Neulich beim SNEAKen: Nocturnal Animals (Tom Ford, USA 2016)

Der zweite Film mit Amy Adams in der Sneak Preview innnerhalb von vier Wochen – und dann noch in der Kombination mit Jake Gyllenhaal (+ Armie Hammer + Aaron Taylor-Johnson)! Da waren sowohl wir zwei Sneak-Frauen, als auch hurzfilm schon mal zufrieden mit der Ausgangslage. 🙂

Der Film beginnt mit tanzenden nackten Frauen, allerdings solchen, die nicht den gängigen Erwartungen darüber entsprechen, wer sich nackt auf eine Bühne stellen sollte. Was das mit dem Film zu tun haben sollte, fragten sich wohl alle, und ich möchte das auch nicht auflösen, denn, wie immer bei Sneak-Filmen, versuche ich Spoiler zu vermeiden und überhaupt möglichst wenig über den Inhalt des Films zu verraten. Und so hier nur ganz kurz die Rahmenhandlung: Susan (Amy Adams) ist die Betreiberin einer angesehenen Kunstgalerie in Los Angeles und verheiratet mit dem gutaussehenden Hutton (Armie Hammer), der allerdings ständig auf Geschäftsreise ist und nicht (mehr?) sonderlich viel Interesse für Susan zeigt. Eines Tages bekommt sie das Manuskript eines Buches zugesandt, das ihr Ex-Mann Edward geschrieben hat, unter dem Titel „Nocturnal Animals‟. Sie beginnt damit, das Buch zu lesen, und wir sehen quasi den Film, der bei Susan im Kopf beim Lesen abläuft. Dazwischen sieht man immer wieder, wie Susan auf die Geschichte reagiert und bekommt außerdem durch Flashbacks einen kleinen Einblick in die vergangene Beziehung zwischen Susan und Edward.

Wie nun diese drei verschiedenen Ebenen miteinander verknüpft werden, hat mir richtig gut gefallen! Der Schnitt ist wirklich hervorragend, ebenso – nicht anders zu erwarten bei Regisseur und Modedesigner Tom Ford – der ganze Look des Films: Die Gegenwart von Susan stylish, kühl und clean, die Story des Buches (, die schon wieder in West-Texas spielt, wie zuletzt Hell or High Water) eher dreckig, mit tollen Aufnahmen der leicht trostlosen Landschaft, die Rückblenden versprühen etwas mehr Wärme, als die Szenen, die in Susans Gegenwart spielen.

Quelle: joblo.com

Die Besetzung ist auch vom Feinsten: Amy Adams überzeugt als ehrgeizige, aber trotzdem tieftraurige Frau aus dem Kunstbusiness genauso wie als Sprachwissenschaftlerin in Arrival, auch wenn mir ihr Charakter in diesem Film nicht so sympathisch ist wie der in Villeneuves Film. Jake Gyllenhaal ist erneut großartig – als Edward in den Rückblenden simply adorable, als Tony Hastings in seinem eigenen Roman verzweifelt, auch ob seiner eigenen Schwäche. Armie Hammer bleibt dagegen sehr blass(, auch wenn er braun gebrannt ist 😉 ). Das ist sicher beabsichtig und der Rolle gemäß, aber auch sehr, sehr schade, wenn man noch seinen furiosen Auftritt in The Man from U.N.C.L.E. (Oh nein, ich habe Illya in meiner 6×6-Liste vergessen!!!) im Kopf hat. Für mich durchaus ein Schwachpunkt des Films, weil die Rolle im Grunde genommen hätte beliebig besetzt werden können. Der eigentlich so hübsche Aaron Taylor-Johnson (Kick-Ass, Savages, Anna Karenina, The Avengers: Age of Ultron) zeigt seine Wandlungsfähigkeit und spielt hier mit Hingebung ein fieses, gewalttätiges Arschloch. Apropos Wandlungsfähigkeit: Michael Shannon ist ja ein weiteres Paradebeispiel für einen Schauspieler, der völlig in seinen Rollen aufgeht (diesmal ein texanischer Sheriff, von weniger Wochen noch als Elvis in Elvis & Nixon gesehen), sodass man im Grunde genommen keine Ahnung hat, wie der Schauspieler an sich ist. Hut ab! (Weitere Rollen werden von Michael Sheen und Isla Fisher gespielt.)

Eigentlich stimmt also (fast) alles in diesem Film (bis hin zum offenen, abrupten Ende) – und doch konnte er mich emotional nicht so erreichen, wie ich es mir gerne gewünscht hätte. Denn trotz der furchtbaren Dinge, die im Roman passieren, und der emotionalen Reaktionen darauf – sowohl durch den Roman-Protagonisten Tony als auch durch die Leserin Susan – war ich nicht so involviert, dass mir das richtig nahe gegangen wäre.

Deswegen komme ich zu einer Bewertung von „nur‟ 7,5 Punkten, betone aber, dass der Film auf jeden Fall sehenswert ist!

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7 Antworten zu Neulich beim SNEAKen: Nocturnal Animals (Tom Ford, USA 2016)

  1. Nummer Neun schreibt:

    Ohja, den habe ich auch schon gesehen – ziemlich toller Film, allerdings hat mich das Buch mehr begeistert als die Rahmenhandlung. Ich übelege übrigens noch, ob ich Elvis & Nixon noch nachholen sollte.

  2. mwj schreibt:

    Ich möchte den auch noch sehen, befürchte aber dass er hier in der Provinz nicht im Kino laufen wird.

  3. wordBUZZz schreibt:

    Oah ich und mein Vater diskutieren seit Wochen ob wir in den Film gehen sollen oder nicht. Er möchte, ich nicht. Ich bin kein Fan von solchen Filmen… Ich bin für Soy Nero in den er wiederrum nicht will. Vielleicht hilft ja deine Rezension, dass wir uns einigen können. Danke 😉

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