Who’s Afraid of Virginia Woolf (Autor: Edward Albee, Regisseur: James MacDonald): Harold Pinter Theatre, 2. März 2017 (Kritik und Fangirl-Moment)


Ich weiß nicht, ob ich es fies oder praktisch finde, dass schauwerte – meine Begleitung bei vier sehr guten Theaterstücken an drei Tagen – schon mit ihrer Kritik vorgelegt hat. Ich musste meinen freien Tag gestern leider zum Korrigieren nutzen, deswegen kommt meine Kritik zu dem ersten Stück, das wir gesehen haben, erst heute. Ach, ich entscheide mich für den praktischen Aspekt und verweise für eine genauere Beschreibung des Plots auf schauwerte, während ich mich sofort der Kritik widme. 🙂

Kritik:

Diese Inszenierung wartet mit einer exquisiten Besetzung auf, die den Vergleich mit der wohl berühmtesten Variante mit Elizabeth Taylor und Richard Burton (Mike Nichols, 1966) nicht scheuen muss. Ich fand insbesondere Imelda Staunton als Martha und Conleth Hill als George schlichtweg phänomenal als Ehepaar, das weiß, wie es sich mit Worten (und Taten) gegenseitig RICHTIG weh tun kann. Es war absolut faszinierend, diesem bitteren Hickhack zuzusehen und zu erleben, wie ein harmloser Abend bzw. eine solche Nacht (die feucht-„fröhliche‟ After-Party-Party quasi, ab 2 Uhr morgens) immer mehr eskaliert.

Doch sie sind ja nicht allein dabei, sie bekommen Besuch von dem jungen Biologie-Dozenten Nick (ein erblondeter Luke Treadaway) und seiner Frau Honey (Imogen Poots, ebenfalls mit blonder Föhnfrisur). Martha nutzt die beiden, um ihren Mann George als Versager darzustellen – schließlich hat er es nicht mal zum Leiter der Geschichte-Fakultät geschafft, obwohl sein Schwiegervater der Dekan der Uni ist. Außerdem macht sie Nick deutliche Avancen. George wiederum sucht sich auch ein Opfer und lässt im Gegenzug Nick als Versager dastehen, schließlich hat der Honey in der Annahme geheiratet, dass sie schwanger sei, was sich allerdings als Scheinschwangerschaft herausstellte. Und Honey (Imogen Poots)? Die bechert einen Drink nach dem anderen und übergibt sich (nicht auf der Bühne). Das junge Paar hat mich anfänglich nicht so zu begeistern gewusst, aber mit der Zeit tritt da auch einiges zu Tage, das die beiden ganz interessant macht.

Und doch stand ich völlig im Bann von Martha und George: Imelda Staunton zeigte so eine enorme Energie, dass ich mich zwischendurch fragte, wie das durchzuhalten ist, fast täglich so eine Power-Performance hinzulegen! Sie hatte ja auch schon viel Lob eingeheimst für ihre Rolle in dem Musical Gypsy, aber hier hat sie mich noch viel mehr begeistert! Allerdings saß ich hier auch viel näher am Geschehen. In Conleth Hill hat sie einen absolut ebenbürtigen Partner – ich bin schwer beeindruckt und werde bestimmt jetzt mehr die Augen offenhalten, um weitere Auftritte von ihm zu erleben! (Doch ein Grund, Game of Thrones weiterzuschauen? Hm…)

Ansonsten gibt es zu dem Stück gar nicht viel zu sagen, denn es wird vollständig von den SchauspielerInnen getragen. Es gibt ein liebevoll eingerichtetes Set (das Wohnzimmer von Martha und George, mit Eingangstür und Treppe nach oben), der Rest des Hauses ist off stage. Mehr braucht es nicht – man hat ohnehin nur Augen für die SchauspielerInnen!

Absolut sehenswertes Stück mit grandiosen schauspielerischen Leistungen!

Fangirl-Moment:

Das Harold Pinter Theatre ist eher klein, entsprechend klein war auch der Kreis der Fans an der Stage Door. So liebe ich das. Es waren auch ein paar mehr oder weniger professionelle Autogrammjäger da, so langsam kennt man die Gesichter. An der Tür hing der Hinweis, dass nur Stück-relevante Dinge unterschrieben werden (also Tickets, Programmheft), aber es hat sich nur Conleth Hill daran gehalten. Das war mir Recht, denn für ihn hatte ich nichts anderes/zusätzliches.

Ich habe mich bei diesem Trip das erste Mal getraut, den SchauspielerInnen mehr als ein Autogramm abzujagen, und so ging es los mit dem hübschen Luke Treadaway, der sein blondiertes Harr unter einer Mütze versteckte. Ich bat ihn, neben dem Programm, auch das Buch The Curious Incident of the Dog in the Night-Time zu signieren, „because without your performance in that play I probably wouldn’t be here today‟. Keine so tolle Idee: der Stift hat das dünne, erste Blatt (in diesem billig verarbeiteten Taschenbuch! 😦 ) zerrissen! Das war ihm etwas peinlich (und mir irgendwie auch), und er überlegte, wo es besser gehen würde, worauf ich ihm dann die Rückseite des Covers vorschlug. Durch diese ganze Geschichte habe ich dann nicht mal um ein Foto mit ihm gebeten… Oh well.

Als nächstes kam Conleth Hill, der zwar einerseits ein bisschen „gestresst‟ hat (er hat danach „verlangt‟, Stift und Programmheft ihm schnell zu reichen) , dafür aber der erste Schauspieler an der Stage Door war, der mich nach meinem Namen gefragt hat, und so habe ich nun ein Autogramm mit Widmung! Sehr schön! Einer der wenigen, dessen Unterschrift man auch lesen kann.

Imogen Poots sah ohne ihre blonde Mähne und der starken Schminke viel, viel hübscher aus! Zusammen mit ihrer zurückhaltenden, direkt schüchternen Art hat sie schon ein bisschen mein Herz erobert. Adorable! ❤ Ich bat sie, das Filth-Cover, auf dem ich schon James McAvoy unterschrieben ließ, zu signieren, weil ich sie darin auch toll fand. Sie hat nicht besonders intensiv darauf reagiert, her being rather shy and all, aber ich denke schon, dass sie sich darüber gefreut hat.

Zuletzt kam dann noch die winzige Imelda Staunton raus. Sie hatte ihren eigenen Fahrer, der dann auch darum bat, keine Fotos zu machen. Ich habe ihre enorme Energie gelobt und freute mich darüber, dass sie auf dem Cover von Pride auch unterschrieb (leider mit dem falschen Stift – die Unterschrift in Gold ist kaum zu erkennen).

Der erste Abend war also (nahezu: Ich habe es hinterher bereut, kein Foto/Selfie mit Luke gemacht zu haben) perfekt: Ein großartiges Stück gesehen und alle Schauspieler hinterher an der Stage Door getroffen! Es war leider auch das erste und letzte Mal, dass wir alle gesehen haben, nach den anderen Vorstellungen klappte das nicht ganz so gut, woran das lag, erfahrt ihr dann in den noch folgenden Berichten. 😉

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13 Antworten zu Who’s Afraid of Virginia Woolf (Autor: Edward Albee, Regisseur: James MacDonald): Harold Pinter Theatre, 2. März 2017 (Kritik und Fangirl-Moment)

  1. mwj schreibt:

    Luke Treadaway spielte nicht in „Penny Dreadful“, sondern sein Zwillingsbruder Harry. Optisch erkenne ich aber auch keinen Unterschied.

    Und ich nehme mal an, dass du Conleth „Varys“ Hill NICHT in den Schritt gefasst hast! *lol*

  2. hurzfilm schreibt:

    „(…) entsprechend klein war auch der Kreis der Fans an der Stage Door. So liebe ich das. Es waren auch ein paar mehr oder weniger professionelle Autogrammjäger da, so langsam kennt man die Gesichter.“

    Hihi, voll der Profi inzwischen. 😉

    • singendelehrerin schreibt:

      😉 Aber ich mach das mit den Autogrammen ja eben nicht professionell. Ich habe keinerlei Interesse daran, die Autogramme irgendwann zu verkaufen.

      Aber ich weiß schon, was du meinst…

  3. friedlvongrimm schreibt:

    Aaawweeee, die Imelda finde ich auch ganz ganz toll. Hast du mal ihre Folge der „Desert Island Discs“ gehört? Richtig gute, aber greifbare Schauspielerin. Und „Pride“ ist natürlich das Beste, was man ihr da reichen kann.

    Und zu Luke Treadaway. Ich kenne ihn ja nur bewusst aus „Bob, der Streuner“, aber mein Gesicht beim googlen des Harry hättest du mal sehen müssen. Es gibt zwei davon? Hallelujah, und der Harry hat doch tatsächlich Stephen Morris in „Control“ gespielt.

    • singendelehrerin schreibt:

      Ich höre ja leider nicht so viel an, von daher: nein, ich habe noch keine einzige Folge der „Desert Island Discs“ gehört. Aber ich glaube sofort, dass sie toll ist. Das ist so eine Powerfrau – so klein sie auch ist, auf der Bühne ist sie riesig!

      Ich habe das auch erst von ein paar Jahren gecheckt, dass es da zwei gibt 😮 ❤ – ich glaube sogar, dass mich jemand aufm Blog darauf hingewiesen hat… Die sollen mal ein Zwillingspaar spielen, Mensch!

      • KirstenSE schreibt:

        Haben sie bereits: In ihrem Filmdebüt „Brothers of the Head“ und in einem Theaterstück „Over There“ – bei Digital Theatre erhältlich. Ich kenne beides allerdings noch nicht.
        Ich hatte dich auch schon mal auf die Verwechslung aufmerksam gemacht. Du bist da nicht die einzige, der das passiert. Sie sind sich wirklich sehr ähnlich, aber wenn sie nebeneinander stehen, kann man sie auseinanderhalten.

  4. pimalrquadrat schreibt:

    Ich kenne von all den Stars nur eine, aber die ist voll toll! 🙂
    Schön zu lesen, dass dein Aufenthalt so toll war! 😀

  5. KirstenSE schreibt:

    Wir waren sehr von dieser Produktion begeistert. Falls sie es bei uns als NT Live zeigen, werde ich es mir auf jeden Fall nochmals anschauen.

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