Wyndham’s Theatre: No Man’s Land (1.10.2016) – Review und Fangirl-Moment

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Als ich hörte, dass Sir Patrick Stewart – mein Lieblings-ST-Captain – und Sir Ian McKellen – Gandalf! – zusammen im West End Theater spielen würden, war es mir völlig einerlei, was für ein Stück das sein würde. Schließlich hatten mich beide schon gemeinsam in der X-Men-Reihe mit ihrer Chemie überzeugt, die beiden einmal LIVE zusammen auf der Bühne zu erleben war ein Traum, der nun wahr geworden ist.

Das Stück No Man’s Land von Harold Pinter hatten sie vorher schon am Broadway, abwechselnd (= in repertoire/repertory) mit Samuel Becketts Waiting for Godot, gespielt – nun kehrten sie nach London zurück und präsentieren Pinters Stück noch bis zum 17. Dezember in Wyndham’s Theatre.

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Review:

Für eine kurze Zusammenfassung des Stücks kopiere ich ausnahmsweise von der offiziellen Website (und füge selbst die Namen der Schauspieler hinzu):

One summer’s evening, two ageing writers, Hirst (Stewart) and Spooner (McKellen), meet in a Hampstead pub and continue their drinking into the night at Hirst’s stately house nearby. As the pair become increasingly inebriated, and their stories increasingly unbelievable, the lively conversation soon turns into a revealing power game, further complicated by the return home of two sinister younger men, Foster (Damien Molony) and Briggs (Owen Teale).

Das Interessante an diesem Stück war für mich, wie sich die Rollen der beiden Hauptcharaktere ständig veränderten. In der ersten Szene redet Spooner quasi ununterbrochen und ist der aktivere Part, während Hirsts Reaktionen sich weitgehend auf (sehr aussagekräftige!) Mimik beschränken – er scheint irgendwie resigniert, gleichgültig. Beide bechern dabei ordentlich – bis Hirst zusammenbricht und den Raum auf allen vieren verlässt. Die beiden spielen das in einer Weise, die gleichzeitig zum Lachen verführt, aber auch Mitleid, insbesondere zunächst mit Hirst, erzeugt.

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Die folgende Szene, die Spooner nun allein mit den eingetroffenen „Bediensteten‟ Foster und Briggs verbringt, ist ziemlich schräg, vor allem Fosters Frage an Spooner „What are you drinking?‟, die er stellt, noch bevor er danach fragt, wer Spooner ist, und die er des öfteren wiederholt, gibt der Szene einen absurden Charakter. Molony spielt das herrlich großkotzig und selbstverliebt, dabei aber mit einem Akzent, der meines Erachtens eher für eine Herkunft aus der lower class spricht (ich muss mal eine Fortbildung zum Thema „britische Akzente‟ machen). Teale gibt Briggs einen eher grobschlächtigen Touch, nicht nur durch seine Kleidung und Sprache, sondern auch durch sein ganzes Auftreten. Er wirkt wie eine Art Bodyguard von Hirst. Gleichzeitig sind sich Foster und Briggs aber auch sehr nahe – da könnte durchaus auch etwas „laufen‟ zwischen den beiden. Spooner jedenfalls kann sich deutlich weniger zu Gehör bringen als zuvor und scheint etwas irritiert.

Als Hirst zurückkehrt (nach einem Nickerchen) ist er zwar gesprächiger, aber scheint doch etwas wirr zu sein, erinnert sich nicht so recht daran, wer Spooner ist. Dafür erzählt er von seinem Traum, in dem er jemanden Ertrinken sieht… Spätestens hier wird offenbar, dass hier sowohl vielleicht eine Form von Demenz als auch Todesfurcht im Spiel ist – was allerdings für mich besonders viel Sinn macht mit diesen beiden Schauspielern (Stewart ist 76, McKellen 77 Jahre alt), im Stück allerdings werden die beiden Figuren als Männer in den Sechzigern beschrieben. Ich fand es stellenweise fast erschreckend, wie alt und schon fast gebrechlich besonders Stewart in dieser Szene wirkte.

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Das änderte sich aber dann wieder im 2. Akt (nach der Pause): Ausgeruht nach der Nacht wirkt nun Hirst sehr vital und schon fast geschwätzig, während Spooner nicht ganz versteht, warum Foster ihn in der Nacht im Wohnzimmer eingeschlossen hat. Die Rollen scheinen ziemlich vertauscht, Hirst hat nun zunächst Oberwasser, erinnert sich nun auch an Ereignisse in der Vergangenheit – und konfrontiert Spooner nun auch mit einigen unangenehmeren Erinnerungen. Während Foster und Biggs irgendwie immer unsympathischer werden und man den Eindruck bekommt, dass sie nicht gut für Hirst sind, versucht Spooner schon fast verzweifelt, einen Platz an Hirsts Seite als einziger „true friend‟ zu ergattern. Einsamkeit scheint Spooners Problem zu sein, auch wenn er immer wieder betont hat, wen er alles kennt. Er sucht die Nähe Hirsts, auch weil – wie sich inzwischen herausgestellt hat – beide poets sind oder waren. Und während Spooner – ich klaue hier begrifflich etwas von einem Review im Guardian, dem ich weitgehend zustimme – zu Beginn eher wie jemand wirkte, der sich an Hirst bereichern wollte, eher wie ein Parasit, hat es am Ende des Stückes eher den Anschein, dass er vielleicht Hirst vor Briggs und Foster retten könnte, dass er wirklich der einzig wahre Freund von Hirst ist oder werden kann. Wenn da nur die Sterblichkeit nicht wäre…

Die beiden Altmeister des Schauspiels verstehen es, mit ihrer Mimik, ihrer Körpersprache und Sprache, alle Nuancen dieser sich wandelnden Charaktere darzustellen und dabei völlig in den Figuren aufzugehen. Obwohl ich mich in der ersten Szene angesichts Stewarts Gebrechlichkeit (ich finde das englische Wort frailty irgendwie schöner bzw. treffender) etwas an die Episode „The Inner Light‟ von Star Trek: The Next Generation erinnert fühlte, gab es aber ansonsten keinerlei Momente, in denen ich in ihrem Spiel Anklänge an irgendeinen der ikonischen Charaktere, die die beiden Sirs gespielt haben, gefunden hätte. Sie können’s halt! 🙂

Damien Molony hat mir als Foster ausnehmend gut gefallen, auch er ließ mich nicht an den Vampir Hal aus Being Human denken, da er völlig anders sprach und sich bewegte. Selbstverliebt, mit einer leicht sadistischen Ader, handsome but nasty, diesen Gegensatz hat er schön verkörpert. Ich finde es wirklich toll, was für Rollen Damien in den kurzen fünf Jahren seit Beendigung seines Schauspielstudiums an Land ziehen konnte – und das liegt bestimmt nicht nur an seinem Aussehen!

But please, Damien, lose the sideburns after the play! 😉

Owen Teale sollte Game of Thrones-Jüngern wohl bekannt sein: Er spielt dort Alliser Thorne. In dem Stück kommt er schon durch diesen fiesen Schnurrbart samt Koteletten höchst unsympathisch rüber – passt auch sehr gut zu der Figur des Briggs. Er hat aber irgendwie trotzdem die unauffälligste Rolle, weswegen ich jetzt nicht so voller Lobeshymnen bin.

Noch ein kurzes Wort zur Bühne: Ich mag es ja, dass viele britische Regisseure Wert auf eine schön gestaltete Bühne legen. Ja, manchmal gefällt mir auch so ein minimalistischer Stil wie bei A View from the Bridge, aber ich gebe zu, eine liebevoll mit Requisiten ausgestattete Bühne finde ich schon reizvoll.

Insgesamt liefert No Man’s Land eine Inszenierung mit solch rundum überzeugenden schauspielerischen Leistungen und genügend Witz in den Dialogen, dass es keine besonderen Gimmicks oder spektakuläre inszenatorischen Einfälle braucht. Ich habe heute gesehen, dass es lauf offizieller Website auch eine Live-Übertragung am 15. Dezember geben soll. Sollte also ein Kino in eurer Nähe dieses Stück übertragen – ich kann es wärmstens empfehlen!

Fangirl-Momente:

Ich habe ja schon atemlos direkt aus London berichtet, dass ich am Rande der Theateraufführungen noch eine Begegnung mit einem Schauspieler hatte, die mir ordentlich das Herz klopfen ließ: Michael Keaton saß im Publikum! Meinem Bericht davon lässt sich vielleicht noch hinzufügen: Herr Keaton sieht – up close and personal – verdammt gut aus mit seiner schwarzen Brille! Wow! Besser als auf jedem Foto! ❤

Doch nach dem Stück war Michael Keaton erstmal vergessen – die Chinesin, die neben mir saß, und ich liefen schnell zur Stage Door und ergatterten noch einen Platz in der ersten Reihe, ganz am Rande der Absperrung. Super! 🙂 Nun wurden wir erstmal durch einen Mitarbeiter des Theaters darüber informiert, dass es an keinem Abend eine Garantie gäbe, dass die Schauspieler rauskommen und Autogramme geben. Sollten sie aber kommen, dürften nur Artikel signiert werden, die mit der Aufführung zu tun hätten (also Programmhefte, Playtext oder die Eintrittskarte). Außerdem dürften wir soviel fotografieren, wie wir wollten, aber die Schauspieler würden nicht für Selfies posieren. Da waren sicher einige enttäuscht – und ich froh, dass ich ja schon ein Foto mit Patrick Stewart besitze. 🙂

Als erster kam also Damien Molony heraus. Er arbeitete sich langsam zu mir durch, meine Versuche, ein gutes Foto zu schießen, scheiterten kläglich…

Als ich ihm mein Programmheft zum Signieren reichte, sagte ich ihm, dass ich ihn auch in The Hard Problem und, natürlich, in Being Human toll fand. Er schien sichtlich erfreut, dass ich ihn auf diese anderen Performances ansprach und bedankte sich dafür.

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Als er vorbei war, merkte ich, dass vorne schon – ganz unauffällig mit Mütze – Patrick Stewart fleißig Autogramme schrieb.

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Plötzlich lief allerdings Ian McKellen an uns vorbei, und ich dachte schon, er wollte sich vom Acker machen, aber nein, er fing nur von der anderen Seite an, und so gelangte er eher zu mir als Patrick. Toll, das einzige, das ich bei ihm rauskriegte, war „Great job!‟ Das klingt ja für so eine Schauspielgröße schon fast nach einer Beleidigung… :-/ Er hat sich aber trotzdem dafür bedankt.

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Dann war es soweit und Patrick Stewart stand vor mir. Da war ich schon ein bisschen kreativer (ähm, naja) und habe rausgestammelt: „It was such a joy to see you on stage!‟, was er sinngemäß mit „Thanks for coming and paying your respects‟ beantwortet hat.

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Ich gebe zu, als dann noch Owen Teale vorbei kam, war mir das vergleichsweise unwichtig. Deswegen hat er auch keine persönliche Worte von mir bekommen. Dazu hatte ich einfach keinerlei Idee, da ich ja GoT nicht mehr schaue – und ich konnte mich an keine andere Serie, keinen anderen Film erinnern, in dem ich ihn vielleicht gesehen haben könnte.

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Tja, damit war dieser unvergessliche Abend vorbei – und ich fuhr mit einem Lächeln im Gesicht in der vollen U-Bahn ins Hotel. Immer wieder mal lachte ich leise auf, da ich gar nicht so recht fassen konnte, wen ich da gerade alles gesehen – und gesprochen! – hatte.

A Night to Remember! 🙂

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5 Antworten zu Wyndham’s Theatre: No Man’s Land (1.10.2016) – Review und Fangirl-Moment

  1. bullion schreibt:

    „A Night to Remember!“

    Wahrlich, ganz groß 🙂

  2. Juli schreibt:

    Ok, ich bin ja doch ziemlich neidisch gerade, dass du Ian McKellen und Patrick Stewart getroffen hast 😀

  3. Miss Booleana schreibt:

    Mensch, auf das Stück und das Erlebnis hätte ich auch Lust gehabt. 🙂 Die Instagram- und Twitter-Profile von Stewart und McKellen sind auch super – vor Allem wenn der eine auf den Fotos des anderen mit drauf ist. Habe mal welche bei Instagram gesehen, bei dem sie scheinbar zusammen auf einem Jahrmarkt waren. Toll. Wie sich so ein paar Größen finden.

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