Rückblick 2016: Persönlich Top, ansonsten Flop

Überall hört man es nach den letzten Hiobsbotschaften: Wann geht dieses Jahr 2016 endlich vorüber? Ich für meinen Teil fürchte bei jeder Betreffzeile der New York Times News Alert in meinem Postfach, die mit einem Namen beginnt, dass schon wieder jemand gestorben ist. Heute früh war meine Befürchtung erneut korrekt: Nun ist – ein Tag nach Carrie Fishers Tod – auch noch Debbie Reynolds, ihre Mutter, gestorben. (My heart goes out to Todd Fisher, Carrie’s brother and Debbie’s son and the rest of their family.)

2016 hört also so auf, wie es begonnen hat: Im Januar schockten mich die Nachrichten von David Bowies und Alan Rickmans Tod – im Dezember sterben innerhalb weniger Tage George Michael und Carrie Fisher, beide Ikonen der Popkultur, gefolgt von Debbie Reynolds. Doch auch dazischen gönnte uns dieses Jahr keine Ruhepause, was die Tode von berühmten Persönlichkeiten anbelangte. Im April starb ein weiterer Stern des anspruchsvollen Pophimmels: Prince. Zusammen mit Michael Jackson, der schon 2009 gestorben war, sind nun fast alle meine Pop-Helden aus den 80er- und 90er-Jahren tot. Es fühlt sich so an, als wäre meine Jugend nun endgültig zu Ende…

Dies war ja aber noch lange nicht alles, dazu kam u.a. der tragische Unfall des 27-jährigen Anton Yelchin, der Krebstod von Guido Westerwelle, und unzählige weitere Musiker, Schauspieler und Politiker, die zum Teil viel zu früh aus dem Leben gerissen wurden. Immerhin hat Kirk Douglas vor wenigen Tagen seinen 100. Geburtstag feiern können, zusammen mit seiner knapp 97-jährigen Frau. Ein kleiner Lichtblick!

Schon allein angesichts dieser vielen Tode fühlte sich 2016 also wie ein Jahr an, das man am liebsten vergessen wollte. Doch da waren dann noch die großen politischen Schocks des Brexit-Referendums und des Trump-Sieges. Beide Ereignisse werden natürlich erst im nächsten Jahr so richtig zum Tragen kommen, aber in beiden Fällen führten die Ergebnisse zu Streit und Entfremdung innerhalb von Familien (in GB, respektive in den USA). Wie soll man da hoffnungsfroh nach vorne, auf das Jahr 2017, schauen?

Als Wahl-Münchnerin traf mich der Amoklauf am OEZ natürlich auch besonders, auch wenn ich persönlich niemanden kenne, der dort einen lieben Menschen verloren hat. Um mich nicht der Angst vor solchen nicht von mir beeinflussbaren Ereignissen hinzugeben, ging ich noch in derselben Nacht alleine zu Fuß durch den Westpark nach Hause. Zu diesem Zeitpunkt war noch nicht klar, dass es sich um einen Amoklauf eines einzelnen Täters, und nicht um einen terroristischen Anschlag gehandelt hatte. Doch auch der Terrorismus kam 2016 immer näher: Brüssel, Nizza, Berlin – um nur die „Großereignisse‟ herauszugreifen. Was macht das mit uns? Brüssel hat mich betroffen gemacht, weil mein Freund mindestens zweimal im Jahr nach Brüssel fliegt, Nizza war einfach so schrecklich brutal mit einer „Waffe‟, mit der man nicht gerechnet hatte – und die dann tatsächlich auch kurz vor Weihnachten auf deutschem Boden in Berlin zum Einsatz kam. Wie will man solchen Anschlägen mit LKWs Einhalt gebieten?

Wie kann außerdem verhindert werden, dass solche Taten von Einzeltätern den rechts-populistischen Parteien in Europa weiter Vorschub leisten? Wird Marine Le Pen nächstes Jahr Frankreich regieren? Wird die AfD im Bundestag sitzen? Immerhin, ein kleiner Hoffnungsschimmer am Horizont, musste sich der FPÖ-Mann Nobert Höfer dem Ex-Grünen Alexander Van Bellen in Österreich geschlagen geben. Aber nur knapp.

Was nicht vergessen werden sollte: Die humanitäre Katastrophe in Syrien, zuletzt mit Schwerpunkt Aleppo, und ihre Folgen. Laut UNO (Stand: 27.10.) sind 2016 so viele Menschen im Mittelmeer beim Fluchtversuch gestorben wie noch nie: 3.800.

Lassen wir also dieses schreckliche Jahr 2016 schnell hinter uns…

Aber halt: Wie passt das mit meinem persönlichen Jahr zusammen, in dem ich so vieles Schönes erlebt habe? Wenn ich auf meine Reisen (4x Theater etc. in London, 1x Buffy&Angel Convention in Birmingham, 1x Klassenfahrt nach Prag, 1x Nordwesten der USA, 1x German Comic Con Berlin) zurückblicke, habe ich das Gefühl, ein sehr erfülltes Jahr hinter mir zu haben: Faszinierende Erlebnisse in Londoner Theatersälen und in der Natur Washingtons und Oregons, spannende Begegnungen mit Stars, Fans, Bloggerinnen und anderen Menschen – und jede Menge Motive zum Fotografieren. Ich kann mich wirklich glücklich schätzen, dass ich viele meiner Leidenschaften in diesem Jahr ausgiebig ausleben konnte.

Auch beruflich und gesundheitlich ging es mir 2016 ganz gut, auch wenn Kopfschmerzen und Migräne nun einmal stetige Begleiter meines Lebens zu sein scheinen. Das Unterrichten macht mir nach wie vor Spaß, einzig, dass ich nun erstmal keine Stilblüten mehr veröffentlichen werde, macht mich etwas traurig. Ich muss zugeben, dass die Aussicht, mit euch ein paar Stilblüten teilen zu können, mir die Korrektur zum Teil schon erträglicher gemacht hat.

Etwas enttäuschender gestaltete sich dieses Jahr in musikalischer Hinsicht: Seit Beginn des Jahres 2016 habe ich an der Schule keinen Chor mehr zusammentrommeln können, nicht einmal eine Hand voll SängerInnen. Am Anfang des aktuellen Schuljahres sah es noch danach aus, dass sich doch wieder ein paar Leute zusammenfinden, doch auch die sind mir wieder weggebrochen. Zur Zeit habe ich zwar ohnehin keine Zeit dafür, weil ich die Vertretung einer 13. Klasse für eine längerfristig erkrankte Kollegin übernommen habe, aber es fehlt mir trotzdem, auch außerunterrichtlich mit SchülerInnen zu interagieren. Ich habe schon so viele schöne Momente durch das gemeinsame Musizieren und Singen mit SchülerInnen erlebt – ich vermisse das! Außerdem ist der Versuch von zwei Bekannten und mir, ein neues A-cappella-Ensemble zu gründen, Ende des Sommers gescheitert. So habe ich derzeit – von meiner Kirchenband in der fränkischen Heimat mal abgesehen, mit der wir aber 2016 auch nur einen „Gig‟ hatten – gar kein musikalisches Projekt, bei dem ich mitwirke. Auch beim Projektchor, der für die Herr der Ringe – Live to Projection-Aufführungen entstanden ist, ist momentan etwas Ebbe, bzw. die angebotenen Projekte fand ich weniger ansprechend. Das ist schon etwas traurig… Hier muss ich im neuen Jahr wieder etwas tätiger werden, denn Singen macht glücklich! 🙂

Insgesamt betrachtet war 2016 aber, persönlich gesehen, ein sehr schönes Jahr, und steht somit im krassen Gegensatz zu dem, was ich oben geschrieben habe. Was überwiegt in der Bilanz des Jahres? Kann man beide Bereiche wirklich voneinander trennen? Da fällt mir das Zitat aus Rogue One: A Star Wars Story ein:

We have hope. Rebellions are built on hope!

Ich denke, ich habe auch in diesem schwierigen 2016 nie ganz die Hoffnung aufgegeben. Die Hoffnung worauf? Die Hoffnung darauf, dass sich das Gute seinen Weg bahnt und es nicht beständig bergab gehen kann. Vielleicht kann deswegen das Jahr 2016 trotzdem ein glückliches Jahr für mich sein, auch wenn mich Tode schockiert und traurig gemacht haben, auch wenn ich bis ins Mark erschüttert war, als fest stand, dass Trump der nächste amerikanische Präsident würde, auch wenn mich das Schicksal von Flüchtlingen und Opfern von terroristischen Anschlägen berührt und auch wütend macht.

Vielleicht passt es ja, mit Samwise Gamgees Worten zu schließen:

It’s like in the great stories, Mr. Frodo, the ones that really mattered. Full of darkness and danger they were, and sometimes you didn’t want to know the end because how could the end be happy? How could the world go back to the way it was when so much bad had happened? But in the end, it’s only a passing thing, this shadow. Even darkness must pass. A new day will come, and when the sun shines, it’ll shine out the clearer. Those were the stories that stayed with you, that meant something even if you were too small to understand why. But I think Mr. Frodo, I do understand, I know now. Folk in those stories had lots of chances of turning back, only they didn’t. They kept going because they were holding on to something…. That there’s some good in the world, Mr. Frodo, and it’s worth fighting for.

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16 Antworten zu Rückblick 2016: Persönlich Top, ansonsten Flop

  1. friedlvongrimm schreibt:

    Beiträge, die mit Worten von Sam enden, sind immer die Besten. ❤

    Ich muss sagen, dass was positiv an einem eher doofen Jahr ist, jedenfalls bei mir, die neu entflammte Initiative. Ich habe jetzt über die Feiertage soviel Energie gesammelt um Probleme anzugehen. Da wird das mit 2017 schon klappen.

  2. wordBUZZz schreibt:

    Ein wundervoller Jahresrückblich, dem man nichts mehr hinzuzufügen kann… Leider bin ich nicht wirklich musikalisch schon gar nicht gesangstechnisch, so dass ich froh bin aus unserem Schulchor entlassen zu sein. Es überrascht mich allerdings, dass so wenige Schüler bei euch singen sollen. Bei uns stehen regelmäßig über 100 auf der Bühne. Oder seit ihr einfach nur eine kleinere Schule?

    • singendelehrerin schreibt:

      Danke. 🙂

      Wir sind tatsächlich eine kleinere Schule (ca. 350 Schüler) und haben auch keinen Musiklehrer, also auch keinen Musikunterricht. Trotzdem habe ich in den letzten Jahren eigentlich immer etwas mit ein paar Schülern auf die Beine gestellt, aber die Bereitschaft zum außerunterrichtlichen Engagement lässt deutlich nach…

  3. bullion schreibt:

    Sams Worte sind tatsächlich perfekt für die aktuelle Lage. Ich habe den Film ja auch erst vor ein paar Tagen wieder gesehen und hatte ganz ähnliche Gedanken bei seinem Monolog. Großartig und absolut passend für die Situation, in der wir uns aktuell befinden.

    • singendelehrerin schreibt:

      Siehst du, das ist ein Grund, warum ich HdR so liebe! Es stecken so viele Wahrheiten und Weisheiten in Tolkiens Werk, die auch auf unsere Gesellschaft übertragen werden können!

  4. schauwerte schreibt:

    Ich finde, 2016 war auf jeden Fall ein Jahr, das verstärkt zum Nachdenken anregt. Darüber wie wir miteinander umgehen,wie wir kommunizieren und was wir so zulassen. Da rückt das eigene Leben beinahe etwas in den Hintergrund, dabei ziehe ich daraus natürlich meine Stärke und Ruhe.
    Ich wünsche dir ein schönes, gesundes und fröhliches Jahr 2017 und freue mich auf unser Wiedersehen!

    • singendelehrerin schreibt:

      Herzlichen Dank, das wünsche ich dir auch! 🙂 Ich freue mich auch auf unser Wiedersehen! Ich überlege übrigens, eine Mitgliedschaft beim National Theatre abzuschließen, damit wir eher an die „Angels in America“-Tickets rankommen…

  5. Wortman schreibt:

    Ich wünsche dir einen guten Rutsch ins neue Jahr.
    Freu dich an dem, was du so alles Schönes erlebt hast.

  6. away on a trip schreibt:

    Ich wünsche dir ein gutes, gesundes neues Jahr und freue mich auf weitere tolle Beiträge von dir
    Liebe Grüße
    Andrea

  7. Stepnwolf schreibt:

    Wohl eines der besten Zitate der LotR Filme überhaupt und wirklich sehr passend.
    Ja, politisch war 2016 ein ziemlich mieses Jahr und das wird sich wohl leider auch auf 2017 auswirken. Bin gespannt, was uns das Wahljahr hierzulande an (bösen?) Überraschungen bringt…

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