Nice Fish (Mark Rylance, Louis Jenkins): Harold Pinter Theatre 16.12.16

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Wie auch bei Filmen, informiere ich mich bei Theaterstücken vorab nur rudimentär, wenn ich ohnehin weiß, dass ich das Stück wegen eines Schauspielers (oder auch mehreren) sehen möchte. Immerhin wusste ich, dass Mark Rylance Co-Autor des Stücks ist und dass es um Eisfischen geht. Was mir aber gänzlich unbekannt war, war, dass Mark Rylance zwar in Großbritannien geboren wurde, aber in Wisconsin (USA) aufwuchs, bis er mit 18 Jahren nach London ging, um an der Royal Academy of Dramatic Art Schauspiel zu studieren. (Überhaupt hatte ich über ihn eigentlich so gut wie nichts gewusst, er war z. B. von 1996-2006 der erste Artistic Director des Globe Theatre.) Worauf ich hier hauptsächlich hinaus will: Ich wusste weder, dass das Stück in Minnesota spielt, noch dass neben Mark Rylance die gesamte Besetzung amerikanisch ist (das erfuhr ich erst an der Stage Door, weil ich vor Beginn der Vorstellung das Programmheft nicht gelesen hatte). Gut, ich hätte beim Thema „Eisfischen‟ schon stutzig werden müssen: Eisfischen in GB? Eher unwahrscheinlich…

Quelle: atgtickets.com

Nice Fish basiert auf Prosa-Gedichten des Autors Louis Jenkins, der 45 Jahre seines Lebens in Duluth, Minnesota lebte, und so spielt das Stück auch auf einem zugefrorenen See in Minnesota am Ende des Winters. Mark Rylance hat in Zusammenarbeit mit Jenkins dessen Gedichte so zusammengestellt, dass eine Geschichte erzählt werden konnte: Zwei langjährige Freunde sind zusammen beim Eisfischen: Ron (Rylance) kommt aus Wisconsin und hat keine Ahnung vom Eisfischen, Erik dagegen ist passionierter Eisfischer. Beide Figuren sind Männer mittleren Alters, die nicht allzu viele Erfolge in ihrem Leben vorweisen können: Erik ist zwar verheiratet, aber arbeitslos, Ron ist single, aber hat dafür einen Job. Im Laufe des Tages treffen sie auf den DNR-Man (an officer from the Minnesota Department of Natural Resources), eine junge Frau namens Flo (ein bisschen hippiemäßig, im Playtext wird sie als „independent‟ bezeichnet) und ihren Großvater Wayne, der Fische nicht angelt, sondern sie mit einem Speer jagt.

Quelle: inthecheapseats.co.uk V.l.n.r.: Mark Rylance, Raye Birl, Jim Lichtscheidl

Quelle: inthecheapseats.co.uk V.l.n.r.: Mark Rylance, Raye Birl, Jim Lichtscheidl

Das Ganze wird in kurzen, nicht immer zusammenhängenden Szenen erzählt. dazwischen wurde jeweils die Bühne pitch black (ohne Vorhang), bevor dann die Akteure mit Angehen des Lichts in ganz anderen Positionen wieder auftauchten. Es war mir ein völliges Rätsel, wie sie das in wirklich absoluter Dunkelheit (ich saß ja in Reihe 3 – da gab es wirklich keinerlei Bühnenlicht) geschafft haben, so schnell und ohne über Requisiten zu stolpern, sich neu zu platzieren. Faszinierend!

Wie erwähnt, setzt sich das Stück aus verschiedenen Prosa-Gedichten zusammen – und so gibt es dann auch mehr Monologe als Dialoge, die oft recht absurd und meistens ziemlich witzig waren. Hier mal je ein Beispiel von Erik und Ron (aus unterschiedlichen Szenen):

Erik erzählt davon, wie er seine schwedischen Verwandten aufgespürt hat, wie verbunden er sich mit ihnen gefühlt hat. Doch dann:

But as it turned out we had come to the wrong farm. Lars-Olaf said, ‚I think I know your people, they live about three miles from here. If you like I could give them a call.‘ I said no, that wasn’t necessary, this was close enough.

Ron:

Don’t talk to me about allergies. My family. Lyle can’t eat any onions or garlic. Ann can only eat onions if they are well cooked and cut into tiny pieces. Jim is extremely allergic to nuts. Phil is allergic to shellfish. Steve has a violent reaction to celery. Patricia is allergic to beef. Connie cannot eat processed meat. No fat for Joe. Dennis cannot eat any spicey food. Frank believes he is allergic to vinegar. Michael is allergic to eggs and certain fish. Charlie and Sue do not eat meat, except fish. Thomas will eat no vegetables and no fish… ‚Ick!‘ Dylan eats no meat or dairy products, except once when he ate an entire large cheese pizza. Peter will not eat cheese. Richard won’t eat anything. Almost no one drinks anymore except Walt who drinks too much and has to be sent home in a taxi. Elaine cannot stand Caroline so they have to be seated at opposite ends of the table. More, anyone?

Da kann man sich richtig vorstellen, wie eine Familienfeier aussehen muss… 😉

Wer straight-forward story-telling erwartet, wird mit diesem Stück, das schon stark in Richtung Absurdes Theater geht, nicht so viel anfangen können. Ich fand es extrem unterhaltsam! Mark Rylance spielt seinen Charakter ein bisschen so, als hätte er schon ein paar Bierchen zu viel intus, seine Sprache ist etwas undeutlich, fast lallend (auf jeden Fall schwierig zu beschreiben), entsprechend mit passender Mimik. Völlig anders, als ich ihn jemals gesehen habe, mit gutem comedic timing. Aber auch die anderen Schauspieler haben mir richtig gut gefallen, jede/r einzelne war ein richtiges Unikat.

Quelle: londontheatredirect.com Raye Birk und Kayli Carter

Quelle: londontheatredirect.com Raye Birk und Kayli Carter

Quelle: thestage.co.uk

Dieses Stück ist wirklich mal etwas ganz anderes, zumal auch noch Puppenspiel dabei ist. Hat mir sehr viel Spaß gemacht!

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