Liebster Award 2016 #3

In den letzten Monaten bin ich um die Ehre (und die damit verbundene Pflicht 😉 ) eines Liebster Awards herumgekommen, doch nun hat pimalrquadrat mich mit den Fragen, die er von Zeilenende bekommen hatte, beworfen – und so erfahrt ihr heute wieder mal etwas mehr über mich (als ihr wissen wolltet… 😉 ).

Ich selbst habe eigentlich gerade verdammt viel um die Ohren, wegwegen ich den Liebster Award nicht, wie es sich eigentlich gehört, weiterreiche (inkl. eigener 11 Fragen). Fühlt euch aber eingeladen, mir in den Kommentaren zu der ein oder anderen Frage (oder Antwort) euren Senf dazuzugeben.

Achtung – die Antworten sind eher lang (und ernsthaft) ausgefallen! 😉

1.Wenn du ein Amphibium wärest, welches wärest du warum?

Eine Fröschin, die darauf wartet, geküsst zu werden und sich dann in eine wunderschöne Prinzessin verwandelt? Ach nein, ich will gar keine Prinzessin sein… Irgendwie gefällt mir der Feuersalamander besser, denn über den habe ich gerade gelesen, dass er es schafft, trotz seiner auffälligen Färbung recht unentdeckt zu leben, weil er sich gut versteckt und tagsüber nur während oder nach Regen nach draußen kommt. Das passt ein bisschen zu dem Kapitel aus Amy Schumers Buch The Girl with the Lower Back Tattoo, das ich gerade gehört habe: „I’m an introvert‟. Wie sie beschreibt, dass sie bei Feiern oder Partys sich eher in Ecken zurückzieht oder zwischendurch sich auch mal ins Badezimmer verzieht – das hat mich doch irgendwie an mich erinnert. Ich brauche auch „Ich-Zeit‟, gerade als Ausgleich zu meinem Job, in dem ich ständig mit 20-30 Schülern in ein Zimmer „gesperrt‟ bin. (Wow, ich hätte ja nicht gedacht, dass ich das Thema tatsächlich bei dieser Frage würde unterbringen können! 😉 )

2. Was spricht gegen Kuchen zum Frühstück?

Nicht viel – wenn ich vorher etwas Herzhaftes zu mir genommen habe. Ich esse – bei ausführlichen Frühstücks am Wochenende o.ä. – gerne erst Wurst und/oder Käse, und dann etwas Süßes hinterher. Wenn gerade Kuchen angeboten wird, warum nicht? Aber lieber esse ich Kuchen am Nachmittag. Der Vier-Uhr-Tee mit Kuchen oder Gebäck ist in meiner Familie Tradition – Hüftgold inklusive! 😉

3. An welchen Ort deiner Kindheit wünschst du dich manchmal zurück?

Auf den Pferderücken. Ich bin vier Jahre lang in einer Reitschule geritten, bekam relativ bald dann auch die etwas schwierigeren, jungen Pferde zugeteilt, was eine Auszeichnung, aber auch handfeste Arbeit war. Als die Reitschule schloss, war meine „Reiterkarriere‟ beendet. Vor ein paar Jahren, als meine Nichte noch ritt, bin ich mal eine Reitstunde mitgeritten – und ich kann sagen: Reiten ist nicht wie Fahrradfahren! Es fiel mir so schwer, wieder das Gefühl dafür zu bekommen, wie ich mit dem Pferd umgehen muss, wie ich ihm vermitteln kann, was ich von ihm möchte. Da wünschte ich mich manchmal zurück in die Kindheit bzw. frühe Jugend, um auch wieder diese Unbeschwertheit im Umgang mit Pferden zu erleben.

4. Kann man den kairos erkennen und nutzen?

Spätestens hier weiß man, dass diese Fragen ursprünglich von Zeilenende stammen müssen… Für alle, die – wie ich – nicht wissen, was das ist, sagt Wikipedia:

Kairos (griechisch Καιρός) ist ein religiös-philosophischer Begriff für den günstigen Zeitpunkt einer Entscheidung, dessen ungenutztes Verstreichen nachteilig sein kann.

Also, ich habe in meiner langsam entstehenden Altersweisheit :-/ 😉 das Gefühl, dass ich immer mehr solche Momente erkenne, aber weniger, was so große Entscheidungen in meinem Leben anbelangt, sondern eher solche Momente, in denen ich mir denke, „Wenn du dich jetzt hier nicht überwindest und *diesoderjenes* tust, dann wirst du es später bereuen,‟ Banales Beispiel: Als ich Michael Keaton im Theaterpublikum entdeckte, da dachte ich mir, „Ich MUSS zu ihm gehen und ihm sagen, wie großartig er in Birdman war.‟ Hinterher bereue ich trotzdem fast jedes Mal, dass mir das ein oder andere dann doch nicht eingefallen ist. Auch bei „normalen Menschen‟, die es mir wert erscheinen, dass sie evtl. Teil meines Lebens werden, wage ich inzwischen immer häufiger den Schritt, den Menschen auf irgendeine Art und Weise zu sagen: „Ich finde dich toll!‟ Hier bei der Bloggerei habe ich z. B. manche Blogger, zu denen ich fühlte, einen besonderen Draht zu haben, dann irgendwann auch per Mail angeschrieben. Ich habe (meistens) keine Angst (mehr) vor dem ersten Schritt. Weiß nicht, ob das auch nur im Entferntesten mit „kairos‟ gemeint ist…

5. Was treibt dich an?

Puh, schwierige Frage. Ich fürchte ja oft, dass es die (Sehn-)Sucht nach Anerkennung ist. Was sich irgendwie immer etwas negativ anfühlt, so als wäre ich nicht selbstbewusst genug. Und irgendwie stimmt das wohl auch. Obwohl ich – wie soeben ausgeführt – meine Schüchternheit beim „Erstkontakt‟ einigermaßen abgelegt habe, bin ich doch im Innern immer noch ein bisschen unsicher. Bin ich eine gute Lehrerin? Bringe ich meinen Schülern etwas Nachhaltiges bei, das sie auf ihrem Lebensweg voranbringt? Wie glücklich macht es mich, wenn ab und zu sich mal einzelne Schüler oder Klassen bei mir bedanken, sei es, wenn sie eine unerwartet gute Note geschrieben haben, mir ein zu mir passendes Abschiedgeschenk machen – oder wenn sie ein halbes Jahr nach ihrem Abschluss mir eine Karte aus Asien schicken. Eine Karte, die ich ihnen zum Abschied geschenkt hatte (mit letztem Arbeitsauftrag sozusagen – ein Beispiel dafür findet sich HIER), und die sie tatsächlich mit auf die Reise genommen haben. Das sind Glücksgefühle, die manche Unsicherheit ausgleichen. Schwer fallen mir dagegen Konflikte mit Schülern, insbesondere das Feilschen um bessere Noten. Da fühle ich mich kritisiert, was mich wiederum verunsichert: Habe ich wirklich objektiv (so weit es geht) bewertet?

Und in meiner Freizeit? Da findet sich das Phänomen, dass ich selbst keine Likes vergebe, mich aber trotzdem über jedes Like zu einem Artikel von mir freue. Und ja, ich stehe gerne singend auf der Bühne, und zwar zum großen Teil auch wegen des Applauses. Oder wegen der Tränen in den Augen des Publikums. Einmal habe ich beim Probewochenende meines (leider inzwischen wieder aufgelösten) Ensembles „Into the West‟ (aus der Rückkehr des Königs) meinen SangeskollegInnen vorgesungen und unserer Sopranistin sind die Tränen runtergelaufen! Best compliment for my singing EVER!

Würde ich schreiben oder singen, ohne jegliches Publikum? Bei der Musik würde ich sagen, klares ja. Das Singen an sich kann auch schon große Glücksgefühle erzeugen, vor allem wenn man in Gemeinschaft singt. Beim Schreiben bin ich mir weniger sicher. Es gibt da sicher ein inneres Bedürfnis, meine Gedanken zu „Papier‟ zu bringen – als Kind und Jugendliche habe ich auch Tagebuch geschrieben – , aber ob ich so viel schreiben würde, wenn ich diesen Blog nicht hätte (und eine Leserschaft, die ich mir im Traum nicht hätte vorstellen können)… Wahrscheinlich nicht.

Was mich aber außerdem antreibt, ist die (Sehn-)Sucht nach Erlebnissen, die etwas in mir berühren, die es verhindern, im Alltag des Berufslebens „zu versauern‟, seien es meine Theaterbesuche und Stagedoor-Begegnungen, sei es das Singen, die Fotografie, das Reisen, aber auch Filme, Bücher und Serien. Und letztlich ist es auch mein Beruf selbst. Der Lehrerjob ist jeden Tag anders, der selbe Stoff in zwei unterschiedlichen Klassen kann völlig unterschiedlich aufgenommen werden. Manchmal (eher selten, aber immerhin) habe ich bei besonders tollen Referaten oder Diskussionen schon Tränen in den Augen gehabt. Frust und Enttäuschung sind natürlich auch immer mit im Gepäck, aber eins ist mein Job keinesfalls: eintönig.

6. Was hält dich auf?

Meine partielle Faulheit im Zusammenspiel mit Prokrastination, Unordentlichkeit (hält extrem auf, wenn ich etwas suche 😦 ), die Tatsache, dass ich nicht immer und jeden Tag hochmotiviert bin, sondern manchmal auch einfach nur abhängen will – oder kann. Und: Ich habe nicht genügend Ehrgeiz und Biss, um zum Beispiel das große Publikum für meine musikalischen Ambitionen anzustreben. Ein wenig mangelt es mir auch in mancher Hinsicht an Selbstdisziplin, bzw. setze ich die Prioritäten anders, was vielleicht für einen Bereich gut ist, aber mich in einem anderen aufhält. Bestes Beispiel: Ich sollte jetzt lieber korrigieren, damit ich nicht irgendwann in Zeitnot gerate und mich über mich selbst ärgere; am Freitag Nachmittag/Abend aber ist es mir äußerst zuwider, etwas für die Schule zu tun. Ich würde mir manches erleichtern, wenn es nicht so wäre und ich auch diese Zeiten nutzen würde. Ich weiß das. Und kann/will es doch (meistens) nicht ändern.

7. Was möchtest du in diesem Jahr unbedingt noch tun?

Etwas Persönliches zu Ed Harris an der Stage Door sagen, über das er sich freut. Ein Ticket für The Red Barn ergattern und Elizabeth Debicki an der Stage Door sagen, dass sie für mich das Beste an The Great Gatsby war. Einen längst überfälligen Rückblick auf die Serien und Filme schreiben, die ich seit September gesehen habe. Fotogeschenke diesmal rechtzeitig zu Weihnachten zu gestalten und zu bestellen. (Also müsste ich eigentlich dieses Wochenende anfangen…) Rogue One sehen.

8. Was möchtest du nie wieder tun?

Es gibt tatsächlich sehr, sehr wenig in meinem Leben, das ich bereue. Es gibt Filme, die ich mir nie wieder ansehen würde, klar. Vielleicht zwei Dinge: Ich möchte nie wieder auf der Fahrt mit der Seilbahn von der Zugspitze ins Tal ohnmächtig werden. Und ich möchte nie wieder Menschen, die mir etwas bedeuten, nicht sagen, dass sie mir etwas bedeuten. Da bin ich ja auf dem richtigen Weg (siehe oben).

9. Ein kluger Mensch hat einmal gesagt: „Wer nicht über seinen Verhältnissen lebt, hat keine Selbstachtung. Und wenn Oscar Wilde das nicht gesagt hat, ist das ab sofort mein Zitat.“ Was ist dran?

Hm. Mein Ex lebte über seinen Verhältnissen und hatte ständig Schulden. Ich hatte dann auch erstmal Minus auf dem Dispo, als ich nach der Trennung nach München kam. Seit ich aus dem Minus bin, habe ich eine Allergie gegen Schulden, weswegen ich mir mit dem Zitat enerseits schwer tue. Ich habe mir auch noch nie etwas auf Pump (Darlehen, Ratenzahlung) gekauft. Für mich hat „über seinen Verhältnissen leben‟ im Sinne von „mehr Geld ausgeben, als man hat‟ häufig eher etwas mit wenig Selbstachtung zu tun. Meines Erachtens versuchen viele eher, mangelnde Selbstachtung dadurch zu kompensieren.

Andererseits bin ich auch keine allzu große Sparerin: Jetzt, da ich es mir leisten kann, fliege ich eben mehrmals im Jahr nach London und schaue mir an zwei Tagen drei Theaterstücke an. Das fühlt sich schon manchmal nach „über meinen Verhältnissen‟ an, etwas großkotzig fast. Mitten im Schuljahr kurz vor Weihnachten, mal schnell nach London jetten, dabei könnte man das Geld auch in Weihnachtsgeschenke stecken… Aber da versuche ich inzwischen die Haltung zu haben: Ja, ich gönne mir das, ich finde, ich habe mir das verdient (→ Selbstachtung).

10. Ein anderer kluger Mensch hat einmal gesagt: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders.“ Könntest du anders?

Bei vielen Dingen: Nein. Es gibt Meinungen und Angewohnheiten, mit denen ich nicht leben kann. Ich könnte z. B. keine Beziehung mit einem Raucher führen. Hab das mal im Ansatz versucht, das geht gar nicht. Für ein kurzes Techtelmechtel könnte ich vielleicht drüber wegsehenriechen, aber bei einer dauerhaften Beziehung könnte ich da nicht aus meiner militanten Nichtraucherhaltung raus. Bei Drogen- und übermäßigem Alkoholkonsum habe ich auch meine Probleme. Jemand, der ein paar mal im Jahr an einem Joint zieht, wenn jemand einen hat, OK, aber jemand, der sich ab und zu Koks reinpfeift oder zur Wiesn-Zeit (Oktoberfest für die Nicht-Oberbayern) eine Woche quasi im Dauerrausch verbringt, der käme für eine Beziehung nicht in Frage, und auch als gute Freundin hätte ich da wahrscheinlich meine Probleme damit. Da kann ich auch aus meiner Haut nicht raus. Dafür mache ich Zugeständnisse, was Leidenschaften von mir anbelangt. Es gibt tatsächlich Menschen in meinem Umfeld, die sich null für Herr der Ringe interessieren. 😮 Damit kann ich mich arrangieren. 😉 Mit Intoleranz, Sexismus, Rassismus und Gewalt dagegen nicht.

11. Lächelt dein Spiegelbild dich an?

Ich habe an meinem Spiegel in meinem Bad den Spruch von Voltaire: „Da es sehr förderlich für die Gesundheit ist, habe ich beschlossen, glücklich zu sein.‟ Ich versuche, das als Lebensmotto in mir zu tragen. Das gelingt mir nicht immer. Ich bin auch nicht immer mit mir zufrieden, gerade wenn ich mir durch eines der unter 6. vorgestellten Hemmnisse selbst das Leben schwer mache. Und ja, wie FriedlvonGrimm festgestellt hat, als ich bei ihr war, das Thema „Figur‟ ist bei mir etwas, das meinen Blick in den Spiegel auch mal kritisch ausfallen lässt. Aber grundsätzlich bin ich mit dem, was ich im Spiegel sehe (auch hinter der Schale) zufrieden.

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9 Antworten zu Liebster Award 2016 #3

  1. wordBUZZz schreibt:

    Lehrer sind in der Lage zu prokrastinieren? ;D

    Kuchen zum Frühstück kein Problem geht auch als Snack, Abendessen und Mittagsessen sowie Supper…

    Dank meiner Introvertiertheit hatte ich schon sehr interessante Klogespräche… Man lernt Menschen soviel besser außerhalb des Rampenlichts kennen

    • singendelehrerin schreibt:

      OH ja, Lehrer prokrastinieren! Es gibt sicher auch welche, die totaaaal diszipliniert sind und alles sofort erledigen, aber ich gehöre nur eingeschränkt dazu, ich habe mich tatsächlich schon deutlich gebessert, was das anbelangt (früher musste ich häufig Nachtschichten einlegen, um Arbeiten, die spätestens am nächsten Tag rausgegeben werden mussten, fertig zu korrigieren. Das kommt in dieser Extremform nicht mehr vor), worauf ich auch einigermaßen stolz bin, aber prinzipiell liegt mir das Prokrastinieren irgendwie im Blut.

      Ah, ein Kuchen-Liebhaber! 🙂

      Klogespräche… Danke für die Bilder im Kopf! 😛 😀

  2. Anica schreibt:

    Als ebenfalls introvertierte Person klingt der Feuersalamander sehr gut. 😉

    Ich mag deine Antwort zur vierten Frage. Ich versuche auch, mehr von mir aus auf Menschen zuzugehen und ihnen einfach ein Kompliment zu machen oder sie einfach anszusprechen oder wenn ich sie schon länger kenne, ihnen zu sagen, wie wichtig sie mir eigentlich sind – aber es fällt mir doch sehr viel schwerer als es mir lieb ist. Und jedes Mal, wenn ich es dann nicht getan habe, bereue ich es hinterher – was mich aber beim nächsten Mal gleichzeitig auch anspornt.

    Deine Antwort zu Frage 5 finde ich auch sehr interessant – weil es mir genauso geht. Ich denke auch immer wieder darüber nach, ob ich vieles nicht nur wegen der (Sehn-)Sucht nach Anerkennung will oder tue, vor allem bei mir auch auf das Schauspielen bezogen. Aber wie du es auch mit der Musik sagst – wenn ich dann weiter drüber nachdenke, ist mir auch klar, dass ich es einfach um des Schauspielen willens liebe und auch ohne Publikum, wenn man z.B. in einer kleinen Gruppe zusammen spielt, es niemals aufgeben würde. Beim Schreiben dagegen geht es mir wohl genauso wie dir.
    Und auch was du danach geschrieben hast – dass dich „die (Sehn-)Sucht nach Erlebnissen, die etwas in mir berühren“ antreibt, kommt mir sehr bekannt vor – ich habe sogar eine Liste, auf der ich alles aufschreibe, was ich zum ersten Mal erlebt habe oder neu war, also alles, was vom Alltag abweicht, und ich bin für jeden dieser Momente dankbar. Auch währenddessen freue ich mich immer wieder einfach darüber, dass ich die Möglichkeit habe, diese Momente zu erleben.

    Was du zu Frage 10 schreibst, dass du bei manchen Themen auch als Freundin Probleme hättest und dich nicht damit arrangieren könntest, z.B. Intoleranz, Sexismus, Rassismus und Gewalt – danke, ich fühle mich verstanden. Ich habe letztens erst jemandem quasi die Freundschaft gekündigt, weil sie Trump gewählt hätte, hätte sie wählen dürfen, und bereit war, über all seinen Sexismus und Rassismus und eventuellen Missbrauch eines Kindes hinwegzusehen. Mehrere Personen aus meinem Umfeld meinten, dass ich erst mal darüber schlafen sollte und dass eine politische Entscheidung doch kein Grund wäre, eine Freundschaft zu beenden. Aber ich finde, dass man manche Dinge einfach nicht so akzeptieren kann oder sollte und mit solchen Menschen möchte ich einfach nichts zu tun haben.

    Zu 11.: Ich mag das Zitat. 🙂

    • singendelehrerin schreibt:

      Danke fürs Teilen deiner Gedanken! 🙂 In Bezug auf 4.: Du bist ja noch jung – schau mal, wie lange ich gebraucht habe, um das umzusetzen! 😉 Und trotzdem gibt es auch bei mir immer noch Situationen, in denen ich die Gelegenheit verstreichen lasse… Das Leben besteht einfach aus lebenslangem Dazulernen!

      Puh, jemandem die Freundschaft aus politischen Gründen zu kündigen, klingt tatsächlich erstmal hart – zumal es sich ja hier „nur“ um „ich HÄTTE Trump gewählt“ handelt. Und wahrscheinlich hätte ich dir auch erstmal den Rat gegeben, die erste Enttäuschung erstmal sich setzen zu lassen. Gleichzeitig verstehe ich dich und dein Entsetzen aber auch. Da meint man, jemanden zu kennen… Ich war einmal total entsetzt als ein naher Verwandter von mir beim Thema „Kindesmissbrauch“ in unmittelbarer Reaktion sagte: „Die gehören auf den elektrischen Stuhl!“ (oder etwas in der Art). Als jemand, der die Todesstrafe vehement ablehnt und bisher davon ausgegangen war, dass diese Person, die mich immerhin in meinen Werten geprägt hat, auch dagegen ist, war ich fix und fertig und bin erstmal in Tränen ausgebrochen. Im weiteren Gespräch zeigte sich dann, dass das einfach „nur“ eine höchst emotionale Reaktion gewesen war und sich prinzipiell nichts an den Werten, für die bisher dieser Mensch für mich gestanden hatte, geändert hatte.

      Ich tue mich auch schwer mit Trump-Verteidigern, die meinen, dass er lauter bellt als er beißt. Bei manchen Themen fällt es dann einfach schwer, rational zu bleiben. Klar muss man jetzt erstmal sehen, wie seine Politik dann tatsächlich aussehen wird, aber das ändert auch bei mir nichts an der Tatsache, dass mir dieser Mensch mit seinen Ansichten und seinem bisherigen Handeln einfach zuwider ist.

      • Anica schreibt:

        Gern! Haha ja^^ Wird schon.
        Ja… ich habe es dann auch erst mal ruhen lassen und ein paar Tage später geantwortet, aber es hat nichts geändert. Klar geht es hier nur um das „hätte gewählt“, aber dass sie eben einfach ignorieren kann, dass er eventuell ein Kind missbraucht hat, dass durch seine Wahl eben all der Rassismus und alles unterstützt wird und so viele dadurch tatsächlich in größerer Gefahr vor Gewalt sind als vorher, Angst haben,… naja.
        Und ja, mal sehen, was tatsächlich von Trump umgesetzt wird, aber einer der größten schlimmen Punkte ist eben einfach schon durch seine Wahl passiert. Plus Mike Pence, der macht mir viel mehr Angst als Trump.

  3. pimalrquadrat schreibt:

    Vielen Dank für die Antworten! 🙂
    Beim Lesen musste ich teilweise ganz schön schmunzeln, weil ich einiges davon wiedererkannt habe. So, unter uns introvertierten. 😉
    Das mit dem Reiten ist sehr schade, besteht denn die Möglichkeit, das wieder anzufangen? Ich weiß, Lehrer und Zeit, aber ein- bis zweimal die Woche? Wobei, du hats ja noch das Singen und die Besuche im Theater. Puuh, schwierig, wenn man so vielseitig interessiert ist. Und eben schade. 😦

    @4: Eine sehr gute und schöne Antwort! Ich freu mich doppelt darüber! 🙂

    @5 und 6: Das macht dich, das macht uns ja letztlich menschlich, nicht wahr? Das, was du zum Lehrersein schreibst, ging mir auch häufiger durch den Kopf, auch zu Zeiten der Nachhilfe. Ich will nicht sagen, dass das einen guten Lehrer ausmacht (Eigenlob und so), aber ich finde, es zeigt, dass du am rechten Fleck bist!

    Thema Selbstachtung: Sehe ich wie du!

    @10: Also, das mit dem HdR, da müssen die Leute schon ganz besonders sein, dass ich das nachsehe. 😀
    Es geht natürich darum, die Leidenschaften des jeweils anderen zu akzeptieren und sich auch auf etwas Neues einzulassen. Horizonterweiterung und so.
    Sonst stimme ich dir hier zu, da geht es mir wie dir. Rauchen, Drogen, übermäßig Alk, aber auch radikale Tendenzen, das ginge gar nicht.

    • singendelehrerin schreibt:

      Ich danke dir für die Nominierung! 🙂

      Theoretisch ginge das natürlich, mit dem Reiten wieder anzufangen, aber tatsächlich sehe ich momentan nicht, in welchem Bereich ich dafür gerne kürzer treten würde… Würde ich auf dem Land leben, wäre das vielleicht einfacher, aber von München aus dann irgendwo aufs Land zu einem Stall fahren, dort vielleicht eine Reitbeteiligung zu haben, das ist mir im Moment ein zu großer Zeitfresser.

      Und zu allem anderen: Wir sind halt Soulmates! ❤ 😉

  4. Zeilenende schreibt:

    Ich habe geschmunzelt, vor allen Dingen, weil ich das Voltaire-Zitat gar nicht kannte. Das kommt in meinen Weisheiten-Schatz. Danke sehr. 🙂
    Überhaupt wunderbare Antworten. Ich finde, sich etwas zu gönnen hat durchaus etwas mit „über seinen Verhältnissen leben“ zu tun. Die Gesellschaft wird in meinen Augen immer spießiger und toleriert normabweichendes Verhalten immer weniger. Da geht es weniger um grundsätzliche Sachen, sondern um Kleinigkeiten. Es ist legitim, so auszusehen, wie man aussieht, den zu lieben, den man liebt, Kinder zu kriegen und trotzdem zu arbeiten … Aber Spaß zu haben, das wird skeptisch betrachtet. Selbst der Spaß wird mittlerweile mit heiligem Ernst aufgeladen und moralisiert. „Einfach so“ macht man da nichts. Wer es dennoch tut, lebt über seine Verhältnisse. Die Dekadenz stirbt, was ich traurig finde.
    Und was den Kairos angeht: Griechische Philosophie hat was mit Lebenskunst zu tun, da geht es weniger um die großen Fragen des Lebens, als gerade um die vielen kleinen, die das Leben schön machen. Du darfst dich zukünftig als Meisterin des Kairos betrachten. 🙂

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