Doctor Strange 3D (Scott Derrickson, USA 2016) – Kurzkritik

Quelle: screenrant.com

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FYI: Kurzkritik bedeutet bei mir, dass es keine Inhaltsangabe und – in der Regel – auch keine Spoiler gibt.

Wann war ein Film gut? Bei mir kann das z. B. sein, wenn ich nach einem Film noch so ergriffen bin, dass ich gar nicht drüber reden kann oder will. Oder aber, wie heute erlebt, dass ich danach mit einem Lächeln auf den Lippen leichten Fußes zum Auto laufe und im Auto dann lauthals „Ship to Wreck‟ von Florence + the Machine mitgrölesinge.

Ja, mir hat Doctor Strange mit Benedict Cumberbatch richtig Spaß gemacht, auch wenn die Bösen – MAL WIEDER!!! – nicht weniger als die Vernichtung der Welt, so wie wir sie kennen, im Sinn haben. Come on – muss es IMMER um die Apokalypse gehen? Na gut, ich als Buffy-Jüngerin sollte das eigentlich gewohnt sein, wie oft hat sie den Weltuntergang verhindert…? Trotzdem nervt es mich. Überhaupt ist der Bösewicht Kaecilius (Mads Mikkelsen) wieder etwas blass gezeichnet (und damit mal wieder ein riesiges Talent leicht verschenkt), weil man ihm keine gute Backstory gibt. Aber daran krankt ja wirklich die ganze Comic-Filmbranche (inkl. Star Trek-Reboot) – warum hat da nie mal jemand den Anspruch, das besser zu machen? Ist ja nicht so, als ob das nie irgendwo kritisiert würde…

Doch schrieb ich ja oben, dass ich beschwingt aus dem Kino ging, und das lag zu allererst daran, dass mir Benedict Cumberbatch richtig gut in der Rolle des MisterMasterDoctor Strange gefiel. Er sieht nicht nur cool in den Samurai-Klamotten (und mit Bart 😮 ) aus ❤ , sondern nahm mich auch durch seinen Humor für sich ein. Überhaupt gab es ein paar herrlich-witzige, überraschende Einfälle, die mich zum Teil noch länger leise kichern ließen. Cumberbatch und Rachel McAdams, die Christine Palmer, eine Art Love Interest für Arme Dr. Strange (sehr wenig Screentime), spielt, hatten eine ganz gute Chemie – schade, dass da nicht ein bisschen mehr daraus gemacht worden ist.

Tilda Swinton als den bzw. die Ancient One zu besetzen, hat ja schon im Vorfeld zu Vorwürfen von „white-washing‟ geführt. Manch einer sah sich offenbar in die Zeit Bruce Lees zurück versetzt, als David Carradine die Hauptrolle in der Serie Kung Fu übernahm. Ich will das jetzt nicht in aller Ausführlichkeit diskutieren (siehe „Kurzkritik‟), nur so viel: Ich bin dafür, dass fiktive Vorlagen, und da gerade Comics, von den Filmemachern ADAPTIERT werden dürfen (und das betrifft auch die Besetzung), ohne dass man ihnen sofort vorwirft, Rassisten zu sein. Außerdem hatte der Regisseur offenbar triftige Gründe (keine Klischee-Chinesen!) für seine Entscheidung. Ich fand Swinton – wie immer – prima! Auch der Rest der Besetzung, u.a. Chiwetel Ejiofor als Mordo und Benedict Wong als Wong ;), war überzeugend.

Die Special Effects sind breathtaking! Ich möchte hier Hemator zitieren, der das super ausgedrückt hat:

Man kann sich regelrecht vorstellen, wie Derrickson seinen Effekt-Spezialisten erklärt: „Eigentlich war ‚Inception‘ doch ziemlich konservativ, da geht noch was.“

Klar, der Film wurde sicher zu 80% und mehr vor Green Screen gedreht, aber die CGI-Spezialisten schaffen es, dass einem das ein oder andere Mal der Mund offen stehen bleibt. Toll!

Michael Giacchinos Score klang irgendwie recht vertraut – ich konnte beim Abspann dann schon regelrecht mitsummen. Vielleicht in diesem Fall ein gutes Zeichen, ich fand die Musik einfach sehr stimmig.

Ein überaus unterhaltsamer Film aus der Marvel-Reihe, der zwar nicht ohne dramaturgische Schwächen ist, dessen hervorragende Besetzung, spritzigen Dialoge und visuellen Effekte mich aber für knapp zwei Stunden so aus dem Alltag entführt hat, wie ich mir das von Kino wünsche. Und dann musste ich außerdem noch an einer Stelle, in der Doctor Strange die Tränen das Gesicht runterliefen, daran denken, dass ich das schon mit Benedict Cumberbatch erlebt habe. In echt. Mit echten Tränen. Ein bis zwei Meter vor mir. Er schaut mir in die Augen, sagt „Thank you‟ und verbeugt sich. I’m a lucky fangirlwoman! ❤ 🙂

Kleiner Tipp (auch wenn ihr ja alle Profis seid, was das anbelangt 😉 ) zum Schluss: Nicht nur bis zur Mid-Credits-Scene sitzenbleiben! Wobei die Mid-Credits-Scene für mich persönlich SEHR VIEL Gutes verheißt!!! *nervösmitdenfingerntrommel* 😀

8 von 10 Punkten

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15 Antworten zu Doctor Strange 3D (Scott Derrickson, USA 2016) – Kurzkritik

  1. Zeilenende schreibt:

    Mhm … Okay, ich muss also doch mal wieder ins Kino. Das letzte Mal ist schon wieder 3 Monate her. *gg*
    Was die mies geskripteten Schurken und deren Inflation angeht: Ich habe so das Gefühl, die wirkliche Welt färbt ab. Die Polaritäten bei uns gerade in der Politik nehmen zu. Der jeweilige Gegner ist nicht mehr Gegner, er wird zum Feind. Und mit einem Feind muss man sich nicht auseinander setzen, man diskutiert nicht mit ihm, man analysiert ihn nicht, man bekämpft ihn bloß. Als Motivation dafür genügt sein gut ersichtliches Böse-sein. Man schaue sich an, wie das Trump- und das Clinton-Lager sich gegenseitig wahrnehmen, wie die Erklärung für Erdogans Verhalten bei „Er will halt ein neues Osmanisches Reich“ stehen bleiben und Putin-Deutungen sich auf „ein starkes Russland“ beschränken.
    Stell dir nun mit diesen beschränkten Analysen einen Film mit Clinton, Trump, Erdogan und Putin als „Fürchterliche Vier“ vor, die Antagonisten-Truppe, und voila, man weiß, woher die Drehbuchschreiber ihre mangelnde Kreativität nehmen.

  2. mwj schreibt:

    Du siehst den Film ähnlich wie ich, SL, vergibst aber wie gewöhnlich mehr Punkte 😉
    http://www.kino.vieraugen.com/kino/doctor-strange/

  3. Amerdale schreibt:

    Die Mid-Credits-Scene hat mich auch sehr erfreut (und der alberne Gag mit dem Bierkrug zum laut Lachen gebracht :D) und in nervöse Erwartung versetzt.

  4. Manu/FrauWeibsvolk schreibt:

    Oh ja… die Mid-Credits-Scene.. bin auch in freudiger Erwartung… 😉
    Mir hat der Film ähnlich gut gefallen. Allerdings hat er mich zu oft an Superman erinnert, als der Mantel ins Spiel kam, und ich mag Superman nicht. Aber hey… es ist Cumberbatch, der wirklich ganz großartig aussieht.

    LG

    • singendelehrerin schreibt:

      Hm, ich fand den Mantel schon sehr anders als den Mantel von Superman, von daher hatte ich nicht die Assoziation. Ich mag Superman nur in der Inkarnation der Serie „Lois & Clark“. Hach ja, die Serie hab ich damals geliebt, aber auch da mochte ich Superman als Clark Kent immer lieber als als Superman. Dean Cain sah einfach mit Brille besser aus.

      An alle Filmemacher: Männer mit Brille sind sexy – lasst sie doch nicht nur Brille tragen, wenn sie Geeks sein sollen. Das gilt im Übrigen auch für Frauen. So, mal wieder eine Lanze für die Brille gebrochen! 😀

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