The Man in the High Castle (Season 2)

Quelle: By Rama – Own work, data source: The Man in the High Castle opening credits as shown on a Facebook promo screenshot., CC BY-SA 2.0 fr, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=45093821

(enthält Spoiler zur ersten Staffel, und ganz leichte zur Exposition von Staffel 2)

Als ich Rufus Sewell nach seinem Auftritt im Theaterstück Art an der Stage Door traf und ich ihm sagte, dass ich bald wieder nach Deutschland zurückfliegen würde und The Man in the High Castle weiterschauen würde, zeigte er sich sichtlich erfreut, dass die Serie in Deutschland so erfolgreich sei (was mir neu war), worauf ich witzelte, „It’s because we secretly wish that the war had ended like this!‟ Ich hoffe doch sehr, dass ihm das klar war, dass das nur ein Scherz war! 😮 😉 Zwei weitere deutsche Frauen am Bühnenausgang sprachen ihn auf die Serie an, worauf er meinte, dass die 2. Staffel noch besser wäre als die erste. Eine der Frauen fragte: „Are you even more scary?‟ Doch er wiegelte ab: „Not just scary! I wouldn’t do it if the character was just scary.‟

rufus-stage-door

Quelle: nordbuzz.de

Wie recht er doch hatte! Mit beidem: Staffel 2 ist tatsächlich in meinen Augen noch einen Tick besser (und nicht nur, weil ich Rufus schon Aug in Aug gegenüber stand und Arm in Arm für ein Photo posierte 😉 ) und sein Charakter Obergruppenführer Smith hat für mich noch an Facetten dazugewonnen.

Wobei ich ihn auch schon in der ersten Staffel nicht nur als den „bösen (amerikanischen) Nazi‟ empfunden hatte. Spätestens als klar war, dass sein Sohn Thomas an einer unheilbaren Krankheit leidete, und damit laut Nazi-Ideologie nicht lebenswert war, wurde eine neue Seite offenbar: Die Seite eines Vaters, der alles tut, um seine Familie zu beschützen. Dies setzt sich dann in Staffel 2 fort – und ich konnte nicht umhin, in ihm immer mehr den Familienmenschen John zu sehen als den Obergruppenführer Smith. Es steckt ein guter Kern in der Schale des Nazis.

Überhaupt ist das eine große Stärke dieser Serie: Bis auf die Protagonistin Juliana (Alexa Davalos), die einfach irgendwie „das Gute‟ in dieser Welt verkörpert, sind (fast) alle wichtigen Charaktere und Nebencharaktere doch recht ambivalent, egal ob es sich um die Mitglieder des Widerstandes handelt (in den von den Japanern kontrollierten Pacific States und im „Greater Nazi Reich‟), um die japanischen Unterdrücker (allen voran der Wirtschaftsminister Tagomi (minimalistisch, aber absolut überzeugend dargestellt von Cary-Hiroyuki Tagawa) oder eben um die Nazis. Schwarz-Weiß-Malerei wird hier nicht betrieben, die „Guten‟ gehen manchmal genauso über Leichen wie die Bösen, und die „Bösen‟ tun manchmal auch das Richtige und Gute. Das spricht mich sehr an und wird meines Erachtens in der 2. Staffel noch verstärkt. (Natürlich gibt es auch ein paar richtig böse Nazis.)

Es gibt weiterhin verschiedene Handlungssorte:

San Francisco:

Juliana gilt zu Beginn der 2. Staffel unter den Widerständlern als Verräterin, schließlich hatte sie Joe Blake (Luke Kleintank) den Film überlassen. (Soviel wissen wir bisher über die Filme des „Man in the High Castle‟: Sie zeigen eine alternative Vergangenheit, Gegenwart – ja sogar Zukunft. Wie das Ganze überhaupt möglich ist, wird auch in der 2. Staffel nicht aufgelöst. Aber die Filme werden noch eine wichtige Rolle spielen, bzw. tun es wohl schon.) Juliana kann sich in San Francisco nicht mehr sicher fühlen, erfährt außerdem ein bis dato verschwiegenes Familiengeheimnis, was sie dazu veranlasst, Asyl im „Reich‟ zu suchen.

Frank Frink (Rupert Evans), Julianas Ex-Freund, fühlt sich von Juliana in jeglicher Hinsicht betrogen, was ihn in die Arme des Widerstandes treibt. Franks und Julianas gemeinsamer Freund Ed (DJ Qualls) befindet sich in den Fängen der Japaner, als mutmaßlicher Attentäter auf den Kronprinzen, wird dann aber doch frei gelassen.

Trade Minister Tagomi sieht nach langer Zeit seine Familie wieder. Es fällt ihm schwer, wieder in sein wirkliches Leben zurückzukehren.

New York:

Joe Blake ist desillusioniert – er glaubt, dass Juliana durch ihn gestorben ist – und nicht allzu gut auf John Smith zu sprechen. Der schickt ihn aber nach Berlin, wo er seinen Vater (Sebastian Roché) kennenlernen soll. Joe ist hin- und hergerissen.

Wie oben schon erwähnt, liegt auch ein großer Fokus auf Smiths Familie.

Berlin:

Berlin ist ein neuer Handlungsort, der in Staffel 1 noch kaum zum Tragen gekommen war. Doch nun lernen wir auch einige hochrangige deutsche Nazis ein bisschen näher kennen, insbesondere Reichsminister Martin Heusmann, Joes Vater.

Es gibt einige neue Gesichter, von altbekannten Schauspielern dargestellt, darunter der schon erwähnte Sebastian Roché (Supernatural, u.a.), Callum Keith Rennie (Battlestar Galactica, u.a.) als führendes Mitglied des Widerstandes in San Francisco, und Tate Donovan als George Dixon, den Mann den Juliana in New York sucht.

Ich finde es großartig, wie die Serie Aspekte des Nationalsozialismus, aber auch eines totaliltären Großreiches Japan, aufgreift und somit im Grunde genommen – trotz einer komplett fiktionalen Phantasievorstellung (nach Philip K. Dick) – Aufarbeitung betreibt. Grausamkeiten erzeugen Hass und Gegengewalt. Menschlichkeit ist jedoch nicht völlig verschwunden – sie wird sichtbar in allen Gruppen und auf allen Ebenen. Die Spannung hat für mich in der 2. Staffel deutlich zugelegt – so sehr, dass ich auf andere Serien gar keine große Lust hatte. Verglichen z. B. mit der hoch gelobten Serie Wolf Hall, die ich zwar innerhalb einer Woche, aber mit nicht besonders viel innerer Gespanntheit angesehen habe, ist das schon ein Qualitätsmerkmal.

Dazu kommen die hervorragenden schauspielerischen Leistungen – bis in die kleinsten Nebenrollen ist diese Serie exquisit besetzt! Mein Lieblingsfiguren auf der „eindeutig guten Seite‟ werden dargestellt von Alexa Davalos und DJ Qualls (er ist einfach der ideale, loyale beste Freund, den man sich vorstellen kann!) und Callum Keith Rennie strahlt als Kopf der Widerständler eine enorme Autorität aus. Auf der Seite der Japaner begeistern mich v.a. der schon genannte Cary-Hiroyuki Tagawa, aber auch der ambivalente Kempeitai Chief Inspector Kido, der von Joel de la Fuente dargestellt wird, ist durch dessen Dartsellung ein höchst interessanter Charakter. Allen voran ist da jedoch Rufus Sewell, der als Obergruppenführer Smith einfach fasziniert.

Zuletzt noch ein Wort zu den Sprachen: Zu hören sind in der Originalversion drei Sprachen: Englisch, Japanisch und Deutsch. Japanisch und Deutsch sind untertitelt, manch Deutscher spricht mit mehr oder weniger eindeutigem deutschen Akzent, allerdings sprechen die meisten „Deutschen‟ (mit zwei Ausnahmen vielleicht) leider kein akzentfreies Deutsch, was mich ein klein bisschen ärgert. Wenn Heinrich Himmler (Kenneth Tigar) Deutsch mit Akzent spricht, hat das halt für einen deutschen Muttersprachler den Effekt, dass man ihn nicht wirklich als Himmler wahrnehmen kann. Zwar ist das Deutsch, das Tigar und Roché sprechen, für einen Nicht-Muttersprachler vergleichsweise gut, aber ich frage mich doch immer wieder, ob es da nicht auch deutsche Schauspieler gegeben hätte, die dem deutschen Publikum den Genuss der Serie noch ein bisschen versüßt hätten. Andererseits: Vielleicht gehen die Produzenten ja auch immer noch davon aus, dass die meisten Deutschen die Serie ohnehin synchronisiert sehen werden…, womit sie ja wahrscheinlich auch recht haben. :-/ Ich empfehle aber – natürlich! – unbedingt die Original Version.

Sehenswert! Die einzelnen Folgen bewegen sich zwischen 7,5 und 9 Punkten.

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11 Antworten zu The Man in the High Castle (Season 2)

  1. bullion schreibt:

    Ich habe die erste Staffel ja auch geschaut und fand sie sehenswert. Nun gibt es die zweite Staffel und irgendwie zieht es mich im Moment gar nicht so dahin. Was du schreibst macht aber Hoffnung, dass sie mir doch besser gefallen könnte. Mal sehen. Das Serienjahr ist ja noch lang…

    Mensch und du kannst ja bald zu jeder Serie/jedem Film eine persönliche Anekdote mit einem der SchauspielerInnen erzählen. Wahnsinn! 😀

    • singendelehrerin schreibt:

      Hehe, cool, gell?! 😉 Jetzt hab ich grad zwei Folgen von „Sneaky Pete“ gesehen, die ja Bryan Cranston produziert – und werde ihn wahrscheinlich irgendwann Ende 2017, Anfang 2018 auch in London auf der Bühne sehen. Das wäre doch ein schönes Ziel, wenn ich pro Film/Serie, die ich schaue, mindestens mit einer Anekdote zu einem/r Mitwirkenden aufwarten könnte.. 😀

      Ich kenne das, dass man manchmal auf bestimmte Serien aus unbestimmtem Grund keine Lust hat. Ich z. B. hab grad überhaupt keine Lust, „The Walking Dead“ weiterzuschauen. Obwohl ich die Serie zum Teil total bingegewatched habe. Momentan vermeide ich sie wie die Pest.

      • bullion schreibt:

        Ja, das wäre toll! Bryan Cranston auf der Bühne wird bestimmt toll. Freue mich schon auf den Bericht… ☺

        Wir ist denn Sneaky Pete?

        Ach lustig, ich schaue gerade wieder TWD… 😉

        • singendelehrerin schreibt:

          Puh, apropos Bericht… ich bin ja sowas von hinterher… Immerhin hoffe ich, dass bis zum nächsten Trip Anfang März die letzten drei noch ausstehenden Kritiken endlich veröffentlicht sind…

          „Sneaky Pete“ hat mich jetzt noch nicht so richtig gepackt, aber ich finde es schon schön, Giovanni Ribisi mal in einer Hauptrolle zu sehen. Und dann spielt auch Margo Martindale mit, die einfach immer fantastisch ist. Ja, und Bryan Cranston… Ich werde schon mal weiterschaun, denke ich. Aber der große Burner ist es (noch?) nicht.

          Und wie is TWD grad? 😉

          • bullion schreibt:

            Giovanni Ribisi sehe ich schon seit „Friends“ auch immer sehr gerne. Hmm, vielleicht schaue ich irgendwann mal rein…

            TWD gefällt mir wieder richtig gut. Einmal im Jahr ist das genau die richtige Serie (ist bei mir auch erst die 6. Staffel).

          • singendelehrerin schreibt:

            Ja, bei mir wäre es ja auch die 6. Schau ja auch auf Prime. 😉 Hm, mal sehen, wann ich mich dem Gemetzel wieder zuwende… 😉

            Mein Lieblingsfilm mit Giovanni Ribisi ist „Heaven“ von Tom Tykwer mit Cate Blanchett. Kennst du den?

          • bullion schreibt:

            Nein, den kenne ich noch nicht…

          • singendelehrerin schreibt:

            Ich finde ihn toll – das war der zweite Film, in dem Cate Blanchett und er zusammenspielten. Die beiden haben eine super Chemie zusammen. Der Film spielt in Italien, Sprachen sind also Italienisch (Ribisi spielt einen Italiener) und Englisch (Blanchett spielt eine Engländerin). Lohnt sich!

  2. Nummer Neun schreibt:

    Ich glaube mal gelesen zu haben, dass es tatsächlich die erfolgreichste Serie auf der Amazon Plattform ist, aber ich könnte mich auch täuschen…

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