Begin Again (dt. Titel: Can a Song Save Your Life? John Carney, USA 2013)

Nach dem gegen Ende eher Schwerverdaulichen von gestern (This is England `86) war mir heute nach etwas leichterer Unterhaltung, die mich nicht völlig fertig allein auf dem Sofa sitzen lässt.

Quelle: en.wikipedia.org

Da habe ich nach Begin Again gegriffen, einem Film von Regisseur und Drehbuch Autor John Carney, der mich schon mit Once verzauberte und letztes Jahr mit Sing Street einen „instant Lieblingsfilm‟ geschaffen hat. Begin Again hatte ich irgendwie verpasst, da mich auch das amerikanische Setting (in New York City, der Stadt, die wohl am allerseltensten in Filmen und Serien vorkommt) erstmal weniger gereizt hat. Once war so herrlich europäisch! Nachdem auch bullion den Film sehr hoch bewertet hatte, habe ich mir nun nach Sing Street auch noch diesen Film mit Keira Knightley und Mark Ruffalo in den Hauptrollen besorgt – und er war heute tatsächlich der richtige Film für mich!

Durch La La Land eh schon in Musikfilmstimmung, ist mir wieder bewusst geworden, dass mir das eigene Musikmachen und Singen z. Zt. doch ganz schön abgeht. In meinem persönlichen Jahresrückblick habe ich schon mit Bedauern festgestellt, dass musikalisch das Jahr 2016 nicht so erfolgreich, oder nennen wir es lieber, nicht so beglückend war. Ich sitze momentan wirklich so gut wie komplett „verstummt“ in München, kein Schulchor, kein Projektchor, kein Ensemble. Kein Wunder, dass mich Musikfilme und Musicalfilme abwechselnd glücklich und melancholisch machen…

Doch nun zum Film: Die britische Singer-Songwriterin Gretta (Keira Knightley) und der einst erfolgreiche Musikproduzent Dan (Mark Ruffalo) treffen aufeinander, als es beiden nicht besonders gut geht: Gretta hat sich von ihrem Singer-Songwriter-Freund Dave (Adam Levine von Maroon 5) getrennt, weil der sich in eine andere Frau verliebt hat, und Dan wurde gerade aus seiner eigenen Plattenfirma geworfen, weil er nicht mit der Zeit geht. Den Rauswurf musste sich auch noch seine 14-jährige Tochter Violet (Hailee Steinfeld) anhören, die bei ihrer Mutter (Catherine Keener) lebt. Grettas guter Freund Steve (erfolgloser Straßenmusikant, gespielt von James Corden) überredet Gretta, in der Musikkneipe eins ihrer Lieder zu spielen, was Dan – betrunken aus Frust – hört und sofort mag.

Und nun folgt eine meiner Lieblingsszenen: Dan stellt sich vor, wie das Lied voll instrumentalisiert klingt – und so hören wir als Zuschauer, nachdem wir das Lied zu Beginn des Films „trocken‟, nur mit Akustikgitarre und Gesang, gehört hatten, es dann in voller Besetzung, Streicher inklusive. Die spätere Idee, ein Album auf den Straßen, Dächern und Parks von New York aufzunehmen, fand ich auch einen ganz wunderbaren Einfall. Etwas unrealistisch vielleicht, bei dem Lärm, der auf NYCs Straßen herrscht, aber ein bisschen Märchen ist ja bei Musikfilmen ohnehin oft dabei.

Womit der Film aber steht und fällt, das ist zum einen die Musik (Keira Knightley kann erstaunlich gut singen) und zum anderen die Lebensfreude und die Nähe, die durch das gemeinsame Musizieren entsteht. Da kann ich noch so oft mit fellow fangirls and -boys an der Stage Door stehen oder im Theater sitzen – das Glücksgefühl, das beim gemeinsamen Musikmachen entsteht, ist von einer ganz anderen Intensität. Leider bin ich ja selber keine Songschreiberin, aber in dem einzigen musikalischen Projekt, das ich momentan noch habe, meiner Kirchenband, denken wir uns gemeinsam auch eigene Arrangements zu den Liedern aus, wie z. B. ein Vorspiel, zweite und dritte Stimmen, Rhythmus, Instrumentierung… Aber ich schweife etwas ab. 😉

Ganz besonders positiv überraschend ist das gute Zusammenspiel von Knightley und Ruffalo, zwei so unterschiedliche Typen, die auch noch nie zusammen gearbeitet hatten. Und doch passt das, und nein, es gibt keine Romanze zwischen ihnen – Gott sei dank, denn ich brauche nicht schon wieder eine Romanze, bei der die Frau 18 Jahre jünger ist als der Mann. Trotzdem ist da schon eine starke Verbindung, die sich zwischen den beiden entwickelt. Aber auch die Nebendarsteller fügen sich sehr gut ein, hier zu allererst James Corden und Hailee Steinfeld, aber auch Catherine Keener in ihren wenigen Szenen. Mit Adam Levine wurde ich nicht so ganz warm (was, glaub ich, nicht nur an der Rolle liegt, auch im Interview bei den Specials strahlt der Mann für mich keinerlei Enthusiasmus aus), aber im Grunde genommen macht er seine Sache als Schauspieler ganz gut. Er sagt aber auch im Interview, dass er die Rolle nur angenommen hat, weil sie seinem Lebensinhalt (als Musiker) sehr nahe kommt.

Insgesamt fand ich den Film schön, aber er hat mein Herz nicht so tief im Innersten berührt, bzw. hat mein Herz nicht singen lassen, wie Carneys andere Musikfilme Once oder Sing Street. Deswegen nur 7,5 von 10 Punkten.

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10 Antworten zu Begin Again (dt. Titel: Can a Song Save Your Life? John Carney, USA 2013)

  1. Anica schreibt:

    Ein schöner Film. Und wie du auch mochte ich die Szene am Anfang auch besonders gern. 🙂

  2. bullion schreibt:

    Schade, dass dir der Film nicht so gut gefallen hat wie mir, aber schön, dass er dir dennoch gefallen hat 🙂

    Bin mit Adam Levine durchaus bei dir, aber er spielt ja auch im Film nicht die sympathischste Rolle. Die Musik funktioniert für mich übrigens außerhalb des Films nicht so gut. Den Soundtrack habe ich mir zwar gekauft, aber bisher kaum gehört.

    • singendelehrerin schreibt:

      Siehste, dass der Soundtrack außerhalb des Kontexts nicht so gut funktioniert, ist doch irgendwie ein nicht so gutes Zeichen für den Film. Die Lieder von „Once“ (insbesondere „Falling Slowly“ ❤ Oh Mann, ich höre das gerade – das Lied ist SO GUT!!!!!!) und "Sing Street" funktionieren für mich auch ohne die Filme. Damit kann es "Begin Again" irgendwie nicht aufnehmen.

  3. Shalima Moon schreibt:

    Zufälle gibt’s^^ Hab den Film vor ca. 5 Minuten beendet und finde nun deinen Beitrag hier… Für mich war es eine wundervolle Einstimmung in ein verlängertes freies Wochenende und macht große Freude meinen MP3-Player vor meiner kleinen Rundreise dieses Wochenende noch einmal mit neuer Musik zu befüllen.

  4. friedlvongrimm schreibt:

    Ich merke wie ich immer passiv agressiver werde, sobald der Name des Regisseurs fällt. Glaube er wird langsam einer meiner Hasspersonen. Ich finde Keira und Mark und die Besetzung nett, Story nichtssagend und die Musik auch nahe Fahrstuhlberieselung.

  5. wordBUZZz schreibt:

    Ich muss ja ehrlich gestehen ich mochte „Can a song save your life“ mehr so manch anderen Musikfilm (School of Rock bleibt unübertroffen oder die Kinder des Monsieur Marthieu) Zwar ist die Musik mir ebenfalls ein wenig zu gleichförmig und einfach, doch mag ich die Verbindung zwischen den beiden und dass es mal nur um „Musikproduktion“ geht anstatt einen Liebesbrief an Hollywood zu verfassen… :/

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