nicht das Ende.

          • singendelehrerin schreibt:

            Ja, das nächste Mal würde ich mir bei diesem herren wohl auch gleich Tickets für zwei Vorstellungen kaufen! Aber Westend-Transfer mit demselben Cast wäre natürlich auch ein Ding! Ich würde es mir auch auf jeden Fall nochmal ansehen! Mir war das Stück übrigens nicht zu lang – ich hätte Andrew ewig zuschauen können! 🙂

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