Blogparade: Impro-Geschichten

Die liebe Isabelle Dupuis hat mich zu ihrer Blogparade nominiert, die für mich eine ganz außerordentliche Herausforderung war:

Für meine Blogparade über Impro-Geschichten werde ich gleich drei Begriffe nennen, aus denen die Teilnehmer spontan eine kurze Erzählung stricken sollen, möglichst ohne vorher nachzudenken und ohne hinterher noch mal groß etwas zu verändern.[…]

So, dann kommen hier die drei Begriffe:

1. Wald
2. Messer
3. Hund

Uff, war mein erster Gedanke: Ich als Geschichtenerzählerin? Ich sehe mich bisher ja eher als „journalistische Schreiberin“, schreibe also über Erlebtes oder auch über Gedachtes. Jetzt etwas Fiktives? Einfach so, aus dem Stegreif? Das kann ich nicht! Oder vielleicht doch?

Nun, ich habe jetzt tatsächlich in ca. 15-20 Minuten eine kleine Geschichte geschrieben, inspiriert allerdings von dem Roman, den ich gerade lese (The Name of the Wind von Patrick Rothfuss). Ich steige nach einem für den jungen Kvothe lebensverändernden Ereignis ein und spinne eine etwas andere Geschichte daraus. Hey, im Grunde genommen ist das ja dann so eine Art Fanfiction. Allerdings erreiche ich natürlich nicht mal ansatzweise das sprachliche Niveau von Rothfuss, zumal ich ja auf Deutsch geschrieben habe.

Bevor ich euch nun mein Erstlingswerk präsentiere, muss ich aber vorwarnen: Hier ist nichts mit Lesen, Zurücklehnen und Entspannen. Isabelle Dupuis hat sich das nämlich so gedacht:

Am Ende nennt ihr dann eurerseits drei Begriffe (z. B. ein Ort, eine Figur, einen Gegenstand) und nominiert ein paar Teilnehmer eurer Wahl.

Das mach ich doch dann gleich mal vorweg – nicht dass euch meine Geschichte so anödet, dass ihr sie nicht zu Ende lest… 😉

Meine drei Begriffe für euch lauten:

  1. Raumschiff
  2. Mütze
  3. Klingone (sollte jemand Klingonen nicht kennen, shame on you! :mrgreen: )

Vier Kandidaten – neben der Initiatorin natürlich! – möchte ich rundheraus nominieren – es darf aber auch gerne jede/r, die/der möchte, gerne mitmachen:

  • Filmschrott ist natürlich dafür prädestiniert, weil er einfach ein begnadeter Schreiber ist und sich bestimmt eine Geschichte ausdenken kann, deren Verfilmung er dann selbst auf seinem Blog verreißen kann! 😀
  •  Von bullion habe ich auch schon den Beginn einer Geschichte gelesen, die mich sehr beeindruckt hat. Impress me again! 🙂
  • Und Zeilenende bringt als Philosoph und Trekkie dann richtig was zum Nachdenken aufs Papier! 😉
  • Fast hätte ich pimalrquadrat vergessen, für den ich ein Stück weit meine Geschichte mitgeschrieben habe. 😉

Ich weiß, das sind jetzt nur JungsMänner, damit will ich keineswegs ausdrücken, dass ich das keiner von meinen weiblichen Bloggerfreundinnen zutraue! Ihr dürft euch gerne auch austoben – nur diese drei Herren da oben sind mir eben sofort eingefallen!

Ich gebe euch – wie das Isabelle Dupuis in ihrem Ursprungsartikel auch gemacht hat – zwei Wochen, also bis zum 29.11., wenn ihr wollt, könnt ihr dann das Ganze als Stöckchen auch weiterreichen. Ich finde, es ist eine sehr spannende Idee!

Bitte sagt mir, wie üblich, hier in den Kommentaren mit Link Bescheid, wenn ihr euren Beitrag veröffentlicht habt – und ich glaube, Isabelle Dupuis freut sich auch drüber, wenn ihr bei ihr auch einen Kommentar hinterlasst.

Und jetzt *trommelwirbel* mein kurzer Beitrag:

Kvothe hatte sich nach der schrecklichen Entdeckung in den Wald zurückgezogen. Wie sollte es nun weitergehen? Er war völlig auf sich gestellt, hatte nur das Allernötigste vor dem Feuer retten können. In seinen fieberhaften Träumen, aus denen er regelmäßig schweißgetränkt aufwachte, erschien ihm immer wieder der Mann mit dem Messer. Von weitem sah Kvothe, wie der hochgewachsene Mann, der so dünn war, dass er keinen Schatten warf, das Messer drohend emporhielt und sich daran machte, in seine Richtung zu laufen. Jedesmal, wenn dies geschah, drehte sich Kvothe um, um zu fliehen und… wachte auf. Warum nur verfolgte ihn dieser Traum?

Tagsüber suchte er nach Wasser, sammelte Beeren, Pilze und essbare Wurzeln. Wie gerne hätte er nach diesen vielen Wochen im Wald auch einmal ein Stück Fleisch gegessen, doch wie sollte er ohne Messer ein Kaninchen ausnehmen? In der Eile hatte der 12-jährige Junge nicht daran gedacht, Werkzeuge oder Waffen mitzunehmen. Statt dessen hatte er Bücher und die Laute des Vaters gerettet. Gut gemacht, stöhnte Kvothe innerlich, an Langeweile sterbe ich nun nicht, dafür werde ich irgendwann verhungern oder einem wilden Tier zum Opfer fallen. Resigniert spielte er eine altbekannte fröhliche Melodie auf der Laute, die ihm aber heute keinen Trost zu spenden vermochte. Sein Leben war freudlos und ohne Aussicht auf Besserung.

Als ihn in dieser Nacht wieder der Mann mit dem Messer im Traum heimsuchte, änderte Kvothe seine gewohnte Reaktion und blieb wie angewurzelt stehen, als der Mann mit dem Messer auf ihn zulief. Als dieser nun immer näher kam, erkannte der Junge, dass der Mann ihm gar nichts Böses wollte. Sein Gesichtsausdruck war freundlich, aber strahlte auch eine gewisse Dringlichkeit aus. Kvothes Blick fiel auf das Messer. Hatte er von weitem gedacht, der Mann erhob es, um zuzustechen, stellte sich nun heraus, dass er die Klinge nach unten hielt, um Kvothe das Messer zu überreichen. Als Kvothe es in seine Hände nahm, durchströmte ihn eine Lebensenergie, so wie er sie seit Wochen nicht mehr verspürt hatte. Überrascht wollte Kvothe sich bedanken, doch der Mann winkte ab, beugte sich zu dem Ohr des Jungen herab und flüsterte eindringlich: „Finde den Hund, dann findest du das Messer!‟

Kvothe war hellwach, saß kerzengerade in seinem improvisierten Zelt. Der Blick auf die Hände zeigte: Ja, es war nur ein Traum gewesen. Und doch spürte er, dass er einen Auftrag erhalten hatte: Ich muss mich auf die Suche nach dem Hund machen! Dieser wird mich auch zu dem Messer führen, das mein Leben verändern wird. Und so packte Kvothe seine Siebensachen und machte sich auf den Weg.

 

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17 Antworten zu Blogparade: Impro-Geschichten

  1. bullion schreibt:

    Vielen Dank für die Nominierung! Allerdings werde ich wohl passen müssen, da mein November extrem voll ist. Sollte sich noch eine Lücke ergeben, gerne. Vielleicht reiche ich auch eine Geschichte nach. Nicht böse sein, aber der Endjahresspurt hält mich fest im Griff…

    • singendelehrerin schreibt:

      Verstehe ich! Ich merke schon, dass du etwas gestresst bist… Wobei das eh eine spontane, KURZE Geschichte sein soll. Ich hab die, wie gesagt, tatsächlich in 15-20 Minuten geschrieben. Erstaunlich eigentlich: für manch Review brauche ich deutlich länger!

      Du darfst aber auch gerne die Geschichte IRGENDwann nachreichen! 🙂

      • bullion schreibt:

        Ich bin da leider ein wenig perfektionistisch veranlagt und würde mich nur mit einer Geschichte trauen, die ich auch selbst ganz toll finde. Wird schon wieder entspannter und wenn ich bei etwas keine Sorge habe, dann dass dir mal keine Blogparaden mehr einfallen (auch wenn du hier „nur“ weiterreichst). 🙂

        • singendelehrerin schreibt:

          Moooment, das soll ja gar keine komplett durchgefeilte Geschichte werden, laut Isabelle! 😛 Toll, jetzt fühl ich mich mit meiner schnell runter geschriebenen Geschichte gleich etwas „inadequate“… :-/

          Egal, pimalrquadrat wird sich zumindest drüber freuen! 😉

  2. Isabelle Dupuis schreibt:

    Juhu! Danke fürs Mitmachen 🙂 Mir hat deine Geschichte super gefallen und jetzt habe ich Lust „The Name of the Wind“ zu lesen 😀

    Hier meine kleine Impro-Geschichte zu deinen drei Begriffen 🙂 https://hamburgischedramaturgie2punkt0.wordpress.com/2016/11/15/84-stueck-blogparade-impro-geschichten-folge-2/

    • singendelehrerin schreibt:

      Na, wenn dir schon meine kleine an „The Name of the Wind“ angelehnte Geschichte gefallen hat, dann bin ich mir sicher, dass dir auch „das Original“ gefallen wird! 🙂

      Danke nochmal für die Nominierung! 🙂

  3. Zeilenende schreibt:

    Oh … Eine Geschichte, eine Geschichte. Damit wird meine Liste „brennender“ Blogbeiträge länger. Die Herausforderung nehme ich an. Ich hoffe nur, du bleibst meinen Träumen fern, oder lässt zumindest das Messer weg. 🙂

  4. Filmschrott schreibt:

    Da bin ich natürlich dabei. Aber hast du was dagegen, wenn ich mit meinem anderen Blog mitmache? Da passt das besser hin.

  5. pimalrquadrat schreibt:

    Hey, Danke für die Nomminierung! 😀
    Ich muss mal schauen, wie ich das organisiert bekomme, von wegen Buchdate, Serientoten und der Prüfungsphase, aber ich würde sehr gerne mitmachen! 🙂

    Beim Lesen musste ich ziemlich schmunzeln, weil ich ja schon weiß, wie es weitergeht. 🙂
    Aber Rothfuss scheint dich ja richtig gefesselt zu haben, was? Unter uns, so ergeht es bisher allen, denen ich den empfohlen hab und die mit dem Lesen begonnen haben. 😉
    Du verstehst jetzt sicherlich auch, warum ich so viel für ihn übrig hab. 😀

    • singendelehrerin schreibt:

      Aber gerne doch! 🙂 Falls du es nicht in zwei Wochen schaffst, darfst du die Geschichte auch gerne nachliefern. Obwohl ich ja nochmal darauf hinweisen möchte, dass es von der Initiatorin so gedacht ist, dass man möglichst unmittelbar und ohne viel darüber nachzudenken, die Geschichte schreibt. Heißt ja Impro-Geschichte – beim Impro-Theater ziehen sich die Schauspieler auch nicht erstmal zwei Monate zurück um zu proben… 😉

      Und ja, Rothfuss gefällt mir sehr! Fällt mir zunehmend schwerer, abends das Buch zuzuklappen und das Licht auszumachen… 🙂 Wird bestimmt nicht das letzte Buch sein, das ich von ihm lese! 😉 Und das habe ich im Grunde genommen nur dir zu verdanken – und dem jungen Mann im Powell’s City of Books (Portland), der mir gesagt hat, als er mich mit dem Buch in der Hand am Regal stehen sah, dass das Buch richtig, richtig gut ist! 😉

      • pimalrquadrat schreibt:

        Mal sehen, ich möchte aber auch ungern zwischen Tür und Angel schreiben. Gerade beim Schreiben von Geschichten brauch ich etwas Luft und Raum. 🙂
        Auch bei Impro, da geht es nicht ums Planen, sondern darum, dass der Schreibprozess nicht gestört wird.

        Haha, das freut mich sehr! 🙂
        Ich empfehle ihn ja nun wirklich sehr überschwänglich, manchmal frag ich mich auch, ob ich nicht damit übertreibe, aber dank denk ich daran, wie toll ich seine Bücher fand und finde, und dann muss ich einfach schwärmen und empfehlen. 😳

        Und wer weiß, am Ende liest du auch noch seinen Blog und schaust im beim twitchen zu, so wie ich? XD
        Ich find ihn als Autor so toll, und auch menschlich wirkt er echt sympathisch.
        Du warst im Powell’s? Beneidenswert, so viele Bücher! ❤
        Und der junge Mann hat einen hervorragenden Geschmack. 😀

  6. Zeilenende schreibt:

    Weit weg [Eine Geschichte] – http://wp.me/pPQYt-81j
    Tada 🙂

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