Sneaky Pete – No Sneaky Review (no spoilers)

Quelle: amazon.de

Was für ein Vergnügen, Giovanni Ribisi in dieser Serie um einen con man (Trickbetrüger) 10 Folgen lang in einer Hauptrolle zu erleben! Meistens kennt man ihn ja eher aus Nebenrollen, in denen er aber immer auch eine gute Figur macht, in mein Herz hatte er sich allerdings am meisten durch seine zwei Filme mit Cate Blanchett (The Gift – Die dunkle Gabe (2000) und Heaven (2002)) gespielt. Spätestens seit 2000 also freue ich mich immer diebisch, ihn in der noch so kleinen Nebenrolle zu entdecken – egal wie gut oder schlecht der Rest des Films ist. Nun aber hat er seine eigene Serie – und das ist gut so.

Co-Creator dieser Amazon Original Serie ist übrigens niemand geringeres als Walter WhiteBryan Cranston, der sich außerdem nicht nehmen lässt, mit Genuss den Antagonisten zu spielen. Daneben hat er auch noch bei einer Episode Regie geführt. (Ich muss ihn im National Theatre (London) sehen, wenn er dort ab November in dem Stück Network auf der Bühne stehen wird. 🙂 )

Sneaky Pete heißt eigentlich Marius Josipovic und hat gerade zwei Jahre mit „real‟ Pete im Knast verbracht. Dieser hat ihm tagaus, tagein von seinen tollen Sommerferien erzählt, die er bis zu seinem 11. Geburtstag immer mit Cousin und Cousine bei seinen Großeltern verbracht hatte – Informationen, die ihm jetzt dabei helfen sollen, Geld aufzutreiben, das der Gangsterboss Vince (Cranston) von ihm verlangt, um Marius‘ Bruder Eddie (Michael Drayer, whiny and adorable at the same time) auszulösen. Da die Verwandtschaft von Pete ihn seit dem 11. Lebensjahr nicht mehr gesehen hat, gibt sich Marius als long-lost Pete aus und will eigentlich durch diese Betrügerei an ihr Geld kommen…

Needless to say: It doesn’t all go according to plan…

Die Serie hat ein paar Folgen gebraucht, bis sie mich so richtig in ihren Klauen hatte, dann aber passiert so vieles Überraschendes in den letzten drei bis vier Folgen, dass ich jetzt, am Ende der ersten Staffel (10 Episoden), so angefixt bin, dass ich sehr erfreut zur Kenntnis genommen habe, dass es wohl eine 2. Staffel geben wird.

SNEAKY #109_0389.CR2; amazon-presse.de

SNEAKY #109_0389.CR2; amazon-presse.de

Ein großer Faktor, warum diese Serie so gut funktioniert, ist die Besetzung. Giovanni Ribisi habe ich schon erwähnt – es ist wunderbar, wie er den Betrüger spielt, der auf diverse Hindernisse stößt und sich durchaus nicht immer so sicher ist, dass alles gut ausgehen wird. Bryan Cranston hat sichtlich Spaß an seiner Rolle des Gangsterbosses – he relishes playing the baddie! Allein eine Szene, in der er in aller Ruhe und mit allen Details eine Geschichte erzählt, die als Beispiel dafür dienen soll, was jetzt gleich passiert, zeigt die Größe dieses Schauspielers – denn bei einem anderen hätte einen evtl. diese Szene langweilen können. Michael Drayer ist mir hauptsächlich noch von Mr. Robot bekannt – er schafft den Spagat, einen Betrüger mit gutem Herz (und schwachen Nerven) zu spielen, sodass man ihn nur lieben kann. Dann ist da die immer umwerfend aufspielende Margo Martindale als Grandma Audrey: Es ist einfach fantastisch, welche Rollen diese Frau bekommt (zuerst war sie mir in der leider kurzlebigen Serie A Gifted Man aufgefallen, später machte sie sich perfekt als der Kopf einer verbrecherischen Familie in Justified, genauso wie als KGB-Spionin in The Americans, etc.) und wie überzeugend sie diese ausfüllt. Wirklich ein positives Beispiel für eine füllige Mittsechzigerin, die sich über zu wenig anspruchsvolle Rollen nicht beschweren muss. Toll! Auch der Rest des Cast hat mich voll überzeugt, u. a. Marin Ireland, Peter Gerety und Jacob Pitts.

SNEAKY #109_0498.CR2; amazon-presse.de

SNEAKY #109_0498.CR2; amazon-presse.de; Marin Ireland, Shane McRae, Margo Martindale, Peter Gerety

Der Plot ist auch sehr klug so entwickelt, dass man als Zuschauer immer etwas hinterher ist mit den Informationen und so nicht jeden Con sehen kommt. Dazu kommen ein paar höchst überraschende Entwicklungen, mit denen auch die Charaktere nicht gerechnet haben. They just keep you guessing! Und das ist ja immer schön, wenn man etwas erwischt, bei dem man – als geübter Serien- und Filmegucker – nicht von vornherein weiß, wie die Sache ausgeht.

Sehenswert! Entwickelt sich von 7 Punkten am Anfang zu 8-9 am Schluss.

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11 Antworten zu Sneaky Pete – No Sneaky Review (no spoilers)

  1. bullion schreibt:

    Das klingt doch wirklich ganz gut und würde mich am ehesten auch aufgrund der Besetzung reizen. Thematisch haut es mich nun nicht vom Hocker und ich habe noch soooo viele Serien auf Halde. Irgendwann vielleicht…

  2. friedlvongrimm schreibt:

    Ich hatte mir damals, wo man abstimmen konnte, den Piloten angeschaut und empfand ihn irgendwie belanglos. Gute Besetzung, aber mehr auch nicht. Jetzt hast du mich natürlich doch ein wenig neugierig gemacht.

    Musste danach erstmal nachschauen, woher ich den Giovanni überhaupt kenne. Der Herr begegnete mir zuerst in „Lost in Translation“…und dann sagte mir die Seite, er sei Scientologe.

    • singendelehrerin schreibt:

      Damn. 😦 Ich hab jetzt grad ein bisschen nachgelesen und erfahren, dass Giovanni reingeboren wurde. Seine Eltern waren die-hard Scientologen, die ganze Familie genießt anscheinend eine gewisse Berühmtheit innerhalb Scientology in Hollywood. Wahrscheinlich schwieriger, sich gedanklich da rauszuwinden, wenn man darin aufgewachsen ist. Allerdings ist anscheinend seine Tochter Lucia ausgestiegen, zumindest wird das hier vermutet: http://tonyortega.org/2016/04/06/lucia-ribisi-ditches-scientology-and-says-of-famous-dad-giovanni-hes-questioned-it/

      • friedlvongrimm schreibt:

        Ja, die Scientologen, die ich mag, sind auch alle zweite Generation und es ärgert mich immer ein bisschen, dass ich dass so selektiv wahrnehme. Filme mit Tom Cruise sind kein Problem, da ploppt der Gedanke nicht auf, bei anderen dafür unergründlicherweise doch. Aber hey, soweit ich weiß, ist Jason Lee jetzt auch draußen. Yeah!
        Ich bin aber immer wieder froh, dass ich in meinem Alltag jetzt nicht mit irgendwelchen Sekten konfrontiert bin.

        • singendelehrerin schreibt:

          Ich war einmal als junge Frau bei der Hochzeit einer Schulfreundin bei den Zeugen Jehovas. Oh Mann, hatte ich da ein mulmiges Gefühl in der Magengegend… :-/

          • friedlvongrimm schreibt:

            Ich war in der Schulzeit auch mit einer befreundet. Habe mich die ganze Zeit gefragt, warum sie mich mochte, schließlich habe ich sie die ganze Zeit aus- bzw. hinterfragt. Warum sie nicht an Dinos glaubt, was für einen Sinn es ergibt, von Tür zu Tür zu wandern, um die Leute zu bekehren etc. Da bekommt man schon einen interessanten Einblick. Und Gott, war sie schön. Sehr faszinierende Person.

  3. Frau Margarete schreibt:

    Ich hatte damals die Pilotfolge gesehen, als Amazon abstimmen ließ, was sie produzieren sollten. Und ich bin sehr froh, dass es Sneaky Pete geworden ist und natürlich dass du so ein positives Fazit ziehst. Dann werde ich da demnächst auch mal reinschauen!

  4. wordBUZZz schreibt:

    Die Idee klingt zumindest endlich mal wieder originell wobei es ja nicht an guten Serien mangelt. Bei Filmen habe ich ja gerade so meine Bedenken 😉

    Sommerferien werde ich nie wieder haben 😀 Allerdings habe ich keine Ahnung mehr wie meine Ferien in meinem 11. Lebensjahr waren

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