Neulich beim SNEAKen: Hell or High Water (David Mackenzie, USA 2016) – Kurzkritik

Als am Freitag Nacht die Opening Credits mit den Verleih- und Produktionsfirmen auf der Leinwand erschienen, war es mir schnell klar: Den Film habe ich schon gesehen – und zwar vor drei Monaten in Corvallis, Oregon. Enttäuscht war ich trotzdem nicht, denn der Film ist gut genug, um ihn auch beim zweiten Mal zu genießen. Vielleicht sogar noch mehr!

Ich habe ja damals auch eine Kurzkritik – live and direct from the USA – gepostet, die aber vielleicht viele übersehen haben, weil ich sie in meine „A Picture a Day“-Reihe eingereiht habe. Deswegen erlaube ich mir, mich selbst zu zitieren und noch ein paar Gedanken, die mir bei der zweiten Sichtung gekommen sind, hinzuzufügen.

Der Film um zwei Brüder (gespielt von Chris Pine und Ben Foster), die aus den richtigen Gründen das Falsche tun, fängt zwar gleich mit dem ersten Bankraub an, entwickelt sich dennoch zunächst recht gemächlich. Neben den Brüdern lernt man zwei (Texas-)Ranger kennen, den kurz vor dem Ruhestand stehenden Marcus (Jeff Bridges) und den indianisch-mexikanischen Alberto (Gil Birmingham). In dieser ersten Hälfte des Films wird auch klar, unter welchen desolaten Umständen viele in West-Texas leben (gedreht wurde allerdings in New Mexico).

Ab dem vierten Bankraub nimmt dann die Spannung enorm zu, Showdown inkl. Der Film hat viele Zutaten eines klassischen Western: Gesetzlose vs. Gesetzeshüter, Bankraub, Schießereien, Cowboys und Indianer… Aber sympathisch findet man Menschen auf beiden Seiten. Selbst als die Situation eskaliert, wünscht man niemandem den Tod. Aber die Taten haben Konsequenzen…

Stellenweise recht witzige Dialoge (aber sicher keine Komödie – beide Seiten erleiden Verluste), sehenswerte schauspielerische Leistungen, auch in Nebenrollen, tolle und gleichzeitig irgendwie trostlose Landschaft, passende (Country-)Musik, und das gute Drehbuch von Taylor Sheridan (Sicario) haben zu einem sehr gelungenen Kinoabend geführt. Ach, und Jeff Bridges war einigermaßen zu verstehen… 😉

Eigentlich habe ich in knappen Worten alles wichtig erwähnt, merke ich beim Durchlesen. Ich möchte trotzdem noch mal ein paar Aspekte herausstellen, die eben dazu beitragen, dass der Film auch bei der zweiten Sichtung nicht nachlässt.

Erstmal: Jeff Bridges! Er hat für die Darstellung des Marcus eine Oscar-Nominierung verdient – und sei es nur für eine einzige Szene, in der er zeigt, was für ein begnadeter Schauspieler er ist. Alle anderen Rollen sind aber auch großartig besetzt.

Der Cinematographer Giles Nuttgens hat einen sehr guten Blick dafür, wie man auch den Verfall der gezeigten Region irgendwie schön finden kann. Ich mag so etwas ja auch selbst beim Fotografieren, deswegen gefällt mir das in diesem Film besonders. Die Landschaft wird auch ambivalent dargestellt: Einerseits sind diese Weiten breathtaking, aber gleichzeitig auch irgendwie bleak. Ich konnte mich auf jeden Fall kaum satt sehen.

Die Musik von Nick Cave und Warren Ellis, zusammen mit den Original Songs, passt perfekt zur Szenerie und fängt die Stimmung wundervoll ein.

Vor drei Monaten schwankte ich noch zwischen 7,5 und 8 Punkten – nach der zweiten Sichtung gehe ich mindestens auf 8 von 10 Punkten.

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14 Antworten zu Neulich beim SNEAKen: Hell or High Water (David Mackenzie, USA 2016) – Kurzkritik

  1. butmadnorth schreibt:

    Von mir kriegt er 9.5. Der halbe Punkt Abzug ist, weil mir sofort klar war, wer überlebt und wer nicht, aber sonst hab ich seit ewig keinen Film mehr gesehen, in dem von Script, Regie, Schauspiel, Cinematography, Musik, etc alles so gepasst hat. Keine Plotholes und eine Schande, dass es keine Preise für Best Casting gibt, das Casting Department hätte es echt verdient.
    Kommt in mein Regal zu Rio Bravo und Convoy, die werden sich glaub ich gut verstehen 😉

    • singendelehrerin schreibt:

      🙂 Was du bzgl. des Casting sagst, da stimme ich dir absolut zu. Bis in die kleinste Nebenrolle (die Bedienungen in den Diners!) absolut stimmig besetzt.

      Ja, vielleicht sind auch 8 Punkte immer noch zu wenig… Naja, ich sagte ja, „mindestens 8“. Auf jeden Fall wünsche ich dem Film, dass er so viel Beachtung bekommt, wie er es verdient!

    • singendelehrerin schreibt:

      PS: Schön, von dir zu lesen! 🙂

      • butmadnorth schreibt:

        Likewise! Ich hoffe ich darf wieder zu dem München-Meeting und wir kriegen wieder ein Frühstück hin 🙂
        ‚What don’t you want?‘ werd ich sicher irgendwann mal in irgendeiner Form verwenden müssen 😉 Die war göttlich. Ich hab bei dem Film mehr gelacht als bei den meisten Komödien. Hast du den Drehbuchautoren gespottet? Der hatte auch eine Nebenrolle.

        • singendelehrerin schreibt:

          Bzgl. Frühstück sieht es in diesem Schuljahr eher schlecht aus, wenn das wieder freitags wäre, weil ich da ab 8:15 Unterricht habe. 😦 Müsstest halt mal noch einen Tag anhängen, mit in die Sneak Preview gehen und erst am Samstag heimfahren! Könntest dann auch von Freitag auf Samstag bei mir übernachten. 😉

          Ich habe beim zweiten Mal fast noch mehr gelacht, vielleicht auch, weil ich noch mehr verstanden habe.

          Oh – Taylor Sheridan war der heiße Cowboy!?!! Wow! ❤

          • butmadnorth schreibt:

            Ja, das Meeting ist immer Donnerstag Abend. Die Idee hat was. Wenn ich das Zugtechnisch genehmigt bekomme gerne!
            Ah so ist das bei dir. Heiße Cowboys 😉 Ja, ich kannte das Gesicht noch aus Veronica Mars, sonst hätte ich das auch nicht bemerkt.
            So, jetzt trabe ich bei Minusgraden gen Wahllokal und genehmige mir dann mit meinem Schwesterherz ein paar Glühweine, um das Wahldrama ertragen zu können.

          • singendelehrerin schreibt:

            Das wäre echt toll! 🙂 Wann ist denn überhaupt das nächste Meeting? Nicht dass ich da grad wieder in London bin… 😛

            Stimmt ja, bei euch steht ja die Wahl an! Ich drücke die Daumen…

          • butmadnorth schreibt:

            Ui, das Save the Date war glaub ich für irgendwann im März, schau ich in der Firma nach und mail dir das Datum.
            Bist du im Jänner in London?
            Danke, können wir brauchen. Angst.

          • singendelehrerin schreibt:

            OK.
            Bin mit einer Freundin 5.-7.1. in London. Leider nur so kurz. Aber, ähm, dafür fliege ich ja quasi fast einmal im Monat nach London, von Dezember bis April. 😮 😀

          • butmadnorth schreibt:

            Wir sind bis 6. dort, da sollten wir noch reden 😉
            Oh, dann halten wir uns am Besten gegenseitig auf dem Laufenden. Mein üblicher Februar wackelt leider.
            Bloody hell, ich hab mindestens einen Glühwein zu viel intus und fürchte mich immer noch vor dem Wahlausgang. Dafür bin ich durchgefroren…

          • singendelehrerin schreibt:

            Ach, das wäre ja schön, wenn wir da ein Treffen hinkriegen! 🙂 Dann kann ich endlich auch mal deine Schwester kennenlernen! 🙂

          • singendelehrerin schreibt:

            Hey, sieht ja so aus, als wäre der Kelch nochmal an Österreich vorübergegangen! 🙂

          • butmadnorth schreibt:

            Gottseidank! Um 5 wurden die letzten Wahllokale geschlossen, um 17:10 hatten wir einen grünen Präsidenten. Das war sicher, weil wir gerade unser länderübergreifendes English Breakfast fixiert haben 😉

          • singendelehrerin schreibt:

            Bestimmt! 😉

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